Island im September und Oktober

Island-Reisebericht  |  Reisezeit: September / Oktober 2018  |  von Iris Klein

Island im September und Oktober – geht das oder ist das irre?

Wir haben erst eine Weile hin und her überlegt, ob ein 14-tägiger Island-Urlaub zu dieser Jahreszeit wirklich noch Sinn macht. Vielleicht hilft das dem ein oder anderen der vor der gleichen Entscheidung steht.

Vorbereitungen

Vorbereitungen

Da wir uns zu diesem Urlaub erst recht kurzfristig entschieden haben, blieb auch für die Vorbereitungen nur sehr wenig Zeit (ca. 2-3 Wochen). Dennoch war es uns wichtig, das Meiste im Voraus zu buchen. Wir haben erst eine Weile hin und her überlegt, ob ein 14-tägiger Island-Urlaub zu dieser Jahreszeit (Ende September/Anfang Oktober) wirklich noch Sinn macht. Aber nachdem wir ohnehin die Nordlichter schon lange auf unserer bucketlist hatten und wir eigentlich nicht wahnsinnig temperaturempfindlich sind, haben wir uns dafür entschieden. Im folgenden Bericht erfahrt ihr, ob es sich für uns gelohnt hat. Vielleicht hilft das dem ein oder anderen der vor der gleichen Entscheidung steht.

Flüge
Bei den Flügen haben wir ein echtes Schnäppchen gemacht. Diese haben wir 3 Wochen vor Abflug als Direktflug von Nürnberg mit Germania für nur 128 Euro pro Person ergattert (inkl. 20kg Gepäck pro Person sowie Handgepäck mit 6kg). Die Flugzeit betrug knapp 4 Stunden und es gab etwas zu trinken und ein kleines Sandwich. Da der Flug über Nacht ging haben wir ohnehin die meiste Zeit geschlafen.

Mietwagen/Navi
Beim Mietwagen muss man schon ein bisschen Zeit für den Preis- und Leistungsvergleich investieren. Zudem muss man sich gut überlegen, ob man einen Allrad-Wagen braucht oder nicht. Nachdem wir nicht vorhatten ins Hochland zu fahren, haben wir uns für einen Mietwagen der Golfklasse entschieden. Gebucht haben wir ihn bei ProCar (über Mietwagen.billiger) für ca. 450 Euro. Dafür hatten wir eine Versicherung zur Abdeckung der Selbstbeteiligung inklusive. Einen Eiskratzer suchten wir in dem Auto übrigens vergebens. In Myvatn hätten wir am Morgen zwar mal einen gebraucht, allerdings war die Eisschicht relativ weich und konnte mit der Hand entfernt werden, ansonsten hätten wir wohl im Hotel um Hilfe bitten müssen. Was sich aber als wirklich problematisch herausgestellt hat ist, dass die Mietwägen hier alle mit Sommerreifen ausgestattet sind (erst ab Anmietung im November gibt es Winterreifen). Wir mussten deshalb in Husavik Reifen wechseln weil der Winter eingebrochen ist. Hierfür wollten Sie uns unverschämterweise eine Servicegebühr von 15.000 Kronen berechnen, die am Ende dann allerdings doch nicht fällig wurden. ProCar ist hier auf jeden Fall nicht zu empfehlen. Wir haben mitbekommen, dass andere Touristen das gleiche Problem hatten, deren Vermieter jedoch deutlich unkomplizierter waren und gar nicht erst versucht haben eine Servicegebühr zu erheben. Also am besten vor der Buchung nochmal schlau machen wie das mit Winterreifen und dem Fall der Fälle ist.

