Japan 2011

Reisezeit: Februar 2011  |  von Silke Mahl

nach 8 Wochen in Aoteraoa, Neu Seeland, kommen nun noch 4 Wochen im Land der aufgehenden Sonne

27.02 -06.03.11

"Ihr Flug geht bis Osaka Kansai Airport"
Aehm,was? Ich vermute ich hab die Frau am Check-In in Christchurch nicht richtig verstanden, auf meinem Onlineausdruck steht das ich bis Tokyo fliege. Aber nein, sie sagt mein Flug geht nur bis Osaka! Ich bin erschrocken und frage mich was das jetzt soll! Wie soll ich denn dann nach Tokyo kommen!? Sie tippselt noch einiges in Ihren Computer und berichtet mir dann das ich wohl in Osaka erneut einchecken muss weil ich mit einer anderen Airline weiterfliege. Also doch alles gut, puh!
Im Fieger neben mir sitzt ein sehr, nun ja, "gut gebauter" Mann. Es ist unmoeglich auch nur den Versuch zu starten zu schlafen, er schnarcht fuerchterlich und nimmt die komplette Armlehne mit seinem Bauch ein. Ich schau mir einen Film nach den anderen an und versuche die Geraeusche meines Nachbarn zu ignorieren.
In Osaka hol ich mein Gepaeck und geh wieder zum Check-In, ich freu mich auf ein kleines Nickerchen, denn ich habe 4 Stunden Zeit bis zum Anschlussflug. "Sie sind auf dem falschen Flughafen, ihr Flug geht nicht vom Kansai sondern vom Itami Airport". WHAT!? Ich hab das gefuehl mir Ziet jemand den Boden unter den Fuessen weg, ich bin hier quasi Analphabet und soll den Weg zu einem anderen Flughafen finden!? Die Frau kann mir auch nicht sagen wie ich da hin komme und mir wird heiss und kalt. Ich speche in meiner Not einer der vielen Polizisten an und er schaut auf meine Papiere, nickt und bedeutet mir ihm zu folgen. Ich sage noch das ich zu einem Geldautomten muss denn ich habe keinen Yen dabei, er nickt wieder und ich laufe ihm brav hinter her. Nachdem ich Geld getankt habe bringt er mich zum Ticketautomaten wo ich feststellen muss das alles in Schriftzeichen geschrieben ist. Der Polizist versteht und loest die fahrkarte fuer mich, dann bringt er mich doch nicht tatsaechlich noch zum richtigen Bus und sagt noch das die fahrt etwas eine Stunde dauert. ich bin fuerchterlich erleichtert und steige ein.

Im richtigen Flughafen ist das Einchecken schnell erledigt, meine Nerven allerdings auch. Alls ganz schoen aufregend. Nur noch 30 Minuten Flug bis Tokyo. Vom Flieger aus kann ich unten die Stadt sehen, bis zum Horizont seh ich nichts ausser grauen Beton! Wenig Gruen ist dazwischen, ich bin schier ueberwaeltigt vin dieser wahnsinns Groesse der Stadt. Schoen ist allerdings etwas anderes. Es waere schoen wenn ich dann schon alle Huerden ueberwunden haette, denn ich muss ja auch noch zum Hostel kommen und dazu muss ich ein U-Bahn System bewaeltigen wo sich mir die Haare hochstellen. Ich weiss nicht links oder rechts, vor oder zurueck und finde mal wieder einen Polizisten. Der kann richtig gut Englisch und loest auch wieder die Fahrkarte und faehrt die Rolltreppe mit runter, zeigt mir mein Gleis und gibt mir noch seine Visitenkarte, "wenn du Probleme hast, ruf mich an!" Ich bedanke mich vielmals und fahre richtung Asakusa wo mein Hostel ist. Von dort aus ist es nicht mehr schwer, mit der ausgedruckten Karte finde ich mich gut zurecht und entdecke das Hostel in einer kleinen Seitenstrasse, scheint ein etwas ruhigeres Eck zu sein. Mein Kabinenbett, ein Bett welches verkleidet ist, ist super, ich hab eine Schiebetuer die ich sogar abschliessen kann. Ich hab Privatsphaere! Sogar ein kleines Regal am Kopfteil gibts. Ich bin begeistert und ganz schoen kaputt und fall sehr frueh in die Kissen.

