Albanien 2019 - Roadtrip durch ein kaum bekanntes Fleckchen Europas

Albanien-Reisebericht  |  Reisezeit: Juli 2019  |  von Nick H.

Von Gjirokastra nach Korça

Heute steht uns die längste Fahrt des Urlaubs bevor! Von Gjirokastra geht es über Përmet und den Thermalquellen Banjo e Benjes bis nach Korça. Obwohl es nur rund 200km sind, man konservativ geschätzt von 4,5 Stunden ausgehen. Ungünstigerweise hat gerade heute ein Mitreisender Geburtstag.

Auf dem Weg nach Përmet fährt man eine ganze Weile am Fluss Aoös entlang und passiert einige sehenswerte Brücken wie die Dragoti Bridge (Ura e Dragotit).

Dragoti Bridge

Dragoti Bridge

Ursprünglich wollten wir in Përmet zu Fuß den Berg hoch zur Saint Maria Church of Leuse (Kisha e Shen Merise ne Leuse, hin und zurück ca. 1,5 Stunden), haben dies aber zugunsten von zusätzlicher Zeit an den Thermalquellen verworfen. Zudem war unklar, ob die Kirche überhaupt offen und zu besichtigen sein würde. Immerhin den "Stadtfels", Guti i Qytetit, schauen wir uns von oben an.

Përmet gilt mit seinen städtischen Parks als grünste und sauberste Kleinstadt in Albanien und trägt dank entsprechender Felder im Umland den Beinamen "Stadt der Rosen". Es gibt keine spektakulären Sehenswürdigkeiten, aber wenn man sowieso daran vorbeifährt, lohnt ein kurzer Stopp.

Blick vom "Stadtfels", Guti i Qytetit

Blick vom "Stadtfels", Guti i Qytetit

Blick vom "Stadtfels", Guti i Qytetit

Blick vom "Stadtfels", Guti i Qytetit

Përmet

Përmet

Nicht weit hinter Përmet, genau genommen direkt vor Petran, heißt es links abbiegen, um zu den Thermalquellen Banjo e Benjes und dem zugehörigen Canyon (Kanioni i Lengarices) zu gelangen. Dies soll ein weiteres, echtes Highlight unseres Urlaubs werden!

Wir parken unseren Van auf dem Parkplatz neben einem Wagen, auf dem irgendwas mit "Hähnchenbraterei XY" (auf Deutsch) steht. Immer wieder sieht man ältere, in Deutschland ausgemusterte Fahrzeuge noch mit Original-Aufschrift (Schlosser, Elektriker, Bäcker...). Aktuell soll es für Albaner wohl ein ganz gutes Geschäft sein, die in Deutschland ungeliebten Dieselfahrzeuge zu kaufen und zu überführen.

Hinter dem Parkplatz fällt einem direkt die osmanische Bogenbrücke Ura e Katiut ins Auge, neben der schon die ersten blubbernden, schwefeligen Thermalquellen auf unseren Besuch warten. Das Wasser ist bis zu 32°C warm! Da ist es echtes Glück, dass die Außentemperatur inzwischen nicht mehr ganz so hoch ist und es heute teilweise sogar leicht nieselt.

Vier der Quellen werden heilende Kräfte zugesprochen, u.a. bei Problemen mit dem Magen, Rheuma oder der Haut. "Witzigerweise" haben drei von uns nach dem heutigen Tag etwas Probleme mit dem Magen, aber das kann auch an einem Caesar Salad, den Serpentinen oder dem vielen Bier vom Vorabend liegen.

Ura e Katiut

Ura e Katiut

Ura e Katiut

Ura e Katiut

Nachdem wir ausgiebig im vordersten und größten der Becken geplantscht haben, geht es für uns zu Fuß weiter in den Canyon hinein. "Schlauerweise" habe ich meine Badelatschen im Auto gelassen... Bald hat man die Wahl, ob man klatschnasse Schuhe für den Rest des Tages haben möchte oder ob man das Barfußlaufen riskieren möchte...

