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Japan-Reisebericht  |  Reisezeit: Januar - April 2019  |  von Gundula Henkel

Tokyo, unsere letzte Station: Sakura und Hanami in Tokyo

Dass die Kirschblütenzeit in Japan ein besondere ist, war uns bereits bekannt. Dass aber die Kirschblüten (sakura) und vor allem das Betrachten und Bestaunen der Blüten (hanami) knapp zwei Wochen lang die japanische Gesellschaft in einen „Ausnahmezustand“ versetzt, das hatten wir uns nicht träumen lassen. Denn immerhin gibt es die Kirschblüte jedes Jahr. Aber wie wir jedes Jahr gern Ostern zum Frühlingsanfang mit viel Sonnen und erstem Grün feiern, so steht hier die Kirschblütenzeit ebenfalls für den Aufbruch in die warme Zeit, für den Beginn der Blüte und ihrer Schönheit. Der Kirschbaum ist die offizielle Pflanze, zumindest in Tokyo. Mehr als die Hälfte aller Laubbäume im Land sind Kirschbäume. Und so sind Kirschbäume und deren Blüten auch überall in Tokyo zu finden. Jedes Wohngebiet, so scheint es, schmückt sich mit einigen Kirschbäumen. In unserem Bezirk gibt es eine richtige Allee von Kirschbäumen, deren Knospen bereits ganz prall waren, als wir in Tokyo ankamen. Aufgrund der warmen Temperaturen stehen die Kirschbäume nun fast überall im Stadtgebiet in schönster Pracht und verwandelt es in ein Blütenmeer von zartrosa bis Schneeweiß. Doch das richtige Bestaunen und Fotografieren findet in den sog. Kirschblütenhotspots statt. Am kleinen Meguro-Bach in unserem Stadtbezirk, entlang des Sumida River, dem Hauptstadtfluss oder im Ueno-Park, wo neben Weiden und Zypressen rund 800 Hundert Kirschbäume stehen. Der Ueno-Park liegt im Osten der Stadt und gehört zu den ältesten und bekanntesten Stadtparks der Stadt. Neben dem Zoo gibt es hier eine herrliche Seenlandschaft mit Lotus und Schilf sowie Weiden an den Ufern und eben vielen Kirschblüten. Und hier wird die Kirschblütenzeit regelrecht zelebriert mit vielen Imbissständen, Sekt- , Bier- und Sakeverkauf. Gern wird auch der traditionelle Kimono von den Frauen, jung wie alt, für das Betrachten und vor allen für das Ablichten vor den Kirschblüten gewählt.
Bereits in alter Vorzeit sollen die Menschen sich an den Kirschblüten erfreut haben bei Essen und Trinken. Diese Tradition, so wird uns erzählt, soll bis heute andauern. Sofern man es einrichten kann, wird in Familie, mit Freunden oder Kollegen ein Hanami Picknick zumeist auf blauen Plastikfolien organisiert. Für die besten „Plätze“ muss man sich lange anmelden. Himmel und Menschen sind unterwegs, um ja nicht die Zeit zu verpassen. Auch wir bekamen diesen Andrang zu spüren. Wir hatten uns auf Empfehlung von Flori für die Kirschblüten am Fuße des Fuji-Berges entschieden, doch mussten zunächst erfolglos abtreten, weil alle Busse ausgebucht waren. Es am Folgetag konnten wir losfahren.

