Ost- und Nordeuropa Sommer 2004

Tschechien-Reisebericht  |  Reisezeit: Juni / Juli 2004  |  von Katja Döring

Wir hatten ursprünglich überhaupt nicht vor, diese Tour zu fahren. Aber wir hatten in diesem Sommer ca. 5 Wochen Zeit für unseren Urlaub und durch unsere wilde Planerei wurde dann aus ein paar Tagen in Prag und dem Wunsch nach Finnland zu fahren ein Trip durch halb Europa :-) Und wir haben es sicher nicht bereut…

Prag

Der Plan war, am 24.06. relativ zeitig Richtung Prag aufzubrechen. Das mit dem "relativ zeitig" wurde zum dehnbaren Begriff, der sich immer mehr dehnte, da es für 2 Frauen manchmal relativ schwierig sein kann, sich zu entscheiden, was man für mehrere Wochen im Auto alles mit dabei haben muss Aber irgendwann nach 10:00 Uhr waren wir dann auch endlich mal auf der Autobahn, den Twingo meiner Freundin bis zum Bersten voll gepackt. Da wir nur in Prag und Krakau vorreserviert hatten, hatten wir natürlich auch Campingsachen dabei, die, um es gleich vorweg zu nehmen, genauso gut zu Hause hätten bleiben können

Wenzelsplatz

Wenzelsplatz

Bis zur tschechischen Grenze lief es eigentlich ganz gut. Etwas angespannt behielt ich die Tanknadel im Auge, da wir beschlossen hatten, dank der teueren Spritpreise in Deutschland, erst in Tschechien wieder zu tanken. Mit Ach und Krach schafften wir es zur ersten Tankstelle hinter der Grenze und weiter ging es nach Prag. Je näher wir kamen, desto nervöser wurden wir, ob wir unsere Pension (www.pensionmadona.cz) - ein privat geführtes, einfaches, aber sauberes Haus - auch auf Anhieb finden würden. Nachdem wir dann auch prompt die richtige Ausfahrt verpasst hatten, weil der Name der Ausfahrt nicht mit dem auf dem Ausdruck des Routenplaners übereinstimmte, stieg die Nervosität und wir starteten eine Irrfahrt durch Prag. Ich versuchte meine Freundin bestmöglich durch die uns völlig fremde Stadt zu lotsen. Die Richtung, die wir fuhren stimmte zwar im Großen und Ganzen, aber wir verfluchten den Erfinder der Einbahnstraßen nicht nur einmal. Dank dieser landeten wir schließlich auf einem Parkplatz etwa 1 - 1,5 km Luftlinie von unserer Pension entfernt und waren mit unserem Latein am Ende. Eine Frau fragte uns schließlich, ob sie uns helfen könnte und wir versuchten ihr zu erklären, wohin wir wollten. Auf einmal drehte sie sich um und weg war sie. Wir sahen uns achselzuckend an und wollten unsere Irrfahrt gerade fortsetzen, als die Frau mit ihrem eigenen Auto auftauchte und uns bedeutete, ihr zu folgen. Sie musste selbst mehrmals anhalten und nach dem Weg fragen, aber sie lieferte uns wohlbehalten an unserer Pension ab. Wir waren ihr so dankbar, dass wir ihr aus unserem Reiseproviant eine Flasche Wein und 10,- Euro in die Hand drückten. Später wurde uns zwar bewusst, dass wir für 10,- Euro gleich zweimal ein Taxi vor uns hätten herfahren lassen können, um zur Pension zu finden, weil das 2004 in Prag echt noch günstig war, aber so eine spontane Hilfsbereitschaft musste ja auch belohnt werden!

