Mit dem Boot von Basel nach Berlin

Reisezeit: Juni - September 2017  |  von Susanne Gosso

Etappe 6 / Schwerin bis Hamburg

Reiseroute

Tag 48 - 18.07.2017: Hamburg
Tag 43 - 13.07.2017: Schwerin

6. Reisebericht

Schwerin - Hamburg
Samstag, 15.07.2017. Einen kleinen Teil der gefahrenen Strecke mussten wir wieder zurückfahren. Um 10 Uhr wollten wir bei der 1. Hebebrücke sein, da diese nur alle 90 Min. geöffnet wird. 10 Min. vorher meldeten wir uns über die Gegensprechanlage an. Pünktlich gingen die Barrieren auf der Strasse runter und die Brücke wurde gehoben, damit wir durch konnten. Dann kam die nächste Hebebrücke, welche vom Schleusenchef kombiniert mit der Schleuse geöffnet wurde. Der Schleusenwart wartete schon auf unsere Schoggi.
Nach einer schier endlos scheinenden Geraden auf dem Störkanal, bogen wir endlich in den Müritz-Elde-Kanal ein. Innert kurzer Zeit sahen wir einen Biber über den Kanal schwimmen, einen Fuchs gemütlich übers Feld laufen und am Waldrand zwei Rehe grasen.
Immer wieder waren ganze Gruppen von Jugendlichen am Baden und riefen uns zu "hupen, hupen, hupen". Wenn wir es taten, flippten sie fast aus, grölten und klatschten vor Freude in die Hände.
In der Fachwerkstadt Grabow haben wir im Stadthafen übernachtet. Es gab dort keinen Hafenmeister. Für Strom musste man 1 Euro in den Stromautomaten werfen und für WC und Dusche 50 Cent einwerfen, da kam dann bei der Dusche 3 Minuten warmes und kaltes Wasser.
Die Preise in den Häfen sind sehr unterschiedlich. Zwischen 8 und 19 Euro pro Nacht. Manchmal war alles dabei, Strom, WC, Dusche, Wasser. Bei vielen Häfen musste man aber für alles -.50 bis 1.50 Euro noch drauf zahlen.
Im Dorf gab es nur ein Restaurant das offen hatte, es war ein Italiener. Wir bekamen gerade noch den letzten freien Tisch. Das Essen war sehr gut und günstig. Ein Aperol-Spritz z.B. für nur gerade 3.50 Euro

Sonntag, 16.07.2017 (Halbzeit)
Am Morgen musste Fredy zuerst die Schraube vom angeschwemmten "Güsel" reinigen. Dann gings weiter. Nach ein paar Schleusen, eine davon hiess "Findenwirunshier", waren wir in Dömitz, die letzte Schleuse vor der Elbe. Dort sagte uns der Schleusenwart, dass der Wasserstand der Elbe nun mindestens 1.60 m sei, also mit unserem Tiefgang von 90 cm kein Problem sein sollte.
Die Elbe ist sehr breit. Wir mussten in der vorgegebene Fahrrinne fahren, immer im Zickzack von einer Flussseite zur anderen. Es waren grüne und rote Tonnen gesetzt. Ausser ganz wenigen Sportböötlern waren wir alleine unterwegs. Es hat fast keine Brücken über die Elbe, dafür etliche Fähren. Eine Fahrt für eine Einzelperson kostet 30 Cent.
Unser Ziel war der moderne Hafen in Hitzacker. Auf unserer Karte steht, dass die Hafeneinfahrt zur Versandung neigt. Bei der Einfahrt war eine Tafel aufgestellt: Achtung Untiefen, Ein- und Ausfahrt auf eigene Gefahr. Da es im Moment genügend Wasser in der Elbe hatte, fuhren wir ganz langsam in den Kanal. Fredy hat aber vorsichtshalber die Schraube auf den höchsten Punkt hochgezogen, mit dem noch gefahren werden kann. Plötzlich blieben wir mit dem Bug im Sand stecken. Das Boot legte sich ganz schief. Die Schraube war aber gottseidank noch im Wasser, so kamen wir in drei Anläufen im Rückwärtsgang wieder frei. Uff, Glück gehabt, aber es war schon ein sehr komisches Gefühl, das Herz klopfte deutlich schneller und der Adrenalin spiegel schnellte in die Höhe. Geschafft, glaubten wir, wenigstens im ersten Augenblick.
Also gings weiter in den nächsten Hafen. Doch plötzlich gab es einen Alarmton im Führerstand. Der Kühlwasserfilter war komplett mit grobem und feinem Sand gefüllt. Sofort stoppten wir den Motor. Unterdessen trieben wir immer näher ans Ufer, der Tiefenmesser zeigte nur noch 1 Meter. Fredy versuchte nochmals den Motor zu starten, es gelang und wir fuhren in die Mitte des Flusses. Dort stellten wir den Motor wieder ab und Fredy montierte den Hilfsmotor mit 2.5 PS, den wir extra für Notfälle für diese Reise gekauft hatten. Es funktionierte, wir tuckerten ganz langsam die Elbe hinunter, bis in einen Werkshafen. Dort konnten wir an einem Steg anlegen. Ein Fischer musste nur vorher seine drei Angeln wegräumen. Aber er war ein gemütlicher Typ, der volles Verständnis hatte, als er von unserer Situation hörte. Jetzt konnte Fredy den Wasserfilter ausbauen und reinigen. Der ganze Ansaugschlauch war aber auch noch voll Sand. Also mussten wir diesen auch noch sauber kriegen. Vier mal mussten wir den Filter reinigen, Motor starten (der Filter verstopfte sofort wieder) und erneut reinigen, bis nur noch klares Wasser in den Filter sprudelte. Jetzt konnten wir weiterfahren.

