Mit dem Boot von Basel nach Berlin

Reisezeit: Juni - September 2017  |  von Susanne Gosso

Etappe 4 / Münster bis Potsdam

Reiseroute

Tag 33 - 03.07.2017: Potsdam
Tag 31 - 01.07.2017: Brandenburg
Tag 28 - 28.06.2017: Wolfsburg
Tag 27 - 27.06.2017: Hannover
Tag 22 - 23.06.2017: Münster

4. Reisebericht

(Münster - Potsdam)
Samstag, 24.06.2017. Das Wetter ist bedeckt und einiges kühler, ab und zu gab es einen Sprühregen (deutscher Ausdruck für Nieselregen!).
Am Kanal entlang hat es nun sehr viele Bauernhöfe mit riesigen Feldern, Korn, Mais und Kartoffeln.
Die Wohnhäuser sind fast alle aus Backstein, wunderschön.
Die Hündeler sind auch immer unterwegs. Zum Teil mit 10 Hunden und einer Betreuung, wie das wohl geht mit den Leinen?
Eine Gruppe von Nacktwanderern kam uns auf dem Treidelweg entgegen. 9 Männer und eine Frau. Einige hatten Rucksäcke an, die anderen gar nichts, ausser Schuhen. Schon noch speziell.
Vom Dortmund-Ems-Kanal fuhren wir nun in den Mittellandkanal, der Richtung Hannover führt.
In Recke haben wir in einem idyllischen Hafen übernachtet. Dort haben wir in der Almhütte gegessen. Es gab Grillfleisch mit verschiedenen speziell guten Salaten. "All you can eat" für 15 Euro.
Sonntag, 25.06.2017. Heute Morgen regnet es richtig, wir müssen mit losfahren noch abwarten. Es war ein richtiger Apriltag, Sonne, Wind und Sprühregen.
Der Kanal ist ein wenig eintönig. Kilometerlang hatte es Waldgürtel rechts und links, dem Damm und am Wasser entlang Schilf. Alles kräftig grün. Ein Reh war zwischen dem Schilf versteckt und glaubte wir sehen es nicht.
Auch viele Windräder zur Stromerzeugung sind zu sehen.
In Lübbecke haben wir in einem kleinen schönen Hafen übernachtet. Wir und noch ein anderes Schiff (aus Holland) waren die einzigen Gäste in diesem Hafen. Ihr Ziel ist Polen.
Mit dem Velo fuhren wir ins Städtchen. Wir hörten Musik und gingen dem Klang nach. Unterdessen regnete es ziemlich fest. Dort gab es ein Openairkonzert. Eintritt 43 Euro, sitzen musste man im Regen, nichts für uns.

In einer alten Beiz tranken wir einen Apéro und warteten ab, bis es aufhörte zu Regnen. Dann gingen wir aufs Schiff zurück und machten es uns dort gemütlich. Nachtessen gabs auf dem Schiff.
Montag, 26.06.2017. Heute scheint die Sonne, aber es ist immer noch sehr wild. Wir kauften ein. Endlich haben wir neue Teppiche für`s Boot gefunden (sehen edel aus, waren aber stinkbillig).
Auf dem Mittellandkanal gibt es keine Hotelschiffe mehr, nur Frachter und Tanker. Die meisten kommen aus Polen oder Tschechien, zum Teil sehr alte Schiffe.
Im Yachthafen Idensen machten wir Station. Ein Hafen völlig im Grünen, sehr friedlich. Die Stege sollten aber dringend saniert werden.
Dienstag, 27.06.2017. Auf der Weiterfahrt brauchten wir wieder einmal Diesel. Haben seit Basel total 340 Liter gebunkert.
Nach Hannover haben wir eine wunderschöne holländische Windmühle gesehen.
Leider hat Hannover keinen Yachthafen. Wir mussten also weiterfahren sowie eine Schleuse passieren. Dabei sind wir 14 Meter gestiegen.
Wollten dann in den kleinen Hafen in Senden. Konnten aber nicht rein, weil es eine ca. 1 Meter hohe Schranke hatte, beim Eingang. Wir mussten dann an der Aussenmole anlegen. Es gab einen regen Betrieb von Frachtern und Tankern und unser Boot schaukelte gewaltig. Es riss an unseren Tauen. Ein nettes Clubmitglied hat uns dann in den Hafen reingelassen. Als aber der Hafenwart kam, war er nicht sehr begeistert von uns, weil wir einen halben Meter zu lange waren, für die engen Verhältnisse in dem kleinen Hafen. Aber nach ein wenig Diskutieren, liess er uns dann doch im Hafen übernachten.
Unterdessen haben wir von anderen Böötlern erfahren, dass die Elbe zu wenig Wasser habe, um diese zu befahren. Wir werden morgen anrufen und uns erkundigen, sonst müssen wir die Route ändern.

