Wir setzen unsere Reise um die Welt fort in Namibia, Botswana und Simbabwe

Reisezeit: Oktober / November 2022  |  von Gundula Henkel

Mit dem Auto quer durch Namibia: Safari im Etosha Park

Kurzer Halt in Outjo

Nach kurzer Fahrt mit einem Stopp in Outjo – wir waren überrascht, wie gut ausgestattet der Ort ist, mit Supermärkten, Restaurants, einer österreichischen Bäckerei und vielem mehr – erreichen wir die Toshari Logde, ca. 25 km vom westlichen Eingang des Nationalparks entfernt. Eine wunderschöne, originell und weitläufig angelegte Unterkunft mit kleinen Chalets und einer überdachten offenen Veranda zum Essen und Verweilen. Die gesamte Anlage wird „grün“ gemanagt und nicht ohne Stolz verweist die Dame am Empfang drauf, dass der gesamte Strom für die Anlage zu 100% aus Sonnenenergie gewonnen wird. Kein Wunder bei diesen langen und intensiven Sonnentagen. Alles Gemüse, was am Morgen und Abend angeboten wird, kommt aus den Lodge-eigenen Gärten.
Am Pool bereiten wir uns auf die Safari am nächsten Tag im Etosha Nationalpark vor. Etosha heißt in der Ovambo Sprache, der Muttersprache der in der Region lebenden Ethnie „great white place“ . Die Etoshapfanne hat ungefähr die Größe Belgiens und soll auch aus dem Weltall zu sehen sein. Zum Wildreservat wurde Etosha 1907 erklärt, 1926 fand die erste Tierzählung statt. Damals wurde eine hohe Konzentration von Spring- und Gemsböcken, Gnus, Zebras festgestellt, später kamen Giraffen und Elefanten hinzu. Heute sind im Park weiterhin Löwen, Geparden, Nashörner, zahlreiche kleine Säugetiere, wie Hyänen, Schakale, Warzenschweine sowie zahlreiche Vögel beheimatet und umfasst gut 22 tausend Quadratkilometer.

Als wir am nächsten Morgen das Anderson Tor, benannt nach dem schwedischen Forscher Anderson, der 1851 das Gebiet entdeckte, passierten, trafen wir auf die ersten Spring- und Gemsböcke und waren frohen Mutes auch weitere Wildtiere im Park zu sehen. Wir hatten bereits am Vortag unseren Passierschein – auch in Afrika muss alles seine Ordnung haben - ausgefüllt, sodass wir problemslos das Anderson Tor, dann die Polizeistelle durchfahren konnten und im Ort Okaukueje, der letzten Station mit Shops, Toiletten am Park, den Eintritt für uns und unser Auto beglichen.

150 Rand bezahlten wir für eine Person, das sind nach dem aktuellen Umrechnungskurs rund 8,5 Euro. Für unser Auto zahlen wir gut 2 Euro.

Dann ging es auf den ausgewiesenen Straßen, die ziemlich holprig und ausgefahren sind, bis zur ungefähren Mitte des Parks, der Halali Station, benannt nach dem deutschen Jägerhalalli. Die ursprüngliche Bedeutung nach erfolgreicher Jagd zum Halali blasen, ist natrülich im Park nicht mehr relevant. Im Gegenteil, erst nach nach gut vier Stunden konnten wir das Auto wieder verlassen, ansonsten, so besagt die Etosha-Verhaltensregel, können allein die Fenster zum Sehen und Fotografieren geöffnet. 60 km/ h sollten nicht überschritten werden, bei dem Straßenzustand sind wir oft allerdings oft froh gewesen, mit 20 bis 30km/ h den Wagen unbeschadet durch den Park zu bekommen. Aus diesem Grund wählten wir auch für die Weiterfahrt am Tag darauf eine längere, aber besser zu befahrene Straße. Wir fuhren im Park von Wasserloch zu Wasserloch, folgen auch dem Rhino Drive, und erfreuten uns an vielen schönen Tierbeobachtungen. Leider ließen sich Elefanten, Löwen und Geparden nicht sehen. Dafür konnten wir beim Verlassen des Parks am Straßenrand noch mehrmals Giraffen beobachten.
Aus nächster Nähe vom Pool aus und beim Abendessen erfreuten wir uns am Tag darauf in der Emanya Lodge im Osten des Parks an Elands, einer großen Antilopenart, Zebras und kleinen Springböcken.

Auf dem Weg nach Etoscha machen wir kurz Halt in Outjo und decken uns im Spar Supermarkt für unseren Safaritag im Etoscha Nationalpark ein. 
Die Stadt auf 1200 Meter Höhe wurde 1889 als Stützpunkt der deutschen Schutztruppe gegründet.

Auf dem Weg nach Etoscha machen wir kurz Halt in Outjo und decken uns im Spar Supermarkt für unseren Safaritag im Etoscha Nationalpark ein.
Die Stadt auf 1200 Meter Höhe wurde 1889 als Stützpunkt der deutschen Schutztruppe gegründet.

Straßenbild in Outjo

Straßenbild in Outjo

Der örtliche Supermarkt.

Der örtliche Supermarkt.

1914 eroberte Major Franke die einstige portugiesische Festung Naulila und trieb die Portugiesen nach Angola. 13 deutsche Soldaten verloren u.a. ihr Leben. 1933, unter südafrikanischer Mandatsherrschaft, wurde das Denkmal an die deutschen "Patrioten" errichtet und steht immer noch gut gepflegt inmitten von Outjo.

1914 eroberte Major Franke die einstige portugiesische Festung Naulila und trieb die Portugiesen nach Angola. 13 deutsche Soldaten verloren u.a. ihr Leben. 1933, unter südafrikanischer Mandatsherrschaft, wurde das Denkmal an die deutschen "Patrioten" errichtet und steht immer noch gut gepflegt inmitten von Outjo.

Ein moderner Kirchenbau

Ein moderner Kirchenbau

Ein Tag Safari im Etosha Park

Die Gemsböcke (Oryx) waren die ersten wilden Tiere, die wir auf der Fahrt in den Park sahen.

Die Gemsböcke (Oryx) waren die ersten wilden Tiere, die wir auf der Fahrt in den Park sahen.

Große Gnuherden kreuzten immer wieder unsere Wege.

Große Gnuherden kreuzten immer wieder unsere Wege.

Ein Springbock lässt sich Zeit beim Überqueren der Straße. Alle Tiere ob groß oder klein haben im Park in jedem Fall Vorfahrt!

Ein Springbock lässt sich Zeit beim Überqueren der Straße. Alle Tiere ob groß oder klein haben im Park in jedem Fall Vorfahrt!

Eins der wenigen nicht ausgetrockneten Wasserlöcher im Park. Vor allem in der Trockenzeit kommen die Tiere regelmäßig zum Trinken an die Wasserstellen.

Eins der wenigen nicht ausgetrockneten Wasserlöcher im Park. Vor allem in der Trockenzeit kommen die Tiere regelmäßig zum Trinken an die Wasserstellen.

Diese Bäume  mit den ausladenden und weiten Kronen stehen für uns sinnbildlich für Afrika.

Diese Bäume mit den ausladenden und weiten Kronen stehen für uns sinnbildlich für Afrika.

Über weite Strecken ist die Landschaft im Park trockene Savanne.

Über weite Strecken ist die Landschaft im Park trockene Savanne.

Das Gebüsch ist ebenfalls zumeist trocken. Doch wie ein Wunder zeigen sich inmitten der trockenen Sträucher zarte grüne Blätter. Die Spitzen sind lang und picken schmerzhaft.

Das Gebüsch ist ebenfalls zumeist trocken. Doch wie ein Wunder zeigen sich inmitten der trockenen Sträucher zarte grüne Blätter. Die Spitzen sind lang und picken schmerzhaft.

Zebraherden tummeln sich gemeinsam mit den Antilopen, Gnus und Springböcken.

Zebraherden tummeln sich gemeinsam mit den Antilopen, Gnus und Springböcken.

Riesengroße Straußenvögel stolzieren majestätisch über die Savanne.

Riesengroße Straußenvögel stolzieren majestätisch über die Savanne.

Straußenvögel

Straußenvögel

Das einzige Nashorn, das wir entdeckten, hatte sich zum Ruhen unter einen Baum gelegt. Nur anhand der Hörner konnten wir es entdecken.

Das einzige Nashorn, das wir entdeckten, hatte sich zum Ruhen unter einen Baum gelegt. Nur anhand der Hörner konnten wir es entdecken.

Schwarzgesicht-Impalas suchen den Baumschatten in der Mittagshitze.

Schwarzgesicht-Impalas suchen den Baumschatten in der Mittagshitze.

Am Abend stellen sich auch die Giraffen zum Wasseraufnehmen ein.

Am Abend stellen sich auch die Giraffen zum Wasseraufnehmen ein.

Am Abend, als wir den Park verlassen wollten, treffen wir am Wegesrand ganz nah auf eine neugierige Giraffe.

