Uruguay-Reisebericht :Von Mexiko bis Argentinien

Montevideo

Die herzliche Hauptstadt

Uruguays Hauptstadt Montevideo ist eine Stadt, über die wenig Mythen existieren. Also kann sich die Besucherin überraschen lassen. Und überraschend ist diese Stadt, die in ihrem Zentrum so angenehm ruhig und entspannt wirkt, dass man ihr die knapp eineinhalb Millionen Einwohner nicht anmerkt.
Am Mündungstrichter des Río de la Plata gelegen weht hier auch in der sommerlichen Januarhitze eine erfrischende Brise.
Wie so viele Städte auf dem amerikanischen Kontinent, ist Montevideo eine junge Stadt: 1726 wurde sie von den Spaniern als militärische Abwehr gegen die Portugiesen gegründet. Eine wichtige Rolle spielte sie für die Sicherung der Schifffahrt im südlichen Atlantik. Im 19. Jahrhundert wurde der Hafen ausgebaut.

Stellt man sich vor, dass Uruguay insgesamt nur dreieinhalb Millionen Einwohner hat und somit beinahe die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner in der Hauptstadt leben, so lässt sich denken, dass in dem kleinen Land alle Wege nach Montevideo und in alle anderen Richtungen über Montevideo führen. Dieser Zentralismus beeinflusste auch unsere Reiseroute, denn innerhalb von zweieinhalb Wochen machten wir auf unserer Erkundung des Landes dreimal Station in Montevideo. Und beim dritten mal blieben wir dann endlich zur Erkundung dieser schönen Stadt.

Auf dem Weg durch die Altstadt zum Hafen wurden wir von unserem uruguayischen Freund Hector begleitet. Fußgängerinnen und Fußgänger müssen hier nicht um ihr Leben bangen; auch dort, wo die Fußgängerzone aufhört, sind die Autofahrer rücksichtsvoller als in jedem anderen uns bekannten südamerikanischen Land. Vielleicht eine Kleinigkeit, doch für uns nach vier Monaten auf Schusters Rappen etwas sehr Bemerkenswertes.

Spanier, Portugiesen, Franzosen und Briten haben der Stadt ihren Stempel aufgedrückt. Die Mischung aus zweistöckigen Gebäuden im Kolonialstil, eleganten Palästen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, prächtigen Art-Déco-Gebäuden und nichtssagenden Wohnblocks aus den letzten Jahrzehnten macht den Reiz der Stadt aus.

An der Kreuzung der Avenida 18 de Julio und der Plaza de la Independencia überrascht der Palacio Salvo die Besucher mit seinen 105 Metern Höhe. Er wurde von den Textilindustriellen italienischer Herkunft, dem Brüderpaar José und Lorenzo Salvo, in Auftrag gegeben und vom Architekten Mario Palanti 1922 entworfen und im Oktober 1928 eingeweiht. Das markante Gebäude im Stil des Art déco war bis 1935 das höchste Bauwerk in Südamerika. Heute gilt der Palacio Salvo als Wahrzeichen Montevideos und nostalgische Erinnerung an die Periode der Prosperität Uruguays im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.

Wenige Schritte weiter erreicht man die Libreria Puro Verso, eine Buchhandlung, wie sie schöner nicht denkbar ist mit einem Café, in dem es sich in Ruhe in der Lieblingslektüre blättern lässt.

Die ehemalige Markthalle am Hafen, der Mercado del Puerto, ist heute ein Gourmettempel. Auf zwei Etagen locken zahlreiche Restaurants mit Fisch und Asado. Und ein Glas Tannat – der besondere uruguayische Rotwein – schmeckt in jedem Fall.

Zum Café führte uns Hector ins Café Brasilero. Zunächst fühlten wir uns wie in ein Wiener Caféhaus entführt, dann entdeckten wir an den Wänden zwischen zahlreichen eingerahmten Fotografien von berühmten Gästen des Hauses Porträts von Eduardo Galeano und Mario Benedetti.

Großen Spaß machte auch eine Radtour am Malecón, vorbei am Hafen, an Spielplätzen, an Stadtstränden mit feinstem hellen Sand, vorbei an Eis essenden Kindern und Mate trinkenden Strandflanierern.

Zu Besuch im Cafo Estadio Centenario

Zu Besuch im Cafo Estadio Centenario

Hier fand 1930 die erste Fußball-Weltmeisterschaft statt. Weltmeister wurde... Uruguay.

Hier fand 1930 die erste Fußball-Weltmeisterschaft statt. Weltmeister wurde... Uruguay.

Und die Milongavorführungen an unseren uruguayischen Sommerabenden waren atemberaubend und mitreißend.

Eine ganz andere Seite Uruguay erlebten wir beim Besuch des Museo de la Memoria, in dem die Grausamkeiten und Schrecken der Militärdiktatur von 1973 - 1985 aufgearbeitet werden und ein Blick auf die Widerstandsbewegung geworfen wird.

Wir verließen diese Stadt mit ihren vielen ebenso freundlichen wie hilfsbereiten Menschen mit einem Gefühl von Vertrautheit und der verwegenen Vorstellung, nicht das letzte mal dort gewesen zu sein.

© Robert B, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein Reisebericht mit Eindrücken und Bildern von Roberts und Angelas Reise - für uns selbst und alle, die es sonst noch interessieren könnte.
Details:
Aufbruch: 27.09.2017
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 11.02.2018
Reiseziele: Kanada
Mexiko
Costa Rica
Bolivien
Argentinien
Uruguay
Der Autor
 
Robert B berichtet seit 8 Monaten auf umdiewelt.
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Robert über sich:
Eine Reise über mehrere Monate, davon zu träumen ist eine Sache, sie zu planen eine andere, sie zu beginnen, das Beste.