Albanien-Reisebericht :Mit Kind und Kegel in den Süden

Albanien: Berat, 14.7. - 16.7.

Elbasan

Nach dem Abstecher nach Lin überqueren wir den Thanepass, und rollen so dahin in Richtung Librazhd. Entlang der Strasse gibt es so viele Autowäscher (Lavazh) wie wohl nirgendwo anders in Albanien. Angeblich drückt es das Wasser des Ohridsees hier durch das Gestein durch, sodass es in vielen Quellen wieder herauskommt. Leider schläft Georg, sonst hätten wir unserem Auto auch einmal eine „Lavazh complet“ gegönnt. Kostet hier heiße 2euro.
Librazhd hat nicht viel zu bieten, also sind wir einfach durchgefahren. Die Strasse folgt dann dem Fluss Shkumbin, und wir erreichten relativ rasch die Stadt Elbanan. Trotz Einbahnsystem haben wir dort schnell einen Parkplatz gefunden, und sind raus in die Hitze. Die Stadt hat uns dann aber ein wenig enttäuscht. Es gibt römische Stadtmauern, aber auch davon nicht allzu viel. Dafür stehen viele Neubauten in allen möglichen schrillen Farben herum. Wir haben nur einen kurzen Spaziergang gemacht, es war einfach viel zu heiß. Deshalb haben wir uns auf die Suche nach einem Platz für die Nacht gemacht. Probiert haben wir es zuerst ein bisschen südlich von Elbasan im Kriva Ressort. Aber die wollten 15 Euro nur fürs Parken, also sind wir weitergefahren.

Die Stadtmauern und der Uhrturm von Elbasan.

Die Stadtmauern und der Uhrturm von Elbasan.

Das Eingangstor an der Südseite

Das Eingangstor an der Südseite

Gehweg durch den Park

Gehweg durch den Park

Hier wird der Teppichboden des Lokals mit Unmengen Wasser gereinigt. In Albanien wird ganz allgemein sehr viel Wasser in ähnlichen Formen verschwendet.

Hier wird der Teppichboden des Lokals mit Unmengen Wasser gereinigt. In Albanien wird ganz allgemein sehr viel Wasser in ähnlichen Formen verschwendet.

Wir haben schon gewusst, dass die Strasse von Elbasan über Cerrik bis Belsh eine Schlaglochpiste sein wird. Nach den relativ guten Strassen in den letzten Wochen war das viele Kurbeln dann aber doch recht anstrengend für Markus. Das Auto knarrt an allen Ecken und Enden, ein etwas verwindungssteiferes Chassis wäre jetzt hilfreich gewesen. Im Endeffekt brauchten wir für 28 Kilometer eine gute Stunde, toller Schnitt. Belsh ist ganz schön an einem See gelegen, aber es war dann recht viel Betrieb, und wir haben keinen Platz gefunden, der uns auf Anhieb gefallen hätte. Also sind wir noch ein Stück weiter in das Dumreja Seenplateau, bei einem der Seen wird man doch schon stehen bleiben und übernachten können. Das klingt wieder einmal in der Theorie der Strassenkarten sehr gut, aber womit wir nicht gerechnet hatten ist, dass es praktisch nur zwei asphaltierte Strassen durch das Gebiet gibt, die beide von Belsh wegführen. Man entscheidet sich für eine und bleibt dann quasi bis an ihr Ende darauf, ausser man begibt sich in (für unser Wohnmobil) halsbrecherische Feldwegabenteuer. Das hat für uns nun bedeutet, dass wir ohne Chance auf einen guten Parkplatz durch die Dörfer Cepe, Fierze und Kosove durchgefahren sind, bis wir am Ende der Strasse in die neue Schnellstrasse von Lushnje nach Berat eingebogen sind. Von der Fahrerei gibt es keine Fotos, es war spät, das Fahren anstrengend, Georg sollte nicht aufwachen, sonst gibt’s grosses Geheul, da waren Fotostopps das letzte was uns eingefallen wäre. Schön war es dort aber trotzdem, mit sehr einfachen Dörfern. Wir wurden von allen Leuten an der Strasse angestarrt, dann meistens angelacht oder auch gegrüßt. Viele Wohnmobile fahren dort wahrscheinlich nicht durch. Naja, jetzt wars ja nicht mehr weit zum Campingplatz bei Berat, eigentlich unserem Ziel für morgen. Gut, so sind wir halt heute schon da, es soll Schlimmeres geben.

