Türkei - Mit dem Mietwagen unterwegs

Reisezeit: September / Oktober 2012  |  von Judith Z.

Rasim – oder „Allah est grand“

Wir sind nun in Zentralanatolien und schlagen unser Zelt bei Kervan Pension & Camping auf.
Rasim – oder „Allah est grand“
Unser Gastgeber im Kervan Camping heißt Rasim – und ist, wen wundert’s – ein wahres Schlitzohr. Wir dürfen gerad noch so unser Zelt aufbauen. Ralf ist müde und genehmigt sich ein kleines Nickerchen. Derweil glüht Rasim schon mal mit Raki vor. Raki, Ekmek, Käse und Oliven gehen auf’s Haus und irgendwann wird unser Patron ungeduldig. Ralf’s Dusche wird vertagt – jetzt ist Aperitif angesagt. Wir stoßen auf gute Gastfreundschaft, Freundschaft überhaupt undwasweissich noch alles an und Rasim hat schon ein kleines Lämpchen am brennen. Er stopft Brot incl. Zutaten in sich rein und fordert uns immer wieder auf, es ihm gleich zu tun. Allah ist groß!! Wir erzählen allerlei im Deutsch-Englisch-Mischmasch und Rasim betont natürlich immer wieder, dass er ja nicht auf Business und big money aus ist, sondern gute türkische Gastfreundschaft bieten will, gut leben und so weiter blablabla. Sein kleines Hotel mit Camping läuft so nebenher und eigentlich verdient er sein Geld mit Teppichherstellung und –Restaurierung. Wir werden langsam wachsam…und richtig, die ersten beiden Teppiche werden angeschleppt und vor uns in den Staub geworfen. „Welcher gefällt Dir, mein Freund Rrrrrolf“? Rasim vertrödelt keine Zeit mit unnötigem Geschwätz und kommt gleich zur Sache: „welchen kaufst Du, Rrrrolf?“ Ralf erzählt was von Allergie, Staub und Milben und dass es bei uns keinen einzigen Teppich im Haus gibt. Wahrscheinlich ist Rasim Raki-bedingt schon etwas außer Gefecht gesetzt und deshalb nicht mehr allzu geschäftstüchtig. Schnell lässt er uns in Ruhe und schenkt stattdessen Raki nach. „Nach dem Essen gehen wir noch auf einen Drink zu meiner Schwester – dort ist heute Hochzeit – ok, meine Freunde?“ Oh shit – wir sind saumüde und auf türkische Hochzeit hab ich echt keinen Bock heute. Hatten wir alles schon, brauch ich heute nicht. Naja, werden uns schon irgendwie aus der Affaire ziehen….

3 Raki später rollen plötzlich 5 fette Toyos aus Frankreich auf den Hof. Unerwartete Campinggäste. Man sieht förmlich die Dollarzeichen in Rasim’s Augen aufblitzen. Da Rasim sein Teppich-Business hauptsächlich in Frankreich abwickelt, spricht er sehr gut Französisch und wir sind erst mal vergessen. Jetzt kommt Stress auf. Als die neuen Gäste sich auf dem Platz einrichten, greift Rasim zum Handy und muss organisieren. Irgendeine seiner 8 Schwestern (oder waren es 6??) wird angeheuert, sein Neffe muss zum 3. Mal los Brot holen, irgendeine Schwägerin muss kochen und er organisiert, was das Zeug hält. Alles schon etwas schwierig, weil der Raki seine Wirkung tut. Ralf’s Dusche wird neuerlich vertagt, weil jetzt erst wir beide essen müssen. Ok, soll uns recht sein, denn auch wir spüren den Raki langsam. Es gibt das übliche – Salat, danach eine Suppe, Gemüseauberginenmischmasch mit Reis und superleckeren Honigmelonen, dazu eine Flasche Rotwein. Wir bekommen Gesellschaft von den Franzmännern, die natürlich ausnahmslos nur Französisch reden und wie üblich nicht mal den Versuch machen, in der Landesprache zu kommunizieren.
Rasim wirkt irgendwie gestresst und murmelt ständig 3-sprachig „Allah est grand“, "Allah is big" und "Allah ist groß" vor sich hin. Kein Wunder,“big bucks“ sind heute Abend angesagt
Das warme Essen für die Franzosen wird angefahren. Schwager, Bruder - keine Ahnung wer, schleppt einen großen Topf mit Hammel und Gemüse an. Wir sind ja eigentlich fertig aber DAS müssen wir auch probieren und jeder von uns bekommt einen Teller davon. Puh, der Hammel muss an Altersschwäche gestorben sein- ganz schön penetrant. Ich halte die Luft an und schlucke das Zeug ungekaut runter. Das ist nicht mein Ding! Ein Schluck Raki hinterher – pascht scho!
Der Abend wird ganz lustig und gegen 10 verschwinden Ralf und ich ins Zelt. Nach einem leckeren Frühstück mit von den Damen des Hauses gebackenen Fladen geht es weiter. Auf einem Markt kaufen wir Gemüse und eine Marktfrau lässt sich gerne von mir fotografieren.

© Judith Z., 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
3 Wochen durch Westanatolien, Kappadokken, zum Nemrut Dagi und entlang der türk. Riviera
Details:
Aufbruch: 10.09.2012
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 01.10.2012
Reiseziele: Türkei
Der Autor
 
Judith Z. berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.
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