Vietnam von Nord nach Süd 2012

Vietnam-Reisebericht  |  Reisezeit: März / April 2012  |  von Gerd und Susanne Haring

DMZ - die demilitarisierte Zone Vietnams

Susi hat es ja schon angekuendigt uuuuuuuuuuund schon isser da - der naechste Bericht! Mein Gott sind wir fleissig - aber wieder mal bietet uns der Reisebericht die Moeglichkeit die Millionen von Eindruecken gleich mal auf- und zu verarbeiten - und es macht auch noch Spass

Vietnam ist - Killfester Stahlbohne aga John Rambo sei Dank - in der restlichen Welt ja leider durch den schrecklichen Vietnamkrieg bekannt. Heute ging es fuer mich alleine, auf eine Tagestour zu den wichtigsten Frontabschnitten dieses Krieges, los. Susi blieb in Hue und relaxte und erholte die mueden Knochen.

Meine Tour startete bereits um 06.00 Uhr morgens. Mit einem voll besetzten Minibus (jaaaaaaaa da passten mal wieder 16 Leute rein ) ging es in die Provinzhauptstadt Dong Ha (Provinz Quang Tri). Hier wurde seit 1954 eine sogenannte demilitarisierte Zone installiert und 20 km noerdlich davon lag der Frontabschnitt zwischen Nord- und Suedvietnam.

Das Gebiet durch das wir hier fuhren erinnert noch heute an die Oberflaeche eines Golfballs (die Amis haben dort in Summe 700.000.000 Tonnen Bomben abgeworfen) - ein Bombenkrater nach dem anderen. Ein absoluter Wahnsinn. Wir folgten von der Hauptstadt der N9 (welche von den Amis errichtet wurde) in Richtung laotische Grenze - also ins huegelige und dicht bewachsene Hinterland.

Erster Stop war der sogenannte ROCKPILE - der hoechste Berg in der gesamten Umgebung den die U.S. Marines als ihr Aussenposten-Headquater (das tatsaechliche war in Dong Ha) errichteten. Und weil man von dort oben so einen tollen Rundblick hatte, und weil der gemeine U.S. Soldat offensichtlich keinen Faible fuer die Farbe Gruen hat - haben sie das gesamte Umland fein saeuberlich mit Agent Orange (Entlaubungsgift) bearbeitet. Ein absoluter Wahnsinn. Die Menschen leiden noch heute schwer darunter. Viele Missbildungen, Lungen-, Leber- und Hautkrebs sind bis heute in der Bevoelkerung verbreitet weil das Gift jahrzehnte ueber die Nahrung aufgenommen wurde.

Der zweite Stop war dann am Beginn des allgemein bekannten Ho-Chi-Minh Pfades. Dieser war ein weit verzweigter und in Summe ueber 20.000 km ausgedehnter Jungel-Versorgungs-Pfad welchen die Nordtruppen nutzten um die Wiederstandskaempfer im Sueden mit Nahrung, Waffen und Medikamenten zu versorgen und so die Infiltration des kapitalistischen Feindes zu foerdern. Dieser Pfad bestand schon seit Jahrhunderten (fuehrt auch ueber Laos und Kambodscha) und hat soviele Verzweigungen und Irrwege, dass er die Bombardements der Amis immer wieder umgehen konnte.

