Meine Reise durch Südamerika

Reisezeit: Februar - April 2009  |  von Norman H.

La Zona Cafetera und Popayan

Am 23.02. habe ich Bogotá verlassen und den Bus nach Pereira genommen. Das sind nur etwas ueber 200km glaube ich, aber es geht aus der Ost- in die Westkordilliere und dauert entsprechend lange. Die erste Stunde ist schonmal weg, um aus Bogotá rauszukommen und dann wird in jedem kleinen Nest angehalten. Insgesamt bin ich 8h unterwegs. Die Aussicht auf die Berge aus dem Bus ist aber sehr schoen und die immer auf den Bus aufspringenden Haendler sehr unterhaltsam: Einer verkauft Zahnbuersten (No-Name-Zeugs) und erklaert 10 Minuten lang die Vorzuege genau dieser Zahnbuerste. Dann kommt einer der Taschenrechner, ein Buntstiftsortiment und ganz tolle Gel-Stifte verkauft, die in der Hemdtasche nicht auslaufen, auch wenn man sie auf den Kopf stellt Sehr wichtig ist dabei, immer allen Fahrgaesten die Artikel in die Hand zu geben, also sitzt man mit 3 Dingen auf dem Schoss und darf bestaunen was einem da geboten wird. Ich finde das umso wunderlicher, da es in einem kolumbianischen Supermarkt wirklich alles gibt was man sich denken kann, von Sony ueber Nivea zu Maggi.
Im Tiefland zwischen den Kordillieren ist es jedenfalls ziemlich warm und es gibt viele Felder.

Vom Busbahnhof in Pereira nehme ich mir ein Taxi zu einer Kaffeefarm. Das kostet den unglaublichen Preis von 25.000 Pesos, soll aber laut Reisefuehrer so stimmen. Es geht dann auch bestimmt 30 Minuten durch die Dunkelheit, davon 10 ueber einen Feldweg, wo das Taxi manchmal mehrfach Anlauf nehmen muss. Am Ende will der Taxifahrer dann 30.000 weil es so weit war. Aber ich mache ihm klar, dass ich das nicht zahle. Beim Feilschen verliert er dann noch 10.000 Pesos, so dass ich nur 15.000 zahle. Tja, selber Schuld

Die Kaffeefarm ist sehr ruhig und man hat einen schoenen Blick auf die Stadt. Die Finca-Mutti macht mir auch gleich Abendessen. Es ist noch ein Belgier mit seiner kolumbianischen Freundin da und Kerstin aus der Schweiz. Wir lassen den Abend auf der Veranda ausklingen waehrend es in Stroemen regnet.

Am naechsten Morgen gibt eine kleine Fuehrung ueber die Finca. Die Bewoelkung zieht weg und es wird echt heiss. Da es recht steil die Haenge hoch geht, komme ich ganz schoen ins schwitzen. Auf der Farm werden ausserdem Bananen angebaut und ich lerne, dass es drei Sorten gibt: Richtig grosse, die man zum Kochen nimmt (platanos), kleinere die man isst (bananos) und winzige Platanitos, die sehr suess und lecker sind. Nach dem Mittag soll es moeglich sein, mit Pferden zu reiten, aber die beiden Klepper, der Don dann anschleppt sind in so mieser Verfassung, dass niemand aufsteigen will. Eins ist halb verhungert und das andere hat das Hufeisen total schief angenagelt und Humpelt.
Es faengt sowieso wenig spaeter an in Stroemen zu regnen, also bleibt nur Buchlesen und ausruhen. In der Zona Cafetera regnet es wohl wirklich jeden Tag, kein Wunder dass alles so gruen ist.

Am Abend lasse ich mich von der Kolumbianerin mehrfach warnen, dass es in Suedkolumbien nicht ungefaehrlich sein soll und ich keinesfalls einen Nachtbus nehmen darf. Ausserdem erfahre ich, dass der Mindestlohn in Kolumbien 500.000 Pesos betraegt (150 Euro). Dafuer ist vieles ganz schoen teuer!