Regen. 5Grad. Wind. Kurz gesagt scheiss kalt!
Trotzdem lauf ich mit einem Schirm los um den nahen Tempel zu sehen. Vor dem Eingang, rennen einige Junge Kerlchen rum und versuchen den Touris eine Rikscha an zu bieten, die sind so suess! Nachdem ich die Jungs abgewimmelt habe passiere ich das Einganstor mit einer riesigen Roten Laterne darin und komme auf eine art Markt. Hier werden die verschiedensten Dinge angeboten, von Plastikkitsch ueber Staebchen zu Kleidung und Essen bekommt man hier alles. Die verkaeufer rufen wild durcheinander und ich weiss gar nicht wo ich zuerst hinschauen soll. Der eigentliche Tempel kommt immer naeher, ein schoener Bau der fuer ein par Fotos reicht, aber nicht sehr spektakulaer ist.

Ich brauche noch ein Handy, da ich hier fuer einige, die ich naechste in Kyoto und Osaka treffen werde, erreichbar sein moechte. Mir wird vom Hostel empfohlen zu Softbank zu gehen, da wueden Touris guenstige Prepaid Handys bekommen. Gesagt getan, am nachmittag bin ich Besitzerin eines brandneuen Handys, nix besonderes, es muss ja nur zum telefonieren her halten. Im Hostel komme ich mit einem Chinesen der schon oft hier war und jedes Jahr nach Japan kommt, einem Aethiopier und einer hollaenderin ins Gespraech. Wir gehen abends noch zusammen etwas essen was gar nicht so einfach ist wenn man einfach nicht weiss was man ist und erschwinglich muss es auch sein. Wir entscheiden und fuer eine art Schnellrestaurant, vor der Tuer sind die Gerichte auf Bildern abgebildet und mit einer Nummer versehen, drinnen steht ein Automat wo man das Gericht anhand der Nummer auswaehlt und dann mit dem Coupon an den Tresen geht um zu bestellen. Ich bekomme sowas wie eine Nudelsuppe und einer Schale Reis auf dem Kohl und fritiertes Huehnchen sind. Lecker, ich hab eine gute Wahl getroffen.

Die U-bahn steht heute auf dem Plan, ich moechte in den Stadtkern, nach Ginza und zum Kaiserpalast. Ist gar nicht so schwer, im Hostel bekomme ich einen Zettel fuer die jeweiligen Verbindungen. Dir Fahrt nach Ginza dauert nur 10 Minuten und schon bin ich in einem der exklusievsten einkaufsviertel von Tokyo. Ich komme mir etwas "Underdressed" vor, die Maenner haben alle einen schicken Anzug an und die Frauen sind auch top gestylt. Die Strasse ist 6 spurig, die Hochhaeuser ragen mit Leuchtreklame an allen Seiten wiet nach oben. Von hier ist es nicht weit bis zum Kaiserpalast in man nicht rein darf, davor ist eine huebsche Bruecke die sich sehr schoen im Wassergraben spiegelt. Ich laufe den auesseren Garten entlang bis ich zum Eingang des inneren Gartens komme. Dieser ist fuer die Oeffentlichkeit zugaenglich und waehrend der Kirschbluete und auch im Sommer mit Sicherheit wunderschoen, zu dieser Jahreszeit leider nicht sehr attraktiv, das Grass ist Braun und die Baeume noch kahl.