Wir gingen noch einkaufen und bei einem Italiener essen. Es gab nur zwei Möglichkeiten, Griechisch oder Italienisch.
Zurück am Hafen, wurden wir vom Hafenmeister zu einem feinen Himbeerschnaps eingeladen und mussten einen zweiten ablehnen, denn die drei anwesenden Clubmitglieder hatten schon einige davon intus. Wie schnell sich doch alles ändern kann!!
Mittwoch, 28.06.2017. Heute Morgen sind wir rechtzeitig losgefahren, denn auf Nachmittag wurden schon wieder schwere Gewitter angesagt. Auf der Fahrt kamen wir an vielen Handelshäfen vorbei mit Schrott, Schrott und nochmals Schrott. Auch schmutzige Kohlekraftwerke gab es hier, dafür standen die Windräder trotz viel Wind still???
Gerade rechtzeitig kamen wir in den Hafen von Fallersleben (sehr schöner kleiner Hafen, aber abgelegen. Dann "schüttete" es, aber nur kurz. Wir getrauten uns dennoch mit dem Velo ins 4 Kilometer entfernte Städtchen zu fahren. Dort gab es eine italienische Gelateria und für Fredy eine wunderschöne alte Brauerei.
In der Nähe befinden sich die VW Werke von Wolfsburg. Auf den Parkplätzen im Städtli standen zu 80% nur VW's.
Ich habe gekocht. Fredy telefonierte noch mit der Schleusenmeisterin von Dömitz um anzufragen, wie der Wasserstand in der Elbe, bzw. ihrer Schleuse sei. Der Stand ist noch 1.05 Meter Wasser über dem Drempel, Tendenz sinkend. Also müssen wir unsere Route ändern. Komisch bei diesen vielen Regenfällen. Aber das Wasser der Elbe kommt grösstenteils von Tschechien.
Inzwischen ist die Sonne wieder da und wir konnten auf der Mole vom Hafen essen. Wir wollten dabei den vorbeifahrenden Schiffen zuschauen. Aber während dem ganzen Essen kam kein einziges vorbei. Es war trotzdem eine wunderschöne Abendstimmung. Kurz nach dem Essen kamen wieder dunkle Wolken auf und wir flüchteten für den Kaffee zurück auf,s trockene Schiff.

Donnerstag, 29.06.17. Am Morgen hatte es dichter Bodennebel, der sich aber bald auflöste, es sah aus wie bei uns im November. Auf der Strecke kamen wir an Wolfsburg vorbei. Die gigantische VW Autostadt. Auf dem Gelände wurde eine riesige Tribüne aufgestellt. Zwischen der Tribüne und der Bühne war ein Hafenbecken.
Auf Nachmittag waren schon wieder Gewitter angesagt. Als wir im Yachtclub Haldensleben unser Boot vertäut hatten, fing es schon an zu Regnen. Mit Regenjacke und Schirm gingen wir ins Dörfli. Dort sah man noch die Spuren der ehemaligen DDR. Die Strassen haben teils noch Pflastersteine, diverse alte, verrottete Hotels und viele Häuser die nur noch Ruinen sind, zeugen davon.
In dieser Nacht regnete es dauernd. In Berlin hatte die Feuerwehr eine Menge zu tun, mit überschwemmten Kellner und Garagen.
Freitag, 30.06.2017. Gegen 10 Uhr hörte es endlich auf zu Regen und wir konnten weiterfahren. Heute hatten wir nur eine kurze Strecke vor uns, aber für diese brauchten wir doch sehr lange. Um die Kanalbrücke über die Elbe zu passieren, musste man den Schleusenwärter anrufen und uns anmelden. Warten war angesagt, es kamen uns zwei Frachter entgegen, Kreuzen auf der Brücke nicht erlaubt. Danach dürfen wir fahren, wenn hinter uns kein Frachter sichtbar ist, sonst müssten wir diesem den Vortritt geben, sagte uns der Schleusenwart.
Bei der nahen Schleuse Hohenwarthe dauerte es ganze zwei Stunden (wie der Namen schon sagt!). Diese Schleuse wird für Sportboote nur betrieben, wenn zugleich ein Frachtschiff mitgeschleust werden kann.
In diesem Abschnitt haben die Handelsschiffe deutlich abgenommen.

