Zypern-Reisebericht :Mit dem Motorrad nach Ägypten - über Zypern, Israel und Jordanien

Zypern

Endlich, nach 4 Tagen auf der Fähre, erreichen wir Yzpern.
Ihr seht schon, es ist mir nicht möglich, dieses schöne Land richtig zu schreiben, schuld sind die hiesigen Tastaturen, die das Z und das Y vertauscht haben. Kruyifix!
Bei der Einreise müssen wir ein wenig Geduld mitbringen, immerhin gehört Zypern geographisch schon zu Asien, da geht alles ein bisschen langsamer. So dauert es tatsächlich geschlagene drei Stunden, die Mopeds am Zoll vorbeizubringen. Da werden seitenweise irgendwelche Formulare ausgefüllt, immer wieder die gesamte Mannschaft in den Entscheidungsprozess eingebunden. Läuft hier alles sehr teamorientiert.
Nicht zu vergessen das italienische Rallyeteam, das außer seinen zwei Rennautos anscheinend auch noch einen Panzer und zwei Kilo Kokain mit einführen will, und das alles ohne einen Hauch von Englischkenntnissen.

Unsere Route auf Zypern: zuerst gen Westen nach Paphos, dann ins Troodos-Gebirge zum Wandern und zu guter Letzt noch ein bisschen an den Strand im Osten.

Unsere Route auf Zypern: zuerst gen Westen nach Paphos, dann ins Troodos-Gebirge zum Wandern und zu guter Letzt noch ein bisschen an den Strand im Osten.

Zypern hat tatsächlich Linksverkehr, man glaubt es kaum. Das liegt daran, dass hier früher mal die Engländer koloniert haben. Also Linksverkehr, aber trotzdem rechts vor links. Jetzt endlich verstehe ich jeden, der behauptet, der Verkehr (wo auch immer) verwirre ihn.
Seit der türkischen Invasion von 1974 ist Zypern zweigeteilt; im Norden die Türken, sonst die Griechen. Wir befinden uns auf der griechischen Seite, nur ein von unbeugsamen Mönchen bevölkertes Kloster hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten: Dort kann man auf Deutsch lesen, dass dieses Kloster "von den türkischen Horden überrannt und von der Luftwaffe in Grund und Boden gebombt" wurde (Originalwortlaut). Steht jetzt aber wieder und alle sind wohlauf.

Orthodoxe Kunst im noch orthodoxeren Kloster.

Orthodoxe Kunst im noch orthodoxeren Kloster.

Und um auch mit anderen geplagten Nationen mithalten zu können, leistet man sich auch auf Zypern eine geteilte Hauptstadt.
Aber so leicht gibt man hier nicht auf:
Die (süd-)zypriotische Flagge zeigt die Silhouette der Insel und darunter 2 grüne Olivenbaumäste, die die Hoffnung auf Frieden und Versöhnung zwischen den beiden Inselhälften ausdrücken sollen.

Die Zyprioten sind ausgesprochen schizophren, in jeder Hinsicht geteilt:
nord/süd, Mann/Frau und vor allem überfreundlich/Fleischerhund. So verlangt der eine 5 Pfund (15 Mark) für mal eben ein Werkzeug ausborgen und der nächste leiht uns das Werkzeug für umsonst inkl. Kaffee und kräftiger Reparaturhilfe.
Der griechische Kaffee, den es hier für ein paar Pfennig überall gibt, ist zuckersüß, sehr stark und wird immer mit einem Glas Wasser serviert. Was in Deutschland der Stammtisch mit Bier, ist hier das Straßencafé mit (jaha!) Kaffee.

Es geht uns ganz hervorragend, die Sonne scheint praktisch den ganzen Tag und das Bier ist sehr teuer. Wenn man es in den Schatten stellt, ist es sogar ganz angenehm lau.

Die ersten Nächte verbringen wir in der Nähe von Pafos (Westküste) auf einem Campingplatz am Meer. Wir sind die einzigen Gäste, außer uns gibt es nur noch 10 Hühner und 2 Hähne, die spätestens ab 6 Uhr rauszufinden versuchen, wer denn nun länger kann ..., und Kaninchen. Es ist schon eine recht surreale Erfahrung, um 6 Uhr genervt aus dem Zelt zu steigen (mit der festen Absicht, mindestens einen der beiden Hähne zu erlegen), um sich dann vor zwei Karnickeln wiederzufinden, die sich gegenseiig grün und blau schlagen. Jaja, so schön kann die Natur sein ...
Von diesem Ort aus unternehmen wir eine riesige Tour mit den Mopeds durchs Troodos-Gebirge, über Straßen, die jeder Beschreibung trotzen. Wirklich nur zu empfehlen, wenn man mal ein Auto verschrotten will. Und es ist natürlich totgeil, wenn man dann aus dem Gebirge rauskommt und direkt vor einem das Meer auftaucht, warm wie Badewanne, aber supersauber.

Skifahren und Badeurlaub gleichzeitig?
Kein Problem auf Zypern.

Skifahren und Badeurlaub gleichzeitig?
Kein Problem auf Zypern.

Auf dem nächsten Campingplatz in Troodos, eben mitten im Gebirge, lernen wir einige total lustige Mädels aus Österreich kennen. Lustig deshalb, weil die sich immer mit Salatöl gegen die Sonne einreiben. Auch Franzosen haben wir neben uns, aber denen misstrauen wir ein bisschen, weil die ja kein Bier mögen und so, sondern nur Wein und das ist schon seltsam ...
Auf Ägypten stimmen wir uns freudig mit einer zehnstündigen Wanderung durchs Troodos-Gebirge ein, inklusive Durst und Hunger leiden, da wir uns ja unbedingt in fast 1500 m Höhe fies verlaufen müssen. Wir haben halt ein bisschen wenig Wasser mitgenommen. Zum Abschluss der Wanderung finden wir dann einen wunderschönen Wasserfall und alles ist vergessen.

Das Land hat auch kulinarisch so einiges zu bieten, zum Beispiel diese ergonomisch geformten gelben Dosen, gefüllt mit einer uns unbekannten gelben Flüssigkeit, von der wir uns tunlichst fernhalten.

Das Land hat auch kulinarisch so einiges zu bieten, zum Beispiel diese ergonomisch geformten gelben Dosen, gefüllt mit einer uns unbekannten gelben Flüssigkeit, von der wir uns tunlichst fernhalten.

Dann verpassen wir einfach mal so unsere Israel-Fähre, was aber gar nicht so schlecht ist, so haben wir wenigstens 3 Tage Zeit, uns mal einen Tag an den Strand zu legen und zu allem Überfluss unsere erste Moschee zu besichtigen. Die gefällt mir auch nur deshalb, weil ich noch keinen blassen Schimmer habe, wie toll die Moscheen beispielsweise in Kairo sind.

Zypern ist toll, aber obwohl wir uns nach einer Woche an den Linksverkehr gewöhnt haben, bekommen wir immer noch ein mulmiges Gefühl (PANIK!!!), sobald vor uns in der Kurve der Gegenverkehr auftaucht.

FUUUUUUCK, EIN FALSCHFAHRER !!!

© Martin Gädeke, Mio Beck, 2002
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Herbst 2000: Noch schnell den Motorrad-Führerschein gemacht und dann auf ins Land der Pyramiden! 10 Wochen Sonne, Sand und Abenteuer.
Details:
Aufbruch: 01.09.2000
Dauer: 10 Wochen
Heimkehr: 07.11.2000
Reiseziele: Zypern
Jordanien
Sinai
Katharinenkloster
Israel
Der Autor
 
Martin Gädeke berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Martin sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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