Es ist noch recht frueh am Nachmittag als ich mich nach einem schnellen Snack im 100 Yen Shop auf den Weg zur U-Bahn nach Akihabara mache. Diesesmal muss ich wieder fargen wie ich fahren muss und erfahre wieder wie hilfreich die Leute sind.
Akihabara, Electric Town, ist die Hochburg fuer alle elektronischen Geraete. Egal was man einen Fernseher, ein Handy oder einen Kuehlschrank braucht, hier findet man alles mit dem neuesten Stand. Vor jedem Geschaeft stehen junge Frauen, ich bin mir nicht sicher ob es nicht noch Maedchen sind, gekleidet wie aus einem Comic mit extrem kurzen Roeckchen, hochen Schuhen, bunter Plueschjacke und irgendein undefinierbares Glitzerdings im Haar und verteilen Flyer fuer die jeweigen Geschaefte. Die Fassaden der Wolkenkratzer sind zugepflastert mit schriller, bunter, blinkender Reklame. Der Geraeuschpegel ist schon beeindruckend, von ueberall her kann man Musik oder kreischende, vermutlich Werbung machende, Stimmen hoeren. Ein totales Gewusel, hier haelt es mich nicht lange, zu laut, zu hektisch. Ein "Feierabend Bier" im Asahi Gebaeude in meinem Viertel mit einer Handvoll Leuten aus dem Hostel ist ein gellungener Abschluss des Tages. Usa, Korea, China, Holland und Deutschland ist vertreten.

Nachdem ich gestern relativ leicht die U-Bahn ueberstanden habe stuerz ich mich heute gleich wieder ins Getuemmel um nach Shibuya zu kommen, DAS Einkaufsviertel fuer junge Leute in Tokyo. Ich komme aus dem Bahnhof auf eine riesen Kreuzung, jemand hat mir gesagt das hier pro Ampelgang etwas 5000 Menschen die Strasse ueberqueren! Keine Ahnung ob die Zahl stimmt, ich bin auf jeden Fall maechtig beeindruckt von den vielen Menschen die ueber die Strasse rennen sobald die Ampel auf Gruen springt und ich muss einfach ein Video von dieser Szenerie machen! Wahnsinn! Auch hier sind alle Hochhaeuser mit blinkenden Reklamezuegen gespickt. Ich laufe zum 109 Building, ein Einkaufshaus fuer Junge Mode auf 9 Stockwerken und lande in einem Ohrenbetaeubenden Laerm und hektisch hin und her laufenden Maedchen die sich gegenseitig ihre Entdeckungen in Sachen Faishon zeigen. Die Schuhe ziehen mich magisch an, mir bleibt die Spucke weg als diese hohen Hacken sehe, am besten noch mit Plato!

Mittlerweile ist es fast mittag und mein Magen meldet Hunger an, ich laufe die Strasse hoch, ein Restaurant nach dem anderen erscheint auf beiden Seiten und ich finde eines wo die Speisekarte auch in Englisch geschrieben ist, so hab ich wenigstens eine leise Ahnung was ich da auf meinem Teller liegen hab. Mein Lunch kostet nur 6 Euro, ich waehle allerlei fritiertes mit Salat und Reis.
Frisch gestaerkt such ich meinen Weg zum Yoyogi Park und dem benchbarten "Meiji Jingu Schrein". Dieser Bau wurde einem Kaiser gewidmet und liegt in einem schoenen Waldstueck in dem nicht von dem Grossstadttrubel zu hoeren ist. Ein schoener ruhiger Ort.
Es gibt noch ettliche Einkaufsstrassen hier in Shibya, ich passiere noch die Omotesando, eine Alle mit Designer Laeden und schicken Cafes. Dior, Chanel, Boss, Armani......und wie diese suendhaft teuren Dinger alle heissen. Meine Fuesse werden nach dem langen hin und her laufen muede, ich moechte zurueck zur U-Bahn finden und steige prompt in die falsche Richtung ein. Schlussendlich schaff ichs trotzdem irgendwie im Hostel anzukommen, schau mir noch einen Film in geselliger Runde an und geh Hundemuede ins Bett.

