Mit der Skatrunde nach Lemberg und Kiew 2006

Reisezeit: September 2006  |  von Manfred Sürig

Leicht übermüdet zurück bis Warschau

Freitag, den 15.September 2006

Tatsächlich, irgendwann muß ich ein paar Minuten eingenickt sein, bevor wir gegen 4.50 Uhr in Lemberg ankommen. Wir haben noch keine Fahrkarten nach Polen zurück, in Kiev hieß es, der Zug sei ausverkauft, aber in Lemberg könnten wir es trotzdem noch versuchen. Sergej will sichergehen und sorgt dafür, dass uns notfalls sogar morgens um 5 Uhr jemand mit seinem Kleinbus bis zur Grenze nach Polen bringen könnte. Der gute Mann ruft ihn schon um 4 Uhr im Zug an und teilt mit, dass er am Bahnhof auf uns warte. Wir bekommen aber doch noch Bahntickets, die für die einfache Fahrt bis Przemysl deutlich teurer sind als für die Hin- und Rückfahrt nach Kiev. So dient uns sein Auto wenigstens noch als Gepäckaufbewahrung, solange wir im Wartesaal uns um ein Katerfrühstück bemühen. Pünktlich um 7.18 Uhr heißt es dann Abschiednehmen von Sergej und seinen Freunden. Wir bedanken uns immer wieder für die überwältigende Betreuung während unseres Aufenthaltes, einen Obulus will Sergej nicht annehmen, statt dessen bittet er uns, von unserer Reise zu Hause zu berichten und möglichst vielen Leuten aus der EU einen Besuch in der Ukraine nahezulegen. Die Menschen müßten einander gegenseitig kennenlernen, dann komme es ganz von selbst auch zu geschäftlichen Kontakten und zu politischen Gesprächen. Wenn wir mit einer Einladung den Busfahrern zu einem Visum für die EG verhelfen würden, könnten sie sich, wie schon zwei andere vorher, mit Fahrdienstleistungen eine Existenz aufbauen. Wie überhaupt die Ukrainer lernen müßten, sich selbst zu helfen, aber dazu Starthilfe von uns in der EG benötigten. Vergeßt uns nicht !

Nach diesen warmen Abschiedsworten rollen wir zweiter Klasse nach Westen zurück. Zwei Nächte wenig Schlaf fordern ihren Tribut, zumal ohnehin auf allen Bänken des Zuges geschlafen wird - bis zur stundenlangen Grenzabfertigung in Medyka. In Przemysl scheint wenigstens die Sonne wie gewohnt, wir steigen in den nächsten Bummelzug Richtung Krakau bis Rzeszow und fühlen uns sogar fit genug zum Skatspielen. Auch im nächsten Zug bis Krakau halten wir durch und spielen insgesamt noch 226,25 Euro in die Kasse, nicht ganz ausreichend, um hieraus und aus dem Guthaben von 1613,36 Euro alle Ausgaben aus der Skatkasse besteiten zu können. In Krakau haben wir dann einen schnellen Intercity nach Warschau reserviert, in dem wir, selbst in Anwesenheit eines hohen geistlichen Herrn mit uns im Abteil, weiter an der Anreicherung der Skatkasse arbeiten. In Warschau Centralna wird Hochwürden von einer Schar von Nonnen ehrerbietig empfangen, von denen er die Huldigungen großmütig entgegennimmt, wir dagegen müssen unseren Weg selbst suchen; selbst einen Taxistand zu finden, fällt uns schon schwer. Adresse The Westin kann ich dem Fahrer noch sagen, der flucht, weil das für ihn eine viel zu kurze Tour sei, aber er bringt uns hin.

Die Zimmer sind vom Feinsten, endlich einmal genüßlich wieder duschen können, alle sind hocherfreut, und auch der Zimmerpreis von 85 Euro incl. eines lukullischen Frühstücksbuffets wird als angemessen angesehen. Bei einem kleinen Stadtrundgang landen wir nach kurzer Zeit im Folk Gospoda, wo die Lautstärke im Lokal im gleichen Verhältnis steht wie die Größe der Eßportionen. Wir schlagen beinahe schon unverschämt zu, alles Sachen vom Schlachtefest, aber typisch polnisch gewürzt. Am Nebentisch feiert wohl eine gutgehende Firma mit hohem Frauenüberschuß ihr Betriebsfest, einige sind schon richtig besoffen, und Toni meint, bei den anderen hätten wir aber sicher Chancen. Aber Müdigkeit und unser fortgeschrittenes Alter führen doch schnell zu dem Entschluß, unser Hotel nun zum Schlafen zu nutzen.

Ohne Reservierung kommt man mit dem Zug nicht mit, aber Reservierungen gibt es erst in letzter Minute, ein System, das wir nicht verstehen können.

Ohne Reservierung kommt man mit dem Zug nicht mit, aber Reservierungen gibt es erst in letzter Minute, ein System, das wir nicht verstehen können.

Die einzige Synagoge in Warschau, die den 2.Weltkrieg überstanden hat.

Die einzige Synagoge in Warschau, die den 2.Weltkrieg überstanden hat.

Der Duschraum ist noch komfortabler.....

Der Duschraum ist noch komfortabler.....

© Manfred Sürig, 2006
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Sergej, den ich 2004 in Lemberg in der Ukraine kennengelernt hatte, hatte mich wiederholt eingeladen, möglichst auch mit Freunden in die Ukraine zu kommen. Man muß das hier mit eigenen Augen sehen, hatte er immer wieder betont. Nun haben wir unsere eigenen Erlebnisse gehabt und jeder kann selbst zwischen Begeisterung und Verdruß entscheiden.
Details:
Aufbruch: 09.09.2006
Dauer: 9 Tage
Heimkehr: 17.09.2006
Reiseziele: Polen
Ukraine
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.