Rügen - Reif für die Insel

Reisezeit: August 2014  |  von Ralf Beelitz

Wind, Meer und der Mensch haben Rügen, Deutschlands größte Insel, geprägt. Eine einzigartige Landschaft mit leuchtend weißen Steilküsten und tiefen Buchten, uralten schattigen Alleen und flachen Sandstränden. Es riecht nach Fisch, Salzwasser und Kiefernnadeln.

Rügen - Reif für die Insel

Rügen wir kommen

Schon von weitem winkt das "Tor nach Rügen“, die Strelasundbrücke, vor der imposanten Skyline der alten Hansestadt Stralsund. Sie überspannt in weitem Bogen den Strelasund und verbindet die Insel mit dem Festland. Direkt hinter der Brücke zweigen wir rechts nach Garz ab und machen erste Bekanntschaft mit der deutschen Alleenstraße. Eng, schmal und recht gut befahren - es ist Hochsaison. Hinzu kommen zahlreiche Traktoren. Das Getreide wird eingefahren. Überholen ist kaum möglich. Also Ruhe bewahren; jeder Stau ist einmal vorbei. Am späten Nachmittag erreichen Evi und ich unsere Unterkunft in Göhren. Die weißen Villen und kleinen Geschäfte des größten Ostseebads Rügens liegen auf dem „Nordperd“ einer Landzunge umgeben von endlosen Sandstränden.

Hansestadt Greifswald und Piraten

Wir passieren die Seebäder Baabe und Sellin und wenden uns auf der Deutschen Alleenstraße westwärts. Diese beginnt in Göhren und endet letztendlich am Bodensee. Die alten Alleen Rügens sind schon beeindruckend. Die knorrigen Äste der Bäume beidseits der Strecke sind oben oftmals ineinander verschlungen. Kilometerlang fahren wir so immer wieder durch grüne Tunnel. Licht und Schatten wechseln sich andauernd ab. Nicht ganz ungefährlich. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 80km/h begrenzt, aber mehr ist auch nicht drin. An einigen Stellen stehen Schilder mit der Aufschrift "Kein Ort zum Sterben". Glücklicherweise hält sich der Verkehr zu so früher Stunde in Grenzen und so lässt es sich entspannt dahingleiten.
Damit ist es jedoch erst einmal vorbei, als wir auf die L29, eine Kopfsteinpflasterstraße treffen, die es auf den ersten 400 m in sich hat. Es geht nur noch im Schritttempo. Alles rappelt und scheppert. Meine Honda Silver Wing ist am Rande ihrer Dämpfungsmöglichkeiten.
Nach einer Kastanienallee mit Aussicht auf unendliche Kornfelder taucht die ehemalige Fürstenresidenz Putbus auf. Klassizistische Villen stehen hier zum „Circus“ angeordnet im Kreis und mittendrin ein Obelisk. 1810 gegründet trägt Putbus noch heute noch den Beinamen „Weiße Stadt“ oder auch „Rosenstadt“, aufgrund der zahlreichen Rosenstöcke vor den historischen Gebäuden.
Gerstenfeldern, die bis zum Horizont erstrecken, begleiten unseren weiteren Weg. Über Garz, dem ältesten Ort Rügens, erreichen wir die Glewitzer Fähre und setzen nach Stahlbrode über. Die Überfahrt dauert zwar nur kurz, aber es weht uns dennoch eine kräftige Brise um die Nase.
Von Stahlbrode führt die Strecke bis Greifswald teilweise über eine historische Pflasterstraße. Die Landschaft um Greifswald ist flach; kaum mehr als 20m ü.NN. Dann rollen wir in die zwischen den Inseln Rügen und Usedom liegende Hanse- und Universitätsstadt ein. Entlang des Museumshafens mit seinen historischen Schiffen streben wir der Altstadt mit dem Marktplatz und dem Rathaus aus dem 13. Jahrhundert zu. Das Panorama Greifswalds, das den Zweiten Weltkrieg ohne Schäden überstanden hat, wird von den drei Kirchen der Stadt geprägt, einzigartige Zeugnisse der Vergangenheit. Die Kirche St. Marien lädt uns zu einer kurzen Besichtigung ein, dann ruft erst mal der historische Marktplatz zu einer Kaffeepause. Noch ein Bummel durch die Gassen, dann heißt es auch schon wieder Abschied zu nehmen und es geht zurück auf die Insel.

Störtebeker Festspiele

Am Abend erwartet uns ein Spektakel der besonderen Art. Auf der Naturbühne Ralswiek am Jasmunder Bodden führen über 100 Darsteller das Spektakel um die Seeräuberlegende Klaus Störtebeker auf.
Vor der Arena findet das übliche Volksfest mit Verkaufsständen (Piratenflaggen, Säbel usw.), Fressbuden und Bierständen statt. Sogar „Störtebeker Schwarzbier“ gibt es hier. Auch wir stärken uns für den Abend und erleben dann eine beeindruckende und unterhaltsame Aufführung. Kanonen donnern, Schiffe kreuzen auf dem Meer, Schlachten werden geschlagen und Ränke und Intrigen geschmiedet. Den Abschluss bildet ein Feuerwerk über dem "großen Jasmunder Bodden". Phantastisch!

© Ralf Beelitz, 2015
Du bist hier : Startseite Europa Deutschland Deutschland: Rügen - Reif für die Insel
Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 10.08.2014
Dauer: 8 Tage
Heimkehr: 17.08.2014
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Ralf Beelitz berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors