Beluga geht durchs Nadelöhr 2

Italien-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai - Oktober 2004  |  von Doris Sutter

Noch mal davon gekommen im Ligurischen Meer

10.8. Gaeta

Dank ruhigem Wetter kommen wir gut voran.
Die Fahrt durch die Bucht von Neapel, an Capri und Ischia vorbei ist wegen des starken Verkehrs etwas kabbelig.

Wann versinkt bei Capri die rote Sonne im Meer?

Wann versinkt bei Capri die rote Sonne im Meer?

In Formia ist es uns nicht möglich einen Platz im Hafen zu bekommen. Die Steganlage gehört einem Club und die anwesenden Mitglieder drehen die Köpfe weg, wenn man sie anspricht. Der Rest des Hafens ist mit Fischerbooten belegt, bzw. die Piers sind für die Fähren und das Militär frei zu halten.
Wir ankern in der Bucht von Gaeta. Wegen der ständig vorbeidüsenden Motorboote nicht eben ruhig aber wenigstens kostenlos. Die Kulisse des Ortes ist zauberhaft.

Gaeta

Gaeta

11.8. Civitavecchia

Die Küste Italiens wird jetzt lieblicher. Die Berge treten zurück. Ihre Kuppen sind bedeckt mit Wald. An den Hängen sind Kornfelder schon abgeerntet. Die Küste ist flach. Sandstrände so weit das Auge reicht.
Ab Capo d'Anzio ist die Küste hinter dem Sand bebaut. Es sieht aus wie eine Großstadt, die sich am Meer entlang zieht. Doch es sind wohl alles mehr oder weniger Hotelanlagen und Ferienhäuser. Wir rasten in der Marina Riva di Traiano, einer riesigen neu gebauten Marina mit allem Komfort, der natürlich auch bezahlt werden muss.
Hier treffen wir ein deutsches Ehepaar, das im letzten Jahr die Donau befahren hat und genau so begeistert war wie wir.

12.8. Salivoli

Die vielen Tiefs über Europa verschonen auch Italien nicht. Es hat örtlich starke Gewitter. Entsprechend hoch ist die Dünung. Statt der gemeldeten 2 Windstärken brist der Wind auf 4 und die Gischt salzt uns ein. Zwischen der Halbinsel Monte Argentario und der Isola del Giglio zieht es wie Hechtsuppe. Wir blättern bereits wieder im Handbuch nach einem geeigneten Liegeplatz, als der Wind abflaut und die Fahrt angenehmer wird.

Die Untiefe Isolotti Porcellini vor Kap Punta Ala sieht aus, als hätte ein Riese sein Porzellan zerschlagen und die Scherben hier verstreut. Es verlangt äußerste Umsicht beim Durchfahren, will man nicht einen weiten Bogen außen herum machen.
Die neu gebaute Marina Salivoli ist voll belegt und will uns erst gar nicht aufnehmen. Doch mit Hartnäckigkeit gelingt es uns doch einen der sündhaft teuren Liegeplätze zu ergattern.
Leider gibt es die nächsten 37 Seemeilen keine andere Möglichkeit für eine größere Yacht anzulegen und die Weiterfahrt wäre für den Abend einfach zu lang.
Die Küste der Toskana hat zwar große, langezogene Buchten, aber keine ist wirklich als sicherer Ankerplatz bei diesen Windverhältnissen geeignet. Das ist sehr schade.

Freitag, der 13. August 2004 Livorno

Die Sonnenaufgänge werden wohl meine angenehmsten Erinnerungen an die Fahrt im Tyrrhenischen Meer und die italienische Westküste entlang bleiben. Sail 24 hat für Freitag den dreizehnten See 0,3 und Wind 4 gemeldet. Doch es ist völlig windstill in der Nacht und auch am Morgen. Eine erneute Abfrage morgens bringt eine Korrektur. See 0,7 m, Wind 1. Für das Ligurische Meer haben sie Wind durchgängig 4-5 Bft. und See 8,4 m gemeldet.

Die Wellenhöhe kann eigentlich nur ein Tippfehler sein. 16 m hohe Wellen in den Tälern, das können wir uns kaum vorstellen und ich glaube, es passierte schon öfter, dass das Komma nicht richtig gesetzt war. Oder etwa doch nicht???

