Hawai'i und Moloka'i

USA-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai 2016  |  von Ulrich Mattheus

Volcanoes National Park: Kilauea

Der Kochtopf der Feuergöttin. Nach Jahren der Ruhe, kam am 19. März 2008 wieder Bewegung in den Halema‘uma‘u, dem parasitären Krater im Kilauea-Krater. Eine grössere Explosion riss einen neuen Krater in den Halema‘uma‘u-Krater und dort kocht seitdem wieder ein kleiner Lavasee. Ein Krater im Krater im Krater...

Der Kochtopf der Feuergöttin. Nach Jahren der Ruhe, kam am 19. März 2008 wieder Bewegung in den Halema‘uma‘u, dem parasitären Krater im Kilauea-Krater. Eine grössere Explosion riss einen neuen Krater in den Halema‘uma‘u-Krater und dort kocht seitdem wieder ein kleiner Lavasee. Ein Krater im Krater im Krater...

Kilauea ist der aktivste Vulkan Hawai‘is. Er ist zwischen 300000 und 600000 Jahre alt und hat vermutlich vor erst 100000 Jahren die Meeresoberfläche durchbrochen. Trotzdem liegt der breite Gipfel des Schildvulkans heute bereits über 1200m über dem Meer. Weil er sich topographisch nicht vom wesentlich umfangreicheren und höheren Mauna Loa abhob, wurde er oft als Satellit des grösseren Vulkans verstanden. Tatsächlich aber ist er eine eigene Struktur mit einer vergleichsweise jungen Caldera am Gipfel und zwei Bruchzonen, von denen eine sich 125km nach Osten, die andere 35km nach Südwesten zieht. Entlang dieses Bruchs schiebt sich der Vulkan jährlich zwischen 2 und 20mm nach oben. Die Geschichte seiner Ausbrüche ist lang, daher hat er den treffenden hawaiianischen Namen, der soviel bedeutet wie „spuckend“ oder „weit verbreitend“.

Mitunter gedeihen FARNE als erste Pflanzen auf frischer Lava. Sie sind allerdings nicht mit den auf Feuchtigkeit angewiesenen Farnen mitteleuropäischer Wälder zu vergleichen. Hawaiianische Farne können Kälte, Hitze, Nässe und Trockenheit gut verkraften und benötigen keinen Mutterboden, um zu keimen.

Mitunter gedeihen FARNE als erste Pflanzen auf frischer Lava. Sie sind allerdings nicht mit den auf Feuchtigkeit angewiesenen Farnen mitteleuropäischer Wälder zu vergleichen. Hawaiianische Farne können Kälte, Hitze, Nässe und Trockenheit gut verkraften und benötigen keinen Mutterboden, um zu keimen.

Der zähe Hawaii-Farn gehört mit wenigen anderen endemischen Arten zu den Pionierpflanzen, die blanke Lava zersetzen und so erste Spuren von Mutterboden schaffen können.

Der zähe Hawaii-Farn gehört mit wenigen anderen endemischen Arten zu den Pionierpflanzen, die blanke Lava zersetzen und so erste Spuren von Mutterboden schaffen können.

Erstarrte Lavaflüsse, die jünger sind als 1000 Jahre, bedecken 90% seiner Oberfläche. Die ältesten oberflächlichen Ströme sind etwa 2800 Jahre alt. Die meisten Eruptionen der letzten Jahrhunderte fanden entweder in der Gipfelregion oder der östlichen Bruchzone statt. Die Ausbrüche dauern oft sehr lange und sind in der regel auch sehr ergiebig. Explosive Ausbrüche gibt es nur sehr selten, die letzte, geschichtlich belegte fand im Jahr 1790 statt und tötete damals 80 Soldaten der königlichen Armee. Die derzeitig noch laufende Eruption startete am 3. Januar 1983 (!) und ist die bisher längste historisch aufgezeichnete. Sie förderte bis Dezember 2012 etwa 4 Kubikkilometer Lava, bedeckt heute 125 Quadratkilometer Land und vergrösserte die Insel dabei um 202ha. Sie zerstörte 214 Gebäude und begrub über 14km Landstrasse mit bis zu 35 Meter hoher Lava. Im Dezember 2014 bedrohte der ständige Lavafluss die Ortschaft Pahoa, wandte sich zum Glück aber wieder ab.

