Niger-Reisebericht :Durch die Wüste - Sahara 2003

Von Bilma zum Arbré du Ténéré

Weiter weist Hassan den Weg durch die Dünen. Wir erreichen Bilma. Im Gegensatz zu Dirkou wirkt Bilma verschlafen und freundlich. Wir schlagen unser Lager außerhalb des Ortes am Fuße einer Sicheldüne auf. Nachts tobt der Sandsturm so stark, dass am Morgen die Reißverschlüsse der Zelte kaputt sind. Sie lassen sich wegen des feinen Sandes, der sich darin festgesetzt hat, nicht mehr schließen. Der Polizeipräfekt von Bilma lädt uns ein, die nächste Nacht geschützt innerhalb der Mauern im Hof der Präfektur zu verbringen. Gerne nehmen wir dieses großzügige Angebot an. Er berichtet, dass holländische Touristen außerhalb von Dirkou überfallen wurden. Die Täter wurden gefasst. Wir nutzen den Tag in Bilma, die gepflegten Gärten, Brunnen und Wasserbassins der Oase zu besuchen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Wasser es hier gibt und wie grün und hübsch die Gärten angelegt sind.

Kinder auf der großen Sicheldüne bei Bilma

Kinder auf der großen Sicheldüne bei Bilma

Als wir wieder in die Weiten der Ténéré aufbrechen, kommen wir außerhalb von Bilma am Lagerplatz einer Tuareg-Karawane vorbei. Die Kamele werden gerade mit Salzkuchen beladen, die aus der Saline von Bilma stammen. Wir schenken den Tuareg Zucker und Kleidungsstücke, worauf sie gerne bereit sind, für unsere Fotos zu posieren.

Beladeplatz der Salzkarawanen

Beladeplatz der Salzkarawanen

Nach einem harten Fahrtag durch eine phantastische Dünenlandschaft beglückt uns Temo mit einem besonderen Schmankerl: er hat noch eingeschweißte Lammkoteletts aus Deutschland dabei, die heute den Weg auf den Grill finden. Dazu gibt es Kartoffeln, grüne Bohnen und Rotwein, richtig aus der Glasflasche, nicht den Landrotwein im Tetrapack, mit dem wir uns normalerweise unsere Abende am Lagerfeuer verschönern. Temos Wok, in dem er sonst seine köstlichen Gourmet-Gerichte zubereitet, bleibt heute kalt.

Am nächsten Tag erreichen wir die Oase Fachi. Am Ortsrand lagert nur eine einzige Karawane. Jetzt Ende Januar, mit dem Beginn der Harmattanwinde, geht die Karawanensaison ihrem Ende zu. Nach einem kurzen Austausch von Höflichkeiten setzen wir unseren Weg fort. Als wir uns dem Arbre du Ténéré nähern, wird der Sand immer häufiger von Büschelgras durchsetzt, auf dem Kamele weiden. Der Arbre du Ténéré ist nur noch ein dem ehemaligen Baum nachempfundenes Eisengerüst. Die Überreste des Originalbaumes, der vor einigen Jahren von einem Lkw-Fahrer niedergefahren wurde, stehen im Nationalmuseum des Nigers in Niamey.

Fachi: Beduinen

Fachi: Beduinen

Hassan freut sich. Am Brunnen des Arbre tränken Tubu ihre Herden. Der Anführer ist ein Cousin von Hassan. Man tauscht Neuigkeiten und Nachrichten aus. Ab hier wird die Fahrt noch einmal richtig spannend. Die eingetauschten GPS-Daten kommen zum Einsatz. Anstatt nach Westen Richtung Agadez weiter dem Weg der Karawanen zu folgen, schlagen wir einen strikten Südkurs ein, zu den westlichen Ausläufern des Großen Erg von Bilma.

Hassans Cousin am Arbré du Ténéré

Hassans Cousin am Arbré du Ténéré

© Angelika Gutsche, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Reisebericht Sahara: Tunesien - Algerien - Niger - Algerien - Tunesien
Details:
Aufbruch: 12.01.2003
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 05.03.2003
Reiseziele: Tunesien
Algerien
Niger
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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