Übernachtet haben wir in Burg. Auch hier wieder die Spuren der DDR, sehr viele unbewohnte Häuser die langsam zerfallen. Man könnte ganz billig Grundstücke kaufen.
Es gibt sehr wenige Restaurants. Aber wie haben ein sehr gutes gefunden. In einem argentinischen Steakhaus haben wir ausgezeichnet gegessen.
Samstag, 01.07.2017. Heute wieder schlechtes Wetter, viel Regen und Wind. Zwei Schleusen konnten wir ohne Warten passieren. Kurz nach der zweiten Schleuse waren wir am Plauersee. Wir brauchten drei Anläufe um einen Hafen zu finden. Der 1. Hafen war eine Werft, nicht schön. Beim 2. Hafen war der Hafenwart ein "Rüppel". Der 3. Hafen gefiel uns und da wurden wir herzlichst empfangen, gleich 4 Personen kümmerten sich darum, dass wir gut in die Bootsbox kamen. Der Hafen heisst Eisenbahner-Segler-Verein in Brandenburg. Im 1. Weltkrieg wurde da Sprengstoff hergestellt und im 2. Weichen und Eisenbahnwagen. Nach der Wende konnte man die riesigen Fabrikgebäude und die Arbeiterhäuser kaufen. Einige warten immer noch auf einen Käufer. Wir wurden sofort für den Abend für's Sommerfest eingeladen. Leider fand dieses wegen dem kühlen Wetter drinnen statt. Als wir dann gegen 18.00 Uhr eintrafen, sassen die Besucher nicht vis a vis an den Tischen, sondern alle in einer Reihe, damit sie besser sehen konnten wer da auch kommt (wir wurden beäugt). Für's Essen und Musik mussten wir je 5 Euro zahlen. Neben uns sassen Erich und Sabine, sie war Tourniertänzerin in der ehemaligen DDR. Von Ihnen bekamen wir für die Weiterfahrt wertvolle Tipps.
Als wir gehen wollten kam ein Musiker zu mir und sagte, dass der Club nächstes Jahr das 90ig Jährige Jubiläum feiert, und wir unbedingt kommen müssten. Ob wir dies wohl einhalten können???

Es war ein amüsanter Abend.
Sonntag. 02.07.2017. Endlich schönes Wetter. Wir machten eine Rundfahrt auf Plauersee, Möserschersee und Breitlingsee. Dann zweigten wir in den Brandenburgerstatdtkanal ab. Ich sass auf dem Bug und konnte mich an der wunderbaren Natur fast nicht sattsehen.
Wir kamen in die Stadtschleuse, der Hub war nur 1.20 Meter. Der rundliche, gemütliche Schleusenwärter nahm die Schoggi gerne entgegen. Nach der Schleuse kam eine Brücke, die hatte eine Höhe von 2.80 Meter (aber mit dem Wasserstand variiert das). Unsere Höhe beträgt 2.60 Meter. Der Schleusenwart meinte "das passt schon", tatsächlich kamen wir gut unten durch. Wir fuhren durch Brandenburg. Das war so schön, all die protzigen Häuser anzuschauen und den staunenden Kindern zu zuwinken.
In Ketzin haben wir im Seesportclub einen Platz gefunden.
Dann Dorfbesichtigung und essen in einem schönen neuen Restaurant mit Sicht aufs Wasser. Leider mussten wir drinnen essen es war zu kalt draussen.
Montag, 03.07.2017. Wau, beim Aufstehen nur Sonne, aber es ist trotzdem noch kühl. Nach dem Morgenessen haben wir uns wieder zu einer Dreiseentour aufgemacht. Dann gings weiter Richtung Potsdam. Unterwegs kamen wir an zwei Seilfähren vorbei. Die Seile befinden sich nicht in der Luft, sondern im Wasser, knapp unter der Oberfläche. Man muss warten, bis die Fähre das andere Ufer erreicht hat und das Seil absinkt. Wir haben das nirgends gelesen und wollten hinter der Fähre weiterfahren, doch der Schiffsführer hat gehupt und Zeichen gegeben zu warten.
Anschliessend mussten wir wieder mal 120 Liter Diesel tanken. Der freundliche Tankwart sagte uns, dass schon manches Boot mit der Schraube am Seil hängengeblieben sei. "Glück gehabt". Auch hat er uns geraten, wir sollten doch in Potsdam bleiben und uns gleich einen Hafen suchen. Wir befolgten den Rat. Beim Anglerverein hatten wir Glück und bekamen eine Platz. Alle halfen uns anzulegen. Dieser Hafen liegt direkt im Zentrum von Potsdam.
Im Umkreis von 500 Metern um den Hafen befinden sich grosse Flächen von Seerosenfeldern. Um in den Hafen zu gelangen, war eine Schneise mittendurch geschlagen worden.
Der kleine, drahtige, braungebrannte und nie von Potsdam wegekommene Hafenmeister sagte uns, dass auf dem Gelände vom Hafen eine Fuchsfamilie wohnt, aber niemanden etwas mache.
Anschliessend gingen wir zu Fuss in die Stadt. Diese ist wirklich sehenswert. Zauberhafte Schlösser, Parks, das holländische Stadtviertel und eine schöne Fussgängerzone mit vielen Restaurants mit gluschtigen Angeboten. Leider hatten wir eingekauft und mussten auf dem Schiff kochen und essen.