Der dritte Stop war dann schon hart: Der Stuetzpunkt KHE SANH. Die Landschaft hier ist derart menschenfeindlich und fuer eine hochtechnisierte Kriegsfuehrung, wie die der Amerikaner, einfach nicht geschaffen - was der Kriegsausgang ja auch schlieszlich bewies.
Tiefe Taeler und Schluchten durchschneiden bis zu 500 Meter hohe Bergkaemme und alles ist dichtest vom Dschungel bewachsen. Selbst der liebe Verbuendete Agent Orange konnte daran nichts aendern. Die Amerikaner konnten dort ihre Hubschrauber und Transportflugzeuge nicht oder nur bedingt einsetzen - der Nachschub war schwierig bis unmoeglich - und die Versorgungsabwuerfe fielen immer zu mindest 50% in die Haende des Vietcong (Nordvietnamesen). Daneben sind die harten bedingungen im Dschungel grundsaetzlich schon Feind genug - Trinkwasserversorgung, Hygiene, Wildtiere und natuerlich das Klima (40 GRAD bruetende Hitze) machen einem "Marine" alleine schon das Leben zur Hoelle. Nun gut - trotzdem errichteten die "Marines" auf einem Bergkamp einen Stuetzpunkt inkl. Landepiste und erlebten dort die vermutlich erbittertste und blutigste Schlacht des gesamten Krieges. War auch heute noch sehr bedrueckend fuer mich dort oben. Die Kampfhandlungen sind mit Fotos gut dokumentiert - zahllose Ueberbleibsel wie Hubschrauber - Bunker und Patronen sind zu finden. Die Einheimischen sagen heute, dass jeder Quadratmeter dort oben mit Blut, Schweisz und Angst getraenkt ist. Im dort errichteten Museum befindet sich auch ein Gaestebuch - LEUTE.....dort reinzublicken...........da wurde mir schon anderst. Viele Vietnamveteranen die dies ueberlebt haben sind dort zurueckgekehrt und haben sich drin verewigt. Pfffffffffffffff

Zum vierten Stop ging es dann wieder quer durchs Land zur Kueste. Dort sind Tunnelanlagen von Vinh Moc zu besichtigen. Dieser Abschnitt wurde vehement durch Flugzeuge und Schiffe der Amerikaner bombadiert. Die zivilen Opfer gingen in die 100.000ende. Also begann jedes Dorf sich unterirdische Tunnelanlagen mit der Spitzhacke zu graben. Die legten wirkliche Staedte unter der Erde an (Bauzeit rund 20 Monate). Davon ist Vinh Moc noch original erhalten und man bekommt einen Eindruck. Ueber 3 Etagen verlief das Tunnelsystem dass somit bis zu 23 Meter tief in die Erde ragt. Es gab Kueche, Toilette, Meetingraeume, Hospitaeler, Luftschaechte und Brunnen. Von auszen waren die Zugaenge (heute sind sie neu gemauert und schoen sichtbar) mit Bambus abgedeckt und selbst von Helikoptern aus nicht zu sehen. Hier wurden die naechsten Offensiven geplant, Munition und Waffen gelagert und die Verwundeten versorgt. Ein unglaubliches Werk.

Der letzte Stop der Tour fuehrte uns noch an einen Veteranenfriedhof mit ueber 2000 unbenannten Graebern (Missing in Action) der Nordvietnamesen. Hier wurde ich schon sehr ruhig und war irgendwie dankbar, dass ich mir diesen Wahnsinn noch nicht mal geistig vorstellen konnte............und es auch nicht will.

Danach gings wieder 2 Std. mit dem Minibus zurueck nach Hue wo ich um 17.00 Uhr ankam. Wir waren jetzt noch essen und ich bin riiiiiiiiiiiiichtig platt nach diesem unfassbaren Tag. Deshalb muszte ich euch das auch gleich schreiben um den Verarbeitungsprozess in Gang zu setzen. Liebe Reisevorbereiter: Wenn ihr in Hue seid dann empfehle ich euch diese Tour wirklich - egal wie man zu diesem Kriegsgreuel auch immer stehen mag - man bleibt sicher nicht unberuehrt. So jetzt lass ich aber die Bilder sprechen...........bis zum naechsten Bericht.........

Jaja - der Minibus..........loooooooooos geht's um 06.00 Uhr frueh.....uffff

Jaja - der Minibus..........loooooooooos geht's um 06.00 Uhr frueh.....uffff

links und rechts das satte Gruen der Reisfelder......

links und rechts das satte Gruen der Reisfelder......

THE ROCKPILE - rundum waren Lager und Landepisten, Artillerieeinheiten und Hubschrauberlandeplaetze!

THE ROCKPILE - rundum waren Lager und Landepisten, Artillerieeinheiten und Hubschrauberlandeplaetze!

...weiter geht's ins huegelige Hinterland....

...weiter geht's ins huegelige Hinterland....

Hier begann der Ho-Chi-Minh Pfad - heute teilweise sogar asphaltiert. Was das bemerkenswerte daran ist? Nun........er beginnt erst 20 km hinter der dem Frontabschnitt der Amerikaner Richtung Sueden. Sie wurden wirklich total unterwandert......

