Big in Japan

Reisezeit: April 2017  |  von Markus Bähr

Konitschiwa...oder so ähnlich. Morgen geht es los nach Japan, dem Wollte-ich-schon-immer-hin-Fernwehziel meiner Frau. Neben unserem Hauptziel Tokio wollen wir auch 3 Tage in Kyoto verbringen und 2 Tagesausflüge nach Nikko und Kamakura unternehmen. Wir freuen uns auf Sushi, Mangas, Tempel, Cosplay, Shopping, und und und...

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OMG - ist das süüüüssssss

Ja, ich gebe es zu! Ich war schlicht und einfach zu fertig um gestern auch nur eine einzige beschissene Zeile zu schreiben. 12 Stunden Flug, die Fahrt per Express-Zug, Bahn und Metro haben uns irgendwie geschafft. Auch wenn es bereits mehr als genug zu schreiben gegeben hätte. Japaner hätten danach wahrscheinlich noch eine 12 Stunden-Schicht am Fließband einlegen können, aber ich bin nur ein German Looser und kein Japaner. Der Arbeitsfleiß der Japaner, nur eines der Dinge die in vielerlei Hinsicht soviel anders sind, als in Deutschland.

Aber von Anfang an:
Gestern Mittag gings los Richtung Flughafen, wie immer 5 Std zu früh, aber das ist ja bekanntlich besser als den Flieger zu verpassen - was nicht das erste mal wäre .
Davon abgesehen lief der Online-Ceck recht mies - Finnair verwies auf Japan Airlines und die wiederum zu Finnair. Am Ende klappte es auf keiner Seite, so dass bei Ira schon sämtliche Alarmglocken klingelten. Der Fenstersitzplatz war in echter Gefahr! Ein Flug mit Ira ohne Fensterplatz ist vergleichbar mit einem Montagmorgen im 25km langen Stau bei 30C im Schatten -nicht wirklich witzig und unter allen Umständen zu vermeiden. Ich verkniff mir am Flughafen also den Weg zur Toilette so dass wir kurz nach Öffnung am Schalter standen und unseren Fensterplatz bekamen. Halleluja!

Der Flug mit Japan Airlines war durch und durch angenehm, das Personal sehr aufmerksam und freundlich, das Essen (für Fliegeressen) überdurchschnittlich und auch das Bordprogramm durchaus annehmbar. Es gab noch nicht einmal schreiende Kinder die uns die Zeit versüßten oder dicke Chinesen die in Dauerschleife den Rotz hochzogen. Fast schon ein wenig langweilig. Um 13:40 Japanischer Zeit landeten wir auf dem Narita-Airport. Dort erledigten wir die Passport-Kontrolle, bekamen superzügig unsere Koffer, hoben etwas Geld ab, tauschten unseren Japan-Rail-Pass, kauften uns ein Ticket für den Narita Express und fuhren direkt los. In die falsche Richtung. Fing ja schon mal gut an. Gott sei Dank wars nur ein kurzer Zwischenstop und direkt darauf gings in die richtige Richtung.

Der Narita Express verbindet den Narita Airport mit Tokio in weniger als einer Stunde. Da das Wetter mies war (es regnete Bindfäden) und ich gerade nix besseres zu tun hatte, beschloss ich die Zugtoiletten mal etwas genauer zu begutachten. Für alle wie mich, die einen empfindlichen Magen haben und des öffteren mal auf eine öffentliche Toilette angewiesen sind: Japan ist in dieser Hinsicht ein Paradies! Die Toilette war riesig und hätte Platz für 15 Personen geboten. Dazu picobello sauber, beheizte Klobrille und gefaltetes Toilettenpapier. Da kann man jetzt definitiv nicht meckern. Allerdings sollte man noch anmerken, das Klopapier hier eher als Seidenpapier bezeichnet werden sollte, dass beim kleinsten Windhauch in sich zusammenfällt. Aber gut, dass ist dann schon wieder meckern auf hohem Niveau.
Das Umsteigen und Ticket besorgen für die Metro hatte dann wider erwarten sehr gut geklappt und kurz vor 17:00 uhr standen wir vor unserem Hotel, dem APA Hotel Ningyocho. Der Check in war kurz - also wirklich sehr kurz - aber freundlich. Der Rezepitionist fragte uns höfflicherweise sogar, ob er unseren Pass kopieren dürfte. Hätte ja zu gerne mal nein gesagt . Danach noch eine kurze Erklärung der Hotel-Vorschriften und ab aufs Zimmer. Bääääm!! Aus versehen hatte ich ne Schuhschachtel gebucht - für knapp 100 Euro die Nacht. Bin ich günstig dran gekommen.
Das Zimmer ist eng - wirklich sehr, sehr eng. Also sehr, sehr, sehr eng. Japaner wissen wie man Platzsparend baut, da bleibt kein Zentimeter ungenutzt. In unserem Fall bedeuted dies ein 3-seitig eingebautes Bett (Ihr dürft mal raten wer außen liegen darf), ein minimalistisches Bad und gerade genug Flur um dort zwei Koffer abzustellen. Gewöhnungsbedürftig, aber typisch für Tokio. Koffer auspacken hatte sich somit komplett erledigt (es gibt keinen Schrank oder ähnliches) und so duschten wir nur kurz und machten eine erste Besichtigungstour unseres Viertels. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass beim duschen die Türe geschlossen bleiben soll, da ansonsten der Rauchmelder im Zimmer anspringt. Dumm nur, dass man bei der Wassertemperatur nur zwischen scheiße warm und kochend heiß wählen kann. Kalt kennt der Japaner wohl nicht. Da wir praktisch zu faul zu allem waren, gabś Sushi to go vom Geschäft um die Ecke, das wir später im Hotelzimmer auf dem Bett verdrückten. Um kurz nach 8 fielen uns beiden die Augen zu. Scheiß Jetlag.