Da man auf der Finca dann doch nicht soviel machen kann und es recht teuer ist (70000 Pesos pro Tag), beschliesse ich am naechsten Morgen weiterzufahren. Der Don bietet an mich auf seinem Mopped in die Stadt zu fahren, da er aber dafuer auch noch 20.000 Pesos will und ich das mit meinem zwei Rucksaecken fuer keine gute Idee halte, sage ich, sie sollen ein Taxi rufen. In Wirklichkeit kommt dann aber ein Halbwuesiger aus dem Nachbardorf mit seinem schrottreifen Auto und will fuer die Fahrt auch noch den Taxipreis. Irgendwie ganz schoene Abzocker hier.

Erst wollte ich nur nach Cali, da die fahrt nach Popayan ueber 8h dauern soll und ich erst um 11Uhr am Busbahnhof war. Dann geht es aber doch etwas schneller und da es in Cali nicht viel zu sehen gibt (ausser Salsa-Bars), es unglaublich heiss war und ich keine Lust auf Grossstadt hatte, bin ich gleich weiter nach Popayan, wo ich gegen 19Uhr ankam und in einem Hostel eingecheckt habe. Das wird vom Reisefuehrer gross empfohlen, aber trotzdem war ich der einzige Gast. Scheinbar verirren sich nicht viele Touristen hierher. Im Hostel hatten sie 3 fiese riesige Hunde, ich glaub das eine war ein Boxer, der mich ziemlich belaestigt hat und scheinbar meine Stinkesocken total toll fand. Aber die beiden Omis haben mir bestaetigt, dass der Hund "total lieb" ist. Sehr beruhigend

Ich bin dann Abends durch die Stadt gelaufen und fand sie sehr angenehm. Alle Strassen sind rechtwinklig angeordnet und alle Haeuser weiss gestrichen, es war recht ruhig und angenehm kuehl. Waehrend des naechsten Tages sollte sich mein Eindruck aendern. Im Hostal Casa Familiar gibt es dann auch mal wieder Floehe in den Betten, so dass ich mich in meinen Schlafsack verkrieche....

Morgens wollte ich erstmal die beiden Huegel am Rande der Stradt besuchen. Auf einem steht eine Kirche und auf dem anderen ein Reiterstandbild, vermutlich von Bolivar. Der Weg zu dem ersten Huegel ging durch eine etwas einsame Gegend und auf einem hielt neben mir ein Auto mit ner Familie die mich ganz panisch fragte, wo ich hinwill. Dann sagte sie ich soll ins Auto einsteigen. Auf meinen Einwand, ich moechte zur Iglesia laufen, sagten sie ich muss unbedingt Einsteigen, weil mich zwei Jugendliche auf Fahrraedern sonst ausrauben wuerden. Die hatte ich zwar bemerkt, aber als harmlos eingeschaetzt. Naja wer weiss. Jedenfalls bin ich dann 100m mit im Auto gefahren und danach unbehelligt zur Kirche gegangen. Danach auf dem Weg zum zweiten Huegel, hat mir eine Frau wieder Zeichen gemacht, ich soll aufpassen. Dann bin ich zu dem Reiterstandbild gestiegen und ein aelterer Kolumbianer hat mich angequatscht und mir dritten Mal erzaehlt, dass es total gefaehrlich waere und hier Touristen die Kameras geklaut wuerden. Ausserdem hat er sich ueber die Politik der Regierung beschwert: Es gaebe zwar viel Militaer aber wenig Polizei in den Staedten und ueber 90% der Bogotaner glauben die Stadt sei sehr gefaehrlich. Ausserdem sei die DAS ein Geheimdienst wie die "Gestapo" der ueber eine Million Kolumbianer bespitzelt und alle Telefone ueberwacht. Ob das was dran ist weiss ich nicht. Ich bin dann doch noch ohne ausgeraubt zu werden in die Stadt zurueckgekomen.

