3 Wochen durch Bolivien

Reisezeit: August 2004  |  von Carsten Embert

Madidi-Nationalpark, Dschungeltour

So gegen 08 Uhr geht es raus. Dirk ist bereits unterwegs und organisiert uns einen Guide und eine Köchin. Wieder einmal bin ich richtig nervös. Ich war noch nie im Dschungel, habe bisher nur den deutschen Wald kennengelernt. Zugegeben auch sehr schön, aber mit einem Regenwald wohl doch nicht zu vergleichen.

Rurrenabaque

Rurrenabaque

Wir machen noch ein paar Besorgungen für die Dschungeltour. Batterien für die Taschenlampen, Hemden, einen Hut, Getränke und so weiter. Dann geht es los.

Flussfahrt auf dem Rio Beni

Flussfahrt auf dem Rio Beni

Gegen 11:30 schwinge ich mich auf das lange schmale Boot, das nicht wirklich viel Vertrauen in mir erweckt. Beim Versuch über ein paar Kisten zu steigen gehe ich beinahe baden, kann mich aber gerade noch so fangen. Ich bin total begeistert. Die Umgebung ist atemberaubend. Dazu strahlender Sonnenschein bei über 30 Grad. So lässt es sich aushalten. Wir winden uns mit dem Boot um die letzen Ausläufer der Berge, dann wird es immer flacher. Nachdem wir ca. 3 Stunden mit dem Boot unterwegs sind, halten wir kurz am Ufer an. Hier sind die "Wächter", die jeden der den Madidi-Nationalpark betritt registrieren. Dirk meldet uns alle an und wir fahren noch ca. 1 Stunde weiter, bis wir unser Ziel erreichen. Nachdem wir das Boot ausgeladen haben packen wir unser Sachen und kommen ca. 300 m weiter im Dschungel zu unserem Camp. Bestehend aus zwei Holzhütten; die eine als Unterkunft für uns, die andere beherbergt eine Küche, einen Esstisch und die Unterkunft für Guide und Köchin.

Unser Dschungelcamp

Unser Dschungelcamp

Wir richten uns im Camp ein und schon bald wird es dunkel. Nach einem wirklich reichhaltigen und guten Abendessen machen wir unsere erste Tour. Natürlich im Dunkeln. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das wirklich eine gute Idee ist. Vielleicht hätte man sich den Dschungel erstmal bei Tag angucken sollen, anstatt direkt im Dunkeln los zu stiefeln. Egal, jetzt sind wir unterwegs. Schon 50 m vom Camp entfernt finden wir eine Schlange...50 m, das ist nicht weit von meinem Schlafsack entfernt. Heute nacht werde ich vor dem Schlafen gut aufpassen. Dirk überprüft kurz Gattung und Art und greift zu. Eine ungiftige Natter. Sie verschwindet in einem seiner vielen mitgeführten Beutel. Überall erkennen wir im Kegel der Taschenlampen merkwürdige Tiere. Viele Spinnen (u.a. die Tarantel), Raupen, Ameisen, Vögel und auch Fledermäuse. Dann kommen wir wieder zum Rio Beni. Hier suchen wir den "Strand" ab, ob wir evtl. Scorpione oder weiter Schlangen finden, sind aber vorerst nicht erfolgreich. Wir bewegen uns weiter in Richtung mehrere kleiner Tümpel und müssen uns durch kniehohes Gebüsch durchschlagen. Noch nie in meinem Leben habe ich mich so vorsichtig bewegt. Tümpel => Frösche => Schlangen, logisch. In der Tat finden wir auf dem Weg eine weiter Schlange, aber auch diese ist ungiftig. Macht nichts, ab in Dirks Beutel. An den Tümpeln angekommen macht sich Dirk direkt auf den Weg hinein. Ja, hinein, nicht wie wir außen herum. Dirk steht teilweise bis zum Hals im Wasser und ist auf Fröschejagd. Spätestens jetzt ist uns bewusst, er ist "un poco loco", ein wenig verückt. Dirk fängt viel Frösche, auch ich stürze mich todesmutig auf ein etwas größeres Tier und fange es. Nachdem Dirk den Frosch begutacht hat, lässt er ihn aber kommentarlos wieder frei. Ich bin natürlich entsetzt, dass er meinen Fang so respektlos behandelt, aber er hat diese Gattung bereits gefangen und benötigt kein weiteres Exemplar. Das akzeptiere ich natürlich sofort.
Nach ein paar wirklich aufregenden Stunden kommen wir wieder zurück zum Camp. Dirk legt sich direkt schlafen. Wir anderen trinken noch eine Flasche Singani und legen uns danach auch hin. Natürlich habe ich vorher meinen Schlafplatz nach allem möglichen Getier untersucht. Dank des Moskitonetzes aber nichts gefunden.

