Chile-Reisebericht :(M)ein Traum wird wahr .... Weltreise!

Über die Kordillieren nach Santiago de Chile

Drei lange Busfahrten hatte ich schon hinter mir, davon eine Nachtfahrt und zwei durch relativ eintönige Landschaften. Irgendwie hatte ich gehofft, doch auch mal wenigstens ab Cordoba in die Nähe der Andenkordillieren zu kommen, doch die Routen führten immer abseits vorbei.

Am 07. Januar ging es dann ab Mendoza Busterminal nach Santiago de Chile; rund fünf Stunden ist die reine Fahrzeit, dazu kommt die Wartezeit an der argentinisch-chilenischen Grenze. Also wieder ein reiner Reisetag, aber mit der Hoffnung, heute nun beim Überqueren der Kordillieren einige schöne Aussichten auf die Berglandschaft zu bekommen.

Die Fahrt geht zunächst durch die Stadt über die häßliche Autobahn, dann durch einige ebenfalls unschöne Vororte, in denen ich wieder den Tross der Dakar-Rallye sehe (und den ganzen weiteren Tag wie schon die Tage zuvor auch), dann kommt plötzlich ein Weinbaugebiet nach dem anderen und die Landschaft wirkt komplett anders. Die Bergkette rückt näher und davor die tiefgrünen Weinfelder, die wie mit dem Lineal gezogen daliegen.

Die Ausfallstraße Richtung Chile ist - obwohl Autobahn - richtig bevölkert. Ganze Familien sitzen auf Campingmöbeln am Fahrbahnrand und warten auf den Tross der Dakar-Rallye, um Fotos zu schiessen. Langsam schlängelt sich die Straße hoch, erst wirken die Berge nur grau-gelb, dann braun. Und nun wird es steiler und kurvenreicher. Dann kommt die erste Schlucht, kaum hinter der Biegung bieten sich atemberaubende Bilder von schneebedeckten Bergen im Hintergrund und fast trockenen Flüssen, die in hellgrünen Seen münden. Das waren jetzt die Bilder, die ich mir erhofft hatte.

Nun ging es stundenlang so weiter, aber hinter jeder Straßenbiegung tauchten neue Perspektiven auf. Mal lagen die Berge im prallen Sonnenlicht, mal schattig, und mal gab es Blicke auf alle drei Bergketten. Bis knapp auf 7.000 m geht der höchste Berg, d.h. die Kette davor ist schneebedeckt, dazu ein kräftig blauer Himmel und Berge, die ständig die Farbe wechselten. Je höher der Bus kam, desto mehr veränderte sich die Fauna. Zunächst noch relativ grün mit gelegentlichen Bäumen, wurde es dann erst fahlgelb und braun, dann nahezu wüstenähnlich, und zwar Steinwüste. Und irgendwann tauchten dann Kakteen auf, so, wie man sie aus alten Western-Filmen aus Mexico kennt.

An dieser Landschaft kann ich mich nicht sattsehen und erfreue mich des Anblicks. Da ist dann auch schnell vergessen, dass ich zwar in einem Fernlinienbus "primero claso" sitze, aber a) im unteren Stockwerk mit Notausgang im Fenster und b) mit defekter Klimaanlage, d.h. von unten bläst die Heizung mit voller Kraft, während von oben das Kaltluftgebläse versucht gegen zu halten - genau das, was ich liebe ((

Die vielen tollen Eindrücke halten mich davon ab, über die Klimaanlage nachzudenken und so vergeht die Zeit bis zur Grenze sehr schnell. Dann aber nicht mehr! Fast drei Stunden dauert der Grenzübertritt, alles geht ganz gemächlich, erst langes Warten, um überhaupt dranzukommen, dann mehrfach aussteigen und im Gänsemarsch zu Immigration, an zwei Schaltern anstellen, dazu in Reihe angetreten ; dann geht´s zum Zoll, dann zur Biosecurity (deren Röntgengerät auch noch prompt ausfällt) und dann zu noch einer Station, deren Sinn ich nicht erkennen konnte und jedesmal mit viel Warterei dazwischen. Das war schon ziemlich nervig!

Irgendwann geht es dann doch weiter und von der Grenzstation ab geht es nur noch bergab. Derzeit ist diese Route eine Baustelle, man arbeitet neue Serpentinen ein. Der Bus schaukelt ordentlich, aber die Blicke sind herrlich. Viel zu schnell für meinen Geschmack sind wir auf "Normalniveau" angekommen und fahren Richtung Santiago.

Einmal unten ist die Gegend dann wieder relativ eintönig, wird dann in den Vororten von Santiago de Chile auch noch schäbig. Und dann steht der Bus im Terminal von Santiago und ich bin da.

Abfahrt in Mendoza´s Busterminal

Abfahrt in Mendoza´s Busterminal

Noch ist die Bergkette nur undeutlich im Hintergrund  zu erkennen

Noch ist die Bergkette nur undeutlich im Hintergrund zu erkennen

Weinfelder außerhalb der Stadt und vor der Bergkette

Weinfelder außerhalb der Stadt und vor der Bergkette

Zwei der drei Kordillierenketten waren - erst einmal mitten in den Bergen - immer gut zu sehen.

Zwei der drei Kordillierenketten waren - erst einmal mitten in den Bergen - immer gut zu sehen.

Ein grüner Bergsee, die Zuflüsse waren z Z sehr spärlich

Ein grüner Bergsee, die Zuflüsse waren z Z sehr spärlich

Auch eine Möglichkeit, über die Andenkordillieren zu kommen: mit dem Fahrrad!