Den Rest des Tages bin ich durch die Strassen gelaufen und fand die Stadt am anfang auch noch sehr nett. Aber da wirklich jede Strasse genau gleich aussieht und ich mit dem Kolumbianischen Strassensystem irgendwie nicht klarkomme (in jeder Stadt gibt es Carreras und Calles mit aufsteigenden Nummern, die rechtwinklig zueinander verlaufen) habe ich mich nur verlaufen und nie gefunden wo ich eigentlich hinwollte. Es gibt in Popayan auch nur einen Park mit Baenken zum hinsetzen, der aber gerade umgebaut wird, daher war ich irgendwann erschoepft und ziemlich genervt. Nachdem ich 1h vergeblich eine Post gesucht habe, um ein Paar Karten zu verschicken bin ich am Nachmittag zurueck ins Hotel.

Dort waren dann doch noch andere Touristen angekommen und ich habe den Rest des Abends mit Kim aus Suedkorea gesprochen, die durch Peru und Ecuador gereist war und insgesamt ein Jahr unterwegs sein will. Mir ist mal wieder aufgefallen, dass Asiaten wirklich sehr freundlich sind und fast immer laecheln. Etwas, was mir auch in der Karibik sehr gefallen hat, was Westeuropaer aber leider verlernt haben?!

Am naechsten Morgen (27.02.) habe ich mich auf den Weg nach San Agustin gemacht. Das ist auf der Karte ein wirklich winziges Stueckchen (ca. 90km Luftlinie) und ich war etwas verwundert, dass es 8 Stunden dauern soll. Woran das liegt, durfte ich dann recht schnell erfahren: Nach einer halben Stunde war schluss mit asphaltierter Strasse und der Bus fuhr mit maximal 20km/h von einem Schlagloch zum naechsten. Dabei wurde man ordentlich durchgeschuettelt und da ich wohl zu gross fuer die Sitze war habe ich mich regelmaessig irgendwo gestossen. Die Mitfahrenden Kolumbianer konnten aber scheinbar trotzdem schlafen. Zwischendurch gab es eine Pinkelpause, bei der netterweise direkt vor einem Haus im Nirgendwo angehalten wurde und alle Maenner rausprangen um an den Gartenzaun zu Pinkeln. Auch bei der Mittagspause an einem Restaurant hatte kaum jemand Lust, die Toilette zu nutzen sondern alle stellten sich irgendwo an die Strasse (im Sichtbereich der Essenden) und liessen laufen.
Ich habe mich dann doch mal getraut, eine landestypische Suppe zu essen (Sopa de Platanos), die auch recht gut geschmeckt hat und bisher keine negativen Auswirkungen auf meine Gesundheit hatte Mit einem Kaffee hat das ganze dann ca. 60 Cent gekostet. Der Kolumbianische Kaffee den ich bisher probiert habe, war uebrigens immer schlecht. Entweder sie kippen Unmengen Milch oder Zucker hinein oder er ist Pur und schmeckt nach nix. Nichtmal in der Kaffeezone war guter Kaffee zu bekommen!

Am fruehen Nachmittag habe ich dann endlich San Agustin erreicht und mich im idyllischen Hostal Jardin eingemietet. Die Landschaft ist wirklich sehr schoen hier und ich werde morgen zu Pferd die Ausgrabungstaetten besichtigen. Ausserdem ueberlege ich, eine Raftingtour zu unternehmen.

© Norman H., 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich reise 10 Wochen lang durch Südamerika. Von Venezuela über Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien nach Chile.
Details:
Aufbruch: 07.02.2009
Dauer: 10 Wochen
Heimkehr: 20.04.2009
Reiseziele: Venezuela
Kolumbien
Ecuador
Peru
Bolivien
Chile
Der Autor
 
Norman H. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.