2000 km mit dem Auto durch Polen

Polen-Reisebericht  |  Reisezeit: August / September 2015  |  von Inge Waehlisch Soltau

Sopot und Oliwa

Sopot

Sopot - 13 km entfernt vom Danziger Zentrum - ist der beliebteste Badeort in Polen. Die Stadt hat 40.000 Einwohner, und vor allem im Sommer kommen Tausende von Touristen aus dem In- und Ausland, um sich zu erholen und sich zu amüsieren.
Am Tage sieht man viele Familien am Strand, an der Strandpromenade und der Mole. Abends und nachts wird Sopot dann zur Party-Stadt und die Leute strömen in die zahlreichen Diskotheken und Pubs.

Die Seebrücke

Die Seebrücke

Der lange Sandstrand

Der lange Sandstrand

Wir parkten unser Auto und liefen dann zum Strand, zogen die Schuhe aus und genossen den schönen Sandstrand. Natürlich testeten wir dann sofort die Wassertemperatur. Aber wir hätten gewarnt sein sollen, denn es war kein Einziger im Wasser - es war wirklich eiskalt.
Kurz vor dem Steg sahen wir dann doch einen Mutigen, der in der Ostsee schwamm.

Einer war mutig...

Einer war mutig...

Wir gingen dann weiter, errichteten unseren "Obuous" und waren auf der bekanntesten Sehenswürdigkeit von Sopot - der Seebrücke.
Bereits im Jahre 1827 befand sich hier ein 31,5 m langer Steg. Dieser wurde Anfang des 20. Jahrhunderts auf 150 m verlängert, und 1928 erhielt der Steg seine heutige Länge von über 500 m. In diesem Jahrhundert wurden dann noch die Stabilität und die Sicherheit gegen die Gewalt der Naturen verbessert.
Es entstanden drei Hafenbecken mit Liegeplätzen für Boote und ein Restaurant.
An der Mole waren überall windgeschützte Sitzgelegenheiten, und da es ein wunderbar sonniger Tag war, nutzten auch wir die Gelegenheit für ein Sonnenbad.
Die steife Brise war natürlich ideal für die vielen Segler - Könner sowie die jüngsten Anfänger in den Optimistenjollen.

Segeln auf der Ostsee

Segeln auf der Ostsee

Aber das Wetter war wechselhaft, und als wir die Mole verliessen, tauchten über dem Kurhaus dunkle Wolken auf.
Wir liefen dann in die Monte Cassino Strasse - eine Fussgängerzone mit vielen Restaurants und Geschäften. Das Wetter besserte sich doch wieder, und wir fanden einen schönen Biergarten.
Wer nicht in ein Restaurant gehen möchte, kann sich an den zahlreichen Ständen ein Snack kaufen. Besonders beliebt bei den Polen sind Waffen belegt mit verschiedenen Früchten und vor allem reichlich Sahne - eine wahre Kalorienbombe!

Der Yachthafen

Der Yachthafen

Bereits im 16. Jahrhundert kamen wohlhabende Patrizierfamilien zur Erholung nach Sopot.
Im Jahre 1827 wurde an dieser Stelle ein kleines Badehaus eröffnet, bevor dann in den 1920er Jahren das heutige Grand Hotel mit seiner eindrucksvollen Jugendstil-Architektur erbaut wurde, ein Jahr später folgte dann das Kurhaus.
Das Grand Hotel mit Blick auf die Ostsee und privatem Strand wurde 1927 eröffnet. Hier stiegen die höchsten Kreise aus Wirtschaft und Politik sowie gekrönte Häupter ab. Auch Greta Garbo und Marlene Dietrich genossen die mondäne Eleganz des Hotels als Gäste.
Nach der polnischen Kapitulation hatte Hitler hier kurzfristig sein Hauptquartier. Am Ende des 2. Welktriegs wurde das Hotel als Militärhospital genutzt, bevor es nach Kriegsende der Stabssitz der Roten Armee wurde.
Heute erstrahlt das 5* Hotel wieder in altem Glanz - repräsentativ und elegant.

Das Grand Hotel

Das Grand Hotel

Das Kurhaus

Das Kurhaus

An der Monte-Cassino-Strasse befindet sich die St. Georgskirche, die 1899-1901 im neogotischen Stil errichtet wurde. Diese Kirche war bis 1945 ein evangelisches Gotteshaus.