Aber die deutsche Ingenieurskunst ist ja nicht umsonst berühmt, daher bauen wir an einigen Stellen mit großen Wackersteinen Brücken über den Flusslauf.

Wir erreichen schließlich ein weiteres großes Becken mit einer unwirklich blauen Farbe. Der Kontrast wird durch den grünlichen Flusslauf noch extremer! Wir baden auch hier nochmals, bevor es noch tiefer in den Canyon geht.

Letztendlich verbringen wir mehrere Stunden in der Schlucht und den Bädern und haben eine super Zeit! Dass barfuß niemand ausgerutscht oder weggeknickt ist, kann man wohl unter "Das Glück ist mit den Dummen" verbuchen. Dafür stinken wir und unser Bus in den kommenden Stunden Richtung Korça so fies nach Schwefel, dass man das als gerechte Strafe ansehen kann.

Wenn man bedenkt, dass die SH75 die einzige sinnvolle Verbindung zwischen dem Südwesten des Landes (Saranda/Gjirokastra) und dem Südosten (Korça) darstellt, sind die Straßenverhältnisse krass!

Man kann sich das Ganze auszugsweise ja mal bei Google StreetView ansehen... Wunderschön, aber gefühlt ein besserer Feld-/Waldweg. Hier erklären sich die 4,5 Stunden Dauer also!
Die Straße führt uns auf über 1000m Höhe und die Gipfel im Hintergrund erreichen sogar die 2000m. Nadelwälder lassen einen glauben, gerade durch Kanada zu zuckeln...die Landschaft Albaniens ist wirklich extrem abwechslungsreich und sehenswert!

Panorama auf dem Weg nach Korça

Panorama auf dem Weg nach Korça

In Korça kommen wir in einer kleinen, familiengeführten Unterkunft, dem "The Twins' House - Binjaket", unter. Betrieben wird das Ganze von einem sehr herzlichen, älteren Ehepaar, das inzwischen größtenteils in den USA lebt, den Sommer jedoch in der Heimat verbringt.

Durch diesen Umstand sprechen beide natürlich sehr gutes Englisch und es wird wieder viel erzählt. Obwohl wir drei Doppelzimmer gebucht haben, bekommen wir - ohne Aufpreis! - ein viertes dazu! So komme ich ausnahmsweise in den Luxus eines Einzelzimmers. Da es hier wohl keine ausreichenden Kühlmöglichkeiten gibt, ist es die einzige Unterkunft ohne Frühstück für uns. Trotzdem finden wir abends und am nächsten Morgen Kekse, Croissants, Tee, Kaffee und Wasser vor. Wirklich toll!

Auf Empfehlung unserer Gastgeber gehen wir im Restaurant "Frogs zhabkat" essen. Es gibt für uns u.a. frittierte Froschschenkel, die hier wohl gar nicht so selten verspeist werden. Mjam…! Von Korça selbst werden wir an diesem Abend nur noch wenig zu sehen bekommen (immerhin die Kathedrale), da ein heftiges Unwetter über die gesamte Region fegt. In Griechenland kommen dabei sogar einige Menschen ums Leben. Wir werden zum Glück lediglich nass, sehen die Auswirkungen jedoch am nächsten Tag (siehe kommendes Kapitel).

Katedralja Orthodhokse "Ringjallja e Krishtit"

Katedralja Orthodhokse "Ringjallja e Krishtit"

Gewitter über Korça (Screenshot aus Timelapse-Video)

Gewitter über Korça (Screenshot aus Timelapse-Video)

Gewitter über Korça (Screenshot aus Timelapse-Video)

Gewitter über Korça (Screenshot aus Timelapse-Video)

© Nick H., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mit sechs Mann ging es per selbst organisiertem Roadtrip für neun Tage durch Zentral-, Süd- und Ostalbanien...
Details:
Aufbruch: 05.07.2019
Dauer: 10 Tage
Heimkehr: 14.07.2019
Reiseziele: Albanien
Der Autor
 
Nick H. berichtet seit 25 Monaten auf umdiewelt.