Hier begann der Ho-Chi-Minh Pfad - heute teilweise sogar asphaltiert. Was das bemerkenswerte daran ist? Nun........er beginnt erst 20 km hinter der dem Frontabschnitt der Amerikaner Richtung Sueden. Sie wurden wirklich total unterwandert......

Hier patroullierten die Kanonenboote der Amerikaner und wurden immer wieder aus dem dichten Dschungel beschossen.

Hier patroullierten die Kanonenboote der Amerikaner und wurden immer wieder aus dem dichten Dschungel beschossen.

Was fuer ein Dschungel!

Was fuer ein Dschungel!

Hier das Camp Khe Sanh - Bunkeranlage

Hier das Camp Khe Sanh - Bunkeranlage

.......Bunker von innen....

.......Bunker von innen....

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18 Meter lang - Fluegelspannweite 23 Meter - 203 kmh schnell und eine Reichweite von max. 1.45 Std. Flugzeit - ein schwerer Mannschaftstransporter...

18 Meter lang - Fluegelspannweite 23 Meter - 203 kmh schnell und eine Reichweite von max. 1.45 Std. Flugzeit - ein schwerer Mannschaftstransporter...

Die Reichweite dieses Typs war eher ueberschaubar!

Die Reichweite dieses Typs war eher ueberschaubar!

Amerikanisches Auslaufmodell

Amerikanisches Auslaufmodell

Die groszen Transportflugzeuge konnten einzig dort oben landen - allerdings war der Runway seeeeehr kurz und der Beschuss des Vietcong seeeeeeeeehr lang und permanent

Die groszen Transportflugzeuge konnten einzig dort oben landen - allerdings war der Runway seeeeehr kurz und der Beschuss des Vietcong seeeeeeeeehr lang und permanent

Aussenabwehrring.......20 Meter dahinter geht's 400 Meter die Boeschung runter und da kamen se rauf die Vietnamesen

Aussenabwehrring.......20 Meter dahinter geht's 400 Meter die Boeschung runter und da kamen se rauf die Vietnamesen

Da half der staerkste Bunker nichts

Da half der staerkste Bunker nichts

Das dort errichtete Museum mit erwaehntem Gaestebuch

Das dort errichtete Museum mit erwaehntem Gaestebuch

Amerikansiche Kriegsrelikte

Amerikansiche Kriegsrelikte

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Hier im Hinterland leben etliche ethnische Minderheiten....Bergvoelker die von der Viehzucht und der Landwirtschaft leben. Sie litten ebenfalls besonders unter dem Krieg denn sie standen immer (teilweise auch berechtigt wie man heute weisz) unter Verdacht den Vietcong zu unterstuetzen.......

Hier im Hinterland leben etliche ethnische Minderheiten....Bergvoelker die von der Viehzucht und der Landwirtschaft leben. Sie litten ebenfalls besonders unter dem Krieg denn sie standen immer (teilweise auch berechtigt wie man heute weisz) unter Verdacht den Vietcong zu unterstuetzen.......

Auch heute noch leben sie an der Armutsgrenze....ohne medizinische Versorgung und sehr sehr einfach!

Auch heute noch leben sie an der Armutsgrenze....ohne medizinische Versorgung und sehr sehr einfach!

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Belueftungsschacht zu den Tunnelanlagen!

Belueftungsschacht zu den Tunnelanlagen!

Hier einer der Bombenkrater ueber den Tunneln........es sieht hier rundherum so aus

Hier einer der Bombenkrater ueber den Tunneln........es sieht hier rundherum so aus

und hier der Eingang zu den Tunneln (es gab natuerlich mehrere).....heute ist alles gemauert und fuer die Besucher angenehm hergerichtet......waehrend des Krieges war dies nur ein kleiner Eingang der total mit Bambus und Buschwerk zugedeckt wurde........voellig unsichtbar fuer den Feind!

und hier der Eingang zu den Tunneln (es gab natuerlich mehrere).....heute ist alles gemauert und fuer die Besucher angenehm hergerichtet......waehrend des Krieges war dies nur ein kleiner Eingang der total mit Bambus und Buschwerk zugedeckt wurde........voellig unsichtbar fuer den Feind!

yes I'm working in the coalmine .........going down down down........working in the coalmine ........upps I'm going down!

yes I'm working in the coalmine .........going down down down........working in the coalmine ........upps I'm going down!