Berat Caravan Camping

Den nächsten Tag haben wir endlich wieder einmal ziemlich ereignislos verbracht. Essen, spielen, Planschbecken aufstellen, Bälle schiessen, Geschirr waschen. Es stellt sich heraus, dass die Besitzerin des Berat Caravan Camping die Schwester vom Besitzer vom Ksamil Caravan Camping ist, wo wir vor ein paar Wochen einige Tage verbracht haben. Beide sehr nette Leute, und auch in Berat bekommen wir nachmittags gratis Eiskaffe serviert.

Ausspannen am Berat Caravan Camping

Ausspannen am Berat Caravan Camping

Georg parkt alle seine Autos und Flugzeuge in Reih und Glied.

Georg parkt alle seine Autos und Flugzeuge in Reih und Glied.

Schaukeln, was sonst. Hier gibt es eine, wo man sogar mitschaukeln kann.

Schaukeln, was sonst. Hier gibt es eine, wo man sogar mitschaukeln kann.

Berat

Am Abend sind wir dann doch noch nach Berat gefahren, haben dafür aber den Minibus nehmen wollen. Am Campingplatz hat es geheissen „Take the yellow bus, and go to the mercator“. Kein gelber Bus für mehr als eine halbe Stunde. Also haben wir irgendeinen anderen Bus herangewinkt, der da vorbeigekommen ist. Der ist dann aber nur bis zum Busbahnhof ein paar Kilometer vor der Altstadt gefahren. Nach einem kurzen Fussmarsch und Meinungsverschiedenheiten, ob das alles jetzt um die Uhrzeit – es war nach 6 am Abend – noch Sinn macht, haben wir einen Stadtbus ins Zentrum erwischt. Es hat sich ausgezahlt, der erste Anblick der übereinander geschachtelten Häuser im Abendlicht war beeindruckend. Berat ist eine der ältesten Städte Albaniens und zählt zum Unesco Weltkulturerbe. Wir haben dann aber nicht mehr viel gemacht, ausser hervorragendes Souvlaki zu essen, und noch ein wenig zu flanieren. Ein paarmal wurden wir angesprochen, woher wir kommen. Auf die Antwort Austria kam immer ein, „Ah, good country“. Einer hat uns dann auch in fast akzentfreiem Deutsch erklärt, dass sie alle Fans der Monarchie sind, im ersten Weltkrieg war Albanien Teil des Habsburgerreiches. „Ohne Österreich würde es heute kein Albanien geben.“ Bitteschön, wir haben da grosse Fans am Balkan.

Erster Rundgang durch Berat am Abend, man sieht von der Fussgängerzone schön auf die Festung und den Stadtteil Mangalem.

Erster Rundgang durch Berat am Abend, man sieht von der Fussgängerzone schön auf die Festung und den Stadtteil Mangalem.

Berat wird auch die Stadt der 1000 Fenster genannt.

Berat wird auch die Stadt der 1000 Fenster genannt.

Hier wird Domino gespielt, ein Bild, das man überall in Albanien sieht.

Hier wird Domino gespielt, ein Bild, das man überall in Albanien sieht.

Mangalem bei Nacht

Mangalem bei Nacht

Wir sind dann ein wenig ratlos herumgestanden, als es ums heimfahren ging, Busse sind schon ewig keine mehr an uns vorbei gefahren. Wir wurden da aber von einem Mann angesprochen, ob wir ein Gästehaus suchen. Das haben wir verneint, nebenbei aber erwähnt, dass wir am Campingplatz wohnen und dorthin müssen. „No problem, I have a friend with a taxi“. Am Telefon haben wir noch einen guten Preis rausgehandelt, und 5 Minuten später stand das Taxi vor unseren Füssen. Problemlösung auf albanisch. Es kennt immer irgendwer irgendwen, der genau das gerade kann, was man braucht. Sehr effizient.

Am nächsten Tag sind wir dann noch einmal nach Berat, diesmal allerdings mit dem Wohnmobil. Geparkt haben wir zuerst oben bei der Burg. Das ist vielleicht die erste alte Burganlage, die wir uns ansehen, die noch bewohnt ist. Von oben hat man wirklich tolle Ausblicke auf den Osum und das Gorica Viertel. Und ein Hochzeitsshooting, sogar mit Videodreh, durfte natürlich auch nicht fehlen. Danach sind wir mit dem Auto runter in die Altstadt gefahren. Parken ist in Berat kein Problem, man stellt das Auto einfach irgendwie auf dem grossen Zentralplatz ab. Wir sind zum berühmten Mangalem Viertel gegangen, und durch die engen Gassen spaziert. Dort wohnen auch noch Leute, eine alte Frau wollte uns aus der Haustüre raus selbstgemachte Marmeladen verkaufen. Gerog läuft danach noch ein wenig in der Fussgängerzone herum, wir haben´s nicht eilig mit dem Zurückfahren. Irgendwann wird es aber doch Zeit, die Schaukel am Campingplatz ruft.