Bei der Buchung des Mietwagens sollte man zudem auf den Abholort achten. In der Ausgangshalle des Flughafens in Keflavik sind viele bekannte Mietwagenanbieter direkt mit Schaltern vor Ort (Budget, Europcar, Hertz etc.). Von unserem Anbieter Procar konnten wir jedoch keinen Schalter finden. Eine kurze Nachfrage an der Info hat ergeben, dass unser Anbieter keinen Schalter direkt vor Ort hat sondern ein Mitarbeiter mit einem Schild kommen wird, um uns abzuholen. So war es zehn Minuten später dann auch. Nach ca. 5 Minuten Fahrt konnten wir dann unseren Mietwagen nicht weit weg vom Flughafen in Empfang nehmen. Eine große Einweisung gab es nicht, sodass unsere erste große Herausforderung in Island erst mal war, mitten in der Nacht herauszufinden wie man den Kofferraum öffnen kann
Navi: Da wir einen Mietwagen ohne Navi gebucht haben, haben wir daheim noch eines zum mitnehmen bestellt. Zwar gibt es mittlerweile in Island keine Roaming-Gebühren mehr und wir hätten natürlich auch das Handy als Navi benutzen können, wir wollten jedoch den Handyakku und das Datenvolumen nicht unnötig verschwenden. Das Leih-Navi hat jedoch ein paar Adressen nicht erkannt und so mussten wir doch einige Male das Handy als Navi einsetzen. Die meiste Zeit hat das Navi jedoch getan was es sollte.
Eine wichtige Info noch an dieser Stelle. Auf folgenden Internetseiten könnt ihr die Straßenverhältnisse prüfen bzw. euch rechtzeitig über Unwetterwarnungen informieren:
www.road.is (hier kann man für einige Straßenabschnitte auch aktuelle Webcam Bilder ansehen)
Facebook-Gruppe safetravel.is

Unterkünfte

Die Unterkünfte haben wir alle vorab über Booking.com gebucht. Das erleichtert es, den Überblick zu behalten und man kann recht schnell die Preise vergleichen. Nachdem die konkrete Routenplanung erst danach fertig wurde, habe ich auch einige Unterkünfte nochmal umgebucht (sofern sie kostenlos stornierbar waren). Wir haben ausschließlich Unterkünfte mit Frühstück gebucht. Das war uns wichtig, nachdem wir den Rest des Tages aus Kostengründen Selbstverpflegung machen wollten, sollte zumindest das Frühstück am Morgen schon fertig sein. Die Unterkünfte sind verhältnismäßig teuer, eine große Auswahl gab es an manchen Orten nicht mehr, so hatten wir auch einige Unterkünfte mit Gemeinschaftsdusche/WC aber das war für uns kein Problem. Ihr solltet bei der Buchung der Unterkünfte aber auf jeden Fall auf die Ein- und Auscheck-Zeiten achten. Da wir mitten in der Nacht angekommen sind, mussten wir für die erste Nacht also eine Unterkunft mit 24-Stunden Rezeption finden. Im Durchschnitt haben wir für unsere Unterkünfte pro Nacht für ein Doppelzimmer inkl. Frühstück 110 Euro bezahlt (Bandbreite von 80 bis 155 Euro).