Ein der beiden Schlangen, die wir die Nacht zuvor gefangen haben

Ein der beiden Schlangen, die wir die Nacht zuvor gefangen haben

Am nächsten Tag werde ich durch Vogelgezwitscher geweckt. Es ist ca. 08 Uhr morgens und noch etwas diesig.
Dennoch ist es jetzt schon richtig warm. Heute werden wir das erste mal den Dschungel bei Tag zu Gesicht bekommen. Nach einem guten Frühstück und kurzer Erholung auf Hängematten, geht Dirk das Camp ab und entdeckt einige Echsen in den Büschen. Er nimmt sein Luftgewehr und schießt. Die Echsen muss er schießen, da es sonst keine andere Möglichkeit gibt, diese schnellen Tier zu fangen.

Eine der Echsen, die Dirk geschossen hat.

Eine der Echsen, die Dirk geschossen hat.

Kurz darauf machen wir uns auf in den Dschungel. Natürlich bin ich wieder nervös. Dirk hat eine Belohnung ausgesprochen. Für jede Schlange gibt es ein Bier. Ich kann direkt vorweg nehmen, dass wir leider keine Schlange gefunden haben. Dennoch werde ich diese Tour nicht vergessen.
Zuerst geht es eigentlich recht gemütlich zu. Wir stoppen oft und unser Guide Melvin zeigt und erklärt uns viele intersante Dinge. Wir essen Palmenherz, melken einen Curare-Baum, sehen diverse Vögel und vieles mehr.

Flussüberquerung. Alle sind trocken geblieben.

Flussüberquerung. Alle sind trocken geblieben.

Dann kommtdie erste Aufregung. Wir erreichen einen Fluß. Über diesen ist ein dünner Baumstamm gelegt. Wie kommen wir jetzt rüber? Doch nicht etwa über den Baumstamm...Nein, das geht nun wirklich nicht. Doch es geht, meint zumindest Melvin. Robert 1.0. und ich sehen uns schon im Fluss. Gut was solls, wir müssen ja irgendwie rüber. Zur Stabilität nehme ich mir einen langen Ast und tauch ihn bis zum Grund des Flusses, so kann ich mich an ihm festhalten. Das funktioniert gut, und so habe ich mitten auf dem Fluss noch die Gelegenheit in Ruhe einen wunderschönen Schmetterling zu begutachten. Allerdings bin ich dadurch etwas abgelenkt, und verliere beinahe das Gleichgewicht, kann mich aber gerade noch halten.

Unserr Guide Melvin vor einem Urwaldriesen.

Unserr Guide Melvin vor einem Urwaldriesen.