Das Eingangstor zur Burg

Das Eingangstor zur Burg

Die Festungsanlage ist noch bewohnt

Die Festungsanlage ist noch bewohnt

Es macht Spass durch die Gassen zu flanieren

Es macht Spass durch die Gassen zu flanieren

Von der Festung hat man einen schönen Ausblick in das Tal des Osum

Von der Festung hat man einen schönen Ausblick in das Tal des Osum

Auf der anderen Flussseite liegt der Stadtteil Gorica

Auf der anderen Flussseite liegt der Stadtteil Gorica

Und hier Richtung Osten auf die Neustadt. Das Gebäude in der Mitte, das aussieht wie das weisse Haus, ist die Universität.

Und hier Richtung Osten auf die Neustadt. Das Gebäude in der Mitte, das aussieht wie das weisse Haus, ist die Universität.

Als Souvenirs werden vor allem gestickte Decken angeboten, teilweise direkt aus der Haustür raus.

Als Souvenirs werden vor allem gestickte Decken angeboten, teilweise direkt aus der Haustür raus.

Vom Eingangsbogen zur Burg ist nicht mehr viel übrig.

Vom Eingangsbogen zur Burg ist nicht mehr viel übrig.

Ein Teil der Burgruine

Ein Teil der Burgruine

Die Kirche der heiligen Dreifaltigkeit, dahinter der Osum.

Die Kirche der heiligen Dreifaltigkeit, dahinter der Osum.

Die Burg ist anscheinend auch ein beliebter Ort für Hochzeits-Fotoshootings.

Die Burg ist anscheinend auch ein beliebter Ort für Hochzeits-Fotoshootings.

Da hat einer Hunger.

Da hat einer Hunger.

Das Pferd hat ganz schön zu schleppen

Das Pferd hat ganz schön zu schleppen

In Mangalem stehen die Häuser auf der steilen Bergflanke, eine Häuserreihe ist praktisch ein Geschoss höher als die Reihe darunter.

In Mangalem stehen die Häuser auf der steilen Bergflanke, eine Häuserreihe ist praktisch ein Geschoss höher als die Reihe darunter.

Flanieren durch die steilen Gassen ist recht lustig, vor allem wenn man in einem Rucksack getragen wird.

Flanieren durch die steilen Gassen ist recht lustig, vor allem wenn man in einem Rucksack getragen wird.

Einfallsreiche Blumendekoration in der Fussgängerzone

Einfallsreiche Blumendekoration in der Fussgängerzone

Einfallsreiche Verkabelung

Einfallsreiche Verkabelung

In Summe blieben wir einen Tag länger in Berat als geplant, aber wir haben uns dort recht wohl gefühlt. Es geht sehr familiär zu, die Stadt selbst ist auch sehr sehenswert, das Essen ist hervorragend, da kann man schon mal ein wenig hängenbleiben.

© Julia und Markus, 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Vier Monate Zeit, ein altes Wohnmobil unter dem Hintern, Nachwuchs eingepackt, und nur einen ungefähren Plan. In den Süden ans Meer soll es gehen, Montenegro, Albanien, Griechenland, vielleicht Türkei. Mal sehen wo es uns dann wirklich hintreibt. Hier zum Mitlesen.
Details:
Aufbruch: 10.04.2016
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 15.08.2016
Reiseziele: Kroatien
Montenegro
Albanien
Griechenland
Slowenien
Österreich
Der Autor
 
Julia und Markus berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.
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Julia und über sich:
Geboren in Wien und Neumarkt, aufgewachsen im Mühlviertel und der Oststeiermark, haben wir uns in Graz, als goldener Mitte sozusagen, auch wenns geographisch nicht ganz stimmt, getroffen. Eine wunderbare Stadt übrigens, und nach einigen Jahren in der Ferne sind wir wieder hierher zurückgekehrt. Es zieht uns aber trotzdem immer wieder raus, neuerdings sogar mit Anhang.