Paraguay-Reisebericht :TimeOut in Südamerika

Woche 2 19.-25. April 2008: Amigos

"Adios, buen viaje. Und pass auf dich auf!" Abschied von Alé. Er hat mir geholfen, das Busticket zu besorgen und hat mit mir auf den Bus gewartet. Wollte sicher sein, dass ich nicht doch noch im letzten Moment auf seine Hilfe angewiesen wäre. "Falls du irgendwo Probleme hast, ruf mich an, ich komme." Auch einer emanzipierten Frau tut dieses Angebot richtig gut. Heute Vormittag haben wir einen sehr schönen Vogelpark besucht. Wir spazierten eine Stunde lang durch den Park, in dem unzählige Vögel aus ganz Brasilien leben. Es war eindrücklich, die Vögel von ganz nah zu sehen. Zum Teil waren sie zwar hinter Gittern, aber die meisten leben in grossen Volieren durch die man gehen kann. Vor allem der Tukan mit seinem riesigen Schnabel hat mir gefallen. Er blieb einfach auf dem Geländer sitzen und liess sich von allen Seiten bewundern. Riesige Papageien, stolze Kraniche und zierliche Vögelchen gab es zu bewundern.

Ausserdem gab es auch noch andere Tiere, wie Schlangen, einen Aligator, keine Echse diesmal, und ein Chamäleon, von dem ich mich fast nicht mehr trennen konnte. Ich hätte noch lange verweilen und fotografieren können, aber der Helikopter wartete auf mich. Nochmals einen Blick über die rieseigen Wasserfälle und den subtropischen Dschungel werfen, durch den der Rio Paraguay fliesst. Wunderbar war die Aussicht aus der Höhe und ich kam vor lauter Staunen kaum dazu, mit meiner Videokamera Aufnahmen zu machen.

Beim Helikopter machte ich Alé auf eine Wäscheleine aufmerksam, auf der bunte Badetücher mit verschiedenen Motiven hingen. Es gab Papageien, Pumas und Tiger, Pferde, aber auch ein paar nackte Schönheiten zu sehen. "Sind das alles Tiere, die hier vorkommen" wollte ich wissen. Er nickte und sah sich die Sache an. "Mir gefällt vor allem der Tukan", sagte ich. "Oh," meinte er erstaunt, "hab gar nicht gesehen, dass da links auch noch was ist". Wir haben viel gelacht miteinander in diesen zwei Tagen.

Alé hat mir eine kleine blau schillernde Feder geschenkt, die er im Vogelpark gefunden hatte. Als Erinnerung. Ich werde sie zum Schmetterling vom Pueblo Suizo legen.

Zum Mittagessen gingen wir in ein typisches Restaurant. Salat und Beilagen konnte man am Buffet selber holen, aber das Fleisch wurde von den Kellnern mit einem Spiess an den Tisch gebracht und man konnte sich immer wieder ein neues Stück abschneiden lassen. Eindeutig nichts für Vegetarier, obwohl sich die Gemüseauswahl sehen lassen konnte. Die Papas fritas, stellten sich als fritierter Maniok heraus und schmeckten sehr gut. Ich wollte sehen, wo das Fleisch eigentlich gebraten wird und wagte einen Blick in die Küche. "Adelante, Herein", winkte der Koch und zeigte mir den riesigen Grill. Einige Stücke werden sogar in der Bratfolie gegart. Das ist zwar teurer, aber viel besser meinte er und zeigte mir die riesige Rolle mit der Folie. Am Schluss wollte er unbedingt noch eine Foto von mir machen und ich glaube die ist gar nicht so schlecht ausgefallen. Jedenfalls war es eine äusserst lustige Begegnung.