Selbstverpflegung
Da wir bei der Internet-Recherche in einigen Reiseblogs gelesen haben, wie teuer Essen gehen hier ist (ca. 80 Euro für 2 Personen) und unser Reisebudget leider etwas schmäler ausgefallen ist, haben wir uns für Selbstversorgung (außer Frühstück) entschieden. Wir haben zuhause noch eine einfache elektrische Kochplatte und einen Alu-Kochtopf (2,5 Liter) gekauft. Nachdem hier für die Steckdosen keine Adapter notwendig sind, war das mit der Nutzung der Kochplatte kein Problem. Wir haben zuhause noch etwas Campinggeschirr, 2 Thermoskannen, einen Kochlöffel/Schöpflöffel, Thermobecher, Tupperdosen für Essensreste und zum Abspülen einen Schwamm sowie Geschirrtücher und ein Fläschchen Spülmittel eingepackt. Äußerst hilfreich waren auch ein paar Verschlussclips, um offene Lebensmittel zu verschließen. Wir haben versucht so wenig wie möglich Gewicht einzupacken, insgesamt hat das Zubehör für die Selbstverpflegung aber doch ca. 5kg ausgemacht (davon ca. 2kg allein die Kochplatte). Wir haben jedoch keine Lebensmittel von daheim mitgenommen. Diese haben wir alle vor Ort im Supermarkt (Bonus) gekauft. Die Preise waren völlig in Ordnung (nur etwas teurer als daheim). Wir haben uns für tagsüber ein paar Müsliriegel, Bananen, Äpfel und Kekse gekauft und abends gab es Spaghetti mit verschiedenen Pesto-Sorten, Macheroni mit verschiedenen Soßen, Kartoffelbrei mit Gemüse, Nudelsuppe und Reis mit süß-sauer-Soße. Zugegeben, keine riesen Abwechslung und auch kein kulinarisches Highlight aber es macht satt und geht relativ schnell. Bei den Nudeln haben wir uns wegen der geringen Kochzeit bewusst für diese Sorten entschieden. Bis das Wasser gekocht hat sind ca. 15-20 Minuten vergangen, nach insgesamt einer halben Stunde hatten wir dann aber meistens ein warmes Essen (Reis kochen hat deutlich länger gedauert). Bei den Getränken haben wir uns meistens mit Leitungswasser geholfen, welches hier eine sehr gute Qualität hat. In manchen Foren hab ich gelesen, dass das Leitungswasser nach Schwefel schmecken soll, das konnten wir allerdings nicht feststellen. Wir haben uns aus dem Supermarkt noch Apfelsaft (mit Schraubverschluss! Sonst große Schweinerei) zum Mischen mitgenommen und etwas Milch und Kakaopulver um uns in der Früh noch warmen Kakao zu kochen und in die Thermoskanne zu füllen (übrigens H-Milch heißt hier G-Milk). Über den heißen Kakao waren wir an einigen besonders windigen Tagen wirklich sehr froh.

Was packe ich ein?
Ganz klar, die kurzen Röcke und T-Shirts konnten daheim bleiben. Da wir mit dem Kochzubehör schon 5kg verbraucht haben, mussten hier beim restlichen Gepäck etwas sparen. Deshalb haben wir bei den Schuhen lediglich unsere Wanderschuhe angezogen und die Badelatschen in den Koffer geworfen. Natürlich darf auch ein Bikini/Badehose sowie ein Handtuch nicht fehlen, um in einer der heißen Quellen (hier gibt es teilweise auch kostenlose) baden gehen zu können. Ansonsten natürlich ganz wichtig warme Kleidung (am besten mehrere Schichten übereinander ziehen -> Fleece, Softshell und eine dicke Winterjacke) und Mütze/Schal/Handschuhe. Auch eine Regenjacke macht Sinn. Unsere Regenschirme hätten wir hingegen daheim lassen können, wir haben sie nicht genutzt. Es hat zwar oft geregnet aber bei dem Wind kann man den Schirm eigentlich oft gar nicht nutzen oder man möchte es nicht weil dann immer eine Hand fehlt um tolle Fotos zu machen. Wer besonders verfroren ist, kann evtl. noch Ski Unterwäsche und Skisocken einpacken. Wir hatten keine dabei. Was wir ebenfalls nicht dabei hatten, was im Nachhinein betrachtet aber durchaus Sinn gemacht hätte, wäre eine gefütterte, wasserfeste Hose bzw. zumindest eine regenfeste Überzieh-Hose. Und nicht vergessen einige Packungen Taschentücher einzupacken denn die Nase läuft hier gefühlt die ganze Zeit.
Bargeld hatten wir übrigens keines dabei, wir haben alles mit Kreditkarte bezahlt. Sogar die Toilettengebühr (200 Kronen!) in Dimmuborgir am See Myvatn konnte man mit Kreditkarte bezahlen…

© Iris Klein, 2019
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 26.09.2018
Dauer: 16 Tage
Heimkehr: 11.10.2018
Reiseziele: Island
Der Autor
 
Iris Klein berichtet seit 7 Wochen auf umdiewelt.