Die nächste Einfahrt in den Hafen Darchau war problemlos. Es war inzwischen 18.30 Uhr. Wir waren von dieser Aufregung schon ein wenig geschafft. Aber es war ja noch gut gegangen.
Montag, 17.07.2017. Morgens mussten wir den Hafenmeister suchen um die Übernachtung zu bezahlen. Wir fanden ihn nicht, aber ein Passant sagte uns, dass wir auch im Restaurant neben dem Hafen bezahlen können. Dort wurde das Lokal für eine Hochzeit vorbereitet. Und das an einem Montag, natürlich wegen dem Datum "17.07.2017", wohl dass sich der Ehemann das Datum besser merken kann.
Die Elbe war früher die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland. Einige Überwachungstürme auf der Ostseite waren noch erhalten.
Ab Laufenburg nahm der Schiffsverkehr wieder zu. Auch hatte es hier extrem hohe Wellen. Es gab Frachter und Ausflugsboote. Ein Sportboot hatte Motorenschaden und trieb immer mehr gegen das Ufer. Der Bootsführer sprang mit einem langen Tau ins Wasser und versuchte so das Boot herauszuziehen, aber bei mindestens 3 Tonnen ist das ziemlich schwierig. Doch schon kam ein anderes Boot, nahm das Tau auf und schleppte ihn ab.
Ein ganzer Schwarm Brandgänse flog über uns weg. Mindestens 1000 Stück, sahen wir in diversen Kolonien, welche sich am Ufer besammelt hatten.
In Geesthacht übernachteten wir in einem kleinen Hafen ohne Hafenmeister. 4 pensionierte Männer betreuten diesem Hafen. Es gab dort keine Duschen. Wir warteten bis der sehr nette, heutige Aufpasser gegangen war, dann spritzen wir uns gegenseitig mit dem Schlauch ab. Ich wollte zuerst nass werden, weil das Wasser im Schlauch von der Sonne noch warm war, Fredy hat es dann etwas kälter erwischt.

Wir gingen ins Städtli essen, damit wir noch ein wenig unter die Leute kamen. Aber die schöne Fussgängerzone war um 19.30 Uhr schon wie ausgestorben. Wenn jemand vorbei kam, waren diese Personen vermutlich türkischer Abstammung. Wir konnten draussen essen, im Restaurant Schlemmerkiste, es war sehr gut.
Dienstag, 18.07.2017. Gegen 9.00 Uhr fuhren wir los. Wir mussten kurz darauf in eine Schleuse, diesmal mit zwei Frachtschiffen zusammen. In letzter Zeit hatten wir nur kleine Schleusen, aber diese war riesig.
Unterwegs sahen wir sogar einen Fischadler, ein gewaltiger Vogel, der gerade am Ufer einen Fisch vertilgte.
Da Fredy nur den Binnensee-Führerschein hat, konnten wir nicht bis Hamburg City fahren. Wir mussten vor der Elbbrücke einen Hafen suchen. Bei Ebbe und Flut beträgt der Wasserunterschied bis zu 4 Metern, da gibt es viele Häfen die trockenfallen und die Boote dann im Schlick stecken bleiben. Darum gingen wir in einen wassersicheren Hafen in Tatenberg. Vor diesem Hafen mussten wir aber nochmals in eine Schleuse. Die Tatenbergerschleuse, sie war Gebührenpflichtig. Wir mussten das Schiff anlegen und Fredy ging hoch zum Schleusenwart um zu bezahlen. 3.50 Euro für hin und zurück, und der Schleusenwart gab sogar noch wertvolle Typs wegen dem Tidenhub (Ebbe und Flut). Unmittelbar danach kamen wir zum Hamburger Yachtclub. Ein sehr schöner Hafen. Da der Hafenwart und sein Stellvertreter in den Ferien waren, erklärte uns ein hilfsbereites Clubmitglied alles. Immer wieder kam ihm etwas in den Sinn, dass er uns sagen wollte, z.B wo man Kaffee und Kuchen essen konnte, wo man die besten Eier kaufen konnte, usw.

