Weltreise

Reisezeit: August 2009 - Februar 2010  |  von Lukas Nahrgang

Mongolei

Transsib von Irkutsk nach Ulan-Bator und Jurtencamp in der Mongolei

Wir steigen um 5.25 Uhr Ortszeit in den Zug nach Ulan-Bator. Nach gerade einmal 4 Stunden Schlaf hoffen wir auf freundliche Mitreisende. Im Zug schnell Betten beziehen und den Wecker auf halb sieben stellen um den Sonnenaufgang über dem Baikalsee zu erleben, da der Zug noch ca. 6 Stunden am Ufer entlang fährt. Dieses Vorhaben gelingt jedoch nur Jakob!

Morgens machen wir die Bekanntschaft von Erika und Daniel, zwei Schweden. Das Gespräch kommt schnell in Gang und wir unterhalten uns den ganzen Tag über Gott und die Welt. Am Fenster zieht eine einzigartige Landschaft vorbei und wir kommen aus dem Stauenen nicht mehr heraus. Zuerst noch der Baikalsee dann jedoch schon das erste mal russische Steppe und der Gänsesee, welcher auch nicht gerade klein ist. Schade ist hier nur, dass eine Fabrik direckt am Ufer steht und den See zu verschmutzen scheint. Dann wieder Steppe mit russischen Feldarbeitern die das Heu noch mit dem Rechen machen, unfassbar!!

Gegen 18 Uhr Ortszeit erreichen wir die Russisch-Mongolische Grenze. Hier müssen wir nach dem Ausfüllen mehrerer russischer Dokumente ca. 4 Stunden warten. Wir können zwar den Zug verlassen aber der Grenzort ist nicht gerade von architektonischen russischen Meisterleistungen und einzigartigen Bauwerken geprägt.

russischer Grenzort...

russischer Grenzort...

Kurz nach dem Eintreffen und der Passabgabe kommt ein Geldwechsler in den Zug. Ein Mongole, groß, schwarze Haare, breites Ginsen auf dem Gesicht und er fragt: "Change Money?"
Lukas entscheidet sich 1000 Rubel zu tauschen, er bekommt dafür 4000 Tugrig. Der unentwegt grinsende Geldwechsler macht sich nach erfolgreichem Gescheft schnell aus dem Staub. Lukas beginnt zu rechnen wie viel er nun verloren hat und sagt zuerst nur Ungläubig und scherzhaft: "Der Penner hat mich um 75% betrogen!?". Nun fangen alle an zu rechnen und bei einem Bankumtauschkurs von 1:45 habe ich nicht 75% Verlust sondern 91% Verlust gemacht!!! Da es jedoch "nur" 20€ waren hält sich der Schaden in Grenzen, es sollte aber nicht zu häufig vorkommen sonst bin ich schnell bankrott!!! Die nächsten Stunden finster dreinschauend nimmt er es schließlich als Lehre hin, jedoch nicht ohne den Mann noch einmal gehörig zu Verfluchen. Am nächsten Tag erfahren wir jedoch, dass im Nachbarabteil zwei Australier 10.000 Rubel getauscht haben! Das mindert den Schmerz um das verlorene Geld doch deutlich und wir können wieder darüber lachen. Abschließend betrachtet habe ich mit dieser großzügigen Spende die lokale Mafia netterweise ein wenig unterstützt.

Einmal raten wieviel ist das wohl wert? Ja richtig, ca. 1,50€!!

Einmal raten wieviel ist das wohl wert? Ja richtig, ca. 1,50€!!

Nach weiteren 2 Stunden Wartezeit, schon 12 Uhr Ortszeit, und einer obligatorischen Abteilkontrolle durch einen russischen Soldaten, welcher wie ein Bösewicht aus einem James Bond aussieht, fahren wir ca. 15 Minuten um den nächsten ca. 2 stündigen Stopp am mongolischen Grenzbahnhof zu machen. Auch hier die gleiche sinnlose Kontolle, nur das die Formulare diesmal in mongolischer Schrift sind und somit noch schwerer auszufüllen. Die dicke mongolische Beamtin lässt sich durch den Anblick zweier in Unterhose da sitztender und ihr freundlich die Pässe entgegenhaltender Deutscher nicht aus der Ruhe bringen und verschwindet recht schnell wieder.

