Tempeltour Japan

Japan-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober 2010  |  von Adi Meyerhofer

Nara: Kasuga-jinsha

Shinto: die "einheimische" Religion

In japanischen Schreinen (jinsha) werden, im Gegensatz zu den buddhistischen Tempeln, die "Kami" (Gottheiten, besser "das Göttliche") des nativ japanischen Shinto verehrt. Über 1200 Jahre seit der Einführung kam es zum Synkretismus zwischen beiden Glauben. Erst zur frühen Meiji-Zeit, die die Vorherrschaft der buddhistischen Geistlichkeit (die auch als Behörde auf lokaler Ebene fungiert hatte), durch die Buddhistenverfolgung 1869-73 brach (und zahlreiche Tempel säkularisierte, was dem Staatshaushalt der neu enstehenden bankrotten Zentralmacht nicht schadete) kam es zur Schaffung des Staats-Shinto, dessen "Traditionen" vielfach erst durch die Interpretation von Gelehrten im 19. Jahrhundert geschaffen wurden. Zwar hatte es bei Hofe immer ein "Götteramt" gegeben, der einzige wirklich rein shintoistische Schrein dürfte der von Ise sein (in dem der Spiegel der Amaterasu, eines der drei Reichskleinodien - tatsächlich einer von mehreren im Laufe der Jahrhunderte geschaffener Neuguß - aufbewahrt wird.) Mit der von den amerikanischen Besatzern erzwungenen Entsagung der Göttlichkeit der himmlischen Majestät, wurde auch jeglich staatliche Unterstützung von Schreinen und der Geistlichkeit untersagt.

Sehr ausführlich erklärt wird das alles von Bernd Scheid und seinen studenten an der Uni Wien auf Religion in Japan.

Ein von einem Kami bewohnter Stein,
abgegrenzt durch Seil und Mitegura.

Ein von einem Kami bewohnter Stein,
abgegrenzt durch Seil und Mitegura.

Kasuga-Schrein

Der Kasuga-Schrein ("Schrein der 10000 Laternen") ist mit der Gründung von Nara als Reichshauptstadt im Jahr 710 eng verbunden. Der Hofadelige Fujiwara no Fubito errichtete aus diesem Anlaß einen Schrein auf seinem Anwesen, in dem er die Götter des Kashima-Schreins und des Katori-Schreins (Takemikazuchi-no-mikoto, Futsunushi-no-mikoto, beide in der Kanto-Region östlich des heutigen Tokio) als seine Ahnen verehrte. Erst 763 kamen die beiden anderen Gottheiten (Amenokoyane-no-mikoto und Hime-no-kami) dazu, die zusammen die vier Hausgötter der Fujiwara bilden. Die charakteristische Viererform des Hauptgebäudes soll aus dieser Zeit stammen. Die Blütezeit des Schreins fällt in die spätere Heian-Zeit, als die Fujiwara als erbliche Regenten des Tenno die faktische Macht bei Hof inne hatten.

Die meisten Nebengebäude des Kasuga-Schreins sind mit unzähligen metallenen Laternen versehen, während die noch zahlreicheren Steinlaternen entlang der Wege zum Schrein aufgestellt sind. Diese Laternen des Kasuga-Schreins sind Spenden von Gläubigen, die sich über die Jahrhunderte angesammelt haben. Nur zweimal im Jahr, zum Fest der Tag- und Nachtgleiche (setsubun) im Frühling und zur Zeit des Bon-Festes im August, werden alle Laternen angezündet."

Kleiner Nebenschrein im Kasuga-jinsha.

Kleiner Nebenschrein im Kasuga-jinsha.

Zwei der zahlreichen Steinlaternen auf dem Weg zum Schrein. Die Öffnungen sind mit papier beklebt, die den Namen des "Sponsors" tragen, der für das nächste Anzünden gespendet hat.

Zwei der zahlreichen Steinlaternen auf dem Weg zum Schrein. Die Öffnungen sind mit papier beklebt, die den Namen des "Sponsors" tragen, der für das nächste Anzünden gespendet hat.

Laternen an der Außenwand des Hauptgebäudes, das ziemlich kräftig Eintritt kostet.

Laternen an der Außenwand des Hauptgebäudes, das ziemlich kräftig Eintritt kostet.

© Adi Meyerhofer, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Zentraljapan (Kansai-Region), mit Schwerpunkt Tempel und Geschichte in Nara und Kioto. Mit Abstechern nach Kobe, Arima-Onsen (Kurort mit heißen Quellen), An- und Abreise von Tokio. [Leider unterstützt der Server des Betreibers kein UTF-8, die korrekte Darstellung des langen japanischen Vokals ist daher leider nicht möglich!]
Details:
Aufbruch: 10.10.2010
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 24.10.2010
Reiseziele: Japan
Der Autor
 
Adi Meyerhofer berichtet seit 5 Jahren auf umdiewelt.