Die Weltreise, die zur Amerikareise wurde

Reisezeit: August 2016 - Juli 2017  |  von Nina Metz

Die Reise beginnt in Grönland: Der Arctic Circle Trail

Die Herde...

Die Herde...

...und Herr Moschus.

...und Herr Moschus.

Hier sieht man im Hintergrund das Feuer aus der Ferne.

Hier sieht man im Hintergrund das Feuer aus der Ferne.

Der Trail

Nach zwei Wochen in der Wildnis melden wir uns endlich zurück. Die Wanderung war einfach fantastisch. Die Natur war einmalig, wir haben viele nette Menschen getroffen und es war eine tolle Erfahrung, alles was man zum Leben braucht auf dem Rücken zutragen. Aber fangen wir mal von vorne an.
Zunächst wollten wir in Kangerlussuaq los wandern. Wir packten alles zusammen und waren schon ganz aufgeregt. Dann schlug ich vor, noch einen Tee vor der Abreise zu trinken. Doch dann passierte es oder besser gesagt es passierte gar nichts, als ich versuchte den Gaskocher auf zudrehen. Es strömte einfach kein Gas aus. So ein Mist. Die ganze Tour stand auf der Kippe. Auch Rahan gelang es nicht, den Kocher zum Laufen zu kriegen. Er suchte sämtliche Geschäfte ab, aber alle verkauften nur die selben blöden Gaskartuschen. Zum Glück gab es ja noch Frieder. Er kennt fast jeden im Ort. So kam kurze Zeit später der Schreiner angebraust. Er brachte noch mehr von den blöden Kartuschen mit und einen neuen Kocher. Sein Kocher funktionierte aber zunächst auch nicht. Wir mussten erst so eine Art Dichtungsring vom Kocher entfernen. Na wenn das mal gut geht. So konnten wir dann doch starten. Frieder ist noch ein ganzes Stück mit uns mitgegangen. Er hat uns viele Tipps gegeben und mir auch köstliche kleine Beeren am Wegesrand gezeigt. Ich habe später erfahren , dass man sie auf Deutsch Rauschbeeren nennt. Einen Rausch hatten wir nicht, aber die Beeren waren köstlich und wuchsen fast überall. Die ersten Kilometer der Strecke verliefen auf einer Schotterpiste. Nicht sehr schön, aber ich wollte unbedingt die ganze Strecke laufen und nicht wie viele andere mit dem Taxi zum Ende der Piste fahren. Rahan war auch ein bisschen sauer als ein Auto hielt und uns mitnehmen wollte und ich es abwies. Es war auch fast die gesamte Tour sehr heiß und trocken. Die Sonne brannte also und die Rucksäcke kamen uns die ersten Tage so schwer vor. Wir hielten oft an und alles schmerzte. Ziemlich spät erreichten wir unser erstes Ziel. Es lag kurz hinter Kellyville (eine amerikanische Forschungsstation) bei einem rostigen alten Wohnwagen. Die Kulisse sah aus wie in einem Horrorfilm. Überall lagen Tierknochen herum und andere skurrile Dinge. Trotzdem entschieden wir uns, in dem Wohnwagen zu schlafen. Toll war auf der gesamten Tour, dass es nachts nicht richtig dunkel wurde. So war es völlig egal, wann man startete und ankam. Morgens frühstückten wir auf der tollen Terasse vor dem Wohnwagen und dabei konnten wir Rentiere beobachten. Das war toll! Die Sonne schien auf den See und bei dem Licht sah alles richtig freundlich aus.