Der Hafen war über 10 Kilometer von Hamburg entfernt. Also nahmen wir die Velos und radelten los, bis Hamburg auf dem Veloweg. Es war schon eindrücklich mit dem Fahrrad in so eine grosse Weltstadt einzufahren. Auch war es gewohnheitsbedürftig plötzlich so viele Leute in den Strassen und auf den Trottoirs zu sehen.
Am Fischmarkt hatten wir Durst und gingen ein Bier trinken. Dort waren viele Polizisten die irgendetwas suchten. Sie schauten überall nach, hinter den Büschen, unter den Parkbänken und allen möglichen weiteren Verstecken.
Dann fuhren wir zur Elbphilharmonie, ein gewaltiges, modernes Gebäude. Rundherum wird immer noch eifrig gebaut. Hamburg ist so schön, vor allem bei so strahlendem Wetter wie wir es gerade hatten.
Schon war es Abend und wir mussten wieder zurück. Auf der Strecke nach Hause waren viele Velorennfahrer unterwegs. Die überholten ganz gefährlich in einem "Affentempo". Ein Anwohner einer Wohnstrasse sagte, dass ihre Kinder am Abend nicht mehr auf der Strasse spielen könnten. Es sei zu gefährlich, wegen den Velorennfahrern. Prompt wurde vor unserem Hafen ein Rennfahrer von der Ambulanz eingeladen.
Abends haben wir im nahen Restaurant im Garten gegessen.
Mittwoch, 19.7.2017. Da es sehr "tüppig" war, haben wir uns entschlossen nicht mehr in die Stadt zu gehen, sondern eine Velotour zu machen. Diese führte uns entlang verschiedener Kanäle und Seen. Heute waren wir nicht alleine unterwegs, überall hatte es Radler, "Sünneler und Bädeler". Die Landschaft um Hamburg herum ist wunderschön. Viel Landwirtschaft, riesige Gemüsefelder und besonders viel Kartoffeln. Die meisten Bauernhöfe hatten Strohdächer. Fredy ass bei einer Fähre sein geliebtes Fischbrötli und ich habe ein Stück altes Brot gegessen, das ich eigentlich den Gänsen hätte verfüttern wollen.
Zurück auf dem Boot wollte Fredy noch einkaufen gehen. Leider war weit und breit kein Laden zu finden. Er kam dann lediglich mit einem Bund Radiesli und erntefrischen Cherrytomaten von einer Gärtnerei zurück. Diese waren sehr aromatisch.
Am Abend holte Fredy vom Thai-take-away etwas zum Essen und wir machten es uns auf dem Boot gemütlich.
Gegen 21.00 Uhr wurde es ganz schwarz am Himmel, es waren heftige Gewitter mit Hagel angesagt. Wir machten das Boot Sturmfest, kaum fertig, hat es wie aus "Kübeln" angefangen zu regnen. Wir waren in Sicherheit. Gehagelt hatte es nicht.

18.07.2017
Elbenphilharmonie in Hamburg.

18.07.2017
Elbenphilharmonie in Hamburg.

In der Umgebung von Hamburg gibt es viel solcher schönen Häuser mit Strohdächern.

In der Umgebung von Hamburg gibt es viel solcher schönen Häuser mit Strohdächern.

Auf dem Elbendamm hat es sehr viele Schafe.

Auf dem Elbendamm hat es sehr viele Schafe.

Fachwerkstadt Grabow

Fachwerkstadt Grabow

Die Elbe ist sehr breit.

Die Elbe ist sehr breit.

Leider war diese geschlossen.

Leider war diese geschlossen.

Feines Mittagessen

Feines Mittagessen

© Susanne Gosso, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir Fahren mit unserem Boot von Basel über Frankreich bis nach Berlin und wieder Zurück. Für diese Abenteuerreise nehmen wir uns 3 Monat Zeit.
Details:
Aufbruch: 03.06.2017
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: 02.09.2017
Reiseziele: Schweiz
Deutschland
Frankreich
Belgien
Der Autor
 
Susanne Gosso berichtet seit 4 Jahren auf umdiewelt.