Nationalmuseum

Nationalmuseum

Während wir uns in der Pension Madona einrichteten, stellte ich fest, dass ich eine auskuriert geglaubte Blasenentzündung erneut am Hals hatte. Unser Vermieter erklärte uns, wo die nächstgelegene Apotheke läge, die aber vermutlich schon geschlossen hätte. Dem war auch so. Von dort aus fuhren wir dann also zum Nationalmuseum, wo eine 24-Stunden-Apotheke sein sollte. Tja, sollte... Die war nämlich auch geschlossen. Also fragten wir uns nach der nächsten durch, die dann am Nam Miru war. Dort gab es allerdings 2 und wir liefen natürlich erst einmal zu der, die nicht 24 Stunden geöffnet hatte. Als wir dann in der richtigen standen, wurden meine Hoffnungen, in Osteuropa vielleicht doch noch Antibiotika ohne Rezept zu bekommen enttäuscht. Ich wurde zu einem 24-Stunden-Ärzte-Service geschickt, wo wir dann auch mit dem Taxi hinfuhren, bei dem allerdings niemand war. Stattdessen sollte man eine Telefonnummer anrufen, die auf dem Praxisschild neben der Tür angegeben war. Die Ärztin sagte mir dann, dass sie für €200,- in die Pension käme, zzgl. eventueller weiterer Kosten. Ich lehnte dankend ab und kurz darauf standen wir, im Reiseführer blätternd, wieder auf der Straße. Meine Verzweiflung wuchs und jeder, der schon einmal eine Blasenentzündung hatte, kann vermutlich nachempfinden, wie es mir erging... Aber €200,- zzgl. diverser Extrakosten, waren mir zu diesem Zeitpunkt einfach zu viel... An dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank, an den ADAC, denn dort stand die Adresse der "Klinik für Ausländer" zu der wir uns vom nächsten Taxi fahren ließen und Gott sei Dank: dort wurde mir endlich geholfen Der Arzt konnte Englisch und schickte uns dann auch nach einiger Zeit, samt Rezept, zu einer Apotheke in der Nähe, die nachts geöffnet hatte. Vier Stunden nach unserer Ankunft in Prag, €8,- Arztkosten, €7,- für Antibiotika und etwa €30,- für Taxifahrten 3 mal quer durch die Stadt später, saßen wir dann entspannt bei einem Bier (spült schließlich gut durch ) in unserem Zimmer und konnten endlich richtig ankommen.

Unsere Pension

Unsere Pension

Am nächsten Tag ging es mir dann auch schon sehr viel besser und wir besichtigten die Prager Neustadt, Nam Miru, Nationalmuseum und Wenzelsplatz, sowie die Altstadt mit dem Pulverturm und gingen über den Königsweg, den Altstädter Ring, vorbei am Rathaus bis zur Karlsbrücke. Auf der Halbinsel Kampa haben wir dann noch etwas getrunken, bevor wir uns mit dem Taxi auf den Rückweg zur Pension machten. Am Vortag hatte ich auf Grund meines Zustandes gar nicht richtig wahrgenommen, wie schön Prag eigentlich ist. Aber an diesem Tag kam ich aus meiner Begeisterung gar nicht mehr raus. Da wir die halbe Stadt zu Fuß erkundet hatten, hatten wir natürlich schon sehr viele Eindrücke bekommen.

Pulverturm

Pulverturm

Altstädter Ring

Altstädter Ring

Prager Burg

Prager Burg

Am nächsten Tag besichtigten wir dann noch das Schloss Belvedere, die Prager Burg und die Kleinseite. Wir ließen uns mit dem Taxi zum Lustschloss Belvedere fahren und bummelten durch den Park, am Singenden Brunnen vorbei, Richtung Prager Burg. Dort kamen wir aus unserer Begeisterung wieder fast nicht raus. Zum einen der tolle Blick über Prag und die Moldau, zum anderen die vielen tollen Palais und der imposante Dom St. Veit. Das Goldene Gässchen ließen wir aus, da wir die Eintrittspreise etwas überzogen fanden. Stattdessen, ließen wir uns auf der Kampa lieber ein leckeres Essen schmecken

Blick von der Karlsbrücke auf die Kampa

Blick von der Karlsbrücke auf die Kampa

Wir liefen gemütlich über die Karlsbrücke zur Altstadt zurück und am Smetana-Kai entlang Richtung Neustadt. Allerdings hatten wir uns in dem Gewirr der vielen Straßen dann doch irgendwann verfranst und hielten ein Taxi an, obwohl wir nicht mehr weit von unserer Pension entfernt waren. Wir sagten dem Fahrer die Adresse und gaben ihm eine ungefähre Richtungsangabe, da er die Adresse nicht kannte und fanden uns kurz darauf auf der Autobahn stadtauswärts wieder. Ich will dem Fahrer nicht unbedingt böse Absichten unterstellen, aber er wollte auch nicht kehrt machen, als wir ihm (mehrmals) sagten, dass er falsch fuhr. Als wir dann doch irgendwann zwei Straßen von unserer Pension, nach vielen Diskussionen und etwa €15,- (wir weigerten uns, mehr zu zahlen) ärmer das Auto verließen, waren wir doch etwas sauer, dass uns dieser Taxifahrer unser schönes Bild von Prag etwas getrübt hatte. Am nächsten Tag hieß es nämlich schon: Aufbruch, Weiterfahrt nach Polen.

Smetana Kai

Smetana Kai

© Katja Döring, 2009
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 24.06.2004
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 29.07.2004
Reiseziele: Tschechische Republik
Polen
Litauen
Lettland
Estland
Finnland
Schweden
Dänemark
Der Autor
 
Katja Döring berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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