Die weiteren Wandertage wurden immer einfacher für uns. Die Rucksäcke wurde leichter und man gewöhnte sich an das tägliche Laufen. Am zweiten und dritten Tag bekamen wir Besuch von einer ganzen Herde Moschusochsen mit Jungtieren. Man soll eigentlich einen Sicherheitsabstand von 100 m zu den Tieren einhalten, aber die Herde hielt sich einfach nicht an den Abstand. Sie kamen immer näher, fraßen und tranken in aller Ruhe. Wo ich schon bei den Tieren bin. Es gab hier einen wirklich sehr lustigen Vogel. Ich glaube eine Gans. Die konnte jaulen wie ein Wolf und meistens tat sie das nachts. Das war zunächst sehr unheimlich, aber als ich tagsüber den Vogel dazu sah musste ich so lachen. Wir tauften ihn die Werwolfente.
Das Wetter war einfach krass. Strahlend blauer Himmel und Sonne, Sonne, Sonne. Wir verbrannten uns die Nasen. Nachts wurde es aber schnell sehr kalt. Leider gab es durch das heiße trockene Wetter einen Brand mitten auf dem Weg um eine Hütte herum. Das war echt keine schöne Situation. Umkehren kam eigentlich nicht in Frage, aber die Rauchentwicklung war sehr stark und beängstigend. Wir saßen lange auf einem Hügel und beobachteten die Flammen. Wir waren auch schon den ganzen Tag unterwegs und konnten nicht mehr wirklich weit laufen. Wir entschieden uns auf den höchsten Berg zu kraxeln und zwischen lauter Felsen zu campen. In der Nacht drehte der Wind und der Rauch drehte zu uns. Wir sind mehrmals raus, um zuüberprüfen ob das Feuer näher kommt. Zum Glück ging alles gut, aber wir sahen, dass der Weg nun brannte auf dem wir gekommen sind. Also hieß es am nächsten Morgen nix wie weg.

Nun zu unseren Unterkünften. Meist haben wir in unserem Zelt geschlafen. Es gab aber an einigen Orten die Möglichkeit in Hütten zu schlafen. Oft waren es sehr einfache Hütte, es gab aber auch große mit Hochbetten, Klo und Küchenraum. Strom und fließend Wasser gabs aber nirgends. Wasser holten wir aus Seen, Flüssen und Bächen. Es war kristallklar und lecker. Jeden Abend war ich wieder beeindruckt über die Lage der Hütten oder Zeltplätze. Wir campten in Tälern, an Stränden, Seen, auf oder vor Bergen. Die Natur kann man nur schwer in Worte fassen.
Was uns wirklich jeden Tag gut getan hat war der Kontakt zu anderen Wanderern. Es war ziemlich viel los. Man konnte trotzdem stundenlang alleine wandern, abends begegneten wir immer wieder denselben netten Menschen. So lernten wir ein sehr nettes Pärchen aus Holland kennen. Wir sahen uns fast jeden Tag und verbrachten viele nette Abende miteinander. Meist sahen wir ihr Zelt schon von weitem und wir wurden immer sehr herzlich begrüßt. Aber auch zwei Amerikanern begegneten wir immer wieder oder einer netten Truppe aus Bayern. Es war wie eine große Wanderfamilie. Jeder kannte jeden. Selbst wenn wir eine Person noch nicht kannten wurden wir meist schon mit"Ihr müsst die Weltreisenden sein!" begrüßt. Alles sprach sich herum. Das größte Gesprächsthema war das Feuer, gefolgt von dem Kerl aus New York. Der lief die ganze Strecke in kurzen Hosen und T-Shirt. Er hatte auch keinen Kocher dabei und nur Energiepulver. Wir haben ihn kurz kennenlernen dürfen. An diesem Tag ist er eine Strecke gelaufen, für die wir drei Tage brauchten. Das war ein krasser Kerl.
Mit unserem Essen hat auch alles gepasst. Dank dem funktionierendem Kocher gab es einmal am Tag was warmes und zwischen durch viele Energieriegel, Nüsse und getrockneten Tomaten.Den Weg konnte man meist auch recht einfach finden, da er sehr ausgetreten war. Die Tour ist also wirklich nur zu empfehlen.

© Nina Metz, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Im August 2016 machten Rahan und ich (Nina) uns auf den Weg, um die Welt zu bereisen. In unserem Reiseblog koennt ihr mitverfolgen, wo wir uns gerade befinden.
Details:
Aufbruch: 07.08.2016
Dauer: 11 Monate
Heimkehr: 10.07.2017
Reiseziele: Grönland
Island
Kanada
Vereinigte Staaten
Costa Rica
Panama
Chile
Argentinien
Bolivien
Peru
Der Autor
 
Nina Metz berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.