Wir brechen auf.
Runden Promontorio di Piombina und treffen die erwartete
1 - 1,5 m hohe Dünung. Aus der Abdeckung von Elba und der Isola Capraia baut sich die Dünung immer mehr auf. Der Wetterdienst bringt eine Berichtigung für die Ligurische See, Wellen 2,5 m.

UND DIESMAL HABEN SIE RECHT.

Obwohl immer noch windstill stehen 5 m hohe Wellen neben uns.
Wir haben dieses Mittelmeer noch nicht einmal wirklich ruhig erlebt.
Unser Halt auf Erden ist dürftig.

In Erwartung des angekündigten Windes versuchen wir in den Hafen von Livorno zu flüchten.
Es ist schlimm, wenn du das Ziel, die Rettung vor Augen hast, ihm aber fast nicht näher kommst.
Die Euphorie des Wollens wird ertränkt im Meer der Unmöglichkeiten.
Wir sind keine halbe Stunde im Hafen, beginnt es in den Wanten und Masten der Segler zu pfeiffen.

Diesmal sind wir wirklich mit einem blauen Auge davon gekommen. Eine 25 m lange, dreistöckige Luxusyacht legt neben uns an. Das Wasser läuft ihnen von der Fly in die Blicht. Selbst diese gestandenen Seemänner sind etwas blass um die Nase auf ihren 2000 PS.

Freitag der 13. war schon immer ein Glückstag für uns.

Nach 2 Stunden hat der Wind Sturmstärke erreicht. Man kann sich nur noch gebückt vorwärtsbewegen. Die Luft prallt gegen die Menschen wie ein harter Gegenstand. Der Sturm nimmt mir den Atem und bringt mich aus dem Gleichgewicht. Er zerrt mir die Brille vom Kopf. Er nimmt die wirbelnde Gischt des Meeres mit und du kannst das Salz noch in der Stadt von den Lippen lecken.

Der Wellenbrecher vor dem Hafen ist mindestens 10 m hoch. Hohe Gischtsäulen türmen sich dahinter auf.

Die graue, aufgewühlte See drückt tosend wie ein Wasserfall bis in den hintersten Winkel des Hafens und lässt die Schiffe tanzen.

dazu gibt es keinen Kommentar

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15.8. Golf von La Spezia

Trotz einem Tag Windstille in Livorno hat sich die See noch nicht beruhigt. Immer noch steht enorme Dünung im Meer und wir pendeln hin und her wie der Perpendikel an einer alten Kuckucksuhr. Wieder brechen wir unsere Fahrt ab und ankern in der Bucht von La Spezia. Man kann die Bucht, die Ankerplätze und Jachthäfen hier nur überlaufen nennen. Auch der Verkehr ist enorm. Und dazwischen kurvt am heiligen Sonntag noch die Guardia di Finanzia und sucht sich ihre Opfer.

Die Passage vom Golf von La Spezia in den Golf von Genua an Portovenere vorbei

Die Passage vom Golf von La Spezia in den Golf von Genua an Portovenere vorbei

16.8. Alassio

Windstärke 2 und nur eine leicht kabbelige See erlauben es uns die Bucht von Genua etwas abzuschneiden und direkt von Cinque Terre nach Alassio zu fahren.
Wir sind früh dran, so dass es uns gelingt einen Platz zu bekommen obwohl der Hafen proppevoll ist.
Die Umgebung und der Ort sind wunderschön. Ein Gebäude a la Hundertwasser zieht alle Blicke auf sich und stiehlt selbst der Villa auf der Isolotto Gallinara die Show.
Wir sind jetzt im Gebiet der Riviera Ponente, der Blumenriviera. Immer noch dominieren Hügel und Berge, aber Wälder überziehen ihre Kuppen und Palmen wiegen ihre Wedel am Strand in der Sonne.

© Doris Sutter, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Unsere Bootstour die Donau abwärts findet ihr im ersten Teil. Vom Donaudelta quer durchs Schwarze Meer führt uns unsere Heimreise durch den Bosporus, das Marmarameer, die Dardanellen, quer durch die Ägäis,rund Griechenland, die Straße von Korinth,wie auch die Straße von Messina, die italienische Westküste entlang, an der Cote d'Azur vorbei in die Rhone. Hier folgt der 2. Teil
Details:
Aufbruch: Mai 2004
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: Oktober 2004
Reiseziele: Schwarzes Meer
Bulgarien
Türkei
Griechenland
Straße von Korinth
Ionisches Meer
Italien
Frankreich
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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