Am nächsten Morgen können wir wieder unvergessliche mongolische Steppe beobachten. Ab und an ist eine oder zwei Jurten und eine Schaf-,Kuh- oder Pferdeherde zu sehen. Das Leben dieser Menschen richtet sich nicht nach der Uhr wie bei uns sondern je nachdem was für Arbeiten anfallen. Sie planen also nicht unbedingt im Voraus sondern reagieren nur auf Probleme wenn sie aufteten.

russische Steppe

Der Gänsesee

Der Gänsesee

Um ca. 8.30 Uhr erreichen wir Ulan-Bator. Auf dem Bahnhof, der im Übrigen nur ein Gleis für Personen besitzt, angekommen müssen wir feststellen, dass nicht wie per e-mail abgemacht jemand auf uns wartet der uns zum ca. 60 km entfernten Camp bringt.
Ein Problem? Denkste!. Mit einer uns mitlerweile wohl vertrauten inneren Ruhe begeben wir uns zunächst mit dem Stadtplan zum 25 Minuten entfernten Reisebüro, wo wir die Tickets für die weitere Zugreise erhalten. Von der dort arbeitenden Frau lassen wir uns den mongolischen Satz "Ich würde gern nach Terelj, in den Nationalpark, in das Camp Heaven Envoy fahren" für den Busfahrer aufschreiben. Nachdem Jakob zu einem vernünftigen Kurs Geld getauscht hat und wir uns durch eine der wohl schmackhaftesten Bananen die wir je gegessen hatten gestärkt haben, begeben wir uns zur Bushaltestelle und erfragen die Abfahrtszeit. Busfahrpläne scheinen Mangelware in der Mongolei zu sein... Der Bus fährt jedoch erst um 11 Uhr wir müssen also noch 1,5 Stunden warten.

Wir machen zunächst die Bekanntschaft mit einem übelriechenden mongolischen Opa dem fast alle Zähne fehlen. Er kann weder Englisch noch wir Mongolisch, trotzdem entwickelt sich ein Gespräch auf einfachem Niveau. Nach dem er, aufgrund der wenigen Worte die im Reiseführer stehen, verstanden hat wo wir her kommen, zählt er alle Menschen auf die er aus Deutschland kennt. Zuerst "Franz Bächenbawer", "Meckel", "Lodar Matthäuss" und schließlich "Schrödder" und "Kohl", den er mit dem Zeichen für einen dicken Bauch beschreibt...
Jetzt die nächhste Person. Er trinkt Bier und fragt uns ob wir nicht auch eins möchten, da es jedoch erst 9.45 Uhr ist verneinen wir. Es scheint eins der mongolischen aber von Deutschen in der Mongolei gebrauten Biere zu sein. Der Mann verschwindet jedoch recht schnell.

Neben Jakob auf der Bank an der Bushaltestelle hat jetzt ein Buddhistischer Mönch Platz genommen er sagt zunächst nichts, wir entschließen uns jedoch ihn anzusprechen um die Nummer des Busses zu erfahen den wir nehmen müssen. Unser Glaube, dass Mönche englisch sprechen wird nicht enttäuscht und er erzählt uns von seinem Kloster und dass er bereits seit seinem dreizehnten Lebensjahr, also 10 Jahre, Mönch ist. Während wir uns unterhalten und gemeinsam auf den Bus warten, kommt der Biertrinker wieder und drückt Jakob eine Flasche Wasser in die Hand und verschwindet nach einem verblüfften Danke unsererseits wieder.