Am Abend, als wir den Park verlassen wollten, treffen wir am Wegesrand ganz nah auf eine neugierige Giraffe.

Hier sollten eigentlich die Elefanten kommen, aber sie kamen nicht. Viele Minuten haben wir gewartet, aber vielleicht waren wir einfach zu ungeduldig. Allerdings waren wir nicht die Einzigen, die vergebens auf die Tiere warteten.

Hier sollten eigentlich die Elefanten kommen, aber sie kamen nicht. Viele Minuten haben wir gewartet, aber vielleicht waren wir einfach zu ungeduldig. Allerdings waren wir nicht die Einzigen, die vergebens auf die Tiere warteten.

Margret und ihre Geschichte

In der Emanya Lodge wird uns gleich beim Einchecken eine Fußmassage angeboten, die zum Service der Lodge dazugehört. Eine junge Angestellte, sie stellt sich später als Margret vor, empfängt mich mit einem Lächeln, als ich mich wenige Minuten später auf einem der Sessel mit Blick auf Pool und Wasserloch für die Tiere niederlasse. Während sie alles für die Massage vorbereitet, kommen wir ins Gespräch, und sie erzählt, dass sie aus dem nahegelegenen Tsumeb kommt. Das ist Ovamboland im Norden Namibias. Die Ovambo bilden den größten Anteil der namibischen Bevölkerung. Ihre Sprache enthält die für uns so seltsam klingenden und nicht auszusprechenden Klicklaute. Aber in der Schule wird in Englisch oder auch Afrikaans gelehrt. Und auch die wichtigsten Zeitungen, wie der „Namibian“ oder „Republikein“ werden in Englisch und Afrikaans veröffentlicht. Allerdings enthält der „Namibian“ auch Seiten in einigen Stammessprachen, u.a. Ovambo. Auf die in deutscher Sprache erscheinende Zeitung hatte ich bereits verwiesen.
Ich frage Margret, wie ihr Arbeitsalltag organisiert ist, und sie erzählt mir, dass sie drei Tage im Monat frei habe und diese bei ihren drei Kindern verbringen kann. Ansonsten ist sie auf dem Gelände der Lodge. Für ihre Kinder, deren Schulgeld und Unterhalt, nimmt sie dieses Opfer auf sich. Sie weiß sie gut aufgehoben bei den Großeltern und hofft, dass sie es mal besser haben werden. Denn noch ist das Leben hart auf dem Land, und sie bestätigt mir das, was ich bereits gelesen hatte. Die Mutter müsse das tägliche Wasser aus dem Brunnen pumpen, Elektrizität ist in den Wohnhütten noch nicht vorhanden. Die Solaranlage im Ort wird allein für die Versorgung der Schule genutzt. Es ist ein karges Leben, das die Menschen führen. Die Lodge wird von einer Frau in Südafrika geführt. Auf sie ist Margret gar nicht gut zu sprechen, sie wäre streng und zuweilen auch ungerecht.
Und wir stellen uns die Frage, warum auch 30 Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes die Farmen und Gästehäuser immer noch vor allem von Weißen geführt und gemanagt werden. Zwar haben wir sie kaum zu Gesicht bekommen und wurden stets von Schwarzen sehr freundlich, sehr zuvorkommend betreut. Aber irgendwann tauchten sie dann doch auf. Also stimmt es wohl doch, was ich im Vorfeld las, der Reichtum des Landes ist immer noch in den Händen der Weißen, d.h. 10 % der Bevölkerung, konzentriert, ergo: je weißer, umso reicher. Als ich Margret frage, warum denn nicht die Einheimischen die Logdes führen, zuckt sie nur mit den Schultern und lächelt: eigentlich sind wir doch auch "hardworking people".

© Gundula Henkel, 2022
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Fast drei Jahre sind vergangen seit wir unsere letzte Fernreise beendeten. Und eigentlich wollten wir unsere Weltreise im Jahr 2021 in Afrika fortsetzen. Doch dann kam die Pandemie. Unsere jetzige Planung wurde konkret im Sommer dieses Jahres. Wir nahmen Kontakt mit einem deutschen Reisebüro in Kapstadt auf, das sich unserer Vorstellungen annahm. Und so fahren wir mit dem Auto von Windhoek aus zu den Nationalparks am Okavango River bis hin zu den Victoria Falls, 10 Etappenziele!
Details:
Aufbruch: 30.10.2022
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 19.11.2022
Reiseziele: Namibia
Der Autor
 
Gundula Henkel berichtet seit 5 Jahren auf umdiewelt.
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