(M)ein Traum wird wahr .... Weltreise!

Peru-Reisebericht  |  Reisezeit: Juni 2013 - April 2014  |  von Rolf Bilo

Verrückt nach Meer ...

Die MS Albatros  (urheberrrechtsfreies Wikipediafoto von Andreas Trepte, www.photo-natur.de)

Die MS Albatros (urheberrrechtsfreies Wikipediafoto von Andreas Trepte, www.photo-natur.de)

Wie hatte ich mich auf diese Kreuzfahrt gefreut - drei Wochen nicht alle Details selber organisieren, mal entspannen, trotzdem exotische Länder sehen und das Ganze auch noch in Begleitung meines Sohnes. Mehr als zwei Jahre ist die Buchung der Reise "ATS 450, Vom Andenstaat Peru zum Karibikgefühl Kubas" mit Phoenix-Reisen auf der MS Albatros nun her, seinerzeit unter anderen Vorzeichen, aber die Reiseroute passte zu meiner. Erst nach der Buchung sah ich die ersten Folgen von "Verrückt nach Meer" und freute mich umso mehr.

Tolle Länder mit interessanten Städten erwarten mich, eine Passage durch den Panamakanal und dann durch die warme Karibik kreuzen. Abenteuer mit meinem Sohn erleben, entspannen und Zeit für einander haben, mal die Seele baumeln lassen und keinen Kopf machen, ob der nächste Flug auch pünktlich geht oder wieder verschoben wird.

In Lima gehe ich am Mittwoch, den 19.02.2014 an Bord, mein Sohn kommt erst abends an. Mein erster Eindruck ist ernüchternd: ein ziemlich in die Jahre gekommenes Schiff, eine Einschiffungsorganisation, die vorsintflutlich anmutet und nichts mit dem zu tun hat, was ich auch meinen bisherigen Kreuzfahrten kennenlernte, und das Schlimmste - alles hustete, keuchte und schneuzte sich! Super, hatte ich doch gerade auf der Rotelreise erst eine fette Erkältung überstanden.

Gut, erst einmal die Kabine beziehen, dann etwas essen und einen Kaffee trinken. Was folgte, war eine angenehme Überraschung, die Kabine war deutlich größer als erwartet und machte einen angenehmen Eindruck. Es stand also 1:1! Dann ins Restaurant, etwas für den knurrenden Magen tun. Doch oh Schreck, es gibt kein Buffet, sondern Essen á la Carte. Das heißt in erster Linie: ständiges Warten zwischen den 5-7 Gängen, kleinste Häppchen bei großem Hunger, das ist nichts für mich. Nächstes Ärgernis, die Tischgetränke. Es gibt billigen Tischwein oder Saft inklusive, aber selbst ein simples Wasser muss gekauft werden. Das gibt Minuspunkte bei der Wertung, es steht 1:3.

Ich schaue mich im Speisesaal um und mir fällt spontan die Frage ein, ob dieses Schiff wohl Zinksärge an Bord hat. Nur alte Menschen sind zu sehen, und nahezu alle husten. Meine Tischnachbarn rücken ganz nah an mich ran, um mir ins Ohr zu krächzen, ich möge auf der Hut sein, denn etwa 80% der Passagiere wären erkältet, hätten keine Stimme mehr und die Klimaanlagen seien schrecklich. Aber die Kranken würden ja weitestgehend heute abreisen, allerdings blieben auch einige an Bord.

Einen derjenigen, die die ganze Welt an Bord der Albatros bereisen, lerne ich als nächstes kennen. Ein alter Herr, wegen seiner eigenartigen Kleidung - Knickerbockerhose mit karierten Kniestrümpfen mir bereits schon aufgefallen, kommt auf mich zu und beginnt, mir wirres Zeugs zu erzählen. Er bräuchte 5000 Indianer, um die Spanier aus dem Land zu werfen. Er wisse viel und hätte gute Ideen. Und er könne alles vorfinanzieren. In den nächsten Tagen geht er nahezu allen Passagieren auf den Keks, belästigt und betatscht einige Damen und lässt sich weder von Mitreisenden, noch der Besatzung in die Schranken weisen. Vermutlich wird er im Laufe der Reise noch kielgeholt...

Ich drehe mal eine erste Runde über das Schiff und sehe nur alte Menschen, deren Lebensglück in Bingo spielen und im Lösen von Sudoku- oder Kreuzworträtseln zu bestehen scheint. Stolz tragen sie ihre T-Shirts mit Aufdrucken von Reisezielen, die MS Albatros wohl früher schon einmal angelaufen hat. Hoffentlich bleibt mir dieses Schicksal erspart, denke ich mir. Auf dem Weg zur Rezeption geht ein älterer Herr vor mir, kurze Hose, Sandalen mit bis zu den Knien hochgezogenen weißen Tennissocken, und an der engsten Stelle, die wir passieren, entweicht ihm - ohne dass er eine Miene verzieht - ein langgezogener Flatterfurz! Oh je, was erwartet mich hier noch alles?

