Namibia – Land der Kontraste

Reisezeit: Januar 2006  |  von Anke Schlingemann

Cape Cross - Twyfelfontein - Petrified Forest

Mittwoch, 18.01.2006 Cape Cross - Brandberg - Damaraland - Khorixas

Ein weiterer Fahrtag steht uns bevor. Wir verlassen Swakopmund in nördliche Richtung. Im Gegensatz zum Süden ist die Wüste hier total flach. Glücklicherweise ist die Küstenstraße (eine Salzstraße) gut ausgebaut. Für den Abstecher nach Cape Cross nehmen wir eine zusätzliche fast 90 km lange Fahrt in Kauf, bereuen es aber nicht. 1486 kam der erste Europäer, der portugiesische Seefahrer Diego Cao hier an und errichtete ein Kreuz. Das Original ist heute im Museum für Deutsche Geschichte in Berlin ausgestellt.

Cape Cross

Cape Cross

Das Besondere ist die hier gelegene Robbenkolonie, in der etwa 80 - 100.000 Tiere leben. Derzeit sind hier fast nur Seekühe mit ihren Jungen, die erst im November und Dezember geboren wurden. Die Bullen kommen nur zur Paarungszeit Mitte Oktober zur Kolonie und bleiben sechs Wochen, in denen sie mit ihrem aus 5 - 25 Tieren bestehendem Harem Schwerstarbeit leisten müssen. Ihre vorher angefressenen Fettreserven (ein Bulle wiegt bis zu 360 kg) reduzieren sie schnell auf ihr Normalgewicht von etwa 190 kg. Nach der Befruchtung dauert es ein Jahr, bis die Robbenjungen geboren werden. Eine Überpopulation von 600 - 800.000 Kap-Pelzrobben macht eine bei Tierschützern sehr umstrittene Regulierung der Bestände erforderlich. Der tägliche Fischbedarf liegt bei acht Prozent des Körpergewichts, entsprechend benötigt ein ausgewachsener Bulle bis zu 29 kg Fisch pro Tag. Kühe wiegen nur 75 kg. Jährlich werden rund 1,8 Mio. Tonnen Fisch von den Robben vertilgt, was der Fischereiindustrie sehr schadet, deren Flotte fängt jährlich "nur" 700.000 Tonnen Fisch.

Robbenkolonie bei Cape Cross

Robbenkolonie bei Cape Cross

Das wertvollste sind die Genitalien der Bullen, die für etwa 1.250 U$ nach Ostasien zur Potenzmittelproduktion verkauft werden. Aus dem Robbenleder werden beispielsweise Schuhe hergestellt und die Knochen werden zu Dünger zermahlen. Auch das Fleisch wird verwertet.

Natürliche Feinde der Robben sind Schakale, die sich nachts insbesondere an die Jungen heran machen. Einen Schakal sehen wir, als wir das Gelände wieder verlassen. Den kaum zu ertragenden Gestank, der von der Kolonie ausgeht, können wir noch eine ganze Zeit im Auto wahrnehmen.

Entlang der Küste fahren wir die C34 zurück zum Abzweig der C35 in Richtung Uis. Nun sind wir mitten in der Sandwüste, die von der Schotterpiste geteilt wird. Rechts und links sehen wir eine Stunde lang nichts als Sand und Geröll. Eine kaum zu überbietende Ödnis - so gut es geht verdrängen wir den Gedanken an eine Panne. Später kommen uns tatsächlich noch Fahrzeuge entgegen.

Kurz vor Uis wird es hügeliger und die Vegetation nimmt zu. Als wir uns dem Brandberg nähern, haben sich vor uns tief hängende Wolken gebildet. Das Ausmaß des mit 2.573 m höchsten Berg Namibias erschließt sich uns leider nicht.

Inzwischen haben wir das Damaraland erreicht, benannt nach den Damara (Ureinwohner Namibias). Von den Herero- und Nama-Stämmen wurden sie als minderwertig betrachtet und versklavt. Deutsche Missionare setzten sich Ende des 19. Jh. für die Damara ein, so dass ihnen ein Gebiet, das später zum Damarareservat erklärt wurde, zugewiesen wurde. Im Zuge des Odendaal Plans wurde 1964 ein eigenes Homeland für die Damara geschaffen, wofür bis 1973 2000 Farmen aufgekauft wurden. Acht Prozent der namibischen Bevölkerung sind heute Damara. Wir kommen an vielen Straßenständen vorbei, an denen Halbedelsteine oder selbst hergestellte Souvenirs angeboten werden. Ständig versuchen uns Einheimische anzuhalten, damit wir ihre Waren kaufen, was uns ein etwas beklemmendes Gefühl gibt. Die Hütten, die wir von der Straße aus sehen können, sind sehr ärmlich. Zum ersten mal werden wir hautnah damit konfrontiert, dass Namibia ein Dritte-Welt-Land ist.

Nachmittags erreichen wir die Igowati Lodge in Kohrixas. In dieser staatlichen Einrichtung wimmelt es nur so von Angestellten, so wird, eher wir uns versehen, unser Auto gewaschen, natürlich wird dafür ein Trinkgeld erwartet.