Hanami am Meguro Bach

Hanami am Meguro Bach

Kirschblütenfestival in Meguro

Kirschblütenfestival in Meguro

Auf dem Weg zur Kirschblüte im Ueno-Park

Auf dem Weg zur Kirschblüte im Ueno-Park

Hanami-Picknick im Ueno-Park

Hanami-Picknick im Ueno-Park

Kirschblüte am Sumida-Fluss

Kirschblüte am Sumida-Fluss

Ausflug zur Chureito Pagode am Fuß des Fuji-Berges

Mit dem Expressbus geht es zunächst in Richtung Südwesten. Der Bus ist bis auf den letzten Platz gefüllt, die Sonne scheint und nach der ersten Mautstelle auf der Autobahn rollt dann auch der Verkehr. An der Stadt Fujiyoshida, die den Namen des höchsten und wichtigsten Berges im Land bereits im Namen trägt, halten wir an. Der Weg zur Pagode ist bestens auch in englischer Sprache ausgewiesen. Weithin ist der Berg Fuji zu sehen. Schneebedeckt und die Spitze des Berges immer wieder von Wolken verhüllt. Aber wir können ihn sehen. Denn viele Japan-Touristen beklagen, dass der Berg sich oft tagelang hinter Wolken und im Nebel versteckt. Aber wir sehen ihn bis zur Pagode und können ihn in voller Schönheit ablichten. Mit uns ist, jedenfalls dem Sprachengewirr zu urteilen, die „halbe Welt“ verrückt auf ein Foto mit dem Fuji-Berg im Hintergrund. Der in aller Welt bekannte Berg Fuji ist 3776 Meter hoch und erhebt sich wie aus dem Nichts auf dem flachen Land. Er ist ein Vulkan, wobei der letzte Ausbruch auf Anfang des 18. Jahrhunderts datiert wird. Einheimische wie Touristen pilgern zum Fuji, der, so heißt es, in den Sommermonaten gut zu besteigen ist. Seit 2013 gehört der Fuji Berg auch zum Weltkulturerbe.

Wir haben von der Chureito Pagode einen tollen Blick auf den Fuji Berg. Die Pagode leuchtet in strahlendem Rot wunderschön vor der weißen Kuppe des Fuji Berges. Sie ist jüngeren Datums und wurde auf Initiative des Bürgermeisters der Stadt Fujiyoshida in den 1950er Jahren zu Ehren der knapp 1000 Bürger der Stadt errichtet, die in den Kriegen nach der Meiji-Restauration 1868 ihr Leben für Japan ließen, einschließlich des Pazifik-Krieges während des 2. Weltkrieges. Sehr ambivalent! Die zahlreichen Kirschbäume um die Pagode herum lassen den Anblick, sofern die Blüten in voller Pracht stehen, erst richtig zur höchsten Vollendung bringen. Aber nun dürfen wir schon den Fuji-Berg sehen, die Blüten hatten wir am Vortag in Tokyo. Hier, gut 800 Meter über dem Meeresspiegel, brauchen die Knospen noch ein paar Tage zum Aufblühen.
Den Nachmittag verbringen wir dann in der Stadt Fujiyoshida, wobei uns schon das Auffinden eines Stadtzentrums recht schwerfiel. Während in Tokyo stets reges Geschäftstreiben herrscht, scheint hier das Leben fast stillzustehen. Wir sehen kaum Menschen auf den Straßen, mal kommt uns ein kleines Auto, in der Regel japanischer Produktion, entgegen. Einstöckig, maximal zweistöckig sind die Häuser und alles ist klein an ihnen: die Fenster, die Türen, die Vorgärten, obwohl hier Platz vorhanden ist, denn die Straßen und die Parkplätze sind breiter, viel breiter als in Tokyo. Ein ganz anderes Asien, als wir es bisher gesehen haben. Wir finden ein chinesisches Restaurant mit taiwanesischer Küche, so steht es zumindest an den Außenfenstern geschrieben. Im Gespräch erfahren wir dass die Wirtsleute aus Harbin kommen. Wie klein doch die Welt ist. Sie freuen sich, als sie hören, dass wir ihre Stadt kennen.

Aufstieg zur Chureito Pagode

Aufstieg zur Chureito Pagode

Die Chureito Pagode

Die Chureito Pagode

Shinto-Schreine im Stadtgebiet Fujiyoshida

Shinto-Schreine im Stadtgebiet Fujiyoshida

Im Stadtgebiet Fujiyoshida

Im Stadtgebiet Fujiyoshida

Typische Wohnsiedlung in der Stadt

Typische Wohnsiedlung in der Stadt

© Gundula Henkel, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Koffer sind gepackt. Ziemlich ungewöhnlich für uns. Eigentlich sind wir die Spätpacker kurz vorm Losmarschieren. Doch diese Reise ist anders als alle unsere Unternehmungen zuvor. Wir sind 71 Tage in 5 Ländern unterwegs, davon gut 30 Tage in Campern in Australien und Neuseeland. Absolutes Neuland für uns ! Daher die lange Vorbereitungszeit. Mit der Routenplanung begannen wir im letzten Sommer. Ein tolles Reisebüro, Kinder und Freunde standen mit viel gutem Rat zur Seite.
Details:
Aufbruch: 21.01.2019
Dauer: 10 Wochen
Heimkehr: 01.04.2019
Reiseziele: Singapur
Fidschi
Japan
Der Autor
 
Gundula Henkel berichtet seit 4 Monaten auf umdiewelt.
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