Wir sind alle trocken am anderen Ufer angekommen und gehen weiter. Dann sind sie da, Pekaris. Zuerst können wir sie nur richen, kurze Zeit später auch hören. Pekaris sind die gefährlichsten Tiere im Dschungel, nicht die Jaguars, Leoparden oder Schlangen, denn diese sind scheu und suchen eigentlich immer die Flucht. Pekaris sind unseren heimischen Wildschweinen ähnlich. Die oberen Eckzähne sind, abweichend von denen der Suidae, allerdings nach unten gerichtet. Zusammen mit den unteren Eckzähnen bilden sie eine wirkungsvolle Waffe, wie bei den Raubtieren. Dadurch, daß sie sich gegenseitig schleifen, sind die Eckzähne außerordentlich scharf. Dirk klärt uns sofort auf, dass diese Tiere äußerst aggressiv sind, insbesondere, wenn man in Ihr Revier eindringt, was wir defentiv gemacht haben. Fühlen sie sich betroht, greifen sie sofort an. Jedoch nicht ein einzelnes Tier, sondern die ganze Gruppe. Ist man nicht schnell genug auf einem Baum, wird man zerfleischt. Melvin weist uns darauf hin, dass es wohl eine Gruppe von 30-40 Tieren sein muss, und wir bei einem Angriff sofort auf einen Baum flüchten sollen. Na Danke...man muss dazu wissen wie die Bäume im Dschungel aussehen. Entweder sie sind giftig, von Ameisen übersiedelt, haben Stachel oder die Äste hängen so hoch, dass man sich nur wie ein Affe um den Stamm klammern kann. Die Tiere zeigen, dass sie mit unserem Dasein nicht zufrieden sind, und schnell sind wir von der kompletten Gruppe eingekreist. Dazu kommt ein Zähneknirschen, dass ich nie vergessen werde. Feinde werden von den Pekaris durch eine Drohgebärde abgewehrt. Dabei reißen sie das Maul auf und entblößen ihre scharfen Eckzähne. In stärkerer Erregung schlagen sie die Kiefer dann laut knallend aufeinander.
Das ganze Geschehen habe ich auch auf Video aufgenommen, und jeder, der das Video bisher gesehen hat, kann sich vorstellen, wie wir uns gefühlt haben.


Hier könnt Ihr Euch meine Sprachaufzeichnung des Tages anhören: Tag 12, Dschungel

Die Gruppe. Von links nach rechts: Freed, Ea, Robert 2.0., Robert 1.0. und Melvin. Dirk fotografiert.

Die Gruppe. Von links nach rechts: Freed, Ea, Robert 2.0., Robert 1.0. und Melvin. Dirk fotografiert.

Zum Glück kommt es nicht zu einem Angriff, und bald sind die Pekaris verschwunden. Gegen Abend sind wir wieder zurück im Camp, natürlich schweißgebaded, nicht nur wegen der Schwüle. Wir essen etwas, trinken wieder eine Flasche Singani und machen es uns auf Baumstämmen bei Kerzenlich gemütlich. Bald gehen wir schlafen und träumen von einem leckeren Schweinebraten...

Einer von Dirks Fröschen. Bitte unbedingt das Copyright beachten.

Einer von Dirks Fröschen. Bitte unbedingt das Copyright beachten.

Der nächste Tag ist der Tag der Planänderung der Planänderung des Planes:
Wieder stehen wir so gegen 08 Uhr auf.Melvin sagt uns, dass wir unseren Plan erst morgen in der Früh zu fahren ändern müssen, da es morgens ziemlich nebelig ist und daher zu gefährlich auf den Fluss zu fahren. Also ist heute der Dschungeltrip beendet.
Vorher brechen wir aber noch mal zu einer Tour auf. Wieder stoßen wir auf Pekaris, zum Glück ist auch diesmal nichts passiert. Natürlich gibt es auch wieder viele Vögel etc. zu sehen. Diesmal sind wir nicht so weit gegangen und haben auch nicht so viel Tempo gemacht. Gegen 13:30 sind wir wieder zurück, schließlich soll ja unser Boot bald ablegen.
Dann kommt Melvin zu uns und meint, dass es eine weiter Planänderung gibt. Den Guides ist aufgefallen, dass zu viele Leute heute abreisen und sie nicht genug Kapazität im Boot haben. Wir würden es dann doch morgen früh versuchen. Wir finden es in Ordnung, hatten uns zwar schon auf eine Dusche in Rurre und eine lecker Pizza gefreut, dafür können wir jetzt noch einen Tag länger bleiben. Insbesondere freuen wir uns auf das jetzt geplante fischen, da unsere Köchin heute abreisen muss, und wir uns somit selbst verpflegen müssen. Also planen wir mal wieder um, wollen noch eine kleine Dschungeltour machen und uns dann zum Rio Beni zum fischen begeben.