Wir bedauern, dass wir hier zwei Nächte verbringen werden, denn obwohl die Anlage insgesamt recht nett ist, will sich die richtige Wohlfühlatmosphäre nicht einstellen. Es mag auch daran liegen, dass alle Lodges rund um den Hauptplatz angeordnet sind und man sich pausenlos beobachtet fühlt. Momentan sind wir die einzigen Gäste. Weitere Aktivitäten bieten sich für heute nicht an. Den Nachmittag verbringen wir am nicht zum Schwimmen einladenden Pool, bis uns die ersten Regentropfen vertreiben.

Im Restaurant speisen wir abends alleine. Immerhin gibt es drei Hauptgerichte zur Auswahl. Zwei weitere Übernachtungsgäste - Motorradfahrer - sind eingetroffen. Einige Biker hatten wir unterwegs schon gesehen und waren immer wieder erstaunt, wie man Spaß daran haben kann, ein Land, dass fast nur aus Schotterpisten und sengender Hitze besteht, so zu bereisen.

Donnerstag, 19.01.2006 Khorixas - Twyfelfontein - Organ Pipes - Verbrannter Berg - Petrified Forest

Das größte Highlight des heutigen Tages sind die Felsgravuren in Twyfelfontein, erst kürzlich von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Twyfelfontein

Twyfelfontein

Trotz des gestrigen Regens, der noch etwas länger andauerte, sind die Straßen gut befahrbar. Allerdings ist in den häufigen Furten erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich, denn teilweise wurde die Straße unterspült. Unterwegs kommen wir an vielen kleinen Straßenständen vorbei und erneut wird häufig versucht, uns anzuhalten.

Die Felsgravuren (Petroglyphen) von Twyfelfontein sind nur mit einer geführten Tour zu besichtigen, da in der Vergangenheit von Touristen sehr viel zerstört wurde. 2.500 Steingravuren wurden hier entdeckt, von denen nicht alle zugänglich sind. Ursprünglich waren die Zeichnungen an einer glatten Felswand. Vermutlich durch Erdbeben wurde der Fels zerstört und in einzelne Steinplatten zerteilt. Zwei Rundwege führen zu acht Felsplatten. Die zum Teil gut erhaltenen Zeichnungen deuten darauf hin, dass bereits vor 6.000 Jahren Menschen hier gelebt haben. Die abgebildeten Tiere sind sehr gut zu erkennen. Anstelle von Füßen wurden häufig Fußspuren abgebildet. Wir haben einen sehr unterhaltsamen Führer, der eine Menge lustiger Geschichten erzählt. Besonders sehenswert ist die Löwenplatte und der große Elefant, der uns als "Ottifant" vorgestellt wird - die Ähnlichkeit ist frappierend.

Die Ausführung der Felsgravuren ist zugegebenermaßen sehr einfach. Das Bedeutende ist sicherlich, wie gut die alten Petroglyphen nach Tausenden von Jahren noch erhalten sind und wie das Wissen für nachfolgende Generationen weitergegeben wurde.

Ganz in der Nähe liegen die als Orgelpfeifen bekannten Basaltsäulen, die vor etwa 120 Mio. Jahren durch vulkanische Aktivitäten entstanden sind. Aufgrund einiger Abbildungen, die wir vorher gesehen haben, hatten wir uns die Säulen viel größer vorgestellt und sind enttäuscht, als wir sie nun in natura sehen.

Organ Pipes

Organ Pipes

Auch der verbrannte Berg, den wir als nächstes ansteuern, beeindruckt nur durch seine Entstehungsgeschichte. Vor etwa 120 Mio. Jahren drang Eruptivgestein in den Schiefer ein. Die dadurch hervor gerufenen chemischen Prozesse veränderten den Stein und gaben ihm die heute sichtbare Farbenvielfalt.

Zu einem kleinen Mittagsimbiss fahren wir zur Twyfelfontein Lodge. Auf den massiven Felsbrocken vor dem Eingang sind ebenfalls originale Felsgravuren zu sehen. Ein wenig ärgern wir uns, dass wir uns gegen die zugegebenermaßen ziemlich teure Lodge entschieden haben, denn die Anlage ist sehr nett und wir hätten uns die Fahrerei zurück nach Khorixas erspart.

Auf dem Rückweg legen wir noch einen letzten Stopp am versteinerten Wald (Petrified Forest) ein.

Petrified Forest

Petrified Forest

Hier muss etwas improvisiert werden, denn das Office ist vor wenigen Tagen abgebrannt. Ein kleiner Weg führt über das Gelände. Das versteinerte Holz ist zum Ende der Eiszeit entstanden. Sand- und Schlammmassen haben die Baumstämme luftdicht zugeschüttet. Erst später wurden sie durch Erosion wieder freigesetzt. Optisch sehen die Stämme aus wie Holz. Wenn man sie berührt spürt man jedoch den Stein.