Ein Dorf unter der Erdoberflaeche.......hier wurden waehrend des Krieges insgesamt sogar 17 Kinder gezeugt und teilweise groszgezogen.......hier der Maternity room!

Ein Dorf unter der Erdoberflaeche.......hier wurden waehrend des Krieges insgesamt sogar 17 Kinder gezeugt und teilweise groszgezogen.......hier der Maternity room!

Damit ihr mal eine Vorstellung kriegt wie eng es hier zugeht hab ich mal meinen 1,70 m groszen Vordermann fotografiert.

Damit ihr mal eine Vorstellung kriegt wie eng es hier zugeht hab ich mal meinen 1,70 m groszen Vordermann fotografiert.

kuehl - feucht - stickig und absolut finster (was der Blitz der Kamera hier gar wunderpraechtigst kaschiert)

kuehl - feucht - stickig und absolut finster (was der Blitz der Kamera hier gar wunderpraechtigst kaschiert)

Einer der Ausgaenge fuehrt direkt an den Strand - hurra - das erste Mal das ich heuer das Meer sehe!

Einer der Ausgaenge fuehrt direkt an den Strand - hurra - das erste Mal das ich heuer das Meer sehe!

Das war ein Mahnmal des Vietcong direkt am Frontverlauf - Lautsprecheranlagen waren Flussseitig aufgestellt und droehnten den ganzen Tag ueber Propagandaparolen (von wegen - gebt auf Amerikaner ihr habt keine Chance etc.) ueber den Fluss!

Das war ein Mahnmal des Vietcong direkt am Frontverlauf - Lautsprecheranlagen waren Flussseitig aufgestellt und droehnten den ganzen Tag ueber Propagandaparolen (von wegen - gebt auf Amerikaner ihr habt keine Chance etc.) ueber den Fluss!

und hier der Heldenfriedhof der Nordvietnamesen.........fast alle namenlos / Missing in Action

und hier der Heldenfriedhof der Nordvietnamesen.........fast alle namenlos / Missing in Action

Zurueck in Hue verdrueckt ich erstmal mein Leibgericht in HUE - Fruehlingsrolle mit sensationeller Erdnuss-Sesam Sauce.......und dann asz ich noch 2 Hauptgerichte weil der Tag war extrem anstrengend........es ist mittlerweile drueckend heisz hier in Zentralvietnam......die Trockenzeit beginnt und im Dschungel konnte ich erahnen welchen Bedingungen die Amerikaner hier ausgesetzt waren ........da bleibt nur eins zu sagen - HELL ON EARTH

Zurueck in Hue verdrueckt ich erstmal mein Leibgericht in HUE - Fruehlingsrolle mit sensationeller Erdnuss-Sesam Sauce.......und dann asz ich noch 2 Hauptgerichte weil der Tag war extrem anstrengend........es ist mittlerweile drueckend heisz hier in Zentralvietnam......die Trockenzeit beginnt und im Dschungel konnte ich erahnen welchen Bedingungen die Amerikaner hier ausgesetzt waren ........da bleibt nur eins zu sagen - HELL ON EARTH

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir planen mal in Hanoi einzufallen und von dort Richtung Süden bis ins Mekongdelta vorzustoßen. Als Fixpunkte haben wir uns Hanoi, Halong Bucht, Hue, Hoi An, Mui Ne, Ho Chi Minh City (Saigon), das Mekongdelta und einen abschließenden Badeaufenthalt, entweder auf Con Dao oder auf Dao Phu Quoc, gesetzt. Wir wollen wieder gemütlich durch´s Land fahren, alle kulinarischen Köstlichkeiten des Landes probieren, Mopedtouren machen und etwas abseits der Touristenpfade wandeln. Wir freuen uns - HURRA :-)
Details:
Aufbruch: 22.03.2012
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 17.04.2012
Reiseziele: Vietnam
Halong-Bucht
Der Autor
 
Gerd und Susanne Haring berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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