Hört hier meine Sprachaufzeichnung zu diesem Thema bis zu diesem Zeitpunkt (ich wusste noch nicht, dass es eine weitere Planänderung geben wird!)
Planänderung

Melvin ist verschwunden, er will eigentlich mit dem Boot nach Rurre und dann abends mit dem Boot wieder zu uns stoßen. Doch kurze Zeit später erscheint Melvin plötzlich wieder im Lager. Wieder Planänderung, wir fahren doch heute und zwar sofort. Er hat am Fluss ein anderes Boot angehalten, das uns mit nehmen kann. Also schnell packen, alle Pläne wieder verwerfen und den alten Plan mit Dusche und Pizza wieder aufgreifen. Kurze Zeit später geht es dann wirklich los.

Dirk, der verrückte Professor.

Dirk, der verrückte Professor.

Gegen 17:30 Uhr sind wir dann wieder zurück in Rurrenabaque. Wir suchen uns erstmal ein Hotel und duschen. Danach gehe ich zu Dirk, denn er will jetzt die Tiere entsprechen präparieren, die er bzw. wir gefangen haben. Zur Zeit befinden sich die Frösche noch in luftgefüllten Tüten. Die jetzt kommende Arbeit mag Dirk überhaupt nicht, aber für seine wissenschaftliche Tätigkeit leider unumgänglich. Er muss die Tiere nun töten. Dazu legt er die Frösche in Gemisch aus Alkohol und Wasser. Nach kurzer Zeit sind die Frösche eingeschlafen. Die Schlangen bekommen ein überdosiertes Schlafmittel gespritz und schlafen so auch ein. Manch einer wird nicht verstehen, dass man die Tiere tötet, aber im Endefekt ist die Arbeit von Dirk sehr wichtig für die Flora und Fauna von Bolivien. Dafür müssen leider auch ein paar dieser Tiere getötet werden. Bittet richtet Eure Beschwerden nicht an mich, sondern besucht die Seite meines Bruders, er wird Euch über den Sinn und das Muss seiner Arbeit aufklären.


Die Homepage meines Bruders:
Herpetology Bolivia

Ein Teil der wissenschaftlichen Beute.
Auf den Zetteln ist Fundort und Funddatum notiert. Einem Teil der Tiere hat Dirk Zehen abgeschnitten und schickt diese zur DNA-Analyse in die USA.

Ein Teil der wissenschaftlichen Beute.
Auf den Zetteln ist Fundort und Funddatum notiert. Einem Teil der Tiere hat Dirk Zehen abgeschnitten und schickt diese zur DNA-Analyse in die USA.

Abens gehen wir wieder in die Moskitobar und essen eine lecker Pizza. Später besuchen wir noch eine Disco, oder so etwas ähnliches. Wir freuen uns jetzt auf die Pampa und gehen gegen 02 Uhr nachts schlafen.


besucht mich auf meiner Homepage

© Carsten Embert, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Zuerst vertreiben wir uns die Zeit in Santa Cruz. Dann geht es über Cochabamba hoch aufs Alti Plano nach La Paz. Nach einer Panne und einer nicht geplanten Übernachtung auf 3500 m Höhe mitten im Nichts geht es über die Todesstraße hinab in den Dschungel. Weiter geht es Richtung Pampa und über Trinidad zurück nach Santa Cruz. Beim Rückflug machen wir noch einen 3-tägigen Zwischenstopp in Buenos Aires.
Details:
Aufbruch: 02.08.2004
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 28.08.2004
Reiseziele: Bolivien
Argentinien
Der Autor
 
Carsten Embert berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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