Schwäbischer Alb-Traum

Reisezeit: Mai 2013  |  von Ralf Beelitz

Stolze Burgen und romantische, weit über die Hochfläche schauende Kirchen prägen die Schwäbischen Alb ebenso wie lichte Laubwälder, karge Wacholderheiden, bunte Blumenwiesen und idyllische Fachwerkstädtchen. Von den Bergkuppen genießt man den Ausblick bis zum Schwarzwald, bei klarem Wetter sogar bis zu den Alpen.

Von Burg zu Burg

Wolkenloser, blauer Himmel, Sonnenschein - ein Tag wie geschaffen für jeden motorisierten Ritter und sein Burgfräulein.

Durch das beschauliche Steinlachtal am Fuß der Schwäbischen Alb erreichen wir die charmante Kleinstadt Mössingen - das ist da, wo die Blumenwiesen angeblich am schönsten blühen! Wir nehmen die Sonnenalb, wo bekannte Sehenswürdigkeiten wie die Bärenhöhle und Schloss Lichtenstein an der Strecke liegen, unter die Räder. Dann führt uns das dunkle Teerband über die "Kuppenalb", eine Landschaft geprägt von Hügeln, Kuppen, Felsen, Höhlen und Tälern, in das schwäbische Kleinod Trochtelfingen mit seinen zahlreichen alten Fachwerkhäusern.

In Zwiefalten, dessen Ortsbild durch die ehemaligen Abteil und deren Klosterkirche, eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Oberschwäbischen Barockstraße, geprägt wird, schwenken wir zum Großen Lautertal ab. Das Tal hinauf nach Münsingen ist mit das Schönste, was die Alb einem Rollerfahrer zu bieten hat. Die Große Lauter hat hier eine markante Schlangenlinie in die Hochfläche der Alb genagt. Zwischen den beidseits aufsteigenden schroffen Felsklippen und Waldhängen begleitet uns gurgelndes Wasser durch eine idyllische Wald- und Wiesenlandschaft. Dass es hier an Kurven nicht mangelt, versteht sich von selbst. In weiten und engen Bögen, ganz wie es der natürliche Flusslauf vorgibt, windet sich die Straße durch das Tal. Auf den umliegenden Berghöhen reihen sich zahlreiche Burgen, Schlösser und Ruinen wie eine Kette aneinander. Kaum ein Blick entlang des Horizonts, der nicht an irgendeiner Wehranlage auf steilem Fels hängen bleibt. Viele entstanden schon in der Stauferzeit (12. Jh.), die meisten sind jedoch längst verfallen. Mein Einkehrtip: der Bikertreff "Bootshaus an der Lauter". Er liegt mitten in einer Kurve der "Strecke", so dass man im Biergarten bei Kaffee und Kuchen oder beim Mittagessen die umherbrausenden Zweiräder beobachten und dem Plätschern der Lauter lauschen kann. Was will man mehr! Auch nach dem Durchfahren des Tales geht der Kurvenspass flott weiter. Von Münsingen aus - hier lohnt sich auf jeden Fall ein Boxenstopp in der historischen Altstadt - machen wir einen Abstecher ins Mühltal. Die einsame Strecke überrascht mit schönen Kurven und einigen knackigen Kehren.

Dann passiert das, was eigentlich nicht passieren sollte: ein Teil unserer Gruppe wird "abgehängt".
Es geht kreuz und quer durch die Landschaft und auch mal im Kreis herum, ehe sich alle wiedergefunden haben und wir gemeinsam in die "Blautopfstadt" Blaubeuren einfahren. Der in schillernden Farben leuchtende Blautopf ist der Einstieg in ein riesiges Höhlensystem, das sich weit unter der Schwäbischen Alb verzweigt. Der Blautopf galt daher im Volksmund als bodenlos. Versuche, mit einem Bleilot die Tiefe zu messen, sollen immer von einer Nixe vereitelt worden sein, die das Gewicht stahl. So war es nicht möglich, die Tiefe der Quelle zu bestimmen.
Auf Schritt und Tritt begegnet uns auf den verwinkelten Wegen durch die Altstadt das Spätmittelalter mit prachtvollen Fachwerkhäusern und malerischen Ecken.
Vor der Weiterfahrt gönnen wir uns noch am Marktplatz das schwäbische Nationalgericht: Hausgemachte Maultaschen, auch "Hergott's Bescheisserle" genannt. Auf ein Bier verzichten wir allerdings mit Rücksicht auf die Promille.

Entlang der Wiesen und Wacholderheiden des Schmiechtals kurven wir an Schloss Neustreußlingen vorbei und wir überwinden die "Lutherischen Berge" mit einer stolzen Höhe von immerhin 750m (!) ü.d.M.

Im 300 Seelendorf Rechtenstein am Rande des Emeringer Bergwaldes überqueren wir erstmals die Donau und schon bald darauf liegt der "Bussen", der "Heilige Berg Oberschwabens" weithin sichtbar vor uns. Er ist mit seinen 767 Metern Höhe die höchste Erhebung im Landstrich. Bei schönem Wetter reicht der Blick von seiner Burgruine bis weit in die Alpen und über die Schwäbische Alb.

Westlich von Riedlingen und abseits der großen Straßen, in einem Seitental der Donau, liegt das Kloster Heiligkreuztal. Es ist ein in Südwestdeutschland einzigartiger ehemaliger Klosterort. Das gotische Münster mit Schätzen wie dem einmaligen bunten Chorfenster oder der Jesus-Johannes-Gruppe aus dem frühen 14. Jhd., der Kreuzgang mit bemaltem Netzgewölbe, das Museum in der Bruderkirche oder die Wallfahrt zum Hl. Josef laden zum Betrachten und Verweilen ein. Im Biergarten des Restaurants "Klosterhof", romantisch an einem kleinen See gelegen, ist dann erst einmal ein alkoholfreies Hefeweizen angesagt, So gestärkt erreichen wir zügig Gammertingen und tauchen ins Laucherttal ein. Entlang der Lauchert schwingen wir uns kurvenreich durch üppige Wiesen an steilen Felsenwänden vorbei und lassen noch einmal ausgiebig die Gashand spielen.

Als sich die Sonne anschickt im Westen zu versinken, erreichen wir wieder unsere Unterkunft in Rottenburg-Dettingen. Ein (alb)traumhafter Tag geht zu Ende.

© Ralf Beelitz, 2013
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 17.05.2013
Dauer: 5 Tage
Heimkehr: 21.05.2013
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Ralf Beelitz berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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