Und jetzt sitze ich also im Bus nach Paraguay. Caacupé heisst mein nächstes Ziel. Eigentlich weiss ich gar nichts von dieser Stadt, ausser dass sie eine Basilika mit einer Jungfrau Maria hat. Auch der Papst war schon da. Allerdings bin ich nicht deswegen dahin unterwegs, sondern weil ich vor zwei Wochen die Idee hatte, auf meiner Reise Reiten zu lernen. Irgendwo hatte ich gelesen, dass Paraguay mehr Pferde als Einwohner hat und so stand mein Entschluss fest, in Paraguay eine Woche einzuplanen. Später hat mir jemand gesagt, dass im Kanton Luzern mehr Schweine als Menschen wohnten, es ist also alles eine Frage der Perspektive, aber das konnte meinen Entschluss nicht mehr über den Haufen werfen. Daraufhin habe ich ein wenig gegoogelt und bin auf verschiedene Seiten gestossen von Auswandereren die Reitferien anbieten. Bei irgendeiner Seite hab ich dann ein Mail losgeschickt und prompt Antwort erhalten. Und darum bin ich jetzt also unterwegs zu Stella. Viel weiss ich nicht von ihr. Eigentlich gar nichts, ausser dass sie Österreicherin ist, ungefähr 30 Jahre alt und erst seit ein paar Monaten in Paraguay lebt. Allein. Dass ihr Auto gerade eine Panne hat und sie noch nicht weiss, wie sie mich abholen könnte. "Hast du viel Gepäck dabei?" wollte sie vor zwei Tagen im Chat wissen, "ich würde dich sonst mit dem Motorrad abholen." "Geht leider nicht, mit so kleinem Handgepäck kann ich nicht reisen." "Na dann komm ich vielleicht mit dem Traktor". Ich heisse zwar nicht Resi, aber gegen den Traktor hätte ich nichts einzuwenden. Heute hatten wir einen ersten telefonischen Kontakt und sie war mir gleich sympathisch. Ich glaube, wir werden uns gut verstehen.

Als ich in den Bus einstieg, hatte ich eigentlich geglaubt, die Zeit mit Privatchauffeur sei vorbei, aber ich war die einzige Passagierin. Durfte neben dem Fahrer sitzen. Antonio, stellte er sich vor und wunderte sich, dass ich allein unterwegs sei. "Bist du verheiratet, suchst du einen Mann in Paraguay?" wollte er wissen. Als ich verneinte, meinte er, "warum denn nicht, es gibt doch so viele gute Männer hier". Hab ihn fast im Verdacht, er hat dabei auch an sich gedacht.

Ich war in Brasilien in den Bus gestiegen. Nach der Grenze zu Paraguay stiegen dann andere Leute zu und ich setzte mich auf meinen reservierten Sitz und versuchte, meine Notizen zu ergänzen. An der Grenze herrschte übrigens ein riesiges Chaos, denn in Brasilien ist heute Feiertag. Von Alé wollte ich wissen, was für ein spezieller Tag das denn sei. "Oh, das weiss ich auch nicht so genau, einfach der Tag an dem man nicht arbeiten möchte."

Jetzt fahre ich also durch dieses Land, von dem ich eigentlich gar nichts weiss. Ich sitze im klimatisierten Bus, die Vorhänge sind fast alle zugezogen und auf dem Bildschirm läuft ein Kong-Fu-Film. Mein Vorhang ist offen und ich sehe eine weite grüne Landschaft vorüberziehen. Grosse Maisfelder, aber auch riesige Flächen, auf denen nichts angebaut wird. Manchmal ein paar Häuser, ein paar Hütten, Schulkinder, eine Schule, ein Dorf? Oder ein Zaun und eine imponierende Einfahrt, mit einer breiten Strasse die irgendwohin führt. Zu einer Hazienda, einer Farm, oder wie man die Bauernhöfe hier nennt. Werde es bestimmt morgen herausfinden. Eigentlich wollte der Bus um 18.00 Uhr ankommen, aber die Sonne sinkt bereits am roten Himmel und ich kann noch keine Stadt erkennen. Ich rufe Stella an, erkläre die Verspätung, aber sie hat schon damit gerechnet, kennt die hiesigen Verhältnisse. Kurz vor dem Ziel kommt ein kleiner Junge zu mir. Antonio hat ihn geschickt, ich soll runterkommen, der Platz neben ihm sei leer. Wir plaudern noch ein wenig und Antonio steckt mir seine Telefonnummer zu. Ich soll ihn anrufen, wenn ich in der Hauptstadt, Asunçion sei. Mal sehen, jetzt bin erst mal gespannt auf Stella.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nicht Nichtstun steht im Mittelpunkt. Sondern etwas tun, wofür im normalen Alltag zu wenig Zeit bleibt. Meine beiden Leidenschaften Reisen und Schreiben möchte ich miteinander verbinden. Und wenn mich dabei jemand begleitet, umso schöner. Es sind vor allem Geschichten, die ich erzähle und erst in zweiter Linie Beschreibungen von Orten und Gebäuden. Ich möchte versuchen, Stimmungen herüberzubringen. Feelings, sentimientos. Wenn mir das manchmal gelingt, ist mein Ziel erreicht.
Details:
Aufbruch: 12.04.2008
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 03.08.2008
Reiseziele: Uruguay
Brasilien
Paraguay
Argentinien
Chile
Bolivien
Peru
Guatemala
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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