Mit dem Motorrad durch Italien

Reisezeit: September 2012  |  von Fritz Kastellan

Samstag, 08.09.2012

War dann heute Morgen in Rom, wo ich mich mit Hilfe der Rezeption mit einem PC-Spezialisten verabredet hatte. Dort angekommen, war der natürlich nicht da, da dieser, nach Aussage des Geschäftsinhabers von nebenan, am Samstag nie arbeitet. Na führ't die Gott. Gott sei Dank gab es in einer kleinen Nebenstraße aber noch einen PC-Laden, dessen Inhaber, ein älterer Herr, ich im beileidserheischendem Ton (da ich doch sein wundervolles Land bereise) meine Situation erklärte. Hier hat sich mal wieder herausgestellt, dass man tatsächlich nicht unbedingt auf das Äußere achten soll, auch wenn man erst über Kartons steigen musste, bevor man in den "Laden" kam.

Nach einigen "oh je's und uh's" (ich befürchtete schon das Schlimmste) war der Job getan. Auf einen Kaffee hat er mich auch noch eingeladen. Dies war jetzt das zweite Missgeschick auf dieser Reise, warten wir mal ab, was der heutige Tag auf dem Wege von Rom nach Salerno hinter Neapel noch so bereit hält.

Woran ich nicht gedacht hatte war die Tatsache, dass es ja auch in Italien ein Wochenende gibt. Meine so sorgfälltig über GARMIN ausgewählte Strecke, nämlich immer schön an der Küste entlang zu fahren, entpuppte sich als Flopp, da es teilweise nur im Stopp and Go voran ging. Auch wenn ich mich inzwischen getraut habe, den italienischen Fahrstil anzuwenden, ihr wisst schon, rechts oder links überholen, überall wo Platz ist einstechen, und vor allem, rote Ampeln zu ignorieren.

Habe mich dann entschlossen, bei meinem Navi das Häckchen "Autobahnen vermeiden" herauszunehmen, und so ging es dann über die Autostrada recht zügig südwärts Richtung Neapel, wo ich dann so gegen 17h ankam. Lieber Leser, ich bin in meinem Leben schon in mancher Großstadt gewesen, aber einen solchen Dreck und Gestank mit überlaufenden Müll-Containern habe ich noch nicht gesehen. Die mit Schlaglöchern übersähten Straßen, teilweise noch aus groben Pflastersteinen, trugen das ihre dazu bei, mich schnellstens von dort zu verabschieden. Habe mich dann süd-westlich Richtung Sorrento in Kampanien gehalten. Dieses ist ein traumhaft schöner Ort, direkt in den Bergen über dem Meer gelegen. Der Golf von Sorent und Neapel liegt einem direkt zu Füssen. Da ja vermeintlich Nebensaison ist glaubte ich easy ein Zimmer zu finden.

Ich war fast der Verzweiflung nahe, als ich um 20:30h immer noch kein Hotel gefunden hatte, obwohl doch angeblich alles frei sein soll und preiswert. Es wurde bereits dunkel und zu allem Überfluss stellte ich fest, dass ich keinen Druck mehr auf der Hinterrad-Bremse hatte. Ich konnte das Pedal ohne Widerstand und Bremswirkung durchtreten. Langsam glaube ich, dass Murphis Law mein Begleiter ist. Vorausgegangen war eine tiefe Querrille, die ich in der aufkommenden Dunkelheit nicht gesehen und richtig erwischt habe und das Moped richtig durchgehauen hat.

Kaputtes Moped, kein Hotel, was kann es da in Süditalien noch schlimmeres geben. Ich habe dann noch einen letzten Versuch unternommen und mich einer italienischen Motorradgruppe von 9 Leuten angeschlossen, die in ein Hotel einbogen. Habe dem Hotelbesitzer meine aussichtslose Lage erklärt und dieser zeigte Herz. Allerdings hatte auch er kein Zimmer, bot mir jedoch für eine Nacht ein kleines Zimmer am Swimmingpool an, wo sonst das Pool-Personal sich aufhält. Ein Bett war fix aufgebaut, gegen Hunger und Durst gab es 2 Äpfel und zwei kleine Heineken. Ich war noch nie so froh, ein Bett unter dem Allerwertesten zu haben. Nach den Anstrengungen des Tages und der langen Anfahrt, bin ich auch gleich in einen fast komatösen Tiefschlaf gefallen.

Tolle Badebuchten auf dem Weg nach Neapel

Tolle Badebuchten auf dem Weg nach Neapel

Ein traumhaft schöner Pool über dem Golf von Sorrent

Ein traumhaft schöner Pool über dem Golf von Sorrent

Der Eingang zu meiner "Unterkunft" fotografiert am nächsten Morgen

Der Eingang zu meiner "Unterkunft" fotografiert am nächsten Morgen

© Fritz Kastellan, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Es ist geplant, mit meiner BMW RT einmal Italien zu umkreisen. Start ist Alessandria, weiter geht es die gesamte Mittelmeerküste entlang bis Sizilien. Um Sizilien herum und an der adriatischen Seite wieder zurück über Österreich nach Hemhofen im schönen Franken/Bayern.
Details:
Aufbruch: 02.09.2012
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 29.09.2012
Reiseziele: Italien
Der Autor
 
Fritz Kastellan berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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