Und noch eine Pionierpflanze. O‘hia lehua (Metrosideros polymorpha), ein Myrtengewächs, ist ein Wunderwerk der Natur. Eigentlich ein Baum, entwickelt sich die Pflanze auf kargem und trockenem Untergrund zunächst als kleiner Strauch, um mit jedem Kubikzentimeter Erde grösser und kräftiger zu werden. Die Pflanze wächst in trockenen Gegenden, die nur 400mm Niederschlag im Jahr bekommen, aber auch in Regenwald mit 10000mm Niederschlag. Die frischen Triebe sind manchmal hellgrün, manchmal rosa und die Blüte besteht aus einem blutroten Pom-Pom-Ball.

Und noch eine Pionierpflanze. O‘hia lehua (Metrosideros polymorpha), ein Myrtengewächs, ist ein Wunderwerk der Natur. Eigentlich ein Baum, entwickelt sich die Pflanze auf kargem und trockenem Untergrund zunächst als kleiner Strauch, um mit jedem Kubikzentimeter Erde grösser und kräftiger zu werden. Die Pflanze wächst in trockenen Gegenden, die nur 400mm Niederschlag im Jahr bekommen, aber auch in Regenwald mit 10000mm Niederschlag. Die frischen Triebe sind manchmal hellgrün, manchmal rosa und die Blüte besteht aus einem blutroten Pom-Pom-Ball.

Die hohe Aktivität des Kilauea hat grosse Auswirkungen auf die Ökosysteme der Berghänge. Pflanzliches Wachstum wird oft unterbrochen durch Austritt von Schwefeldioxidgas und Ascheauswürfen, besonders in der südwestlichen Bruchzone, die auch Ka‘u Desert genannt wird. Dennoch leben viele endemische Pflanzen am Kilauea.
Die fünf grossen Vulkane der Insel Hawai‘i wurden von den Hawaiianern als heilig erachtet und in der hawaiianischen Mythologie ist der Halemaumau-Krater in der grossen Caldera des Kilauea die Heimat von Pele, der Göttin der Vulkane, des Feuers, der Blitze und Winde. Der englische Missionar William Ellis schrieb einen ersten Bericht über den Kilauea, im Jahr 1912 gründete Thomas Jaggar das erste Beobachtungszentrum und 1916 unterzeichnete Präsident Woodrow Wilson das Gesetz, das den Hawaii Volcanoes National Park als 11. Nationalpark der U.S.A. ins Leben rief. Kurze Zeit später wurde der National Park Service gegründet, der bis heute die Nationalparks der U.S.A. verwaltet. Das Gebiet wurde nicht nur Weltnaturerbe (1987), sondern auch ein Touristenmagnet, der heute jährlich 2,6 Millionen Menschen aus aller Welt anzieht.

Stricklava. Schon etwas verwittert, aber immer noch gut zu erkennen: die erkaltende Lava hatte hier oberflächlich eine Haut bekommen, die sich zusammenschob, ehe sie endgültig erkaltete.

Stricklava. Schon etwas verwittert, aber immer noch gut zu erkennen: die erkaltende Lava hatte hier oberflächlich eine Haut bekommen, die sich zusammenschob, ehe sie endgültig erkaltete.

Seit über 70 Millionen Jahren schiebt sich die Pazifische Platte über einen Hotspot im Erdmantel, der diese Platte wie ein Gasbrenner immer wieder von unten aufschmilzt. Die Kette der dabei entstandenen Gebirge und Inseln ist inzwischen 6000 Kilometer lang und zieht sich von der Halbinsel Kamtschatka im Nordwesten bis zur Hauptinsel des Archipels, Hawai‘i, nach Südosten. Dort, wo die Vulkane wegen des abgebrochenen Zugangs zum Hotspot erlöschen, nagt das Meer an den Inseln und sie fallen der Erosion zum Opfer.
Der Kilauea ist der jüngste oberirdische Vulkan der Insel Hawai‘i. Der älteste ist mit einem Alter von mehr als einer Million Jahren der Kohala. Es gibt aber noch einen jüngeren Vulkan als den Kilauea: der Loihi Seamount hat zwar die Wasseroberfläche noch nicht durchbrochen, ist aber – vom Meeresboden aus gemessen – schon stattliche 4000 Meter hoch!