Der Mönch der auf uns sehr freundlich, nett, hilfsbereit und gelassen wirkt wartet mit uns gemeinsam auf den 11 Uhr Bus um dem Fahrer netterweise unser Anliegen auf Mongolisch mitzuteilen und ihn zu bitten uns ein Zeichen zu geben wenn wir aussteigen müssen. Der Bus kommt jedoch nicht und die mit uns wartenden Menschen verschwinden schimpfend. Was nun??!!
Der Mönch ruft uns ein Taxi welches jedoch nicht nach Terelj fährt...
Wir sind total verblüfft als er uns mitteilt, dass er ebenfalls heute in den Ort zu einem Kloster fährt und uns gegen ein bisschen Spritgeld mitnehmen will. Wir willigen jedoch sofort ein, da der nächste Bus erst um 16.00 Uhr fährt und vielleicht auch nicht kommt...
Also auf zum Kloster des Mönchs in Ulan-Batoor, wo das Auto steht. Auf dem Weg dort hin können wir unser Glück und unsere Freude nicht verbergen, und Grinsen unentwegt. 5 Minuten später stehen wir in der Eingangshalle eines buddhistischen Klosters und beobachten die Mönche beim beten mit Gläubigen. Wir sind von der gesammten Atmosphäre beeindruckt und wollen es immer noch nicht so ganz glauben. Auch ärgern wir uns, dass wir nicht genau wissen was dort vor sich geht, da wir im Reli Unterricht nicht genau zugehört haben. Wir wollen dies jedoch beim nächsten Internet Kontakt sofort nachholen. Nach weiteren 10 Minuten kommt der Mönch wieder, bringt uns in seine Wohnung und bewirtet uns mit Airag (gewöhnungsbedürftige gegorene Stutenmilch), Gottesbrot und Tee. Wir bedanken uns unentwegt und es entwickelt sich wieder ein Gespräch, diesmal etwas flüssiger, da wir dort ein englisch-mongolisches Wörterbuch haben. Wir erzählen ihm von unserer Reise und wie länge wir überall bleiben. Als er nach den Kosten fragt geben wir ihm viel zu leichtsinig und bereitwillig Antwort und rechnen es in Tugrig um. Er ist beeindruckt von der Zahl und erzählt uns, dass man in der Mongolei damit ein Haus bauen könnte...

freundliche Bewirtung mit Airag

freundliche Bewirtung mit Airag

Sein Freund der uns fahren soll und ebenfalls Mönch ist betritt den Raum und nach weiteren 10 Minuten und einem Gespräch über seine Religon verlassen wir das Haus mit dem Freund um das Gepäck eizuladen. Bereits im Auto sitztend warten wir auf den Mönch, um die Ecke des Hauses kommt jedoch ein junger Mongole in grünem T-Shirt, modisch ausgewaschener Jeans und Baseballcappy, also rundum westlich gekeidet. Erst als er ins Auto steigt begreifen wir, dass es der Mönch ist. Noch nie war der Satz "Kleider machen Leute" für uns so zutreffend... Dem Mönch in der Kutte dem wir bedingungslos vertrauten und der wie "unser persönlicher Dalai Lama" schien hätten wir quasi alles anvertraut, da er die Hilfsbereitschaft in Person war. Dem uns fremden Mongolen, der ins Auto stieg, wären wir auf der Straße aus dem Weg gegangen.

Der Zweite Mönch tritt beherzt aufs Gas und fährt vom Klosterhof. Kaum draußen wird eine Kassette mit lauter mongolischer Musik eingelegt. Durch deutlich hörbares, zu frühes Loslassen der Kupplung und gleichzeitiges zu spätes Schalten bestätigt der Fahrer den Satz des Reiseführers, dass der Umstieg vom Pferd aufs Auto bei den Mongolen etwas holprig vonstatten gegangen sei und laut mitsingend fahren wir durch die Stadt. Dabei bewegen wir uns mit deutlich überhöter Geschwindigkeit, überholen sowohl rechts als auch links, passieren Ampeln bei knallrot auf dem Standstreifen, obwohl alle anderen stehen bleiben und riskieren mehrmals einen Unfall. Das "Highlight" ist jedoch als wir wiedermal eine Ampel bei rot passieren, diesmal jedoch schon ein Unfall stattgefunden hat und die Kreuzung verstopft ist. Mehrere Autos die von rechts kommen, müssen mit quietschenden Reifen anhalten um uns den gewünschten Weg zu ermöglichen, die beiden Mongolen deuten belustigt auf den Unfall und unser Mönch dreht sich nach hinten um und sagt erfreut: "Crash!"
Nachdem Lukas hier mal wieder die Schweissperlen auf die Stirn gestiegen sind bremsen wir um einem hübschen mongolischen Mädchen hinterher zu pfeifen und nach der Handynummer zu fragen... Die beiden Mönche sind spitz wie Nachbars Lumpi!!
Der Eindruck von den beiden hat sich in 15 Minuten völlig gewandelt.

Die Verwandlung...

Die Verwandlung...

