Rückblicke auf Nepal und Indien 2006

Reisezeit: Mai - September 2006  |  von A. S.

Eine Schule mit Zukunft

"Mir ist es peinlich, dass wir Dir nur so ein einfaches Essen anbieten können" sagt mein tibetischer Freund Jigme, der mich heute zu seiner Schule mitgenommen hat. Diese kleine Schule befindet sich in Ladakh in dem kleinen Ort Spituk und Jigme ist dort Lehrer. Seine Schüler sind kleine buddhistische Mönche.

Geshe La und Jigme

Geshe La und Jigme

Mein Herz klopft, denn ich bin aufgeregt. Wir sitzen im Büro von dem Schulmanager, einem sogenannten "Geshe", das ist ein Mönch, der durch 25-jähriges buddhistisches Studium diesen Titel erlangt hat. Nein, das Essen - traditionelle Linsen und Reis - sei wunderbar, sage ich und weiß, dass es mit Liebe gemacht wurde.

Beim ABC Üben mit den Kleinsten

Beim ABC Üben mit den Kleinsten

"Eigentlich haben wir schon vielen Ausländern von unserer Schule erzählt, aber bis jetzt tut sich noch wenig" berichtet Jigme, nachdem er mich mit Geshe La auf dem Schulgelände umhergeführt hat. Die beiden werben um Hilfe, denn sie stehen der großen Aufgabe gegenüber, die Klosterschule zu modernisieren und zu erweitern.

Im Sommer 06 war das Schulgebäude im Bau

Im Sommer 06 war das Schulgebäude im Bau

Angefangen hat alles vor 2 Jahren, als man beschloss, die Schule zu verbessern. Geshe La erinnert sich an die Zeit und wie er durch einen Telefonanruf von höchster Stelle aus seinem bisherigen Mönchsdasein in Südindien herausgerissen wurde und nach Ladakh, seinem Herkunftsland, zurückgerufen wurde. Damals erhielt er die Aufgabe, die Verhältnisse an der Klosterschule zu verbessern.

Ein Zimmer mit Aussicht, aber ohne Heizung

Ein Zimmer mit Aussicht, aber ohne Heizung

Viel hat sich seitdem getan, Aus ursprünglich 8 sind nun 28 Schüler im Alter von 5 bis 15 Jahren geworden. Zur Zeit wird an einem neuen Klassenraum gebaut und zur Finanzierung der Unterhaltskosten hatte der sympathische Mönch die gute Idee, inmitten der Touristenmeile im Hauptort Leh ein Internetcafe einzurichten, aus dessen Einnahmen die Schule bis jetzt finanziert werden kann. Immerhin zwei managende Mönche, zwei Lehrer und ein Koch stehen den Schülern beiseite, die hier in einem 5 Klassen-System in Tibetisch, Englisch, Hindi und Mathematik unterrichtet werden.

Küche mit Koch

Küche mit Koch

Der Essenraum muß dringend erneurt werden.

Der Essenraum muß dringend erneurt werden.

Ganz schön anstrengend, denke ich, als ich mich nach dem Tagesablauf der Kleinen erkundige und feststellen muss, das sie von 6 Uhr morgens bis 21.00 Uhr abends einen straffen Zeitplan einzuhalten haben. Neben dem normalen Unterricht stehen auch noch Selbststudium, das Praktizieren der buddhistischen Texte sowie die Gebetsstunde auf dem Programm. Kein Wunder, das manchmal einer abhaut, wie mir Jigme erzählt, hat er doch schon mehrmals auf die Suche nach Ausreißern gehen müssen. Dann schwingt er sich auf sein altes Moped und fährt zu deren Verwandten, betreibt Recherche und irgendwie schafft er es immer wieder, den Entflohenen zurückzuholen. Es ist natürlich schwer für die kleinen Mönche, die teilweise von weither aus Ladakh kommen, aus Gegenden, wo teilweise keine Straße mehr hinführt und sicher aus Familien, die - in unseren Augen - arm sind, abstammen. Die Eltern, welche sich gemäß der uralten Tradition entschließen, einen Sohn ins Kloster zu geben, müssen für die Ausbildung und den Unterhalt der Kinder nichts bezahlen. Alle Bücher, das Essen sowie der Unterricht etc. werden von der Schule finanziert.

Ein Schlafsaal

Ein Schlafsaal

Entsprechend bescheiden sind die Verhältnisse, in denen die Kleinen untergebracht werden können. Zwei muffige Zimmer mit je 10 und 18 Betten darin, auf dem Boden liegt ein schmutzig aussehender Teppich.

Boxen mit dem persönlichen Inhalt

Boxen mit dem persönlichen Inhalt

Jeder Schüler hat seine privaten Sachen in einer metallenen Box. Nur auf einigen Betten sehe ich warme Decken. Noch kälter wird mir zumute, als ich in dem Waschraum stehe. Kahle Betonwände und eiskaltes Wasser.

Kalter Waschraum

Kalter Waschraum

Es bedarf so vieler Verbesserungen, ein Transportmittel, ein neuer Essenraum, Heizmöglichkeiten für den langen Winter, usw. Die beiden wissen, dass sie noch lange nicht am Ende Ihrer Arbeit angekommen sind, denn sie möchten die Schule zudem noch auf 8 Klassen erweitern.

Für jede Art der Hilfe wären die Mönche und Lehrer überaus dankbar. Wer immer eine Möglichkeit der Unterstützung sieht, sei es durch Sach- oder Geldspenden, Sponsoring von Kindern etc. kann sich entweder an mich oder in englischer Sprache auch direkt an die Schule wenden unter der email: pegon_institute@yahoo.co.in

Am Fuße des malerischen Klosters Spituk

Am Fuße des malerischen Klosters Spituk

© A. S., 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Lest über meine Erinnerungen an meinen Langzeitaufenthalt im Himalaya
Details:
Aufbruch: Mai 2006
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: September 2006
Reiseziele: Indien
Der Autor
 
A. S. berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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