Kilauea Caldera? Wo? Man muss schon genau hinschauen, um die Ausmasse der Caldera zu begreifen. Der Gipfel des Kilauea ist so flach, dass man den Steilabhang der Caldera nicht auf Anhieb entdecken kann. Die Caldera hat einen Durchmesser von über 2km. In der Caldera liegt der Halema'uma'u-Krater mit einem Durchmesser von etwa 500m und im Halema'uma'u liegt der kleine Lavasse, aus dem die Rauchsäule aufsteigt.

Kilauea Caldera? Wo? Man muss schon genau hinschauen, um die Ausmasse der Caldera zu begreifen. Der Gipfel des Kilauea ist so flach, dass man den Steilabhang der Caldera nicht auf Anhieb entdecken kann. Die Caldera hat einen Durchmesser von über 2km. In der Caldera liegt der Halema'uma'u-Krater mit einem Durchmesser von etwa 500m und im Halema'uma'u liegt der kleine Lavasse, aus dem die Rauchsäule aufsteigt.

Die längste historisch belegte Eruptionspause des Kilauea war zwischen den Jahren 1934 und 1952. Der über 4000 Meter hohe Nachbar Mauna Loa ist heute wesentlich weniger aktiv als der Kilauea. Der letzte grössere Ausbruch fand im Jahr 1984 statt.
Die oben erwähnte Eruption, die im Jahr 1983 startete, ist eine Eruption in der östlichen Bruchzone und fördert durch die beiden benachbarten Krater Pu‘u O‘o und Kupa‘ianaha grosse Mengen dünnflüssiger Lava, die in Lavaröhren bis ins Meer fliesst.
Ein weiterer Ausbruch ist derzeit am Gipfel des Kilauea zugange. In der grossen Caldera des Kilauea befindet sich der Krater Halema‘uma‘u. Von 1905 bis 1924 kochte im Halema‘uma‘u ständig ein im Durchmesser 500 Meter grosser Lavasee. Lava kam in den Jahren 1952 und 1967-68 für kurze Zeit zurück. Nach Jahren der Ruhe, kam am 19. März 2008 wieder Bewegung in den Halema‘uma‘u. Eine grössere Explosion riss einen neuen Krater in den Halema‘uma‘u-Krater und dort kocht seitdem wieder ein kleiner Lavasee.
Nachtrag 22. Dezember 2018: Der kleine Lavasee ist trockengefallen. Zur Zeit keine Aktivität am Gipfel des Kilauea.

© Ulrich Mattheus, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich wanderte durch Regenwälder und Wüsten, über Vulkane und Strände, besichtigte hawaiianische kulturelle Orte, entdeckte lokale Geschichte und fokussierte mich dabei im Wesentlichen auf die Inseln Hawai‘i und Moloka‘i.
Details:
Aufbruch: 02.05.2016
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 16.05.2016
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Ulrich Mattheus berichtet seit 4 Wochen auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (3/4):
Blula 1545812414000
ULI, ich kann nur sagen, dieser Bericht ist lesens­wert! Auch wenn ich, wie viele von uns noch nie dort und auch auf keiner anderen ha­wai­ia­nischen Insel gewesen bin, so weiß ich spätes­tens jetzt, dass ich von nun an nicht nur, wie man so schön sagt, vom herk­ömmlichen Aloha Spirit träumen wer­de.­ 
Dan­ke für diesen aus­ge­zeich­ne­ten Bericht, in dem Du auch sehr viel Wis­sen­swer­tes ver­mit­telst. Ich fange gleich an zu träu­men.
LG Blula
Inge W. 1545809331000
hallo Ulrich, diesen Bericht lese ich nat­ürlich immer wieder gerne, da wir auch schon meh­rmals auf den 6 Ha­wai­i­-In­seln waren. Aber trot­zdem habe ich nat­ürlich einiges ge­lesen, was ich (noch) nicht kannte, danke daf­ür.
In­ge
Geo-oldi/ Monika Schulmeiss 1545587152000
Hallo Uli, sehr in­for­ma­tiv und für jeden zuk­ünfti­gen Ha­wai­ur­lau­ber em­pfeh­len­swert. Die Fotos sind e­ben­falls Spitze. LG Monika