Auch eine Möglichkeit, über die Andenkordillieren zu kommen: mit dem Fahrrad!

Vor lauter Lehm ist dieser Fluß kaum von einem Feldweg zu unterscheiden

Vor lauter Lehm ist dieser Fluß kaum von einem Feldweg zu unterscheiden

Die ganze Wucht der Gebirgskette wird kurz vor der argentinisch-chilenischen Grenze deutlich

Die ganze Wucht der Gebirgskette wird kurz vor der argentinisch-chilenischen Grenze deutlich

Indigene Bergbewohner ziehen mit ihren Lastenpferden an einem argentinischen Grenzvorposten vorbei

Indigene Bergbewohner ziehen mit ihren Lastenpferden an einem argentinischen Grenzvorposten vorbei

Selfie vor dem Grenzübergang nach Chile ...

Selfie vor dem Grenzübergang nach Chile ...

... und noch mal eins in Gänze

... und noch mal eins in Gänze

38 Spitzkehren ziehen sich über die Serpentinen vom Grenzübergang in Richtung Santiago de Chile

38 Spitzkehren ziehen sich über die Serpentinen vom Grenzübergang in Richtung Santiago de Chile

© Rolf Bilo, 2013
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Die Reise
 
Der Autor
 
Rolf Bilo berichtet seit 5 Jahren auf umdiewelt. Rolf über sich:
... ein (Lebens-)traum wird wahr! Im Sabbatical um die Welt!
Aus dem Gästebuch (3/95):
Rudi Gerber 1531560350000
Ich hab keine Frage, rege mich nur un­säglich auf über deinen res­pek­tlo­sen, u­nin­for­mier­ten, ar­ro­ganten Kom­mentar. Of­fen­bar auch jemand, der nur alles durch seine eigene Brille sieht. Warum bleibst du dann nicht einfach zu Hause! Oder be­leibst in Sin­ga­pur?
Geza 1446317518000
Danke für deine Ant­wort. Schon klar das es etwas ge­dau­ert hat­.
Ich bin Künstler und bin immer wieder unter­wegs, mal in Asien, mal in der Ka­ri­bik. Ver­suche so zu reisen, wie es Spaß macht und unter Leuten zu sein ist mir Wich­tig, Tra­ve­ler und Ein­hei­mischen. Melde mich wenn ich gen­au­e­res brachen könnte wieder, noch­mals lg Geza
Geza standi 1442042660000
Hallo Rol­f
Ha­be ein paar Fragen, wenn du Zeit hast sie zu beant­wor­ten wäre fein­.
Was haben die Flüge ge­kos­tet, da du ja genau geplant hast, weist du das sich­?
Und was das Leben mit Hotels und so. Deine Berich­te erst be­gon­nen zu lesen, aber möchte auch schon lange so eine Reise machen. War schon teil­wei­se in Afrika und 10 Wochen in Asien von Burma bis Sin­ga­pur, in USA und in der Karibik liebe Grüße Geza
Antwort des Autors: Hallo Geza,
zunächst mal ein herzliches "sorry" dafür, dass ich so lange für eine Antwort brauchte. Ich war in Urlaub, während Dein GB-Eintrag kam und habe ihn danach vergessen.

Also, insgesamt habe ich 75 Flüge gebucht, das war der größte Kostenblock meiner Reise. Von Schnäppchen (Ein-€-Flüge + Steuern und Gebühren) bis zu mehreren tausend € für Kombi-Flüge über 3-5 Etappen war alles dabei. Was und für welche Region suchst Du genau? Die meisten Flüge habe ich über swoodoo selbst gesucht, viele auch über das Explorer-Reisebüro in Düsseldorf und einige wenige über langwierige Recherchen im Internet, z.B. in Micronesien. Auf ein round-the-world-ticket (rtw) habe ich nach langen Recherchen und Überlegungen verzichtet, da jedes der drei großen Allianz-rtw´s Vorteile, aber auch Nachteile, d.h. Schwerpunkte auf nur einige Erdteile, hat. Wenn Du Deine Route schon genau kennst, dann ist eine Kalkulation online bei allen drei Allianzen möglich. Für mich war es passgenauer, einzeln zu buchen und dabei auch Exotenairlines und Landetappen zu nutzen.

Die Hotelkosten stellen den einzigen Kostenblock dar, der tatsächlich beeinflussbar ist. Ich habe es so gehalten, dass ich in den Phasen, in denen ich alleine unterwegs war, in Hostels gewohnt habe - jedenfalls dort, wo es welche gab. Dort trifft man interessante Leute, erhält viele Tipps und kann i.d.R. einigermaßen preiswert wohnen. Wenn Du meine Berichte liest, wirst Du feststellen, wo ich allerdings auch mal floppte. Gegen Ende der Reise war ich dann aber auch mal froh, ein sauberes, ruhiges Hotelzimmer für mich alleine zu haben. Manchmal benötigt man für eine Visa-Antragstellung auch bestätigte Hotelbuchungen auf Originalbriefpapier, das macht Hostelbuchungen dann schon wieder schwierig.

Ansonsten kann ich nur empfehlen, frühzeitig mit den Planungen anzufangen und das Netz leer zu saugen, möglichst viele Quellen zum gleichen Thema anzuzapfen und Informationen zu sammeln und quer zu vergleichen.

Wie sehen Deine Planungen denn aus, hast Du schon eine Route und einen Zeitplan? Lass mal hören, vlt. kann ich dann noch etwas konkreter werden. Auf jeden Fall wünsche ich Dir viel Spaß bei den Planungen, die sind fast genau so schön wie die Reise selbst.

Rolf