Zum Abendessen des ersten Tages, welches nach hinten offen ist, um den Spätanreisenden noch etwas anzubieten, sehe ich dann erstmals die fast komplette Truppe der Mitreisenden. Meine gedanklich Frage nach den Zinksärgen wandelt sich vom "ob" in "wie viele". Das Durchschnittsalter muss bei ca. 80 Jahren liegen, manche können sich kaum auf den Beinen halten. Erstaunlich viele Ossis sind an Bord, bedingt durch die Lautstärke des sächsischen am Nachbartisch bekomme ich mit, wie ein alter Herr über die aktuellen Lebensbedingungen schimpft, vielem aus der guten, alten Zeit nachtrauert und sich den Teller erneut vollhäufen lässt. Ich denke so bei mir, was wohl in diesen Köpfen vorgeht, die 40 Jahre lang hinter der Hammer&Sichel-Fahne herliefen und nun den Klassenfeind bekämpfen, in dem sie auf Kreuzfahrten allen auf die Nerven gehen ...

Es dauert einige Tage, bis ich weiß, ob ich mich eigentlich wohlfühle oder nicht. Nein, ich tue es nicht, ich habe mir diese Reise auf dem Schiff ganz anders vorgestellt! Die bisherigen beschriebenen Umstände erzeugten einen ambivalenten Eindruck bei mir.

Ausschlaggebend für meine Enttäuschung waren jedoch die Ausflüge. Noch nie habe ich derartig diletantisch organisierte und durchgeführte Ausflüge erlebt. Beginnend mit der zeitlichen Einpassung in die Tagesabläufe an Bord über die Übersetzung bis hin zur Auswahl der Ziele empfand ich die Touren als Zumutung. So stornierten wir einiges und machten uns letztlich selber auf den Weg, zu passenden Zeiten und Zielen und nach unserem Gusto.
Obwohl das dann nichts mehr an meiner negativen Grundstimmung änderte, so gab es doch das ein oder andere, was für Lichtblicke sorgte. So muss ich das Bemühen der Küche, die Sonderwünsche meines Sohnes hinsichtlich der Mahlzeiten zu erfüllen, besonders hervorheben. Mit größter Mühe ging man auf seine Wünsche ein, auch wenn es einige Tage dauerte, bis auch der letzte Mitarbeiter verstand, dass ein veganes Gericht keines mehr ist, wenn man es im letzten Arbeitsgang noch mit einer kunstvoll aufgebrachten Sauerrahmsoße verziert.

Auch die oben von mir bemeckerten Oldies und Ossis sind natürlich nicht alle gleich. Unsere nettesten Tischnachbarn waren nämlich Oldies und Ossis! Mein 82-jähriges Gegenüber, in Potsdam lebend und ebenfalls mit seinem Sohn unterwegs, erwies sich als außerordentlich humorvoller, weit gereister, unterhaltsamer und angenehmer Gesprächspartner. Und auch das Pärchen neben meinem Sohn, er aus dem Osten, sie aus Hessen, erwiesen sich als nette, angenehme Tischnachbarn.

Ok, Schluss mit der Jammerei, ich werde am Ende für mich ein Fazit ziehen und dazu noch mal einige Worte verlieren. Ich hoffe nur, dass ich meinem Sohn nicht auf seiner allerersten Kreuzfahrt die Lust an dieser Reiseform genommen habe. Für mich wird es vermutlich die erste und die letzte Fahrt auf diesem Totenschiff gewesen sein.

Das Schiff

Kurz noch einige Daten zum Schiff selber, der MS Albatros
Baujahr 1973, zunächst als Royal Viking Sea unterwegs, dann mehrfach umbenannt und einmal durch Einbau eines zusätzlichen Mittelteils vergrößert. Mehrfach renoviert. Fährt unter der Flagge der Bahamas; 28.000 BRZ, Länge 205 m, Breite 25 m, Tiefgang 7,55 m, Antrieb 15.840 kw, Reisegeschwindigkeit 15-18 kn, 10 Stockwerke; trotz Flossenstabilisatoren mächtige Schwankungen bei absolut glatter See, wie mag das erst bei hohen Windstärken sein?

Die Route

19.02. Callao/Lima - Peru
20.02. Callao/Lima - Peru
21.02. Salvarry/Trujillo - Peru
22.02. Seetag
23.02. Guayaquil - Ecuador
24.02. Manta - Ecuador
25.02. Äquatorüberquerung
26.02. Fort Amador/Panama City - Panama
27.02. Durchfahrt durch den Panamakanal
28.02. Cartagena - Kolumbien
01.03. Santa Marta - Kolumbien
02.03. Seetag
03.03. Santiago de Cuba - Kuba
04.03. Montego Bay - Jamaica
05.03. Georgetown - Grand Cayman
06.03. Cienfuegos - Kuba
07.03. Seetag
08.03. Havanna - Kuba (inkl. Nachprogramm bis
11.03.2014)

© Rolf Bilo, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach über 30 Jahren wird mein Traum wahr: meine Weltreise, d i e Weltreise, beginnt in Kürze. Ein Jahr lang um die Welt, möglichst viel sehen, alle Kontinente..... Der Countdown läuft
Details:
Aufbruch: 06.06.2013
Dauer: 11 Monate
Heimkehr: 25.04.2014
Reiseziele: Äthiopien
Burundi
Südsudan
Kenia
Uganda
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Der Autor
 
Rolf Bilo berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.