Nachdem wir die Stadt verlassen haben wird der klapprige Honda auf der schlecht asphaltierten und staubigen Staße zur Höchstgeschwindigkeit getrieben und wir überholen zahlose, der Staße angepasst fahrende Fahrzeuge.

Wir halten zunächst mitten im Nichts an einer kleinen Holzhütte an. Ein Kassettenverleihstand!

Hier gibt es die neusten Hits günstig zu erwerben...

Hier gibt es die neusten Hits günstig zu erwerben...

Dort holen wir uns die neuste mongolische Mukke und treten dann den doch etwas längeren Weg zum Camp an.
Die Natur die durch den Staub zu erkennen ist, ist wunderschön...

eine äusserst vertrauendserweckende Brücke

eine äusserst vertrauendserweckende Brücke

Ein Eiscremeverkäufer

Ein Eiscremeverkäufer

Wir fragen mehrere Mongolen nach dem Weg. Der Fahrer geht bei den Stopps mehrmals prüfend um das Auto, da es ja aus seiner Sicht an ein Wunder grenzen würde wenn wir einen Steinschlag abbekommen hätten und wir kommen nach ca 1.5 Stunden im Camp an.
Sie bringen uns zur Jurte und machen uns dann etwas Überraschend den Vorschlag, dass sie uns am Freitag um 15 Uhr wieder mitnehmen. Wir willigen ein.
In dem Glauben, dass mit den vorab unsererseits bezahlten 20.000 Tugrig, anstatt der geforderten 14000, die Kosten beglichen seien bedanken wir uns bei ihnen und verabschieden uns. Unser Mönch teilt uns zu unserem Erstaunen nochmals mit, dass der Preis für eine Fahrt bei 14000 liegt. wir fragen nach und es stellt sich heraus, dass er zwar 14000 sagt aber 40000 meint...
In einer Zwickmühle steckend, da wir seine Freundlichkeit nicht geringschätzen wollen, bezahlen wir mit 20€(40000 Tugrik). Wir fordern jedoch die vorab bezahlten 20000 Tugrik zurück. Für uns leicht durchschaubar teilt der Mönch uns mit, dass er diesen Vorschlag nicht verstanden habe. Wir sind aber der Ansicht, dass er uns nicht verstehen wollte und werden das Gefühl nicht los, dass er uns etwas Geld aus den Rippen leiern will.
Dies mag daran liegen das wir für ihn als sehr reiche Menschen, ob der für ihn überwältigend hohen Reisekosten, gelten. Diese sehr lustige, aufregende und niemals für möglich gehaltene Geschichte erhält hierdurch einen etwas faden Beigeschmack und wir haben uns dazu entschlossen es auf dem Rückweg auch erst wieder mit dem Bus zu versuchen. Was vielleicht einfacher und günstiger ist, da man für 1€ in die Stadt kommt...

unser Jurtencamp "Heaven Envoy"

unser Jurtencamp "Heaven Envoy"

Ein Wanderausflug in die Berge

Ein Wanderausflug in die Berge

mit atemberaubender Aussicht

mit atemberaubender Aussicht

und dann entspannen in der auf ca. 33 Grad Celsius beheizten Jurte...

und dann entspannen in der auf ca. 33 Grad Celsius beheizten Jurte...

Mit dem klapprigen Autobus in dem die ganze Zeit mongolisches Gejaule (Musik) läuft, fahren wir Freitag Morgen zurück nach Ulan Bator. Dort übernachten wir noch eine Nacht bei Mr.Kim im UB Guesthouse und fahren am nächsten Morgen um 8 Uhr mit dem Zug in Richtung Peking. Wir freuen uns sehr auf die Wüste Gobi die wir mit der Bahn durchqueren werden!

Grüße aus dem am dünnsten besiedelten Land der Welt und im Glauben, dass wir schon mindestens 1/10 der Mongolen persönlich kennengelernt haben,

Jakob und Lukas

© Lukas Nahrgang, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Jakob und ich machen eine Weltreise. Von Frankfurt nach Moskau, Mongolei, China, Australien, Neuseeland, Hawaii, USA und Brasilien.
Details:
Aufbruch: 24.08.2009
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 08.02.2010
Reiseziele: Russland / Russische Föderation
Mongolei
China
Ostküste Australien
Neuseeland
Vereinigte Staaten
Brasilien
Der Autor
 
Lukas Nahrgang berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.