St. Georgskirche

St. Georgskirche

Schiffstour von Danzig nach Sopot

Nachdem es uns in Sopot gut gefallen hatte, als wir mit dem Auto dorthin fuhren, wollten wir beim zweiten Besuch mit dem Schiff von Danzig aus dorthin.
Die Ausflugsschiffe legen in der Nähe des Krantors am Mottlaukai ab.
Schon bald hatten wir die Altstadt hinter uns gelassen und kamen in den Hafenbereich.
Der Hafen bestand bereits im 19. Jahrhundert unter den Preussen, und viele Gebäude erinnern noch an diese Zeit. Nach dem 2. Weltkrieg hatten die Danziger Werften dann einen enormen Aufschwung.
Es entstanden ca. 17.000 Arbeitsplätze durch den grössten Arbeitgeber der Stadt, und jährlich wurden 32 Schiffe gebaut. In den letzten Jahren begann eine schwere Zeit für die Werften (nicht nur in Danzig), und es arbeiten nur noch ca. 2000 Leute dort, und man ist froh, wenn wenigstens noch ein Schiff pro Jahr dort fertiggestellt wird.
Die wirtschaftlichen Verluste wurden grösser, und so wird der südliche Teil des Werftareals nicht mehr für den Schiffsbau genutzt. Mittlerweile besteht eine Dauerkrise der Werften, und man befürchtet sogar ein endgültiges Aus, obwohl man das industrielle Erbe schützen möchte. Auf den Arealen entstanden inzwischen einige private kleinere Betriebe und auch u.a. eine Fabrik für Windkraftanlagen.
Die Danziger Werften sind weltweit bekannt geworden durch die Streiks zunächst im Jahre 1970 mit einigen Toten, an die ein Denkmal mit drei 40 m hohen Kreuzen erinnert.
Im August 1980 begann die nächste landesweite Streikwelle. Es entstand die erste unabhängige freie Gewerkschaft hinter dem Eisernen Vorhang mit 10 Mio. Mitgliedern. Der Werftelektriker (und spätere Präsident) Lech Walesa hatte hierbei eine führende Rolle, er wurde mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Durch die Gewerkschaft Solidarnocz entstand eine entscheidende Weichenstellung für die politsche Wende 1989. Im Jahre 2014 wurde das Europäische Solidaritäts-Zentrum eröffnet.
Da das Werftgelände in der Verlängerung des heutigen Zentrums in der Nähe von Hauptbahnhof und Altstadt liegt, bestehen natürlich inzwischen Pläne zur anderweitigen Nutzung: eine vierspurige Strasse, Einkaufszenter und Häuser mit teuren Apartments (nahezu unerschwinglich für die Einheimischen).

Im Hafen von Danzig

Im Hafen von Danzig

Danziger Hafen heute

Danziger Hafen heute

Seltener Anblick

Seltener Anblick

Nachdem wir das grosse Hafengebiet passiert hatten, sahen wir trotz des trüben Wetters schon von weitem das 25 m hohe Steindenkmal an der Westerplatte.
Die Westerplatte ist eine kleine bewaldete Halbinsel und wird von Danzig durch den Hafenkanal getrennt. Es war ein polnischer militärischer Aussenposten mit 182 Soldaten. Unter einem durchschaubaren Vorwand begann am 1. September 1939 ein deutsches Schlachtschiff das Bombardement, und so erlangte die Westerplatte den zweifelhaften Ruhm als offizieller Ort für den Beginn des 2. Weltkrieges.
Die Westerplatte wird von zahlreichen Touristen - meistens in Gruppen - aufgesucht.

Denkmal Westerplatte

Denkmal Westerplatte

Unsere Fahrt ging jetzt aufs offene Meer, und bald schon sahen wir die bekannte Seebrücke von Sopot, wo das Schiff anlegte.

Die Seebrücke

Die Seebrücke

Segeln vor schöner Kulisse

Segeln vor schöner Kulisse

Es war Sonntag, und in Sopot war dementsprechend viel Betrieb, z.b. eine Oldimer-Show und eine Musikkapelle vor dem Kurhaus.
Die Fussgängerzone machte ihrem Namen alle Ehre, denn zahlreiche Familien schlenderten dort mit einem Eis oder einer der bekannten mit viel Sahne und Früchten belegten Waffeln oder sassen in einem der zahlreichen Restaurants und Cafés.
Für die Rückfahrt nach Danzig benutzten wir den Zug, und mit ca. 1 € pro Person war dies auch noch um einiges günstiger als das Schiff...

Oldtimer Show

Oldtimer Show

Oldtimer Show

Oldtimer Show

Der Dom von Oliwa

Nur wenige Kilometer nördlich von Danzig liegt der ruhige Vorort Oliwa. Sehenswert ist der Park Oliwski mit Laubenwegen, Teichen und dem Palmenhaus. Im ehemaligen Abtpalast ist das Museum für moderne Kunst untergebracht.

Kleiner Weiher im Park

Kleiner Weiher im Park

Das Highlight ist jedoch die gotische Kathedrale mit zwei 60 m hohen Türmen, erbaut von Zisterziensern. Die Basilika ist 107 m lang. Die hellen und hohen drei Schiffe sind seit 1582 von einem Sterngewölbe überspannt. Im Inneren besonders sehenswert sind der barocke Hochaltar von 1680 und das Chorgestühl. in der Kathedrale befinden sich 23 Altäre aus der Renaissance, dem Barock und mehrheitlich dem Rokoko.

Der Dom von Oliwa

Der Dom von Oliwa

Prachtvoll im Inneren des Doms

Prachtvoll im Inneren des Doms

Die Rokoko-Orgel von 1780 mit 8000 Pfeifen - aus Eichenholz, Tannenholz, Kiefernholz und Zinn - und 110 Registern hat prachtvolle Schnitzornamente und beeindruckende filigrane bewegliche Figuren.

Die Orgel - mächtig und klangvoll...

Die Orgel - mächtig und klangvoll...

...oder leise und andächtig

...oder leise und andächtig

In den Sommermonaten kommen die Leute von weither, um einem halbstündigen Orgelkonzert zu lauschen. Es ist einfach nur atemberaubend, wenn man die Wucht der Bässe und die glockenhellen Hochtöne geniessen kann. Ein Konzert findet jeweils zur vollen Stunde statt, dauert ca. 30 Minuten und ist gratis, aber man freut sich natürlich über eine Spende.

Das Gewölbe

Das Gewölbe

Kostbarkeit im Dom

Kostbarkeit im Dom

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach Breslau (Wrowlac), Warschau (Warszawa), Masuren (Mazury), Elbing (Elblag) und Frauenburg (Frombork), Danzig (Gdansk) und Ostseeküste
Details:
Aufbruch: 30.08.2015
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 20.09.2015
Reiseziele: Polen
Der Autor
 
Inge Waehlisch Soltau berichtet seit 8 Monaten auf umdiewelt.