6. Alleinfahrt in den Senegal

Reisezeit: Dezember 2009 - März 2010  |  von Hans-Gunter Herrmann

Hochzeitsfest 2. Teil: Der Zoll und seine Tücken

Mein neuer VW Bus

Mein neuer VW Bus

Über ein Jahr ist es jetzt her das ich meinen letzten Beitrag schrieb. Mein Problem, ich wußte nicht wie ich weiterschreiben sollte. Denn der Zoll hatte mich arg in der Mangel.
Bei meiner ersten Reise mit dem Auto ließ man mich ja nicht mit dem Auto einreisen, weil es zu alt war (mehr als 5 Jahre). Man verlangte ein Garnet de Passage, was ich natürlich nicht hatte. Also fuhr ich per Konvoi nach Louga, entlud das Auto und stellte es beim Zoll unter. Nach einiger Zeit brachten wir mit Einverständnis des Zolls das auto nach Mauretanien. Dort sollte es verkauft werden. Doch der angebliche Käufer stahl das Auto. Naja, ärgerlich, doch das Auto hatte nur 800 € gekostet.

Marokko, irgendwo vor Casablanca

Marokko, irgendwo vor Casablanca

Bei der nächsten Reise besorgte ich ein Garnet de Passage beim ADAC für 1 500 € Kaution und 140 € Gebühr. Dieses Auto ließ ich 4 Jahre im Senegal, zahlte jedes Jahr ein weitere Gebühr von 140 €. Alles gut und schön, doch dann entschied Senegal von heute auf morgen das Garnet für ungültig zu erklären. Ich war in Europa Brötchen verdienen, fuhr dann Ende 2008 nach Senegal mit einem weiteren Fahrzeug mit "Passavant". Wollte das andere Auto nach Gambia bringen, und mit dem ich gekommen war, wieder zurück fahren. Das Dumme war, dass während das Auto mit dem Garnet im Land war, das erste Auto wieder aufgetaucht ist, weil der Dieb es an eine unwissende Frau verkauft hatte, die es nun nicht zulassen konnte, weil zu alt. Mein Schwiegervater entschädigte die Frau und stellte das Auto erst mal unter. Nun hatte ich plötzlich 2 Autos mit denen ich nicht fahren konnte. Wir fahren kurz davor, alles klar zu machen, um die Autos nach Gambia zu schaffen, als ein Nachbar uns beim Zoll denunzierte und dieser zuschlug als ich mein Passavant verlängern wollte. Alles erklären half nichts, der Zoll blieb unerbittlich. Alle Autos beschlagnahmt incl. des Fahrzeuges mit dem Passavant, Pass abgenommen alle Papiere und Garnet. Das heißt, kein Auto, kein Pass. Bewegungsfreiheit fast null, denn wo will man hin in einem Land wo permanent der Pass kontrolliert wird.

alter Bus in Louga

alter Bus in Louga

Strafe wollten sie auch, ca. 16 000 €. 5 000 € haben wir mit der Hilfe meiner senegalesischen Familie zusammen gekratzt, doch dann war Schluss. Trotzdem gaben sie die Autos und das Garnet nicht heraus. Ständig gab es neue Hindernisse; erst hieß es, sie geben mir ein Auto heraus, verkaufe es in Gambia und bezahle damit die Strafe. Doch dann waren sie wieder nicht dazu bereit, es war ein ständiges hin und her. Ende März verlangten sie dann, das ich das Land verlasse, da 3 Monate um waren. Dazu brauchte ich aber ein Visa von Mauretanien, ich sollte mit dem Bus nach Dakar und es dort abholen. Ich verlangte, das man mein Auto mit dem Passavant gibt, damit ich nach Dakar fahren kann und danach das Land verlasse. Endlich ließ er sich dazu herab, er schrieb ein neues Passavant, das mich berechtigte, von Louga nach Dakar, zurück nach Louga und am nächsten Tag dann nach Diama zu fahren. Der Witz, mit dem Passavant brauchte ich nicht einmal eine Versicherung.

