Albanien-Reisebericht :Albanien entdecken

Mittelalbanien: Ölförderung und Festungsstadt

Wir fahren Richtung Fier, wobei wir bei Novosele auf einer Brücke den Fluss Vjose, der leider als Müllkippe missbraucht wird, überqueren. Auch an der Ortseinfahrt von Fier finden sich zerstörte Fabrikanlagen. Wir nehmen die Straße Richtung Ballsh, um gleich nach links über Rroskovec in Richtung Berat abzubieten.

Die Hühner sind wirklich freilaufend, und das inmitten der Fahrbahn, von Eseln gar nicht zu sprechen, die wie angewurzelt auf der Straße stehen und sich doch nicht durch so ein bisschen Autoverkehr aus der Ruhe bringen lassen, oder von Kühen, die am Straßenrand nach Futter suchen und erwarten, dass jeder Autofahrer vorsichtig ihren Popo umfährt.

Es wird hier in der relativ reizlosen Landschaft Landwirtschaft betrieben. Auf den Häusern ist oft die albanische Flagge gehisst, der Doppelkopfadler auf rotem Grund. An Rohbauten sind Puppen angebracht, um Böses abzuwenden. Es tauchen Ölfördertürme in der Landschaft auf, von denen die meisten noch in Betrieb sind, einfache, angerostete Konstruktionen, wie man sie aus alten Texas-Filmen kennt. Albanien bezieht einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Energiebedarfs aus eigenem Erdöl, Erdgas, Braunkohle und nicht zuletzt aus Wasserkraft. Daneben hat es beachtliche Rohstoffvorkommen wie Bitumen, Kupfer, Eisen, Nickel, und es ist der weltweit drittgrößte Chromerzeuger.

Petroleumförderturm

Petroleumförderturm

Als wir Berat erreichen, fahren wir sogleich hoch zur Festung Kale. Eine junge Frau führt uns, die sich als sehr sachkundig und charmant erweist. Wir durchschreiten den Zwinger und das Haupttor, kommen vorbei an der Kirche des Hl. Theodoros (Shen Todri) aus dem 16. Jahrhundert, besuchen die Marienkirche (Shen Meria) aus dem 18. Jahrhundert und das Onufri-Museum mit einer Ikonenausstellung, die viele Werke beheimatet, die dem berühmten Ikonenmaler Onufri zugeschrieben werden, dessen Farben - insbesondere das Rot - sich durch besondere Leuchtkraft auszeichnen. Weiter geht es zur Blachern-Kirche (Shen Meria Vllahernes) aus dem späten 13. Jahrhundert mit einem gut erhaltenen Freskenzyklus aus dem 16. Jahrhundert. Vorbei an der Kirche des Hl. Konstantin und der Helene (Shen Konstandin dhe Helena) mit Malereien aus dem Jahre 1644 und der spätbyzantinischen Kirche Hl. Triada (Shen Triadhes) kommen wir zu der fast vollständig zerstörten Roten Moschee, eine der ältesten Moscheen Albaniens und zur Kirche des Hl. Demetrios (Shen Mitri) aus dem Jahr 1607.

Berat: Hg. Triada

Berat: Hg. Triada

Zwischen den Kirchen dieser Festungsstadt finden sich viele Wohnhäuser, in denen immer noch an die 200 Familien, in der Regel christlichen Glaubens, leben. Viele Wohnhäuser aus dem 19. Jahrhundert stellen mit ihren "1000 Fenstern" eine besondere Attraktion dar.

Berat: Wohnen in der Festungsstadt

Berat: Wohnen in der Festungsstadt

Von der Festung aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Tomor-Berge, deren Gipfel bis zu 1200 Meter hoch sind. Hier liegt das Weltzentrum des Bektaschi-Ordens, wo im August das große Fest des Baba (Vater) Tomori gefeiert wird.

Berat: Rote Moschee

Berat: Rote Moschee

Wandert der Blick hinunter zur Stadt, kann man jenseits des Flusses Osum, über den eine von den Türken im 18. Jahrhundert erbaute Brücke führt, das ebenfalls von Christen bewohnte Stadtviertel Gorizha betrachten.

Berat: Blick auf den Stadtteil Gorizha

Berat: Blick auf den Stadtteil Gorizha

Wer es etwas abenteuerlicher liebt, kann übrigens auf dem Fluss Osum ein für Touristen angebotenes River-Rafting buchen.

Fußweg zur Stadt

Fußweg zur Stadt

Wir verlassen die Festungsstadt und fahren durch den dritten berühmten Stadtteil von Berat, Mangallem, dessen Häuser sich um den Berg ziehen, zu der aus dem 18. Jahrhundert stammenden, zweigeschossigen Beqar Moschee, der "Moschee für ledige Männer", eine Vereinigung von Polizisten und Nachtwächtern im Basar. Dann geht es weiter zur Mbret Moschee aus dem Jahre 1492, zur Tekke (Gebetshaus) der Helveti-Derwische aus dem Jahre 1790 und zur mitsamt dem Minarett gut erhaltenen Plumbit-Moschee (der Name Blei-Moschee bezieht sich auf die Dachkonstruktion), die Mitte des 16. Jahrhunderts in der Ebene von Osum das Zentrum des neuen Stadtteils bildete.

Berat: Kirchenausschnitt

Berat: Kirchenausschnitt

© Angelika Gutsche, 2006
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Rundreise durch das Land der Skipetaren: Es gilt ein noch unbekanntes Land mitten in Europa zu entdecken: von der wilden, unberührten Bergwelt bis zur albanischen Riviera, von archäologischen Stätten bis zur quirligen Metropole Tirana, von byzantinischen Kirchen bis zu türkischen Festungen und Moscheen.
Details:
Aufbruch: 10.09.2005
Dauer: 16 Tage
Heimkehr: 25.09.2005
Reiseziele: Albanien
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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