Tag 2 - Shibuya
8:00 Uhr morgens - Blick aus dem Fenster. Es schifft! Super...! Somit fielen Park- und Tempelbesuche schon einmal aus. Aber Tokio hat ja noch mehr zu bieten, wie z.B. das Shopping-Viertel Shibuya. Und shoppen kann man schließlich auch bei schlechtem Wetter. Wir machten uns also schnell fertig (wer Ira kennt, weiß was schnell bedeutet) und gingen kurz Frühstücken in einem Cafe um die Ecke. Danach gings per Metro nach Shibuya. Die Station liegt ziemlich genau an der Shibuya Crossing- der bekanntesten und verrücktesten Kreuzung der Welt. Ein Highlight für jeden Touristen - dabei machen die Leute nichts anderes als über die Straße zu gehen. Trotzdem muss man die Menschenmassen einmal gesehen haben. Absolut Crazy.
Das Viertel ist von Beginn an eine einzige Reizüberflutung. Überall blinkt und leuchtet es, kreischen irgendwelche Boxen und Lautsprecher, wusselt es von Menschenmassen. Und ein Shopping-Tempel reiht sich an den nächsten. Einer der bekanntesten ist das Shibuya 109 - wobei es sich hier um einen reinen Damen-Laden handelt. Das männliche Pendant 109 Men steht in Sichtweite daneben. Die dort arbeitenden Verkäuferinnen sehen aus wie Ihre Schaufensterpuppen - süß und perfekt gestylt - sind aber deutlich lauter. Praktisch jede Verkäuferin quitschte uns mit einem freundlichen lächeln ins Gesicht. Auch wenn wir kein Wort verstanden, immer schön zurücklächeln. Neben diversen weiteren Shopping-Stops gingen wir auch noch in ein Game-Center, einer Art Daddelhöhle für Jung und Alt. Wir versuchten unser Glück beim Greifarmautomaten, Trommelten uns die Seele aus dem Leib und beobachteten Japaner beim virtuellen Pferdewetten. Danach gingen wir in einen Laden, in dem man sich Kostüme leihen und anziehen durfte, um mit diesen dann in speziellen Fotoboxen Bilder zu machen. Den Frauen werden dabei die Augen auf den Bildern vergrößert (wie bei Manga-Figuren), sie bekommen etwas Rouge und Lippgloss und die Haut bekommt einen elfenbeinfarbenen Touch- eben alles was Japaner so geil finden. Die Männer bekommen dies leider auch. Ich sehe auf jedem Bild aus wie ein metrosexueller Alien - aber Ira findet es voll süß. Überhaupt das häufigste Wort das ich heute gehört habe: Süüüßßßß! Und es stimmt schon irgendwie. Süß können die Japaner ziemlich gut.

Weiter gings in einen 100Yen Laden - in dem man alles (wirklich so gut wie alles) für 100Yen bekommt. Da musste Ira natürlich zuschlagen. Staubwedel im Löwenbabylook, Wackel-Dackel-Bärchen, süße Klebezettel, Schlüsselanhänger in Sushiform, usw. Dazwischen gab´ s noch super leckeren Crepes, einen Besuch im LoFT (unfassbar gut sortiertes Kaufhaus mit allen nötigen und unnötigen Dingen), ein 2. Mal Shibuya Crossing und die Hatschiko-Statue in unmittelbarer Nähe, deren Berührung Glück bringen soll. In erster Linie musste man aber Glück haben, ohne einen anderen Touri aufs Bild zu kommen.
Jetzt ist inzwischen halb eins - wir sind genauso fertig wie gestern - und meine Füße fühlen sich an, als wäre ich nen Marathon gelaufen. Egal - war ein geiler Tag - mit ganz viel süüüüßßßßen Eindrücken.

PS: Leider hatte ich heute alle Bilder im RAW-Format geschossen, was mein dämliches Tablet wohl nicht akzeptiert. Jedenfalls kann ich keines meiner Bilder hochladen. Somit gibts leider nur die paar Bilder von gestern. Ab morgen werde ich dann wieder gute allte JPEG´ s machen.

In the Streets of Ningyocho - Schööööönn!

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Sushi-Restaurant in Ningyochi - direkt bei uns um die Ecke

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Lecker - der Snack in Fischform (Taiyaki) ist gefüllt mit Bohnenpaste oder Süßkartoffel - in beiden Fällen aber sehr lecker

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Ja, wir haben tatsächlich noch Glück und erleben die Kirschblütensaison (Hanimani) voll mit

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Was hätten´ s den gern? In Sachen Plastic-Food sind die Japaner ganz weit vorne

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© Markus Bähr, 2017
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 07.04.2017
Dauer: 11 Tage
Heimkehr: 17.04.2017
Reiseziele: Japan
Der Autor
 
Markus Bähr berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.
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