Ich habe mich um 8 Uhr morgens mit 2 Leuten zum Aufbruch nach Hakone verabredet. Es dauert gute 2 Stunden um zu dieser kleinen Stadt zu kommen, sie ist Ausgangspunkt um Mount Fuji sehen zu koennen. Ich bin froh diese Fahrt nicht alleine machen zu muessen, es gestaltet sich sehr kompliziert, wir mussen einige male Umsteigen, mit verschiedenen Linien fahren und wir kommen mit der Beschilderung nicht wirklich klar. Es scheint ein schoener Tag zu werden, das Wetter in Tokyo ist sonnig aber kalt. Wir brauchen 3 Stunden um in Hakone anzukommen, wir haben so viel Zeit auf den verschiedenen Bahnhoefen verbringen mussen um den richtigen Weg zu finden. Das Touristinformation Center macht grosse Augen als wir nach einen Tagespass fragen, eine Art Tour um Hakone in schoener landschaftlicher Umgebung mit tollen Blicken auf Mount Fuji. Sie raten uns davon ab denn es sei schlechtes Wetter um Fuji herum und amn koennte heute nicht sehen. Sie schaltet noch eine Web Cam ein die mit dem ersten Aussichtspunkt der Tour gekoppelt ist und man kann tatsaechlich nur graue Wolken sehen. Leicht entaeuscht, um es mal milde auszudrueckenn, wandern wir etwas in der kleinen Stadt umher und beschliessen erst mal Essen zu gehen bevor wir noch eine kleine Wanderung unternehmen wollen, die sich nach dem Lunch auch erledigt hat weil es wie aus Eimern regnet. Meine Laune ist auf dem Tiefpunkt als wir zum Bahnhof zurueck hechten und uns auf den Heimweg machen.

Das Rathaus von Tokyo ist nicht weit vom Bahnhof Shinjuku entfernt, der Sonnenuntergang nur noch etwa 1 Stunde weg. 234 Meter ist das Gebaeude hoch, vom 45 Stockwerk bekommt man einen Gratis Ausblick ueber die Stadt. Ich verbringe hier mit einer Hollaenderin mehr als eine Stunde, wir moechten gerne die Skyline Tokyos bei Dunkelheit sehen. Das warten lohnt sich, die Aussicht ist beeindruckend! Nach etwa 1 Millionen Fotos gehen wir noch einen Abstecher nach Kabukicho machen, das Vergnuegungsviertel Shinjukus. Hier reihen sich Restaurants, Spielhallen, Geschaefte aller Art und das Rotmilieue aneinander. Lustige, laute, grelle und sehr geschaeftige Ecke durch die ein Spaziergang durchaus Spass macht da es so viel zu entdecken gibt. Mir bleibt schier den Mund offen stehen von all den Eindruecken. Es sind nicht ganz so viele Menschen unterwegs wie gestern in Shibya aber in Sachen Styling sind die Menschen hier nicht zu uebertreffen. Es scheint Mode bei den Jungs zu sein, die Haare realtiv lang und aufgeplustert mit gaaaanz viel Haarspray fixiert zu tragen. Sie aehneln Comicfiguren, mit ihren knallengen Hosen,den Spitz zu laufenden Schuhen und den quitschbunten Lederjacken die gerade so bis an den Hosenbund reichen. Hier fuehle ich mich tatsaechlich wie in Tokyo, das ist exakt das was ich in dieser Stadt erwartet habe.

5 Uhr morgens in Tokyo. Zeit aufzustehen und sich den weltgroessten Fischmarkt anzuschauen. Die grosse Thunfischauktion hab ich schon verpasst, die beginnt um Punkt 5 Uhr in der Frueh. Ich laufe aus der U-Bahn Station raus und schaue mich ratlos um und sehe einen Mann der genau so doof aus der Waesche schaut wie ich und frage ihn einfach mal ob er denn auch den Fischmarkt sucht, er bestaetigt und wir gehen gemeinsam weiter. Nach 30 Metern ist der Markt auf der linken nicht zu uebersehen. Es herrscht ein hektisches Gewuehl, in schmalen Gassen wo gerade so 2 Leute nebeneinander laufen koennen preisen Haendler ihre Waren an. Muscheln in allen Groessen und Formen, Tintenfisch, Krabben,Garnelen, Seegurken und vieles mehr was ich noch nie gesehen habe. Restaurents koennen hier auch lebendige Fische kaufen, die der Kunde dann in einem Aquarium zum Verzehr auswaehlen kann. Direkt hinter der riesigen Verkaufhalle ist eine weitere Halle wo die Thunfischauktion stattfindet, es liegen noch einige schockgefrorene Tiere zum Verkauf auf dem Hallenboden. Gemeinsam mit dem Mann, ich finde heraus das er aus Australien kommt, suchen wir eine weitere Ecke des Marktes wo man super frisches Sushi essen kann. Um 8 Uhr sitz ich mit einem mir wildfremden Mann in einer klitzekleinen art Bar ud geniesse ein Sushifruehstueck mit ihm. Wir verstehen uns super gut uns bevor jeder von uns seines Weges geht tausuchen wir noch E-Mailadressen aus.

