Wieder auf Abwegen

USA-Reisebericht  |  Reisezeit: August 2019 - Mai 2020  |  von kathrin schmeling

Burning Man

Burning Man

Viele Menschen die zum Burniing Man fahren haben mir vorher erzählt dass dieses Event sie verändert hat.
Aha dachte ich. Wie kann das sein und wieso sollte mich das verändern?
Jetzt weiß ich was Sie meinen!

Burning Man ist kein Kunstfestival sondern viel viel mehr!

Die meisten Menschen organisieren sich dort in Camps. Diese Camps sind unterschiedlich groß. 20— 250 Leute tun sich dort zusammen.
Da ich kein Plan hatte und auch nicht so richtig wusste was es mit den Camps auf sich hat, entschloss ich mich auf einem Freecamp zu bleiben. Ich war also in keiner Gruppe organisiert.
Jedes Camp bereitet etwa besonderes für die Burner vor: z. B. etwas zu Essen oder zu Trinken. Das kann alles mögliche sein: gerillter Lachs, Frühstück, Hot Dogs, Crêpes, Französisches Dinner oder Blood Mary, Bier, Gin Tonic, Cocktails, Champagner, dog shut oder was es eben an alkoholischen oder nicht alkoholischen Getränken so gibt.
Das kann auch ein Spiel sein oder etwas das zum Thema des Camps passt: Handlesen, Heilen, Karten legen, Schmuck basteln, Massagen, Saunen (ein Camp hat sogar drei unterschiedliche Saunas aufgebaut), Schuhe reparieren, Fahrräder flicken, Kostüme verschenken oder was auch immer.

Man darf nicht vergessen, dass sich in Black Rock City auf dem Salzsee eine Stadt aufbaut, die ungefähr so groß ist wie Manhattan. 70 000 Menschen kommen zusammen und jeder bringt etwas mit um andere glücklich zu machen!

Die Camps bauen einen riesigen Schattenplatz auf, ausgelegt mit Teppichen und Sofas, Kuschelecken, Liegelandschaften, Hängematten, toll geschmückt mit Laternen und Figuren. Sie bauen Bars auf oder präsentieren ihre eigene Kunst.

Viele Camps schmücken nicht nur das Gelände auf dem sie stehen sondern haben auch noch ein eigenes Art car, also ein Auto dass nicht mehr wie ein Auto aussieht sondern wie eine Figur oder ein Gegenstand.
Mit denen fahren sie über das Gelände oder über die Playa ( der Platz in der Mitte in dem die Kunst aufgebaut ist.) und nehmen alle mit die dazu Lust haben.
Auf einigen Art Cars geht die Post ab und sie spielen geile Musik und alle tanzen.
Sie halten immer wieder an und dann radeln viele Burner zu Ihnen und tanzen vor den Art Cars.

Black Rock City ist aufgebaut wie eine Uhr und in der Mitte steht die Kunst.

Aber nicht nur die Camps machen etwas für andere.
Jeder überlegt sich etwas und bringt Geschenke mit.
Etwas Nützliches oder Verspieltes oder er bietet anderen seinen Dienst an wie zum Beispiel einen Taxidienst per Fahrrad natürlich, denn außer den Art Cars und den Rangern dürfen keine Autos in Black Rock City fahren.
Beim Burning Man gibt es kein Geld. Auch keinen Tauschhandel, es gibt ausschließlich Geschenke.

Ihr wisst selber wie ihr euch freut, wenn ihr etwas von jemandem geschenkt bekommt. Ein wirklich gutes Gefühl im Bauch. Doch es ist ein ganz anderer Schnack wenn 70 000 Menschen zusammenkommen um andere zu beschenken und glücklich zu machen. Es ist unglaublich schön!

Auch die Freecamper bauen etwas auf.
Meine Nachbarn bauten aus 12 x7 Meter hohen Holzpfosten die sie in die Erde mit einem Bohrer bohrten einen schattigen Dancefloor auf. Bedeckt mit 12 Teppichen und drei Sofas . Außerdem bauten sie eine Hütte in der locker zehn Personen schlafen können. Die war halb hoch mit riesigen, weichen Teddybären gefüllt. Und sie bauten eine Bar auf in der man jede Art Alkohol angeboten bekam.

Alle Menschen tragen Kostüme. Viele passend zum Thema des Burning Mans.
Dieses Jahr war das Thema Metamorphose!
Es gibt aber auch Mottotage.
tuesday ist Tutu— day, wednesday ist white day, friday ist drag day.
Vielleicht hat auch jeder Tag ein Motto aber mehr hab ich nicht heraus gefunden.
Das Motto machen sehr viele mit und so sieht man am Dienstag die meisten im Tutu rumlaufen, am Mittwoch trägt man etwas Weißes und am Freitag verwandelt man sich in eine Drag Queen.
Es gibt mega viel Musik und Kunst . Riesige und kleine Bands, Einzelkünstler, DJs, Theater ( und Schauspielunterricht), Tänzer aller Art, von Ballett bis zum Feuertanz. Und dann sind da natürlich noch die ganzen Kunstwerke auf der Playa.