El Jadida Marokko

El Jadida Marokko

Fuhr also nach Dakar, ging auf die mauretanische Botschaft und beantragte das Visa. Es war Freitag, er sagte, kommen sie am Montag wieder. Ich sagte ihm, das geht nicht, weil ich sofort zurück fahren müßte. Also am Nachmittag. Bekam es dann gegen 16.00 Uhr. Dann fuhr ich zu der Schwester meiner Frau und deren Mann und wir machten uns ein gemütliches Wochenende. Fuhren auf die Sklaveninsel Goree, sahen uns das neue Monument der afrikanischen Erneuerung an und ließen es uns erst mal gut gehen.
Seit Wochen das erste mal ohne Anspannung, endlich mal gelößt.
Am Sonntag fuhr ich dann nach Louga und am Montag nach Diama um das Land zu verlassen. Ich hätte ja sofort wieder umkehren können, sie hätten nichts machen können, denn Senegal hat keine Wartefrist der Wiedereinreise wie Deutschland.
Am Liebsten hätte ich es ja gemacht, bloß um deren blöde Fresse zu sehen, wollte sie aber nicht weiter provozieren. Außerdem mußte ich ja schauen wie ich das Geld zusammen bekomme das die Verwandten mir geliehen hatten.

typisches Wohnhaus in Mauretanien, hier sogar mit Anbau.

typisches Wohnhaus in Mauretanien, hier sogar mit Anbau.

An der mauretanischen Grenze fragte mich der vom Zoll ob ich nicht einen Polizeioffizier nach Nouackchott mitnehmen könnte, sei ein vertrauenswürdiger Mensch. Dachte, naja schadet vielleicht nicht, wenn ein Polizist im Auto ist bei den sehr häufigen Kontrollen. Vielleicht geht es dann schneller. nach einer Weile auf und neben dem Damm schlug er mir eine Abkürzung vor, bei Khidira gäbe es eine neue Piste. Inzwischen wurde es dunkel, und gegen eine Abkürzung habe ich nichts. Ich fragte ihn wegen Beschaffenheit und Sand auf der Strecke; nur ganz wenig, aber kein Problem. Wäre es auch nicht gewesen, wenn er die Strecke besser gekannt hätte.

Sahara Mauretanien mit viel Grün.

Sahara Mauretanien mit viel Grün.

Wir fuhren also eine mir unbekannte Piste, Sicht eben Scheinwerferweite. Wer schon einmal in den Tropen war, weiß, die Sonne läßt sich nicht viel Zeit zum Untergehen. Ratzfatz ist es stockdunkel. Ich entdeckte Baumaschinen und eine breite Piste, lenkte schon ein, er ruft, nein,nein, geradeaus. Frage ihn, sicher? Dann sagt er plötzlich sofort links, ich fahre links und bin mitten in einem Sandfeld, er schreit Gas, Gas, Gas..........das Auto wird immer langsamer, ich stecke bis zum Bodenblech im "grundlosem" Sand. Wir versuchen zu graben, aber unter dem Sand ist nur noch mehr Sand, keine Sandbleche dabei, weil ich ja die letzte Zeit immer Teer oder feste Piste gefahren bin und nur wenige Sandstrecken die nicht so problematisch waren.
Er stapft los, besorgt Arbeiter und Bretter, so haben wir dann eine Spur aus Brettern gelegt, auf denen ich dann ca. 100m rückwärts im Dunklen rausfahren mußte. Und ich habe es tatsächlich geschafft, kein einziges Mal von den schmalen Brettern runter zu fahren. Das Ganze kostete mich mehr als 2 Stunden Zeitverlust.
Dann gingen wir genau dort auf die Piste, wo ich vorher schon auffahren wollte.

Layoone,West-Sahara

Layoone,West-Sahara

Da ging es dann zügig voran, auch wenn es nur Piste war. Auf und ab, auf und ab. Wellental an Wellental. Heute fahr ich da nicht mehr so schnell, da haben sich ganz gemeine Sandfallen aufgetan die einem das Fürchten lehren. Die weitere Reise verlief dann unspektakulär.
Da ich ja inzwischen arbeitslos war, hatte ich doch in Deutschland einige Probleme, konnte aber letztendlich meinen Verpflichtungen nachkommen und alles bezahlen.
Bekam dann sogar einen Job und konnte im Oktober mit einem VW Bus nach Senegal reisen.
Doch davon vielleicht in einem anderen Bericht.
Hoffe ihr habt trotz des heiklen Themas Spass beim Lesen.
Das Garnet habe ich immer noch nicht zurück!

Streuner in der West-Sahara; manchmal fühlte ich mich auch so.

Streuner in der West-Sahara; manchmal fühlte ich mich auch so.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Am 26.12.2009 starte ich wieder einmal allein zu einer Fahrt in den Senegal mit dem Auto. An Sylvester moechte ich in Louga im Senegal eintreffen.
Details:
Aufbruch: 26.12.2009
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: 31.03.2010
Reiseziele: Marokko
Senegal
Der Autor
 
Hans-Gunter Herrmann berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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