Mein naechstes Ziel an dem heutigen Tag ist Kamakura, eine kleine Stadt westlich von Tokyo in der unter anderem der 2. groesste Buddah des Landes steht. Nach einer guten Stunde im Zug erreiche bin ich dort und bekomme im Touristinfo eine Karte mit verschiedenen Rund- oder Wanderwegen drauf. Kamakura hat ueber 80 Tempel und Schreine zu bieten, ich entscheide mich fuer einen Wanderweg der mich an den 2 wichtigsten Tempeln, ettlichen Schreinen und natuerlich dem Buddah vorbeibringt. Ich muss einen Berg hinaufsteigen von wo aus ich eine tolle Sicht habe und, man glaubt es kaum, tatsaechlich den Mount Fuji sehen kann! Die Tempel hier sind schoene einfache in schwarz-weiss gehaltene Gebaeude von beachtlicher Groesse. Auf meinem Weg begenen mir wenige Leute und von dem Verkehr weiter unten in der Stadt ist nicht zu hoeren. Schliesslich faellt das Gelaende ab, es geht Talwaerts, der Buddah ist jetzt nicht mehr weit. 11 Meter hoch ist diese Bronzefigur und es herrscht eine tolle Atmosphaere in der Anlage. Es sind sehr viele Menschen hier aber es ist trotzdem ruhig, alle schauen erfuerchtig zu dem grossen Buddag auf; bis eine Schulklasse kommt, oder vielleicht auch mehrere. Vorbei ist es mit der Ruhe, vorbei ist der Zauber der diesen Ort fuer mich eingehuellt hat. Um mich herum rennen kreischende Kinder die alle als erstes vor der Figur stehen wollen. Ich ergreife die Flucht und laufe zum Bahnhof als das Ende meines Wanderwegs. Ich bin muede, der Tag hat ja sehr frueh begonnen und ich bin ordentlich was gelaufen. Ich beschliesse auf dem Rueckweg nach Tokyo keinen Zwischenstopp mehr in Yokohama einzulegen. Am fruehen abend sitz ich im Hostel auf der Cauch und schlafe waehrend eines Films ein.