Ein Wort zur Körperpflege: der Staub auf dem Salzsee ist ätzend, er frisst einem die Haut von den Knochen und er ist feiner als Mehl. Man schützt sich dagegen mit Essigwasser (1 Teil Essig, 4 Teile Wasser und dann gute Körperlotion auftragen).
Ich wusste nur Essig und hab mich zwei Tage lange gewundert warum die Gegenmaßnahme gegen den brennenden Staub auch so brennt?!

Ich bin eines Abends über die Playa geradelt und hatte meine Stirnlampe an. Zuerst fragte ich mich was für widerliche kleine Fiecher dort in de Luft herumschweben, bis ich begriff, dass das der Staub ist. Und das ich das die ganze Zeit einatme.
Ich habe meine Staubmaske nur bei Sturm getragen.
Zwei Tage war das Wetter perfekt heißt es war einfach nur heiß und sonnig. An den anderen Tagen gab es Staubstürme.
Es ist als ob man im Nebel verschwindet, so dicht ist der Staub. Er ist warm und tut nicht weh, aber so ein Sturm nimmt einem jede Orientierung.

Keine Chance das abgestellte Rad wiederzufinden oder einfach nur von der Playa runterzukommen.
Es hilft nur abwarten und das Spektakel genießen.

Die Playa und die Camps und die Räder und Menschen verwandeln sich in der Abenddämmerung, denn nach und nach entzünden alle ihre Lichter!
Bei Sonnenuntergang stoßen alle Burner ein Wolfsgeheul aus.
Die Kunstwerke in der Wüste werden bunt. Ebenso die Camps. Sie haben teilweise bombastische LED Lichtanlagen. Am Himmel kreuzen sich breite, grüne Lichtstreifen. Damit man nicht über den Haufen gerannt oder gefahren wird, haben alle ihre Kostüme und Räder beleuchtet bunt, blinkend in allen Farben.
Es ist wunderschön! Alles sieht ganz anders aus! Wie verzaubert und völlig neu!
Alber alle Orientierungspunkte verwandeln sich. Das ist das gemeine.
Am ersten Tag hab ich trotz Adresse dreieinhalb Stunden mein Zelt gesucht. Danach ging es schneller.

Eines der Kunstwerke ist der Tempel. Sehr viele Menschen heften dort Bilder oder Gegenstände an die Wände, meistens von Menschen um die sie trauern. Viele beschreiben die Wand mit Sachen die sie nerven und die sie vergessen wollen. Es ist ein Ort der Trauer, denn am Ende des Burning Mans wird er abgebrannt und mit ihm alles was vergessen werden soll oder Dinge von denen man sich verabschiedet.
Auch ich habe dort Sachen gelassen die ich loswerden wollte und habe getrauert. Und ich war erstaunt dann danach war es weg. Ich konnt loslassen!
Das ist mir auch in einem der Camps passiert.
Mir wurde z.B. ein Shot bloody Mary angeboten mit der Aufforderung eine meiner Sünden zu erzählen und drüber weg zu kommen
Das Zeug hasse ich total aber ich kam der Aufforderung nach und erzählte etwas das mich schon lange belastet. Ein Mädchen sagte, das sie exakt das selbe erlebt hat. Aber sie gab mir eine andere Sichtweise und wir tranken darauf den Bloddy Mary. Und danach war ich mit dem Thema durch.

Nach diesen Erfahrungen hab ich viel besser verstanden warum das Event die Menschen verändert.
Die Freundlichkeit und und Großzügigkeit all dieser Menschen erfahren zu dürfen war etwas ganz besonderes.
Wir sind alle auf der Suche nach Liebe und Verständnis. Großartig zu sehen und zu fühlen, dass so viele Menschen versuchen das andren zu geben!

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Die Reise
 
Worum geht's?:
In den kommenden 8-10 Monaten habe ich Zeit zu Reisen. Eigentlich stand mein Reiseplan sieben Jahre lang fest: Nord-, Mittel- und Südamerika, Australien und Papua Neuguinnea. Doch vielleicht gehe ich auch andere Wege.
Details:
Aufbruch: 01.08.2019
Dauer: 10 Monate
Heimkehr: Mai 2020
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Panama
Live-Reisebericht:
kathrin schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
kathrin schmeling berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.