03.07.2017
Potsdam, Landtag/Stadtschloss

03.07.2017
Potsdam, Landtag/Stadtschloss

Brandenburger Tor in Potsdam

Brandenburger Tor in Potsdam

Keine Kirche sondern Wohnungen in Potsdam.

Keine Kirche sondern Wohnungen in Potsdam.

Einfahrt zum Hafen, mitten durch die Seerosen.

Einfahrt zum Hafen, mitten durch die Seerosen.

Seilfähre mit Unterwasserseil

Seilfähre mit Unterwasserseil

01.07.2017
Stadt Brandenburg

01.07.2017
Stadt Brandenburg

Sommernachtsfest in Brandenburg-Kirchmoser.

Sommernachtsfest in Brandenburg-Kirchmoser.

Auf dem Brandenburger Stadtkanal.
Sehr romanisch.

Auf dem Brandenburger Stadtkanal.
Sehr romanisch.

Solche Mietboote hat es auf dem Plauersee.

Solche Mietboote hat es auf dem Plauersee.

Boot, Marke Eigenbau, auf dem Plauersee

Boot, Marke Eigenbau, auf dem Plauersee

28.06.2017
VW Autostadt in Wolfsburg

28.06.2017
VW Autostadt in Wolfsburg

VW Gelände

VW Gelände

Nachtessen auf der Hafenmole in Fallersleben.

Nachtessen auf der Hafenmole in Fallersleben.

Auf dem Mittellandkanal wird mit Schrott gehandelt.

Auf dem Mittellandkanal wird mit Schrott gehandelt.

27.06.2017
Sind wir in Holland?
Nein, in Hanover.

27.06.2017
Sind wir in Holland?
Nein, in Hanover.

In dieser Gegend hat es sehr schöne Backsteinhäuser.

In dieser Gegend hat es sehr schöne Backsteinhäuser.

Unter dem Kanal fliesst die Weser durch

Unter dem Kanal fliesst die Weser durch

Abendstimmung in Idensen

Abendstimmung in Idensen

Schleusentor in Minden zum Fluss Weser

Schleusentor in Minden zum Fluss Weser

Am Mittellandkanal hat es sehr viel Wind

Am Mittellandkanal hat es sehr viel Wind

24.06.2017
Abendessen im Yachthafen in Recke.

24.06.2017
Abendessen im Yachthafen in Recke.

© Susanne Gosso, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir Fahren mit unserem Boot von Basel über Frankreich bis nach Berlin und wieder Zurück. Für diese Abenteuerreise nehmen wir uns 3 Monat Zeit.
Details:
Aufbruch: 03.06.2017
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: 02.09.2017
Reiseziele: Schweiz
Deutschland
Frankreich
Belgien
Der Autor
 
Susanne Gosso berichtet seit 4 Jahren auf umdiewelt.