Rund 130 km von Tokyo richtung Norden liegt Nikko. Diese Stadt beherbergt ein UNESCO Kulturerbe. Die Fahrt dort hin dauert 2,5 Stunden, ich beginne zu verstehen warum alle Japaner im Zug oder in der U-Bahn schlafen, mir fallen auch die Augen zu. In Nikko angekommen muss mit schrecken feststellen das es hier noch kaelter ist als in Tokyo, am Strassenrand liegt sogar Schnee!
In einem wunderschoenen Park, der einen sanften Berg hinauf folgt liegt die grosse Tempelanlage die ihre 1300 Yen, etwa 12 Euro, Eintritt absolut gerrechtfertigt. Im Schatten der Baeume faengt mein Gesicht an einzufrieren. Das Gelaende ist so gross das ich mich 3,5 Stunden in der Anlage aufhalte um alles zu sehen. Die Tempel hier stellen alles in den Schatten was ich bis jetzt gesehen habe, alles ist vergoldet und mit sehr detailierten Schnitzereien verziehrt. Sie sind so farbenfroh gestrichen, in Rot,Gruen, Blau, Schwarz und ganz viel Gold. Ich weiss nicht ob ich es wunderschoen oder einfach nur zuuviel des Guten finden soll und weiss gar nicht wo ich zuerst hin schauen soll. Schlichte Japanische Eleganz ist etwas anderes, das hier ist Prunk pur. Ein einziges Gebaeude aus Holz ist nicht gestrichen, es sieht verwittert aus, der einzige Schmuck ist eine wunderschoene Schnitzerei unter dem Dach. Es sind mehrere Bilder die jeweils 3 Affen zeigen, je einer haellt sich entweder die Ohren, den Mund oder die Augen zu, denn sie hoeren, sehen und sagen nicht boeses. Sie symbolisieren Kinder, die aufgrund ihrere Unschuldigkeit nichts vom Boesen wissen und daher weder etwas boeses hoeren, sehen oder sagen. Sie sind die Waechter eines heiligen Pferdes das einst die Maori, die Ureinwohner Neu Seelands, Japan schenkten als Zeichen der Freundschaft die die Laender mit einander verbindet. Ich bin total beeindruckt von dem was ich hier sehe, es gibt so viel in den Schnitzerein zu entdecken. In einige wenige Gebaeude hat man Zutritt, natuerlich ohne Schuhe, der Prunk nimmt im Inneren nicht ab. Die Decken und Waende sind aufwendig bemalt und verziert. In einem Raum befindet sich an der Decke ein riesiger Drache, an den Waenden eine grimmig dreinblickende Figur nach der anderen. Es gibt hier sowas wie Vorfuehrung, ich verstehe leider nicht was der Mann sagt, er erzaehlt etwas ueber die Figuren und den Drachen. Dann nimmt er 2 Holzkloetze in die Hand und schlaegt die Kloetze 3 mal aufeinander. Das gleiche wiederholt er dann in exakt der Mitte des Raumes,der Klang der Holzkloetze veraendert sich mit jedem mal die er sie zusammenschlaegt. Es entsteht ein kreischender, fast schriller Klang, der sich scheinbar mit jedem Schlag mehr aufbaut. Ich erfahre von jemadem das dieser Raum einem Drachen und seinen Waechtern gewidmet ist, der Klang der Holzkloetze soll dem Schrei des Drachen aehnelen.

Ich habe leider nicht mehr genug Zeit noch einen Bus zu einem 97Meter hohen Wasserfall, der sich in einen See stuerzt, zu nehmen. Es ist schon 16 Uhr, der Ausflug zum Wasserfall dauert 2 Stunden, der letzte Zug faehrt um 18.30 Uhr, das ist mir etwas knapp und so nehm ich den Zug um 17 Uhr zurueck nach Tokyo. Um 20 Uhr erreiche ich das Hostel und mach es mir mit einigen auf der Cauch gemuetlich.

Mein letzter Tag in dieser riesigen unbeschreiblichen Stadt. Um die Mittagszeit lauf noch einmal los um in den Uenopark zu gehen. Dieser ist in etwa 25 Minuten zu Fuss errichbar. Es ist Sonntag, die Japaner haben frei und im Park wimmelt es nur so von Menschen. An einigen Ecken sind Musiker vertreten, ich lausche ueberall den fremden Klaengen und beobachte das Treiben um mich herum. Kinder spielen miteinander und versuchen Tauben zu fangen, wo anders wird Federball oder Schach gespielt. Das Wetter ist toll heute, nicht mehr so kalt, ich sitze ohne Jacke auf einer Bank und geniesse die entspannte Atmosphaere. Keiner scheint heute schlecht gelaunt zu sein, alle sehen zufrieden aus, kein unfreundliches Gesicht zu sehen.
Gegenueber das Parks ist noch ein Markt unter den Bahngleisen. Dicht aneinander draengen sich hier Haendler und preisen Lautstark ihr Waren an. Essen, Kleidung, Souveniers und und und. Ich schiebe mich oder werde durch die Menschenmassen geschoben. Ich erstehe noch die ein oder andere Kleinigkeit und esse ein zuckersuesses Stueck Ananas, so lecker! Von so einer traeumen wir in Deutschland nur!
Am abend begebe ich mich zum Pick up Point des Nachbusses nach Kyoto, ich finde es ohne Probleme und muss auch nicht lang warten. Die Uhr huepft auf die richtige Abfahrtszeit und um Punkt viertel vor 10 springt der Motor des Busses an.

© Silke Mahl, 2011
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 26.02.2011
Dauer: 3 Tage
Heimkehr: 28.02.2011
Reiseziele: Japan
Der Autor
 
Silke Mahl berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.