Namibia – Land der Kontraste

Reisezeit: Januar 2006  |  von Anke Schlingemann

Windhoek

Freitag, 27.01.2006 Windhoek

Bedauerlicherweise werden wir schon um fünf Uhr durch nachhaltiges Klopfen an der Tür geweckt und müssen erst öffnen, um dem Lärm Einhalt zu bieten. Eine der jungen Angestellten lädt uns zum Frühstück ein. Wie sich herausstellt ging sie fälschlicherweise davon aus, dass wir genau wie einige andere Gäste früh morgens zurückfliegen. Damit ist unsere Nacht leider schon so gut wie vorbei, denn so richtig finden wir nicht mehr in den Schlaf.

Beim späteren Frühstück kommen wir mit einem Gast ins Gespräch, einem Winzer aus der Steiermark. Als leidenschaftlicher Jäger kommt er seit Jahren für mehrere Wochen auf die Jagdfarm. Natürlich erfahren wir auch etwas über die Jagd. Auch in Namibia gelten Abschussbestimmungen, die vom Naturschutzbund festgelegt werden. Trotz der geregelten Abschussquoten ist für ihn das Jagen in Namibia besonders reizvoll, da es nicht die vielen Einschränkungen wie in Deutschland oder Österreich gibt. Es ist allerdings ein teures Hobby, so zahlt man beispielsweise für die Trophäe eines Kudu 650,- EUR oder eines Oryx 400,- EUR. Mit diesen Einnahmen werden Naturschutzprojekte finanziert.

Wie er uns erzählt ist der Wildbestand in Deutschland zwar um ein Vielfaches höher, aber die Jagdrestriktionen sind sehr hoch. Wir erfahren, dass es eine Überpopulation an Wildschweinen in Berlin gibt - uns ist beim Spaziergang im Grunewald selbst schon einmal ein Eber über den Weg gelaufen. Aufgrund der Auflagen, die beispielsweise vorsehen, dass nur ohne Hilfsmittel (z.B. Nachtsichtgerät) gejagt werden darf, sind die nachtaktiven Tiere nur schwer zu erwischen. Eine komische Vorstellung, dass selbst staatliche Friedhöfe in Berlin regelmäßig für einige Tage gesperrt werden, um den grabschändenden Hasen, Fasanen, etc. den Garaus zu machen.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf nach Windhoek, um wenigsten noch einen kleinen Eindruck der etwa 300.0000 Einwohner zählenden Hauptstadt Namibias zu erlangen. Ein letztes Mal fahren wir auf einer Pad und genießen vom Kupferberg Pass noch einmal die weite afrikanische Landschaft, die sich in grünen Hügeln bis nach Windhoek erstreckt. Als wir vor drei Wochen in Windhoek ankamen, war hier noch so gut wie gar nichts grün. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich die Natur durch Regen in nur drei Wochen derartig verändern kann.

Christuskirche in Windhoek

Christuskirche in Windhoek

Das Auto parken wir sicher im Parkhaus des Kalahari Sands Hotels. Von dem im Reiseführer mit drei bis vier Stunden angegebenen Stadtrundgang sind wir schnell ab. Natürlich sehen wir uns die Christuskirche, das Reiterdenkmal und die dahinter liegende Alte Feste an. Und natürlich den Tintenpalast, so benannt wegen des überdurchschnittlich hohen Verwaltungsaufwandes der deutschen Kolonisten. Dem anschließenden Bummel durch die Fußgängerzone können wir wenig abgewinnen. Interessant ist es, einen Blick in das Bushman Art & African Museum zu werfen. Neben allerlei interessanten Souvenirs befindet sich im hinteren Teil der Galerie eine Ausstellung mit Artefakten der San-Kultur.

Wir kaufen uns eine "Allgemeine Zeitung". Diese deutschsprachige Zeitung erscheint in Namibia mit einer Auflage von 6.000 Exemplaren. Inhaltlich ist sie mit unserem gewohnten Tagesspiegel zwar nicht zu vergleichen, aber immerhin werden wir über die wichtigsten internationalen Geschehnisse informiert. Die nationalen Nachrichten beziehen sich eher auf die letzten Unwetter und de angerichteten Schäden. Das Sossusvlei steht unter Wasser und war zeitweise nicht zugänglich.

Im Mug & Bean-Cafe vertreiben wir uns die Zeit bei einem Kaffee und nicht zu bewältigenden Burger-Portionen. Von der Terrasse aus können wir das Treiben in der Fußgängerzone beobachten.

Ein letzter Blick gilt dem Wahrzeichen der Stadt, der Windhoek-Aloe, einem Turm direkt gegenüber des Kalahari Sands Hotels, an dem wir bei der Ankunft achtlos vorüber gegangen waren - passend zur Stadt ist das Wahrzeichen eher unscheinbar.

Die verbleibende Zeit nutzen wir, um die Hauptsraße, die Independence Avenue, Richtung Norden zu fahren. So gelangen wir nach Katutura, dem Township von Windhoek. Im Zuge der Apartheitspolitik wurde ab 1960 die schwarze Bevölkerung aus dem Hochland hierher umgesiedelt. Hierfür wurden einfache Häuser mit zwei Zimmern errichtet. Bedingt durch die stattfindende Landflucht weitet sich das Armenviertel immer weiter aus. Jeden Monat kommen etwa 1.650 Zuwanderer in die Stadt. Die als "squatters" bekannten wilden Siedler hausen in notdürftig zusammen genagelten Wellblechhütten.

Die spätere Mietwagenrückgabe erfolgt völlig problemlos. African Tracks können wir
empfehlen. Die ziemlich neuen Fahrzeuge sind in einem sehr guten Zustand und die Ausstattung ist tadellos.

Auf der Fahrt zum Flughafen nehmen wir Abschied. Ein toller Urlaub und 5.470 Kilometer Fahrstrecke liegen hinter uns.

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Letzte Aktualisierung: Februar 2006 - (c) Anke Schlingemann und Detlef Hälker

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Foto-Reisebericht eine Namibia-Rundreise von Anke Schlingemann & Detlef Hälker. Stationen: Windhoek, Kalahari, Fish River Canyon, Kolmanskop, Lüderitz, Aus, Sossusvlei, Namib Naukluft Park, Swakopmund,Twyfelfontein, Etosha National Park, Otjiwarongo, Waterberg Plateau
Details:
Aufbruch: 08.01.2006
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 27.01.2006
Reiseziele: Namibia
Der Autor
 
Anke Schlingemann berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Anke sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!