Am frühen Nachmittag kehren wir zurück zur Igowati Lodge und bedauern erneut unsere Reiseplanung, denn anstatt wieder zurück zu fahren hätten wir locker auch bereis Palmwag erreichen können. Wenigstens scheint die Sonne und wir verbringen den verbleibenden Nachmittag am Pool.

Freitag, 20.01.2006 Khorixas - Palmwag - Aub Canyon

Die heutige Fahrstrecke ist mit 170 km überschaubar. Die ersten 70 km sind uns noch bestens vom Vortag bekannt. Kurz darauf fahren wir durch eine phantastische Landschaft. Die Felsformationen erinnern uns wieder stark an Utah, allerdings ist die Landschaft hier wesentlich hügeliger. Das satte grün einiger Sträucher kontrastiert wunderschön mit dem roten Stein. Hinter jeder Kurve eröffnet sich eine neue, atemberaubende Aussicht. Bedauerlicherweise erspähen wir keinen der hier lebenden Wüstenelefanten. Wie wir später erfahren sind die mit dem Regen Richtung Norden gezogen.

Schon um kurz vor 11:00 Uhr passieren wir den Seuchenkontrollzaun - die "Rote Linie" durchzieht Namibia auf einer Länge von 6.600 km von Ost nach West. Anlass für diesen Veterinärzaun gab die Rinderpest von 1879. Es dürfen keine tierischen Produkte eingeführt werden. Kontrolliert werden wir indes nicht, sondern nur auf die nächste Tankstelle verwiesen. Kurz darauf sehen wir ein Kamel - ein komischer Anblick - und erreichen die Palmwag Lodge.

Unsere ursprüngliche Planung, den Tag mit einem Abstecher zum Ongongo Wasserfall in der Nähe von Sesfontein, schlagen wir uns aus dem Kopf, nach dem uns mitgeteilt wurde, dass die Straßenqualität derzeit so schlecht sei, dass man vier Stunden für die 80 km bräuchte. So ganz glauben wir das zwar nicht und vermuten eher, dass man von der Lodge organisierte Touren verkaufen möchte. Dennoch ersparen wir uns den zusätzlichen Fahraufwand und genießen statt dessen die entspannte Atmosphäre auf dem Lodge-Gelände.

Die angebotene Sundowner-Tour finden wir mit 300 N$ zu teuer, zumal man nicht einmal unbedingt Tiere, insbesondere Nashörner, sehen wird. Dafür machen wir von der Möglichkeit Gebraucht, selber das Konzessions-Gebiet der Lodge zu befahren und besorgen uns für 130 N$ eine Permit.

Von der Hauptstraße gehen mehrere Zufahrten in das Gebiet ab. Mit der überlassenen Karte und unserem 4x4 fühlen wir uns gut ausgestattet, obwohl die Fahrspur durch die Gerölllandschaft ziemlich schlecht ist. Etwas irritiert sind wir, als einige auf der Karte nicht eingezeichneten Wege abgehen. Natürlich entscheiden wir uns mal wieder für den falschen und durchqueren einige tiefe und ziemlich felsige Schluchten, die dem Allradfahrzeug einiges abverlangen. Als wir feststellen, dass wir eigentlich nur den Berg umrunden und von dem erwarteten Aub Canyon weit und breit nichts zu sehen ist, machen wir kehrt, um später dann doch noch den Canyon zu erreichen.

Aub Canyon

Aub Canyon

Dieser ist mit nur 25 m Tiefe nicht sonderlich spektakulär. Um so schöner ist die rote Landschaft, die von hohen Bergen eingerahmt wird. Abgesehen von ein paar Vogelstimmen ist es mucksmäuschenstill. Auf den Felsen entdecken wir einige außergewöhnlich aussehende Eidechsen mit blauschimmerndem Körper und orangem Kopf, Schwanz und Beinen. Abgesehen von den "üblichen" Springböcken und Antilopen sehen wir leider keine Tiere, obwohl es hier Giraffen und Zebras geben soll. Und natürlich Nashörner, aber darauf wagen wir kaum zu hoffen.

Wieder zurück auf der Hauptstraße können wir kaum fassen, dass wir schon drei Stunden unterwegs sind, jedoch nur 25 km gefahren sind - was auf den schlechten Zustand der Strecke zurückzuführen ist. Dennoch beabsichtigen wir noch einen zweiten, kürzeren Abstecher in das Konzessionsgebiet zu machen. Doch erst einmal werden wir überrascht und sehen direkt neben der Hauptstraße in nur 50 Meter Entfernung eine Herde Giraffen, sogar einige Jungtiere sind dabei. Endlich wieder Safari!

Die zweite Zufahrt in das Konzessionsgebiet ist augenscheinlich in einem besseren Zustand. Verwirrt werden wir nur, dass wir keine Möglichkeit zum Abbiegen sehen, so wie es auf der Karte vorgesehen ist. Wieder fahren wir durch einige unwegsame Wasserläufe und viel weiter, als gedacht. Der Sonnenstand und auch die Kompassnadel weisen und untrügerisch drauf hin, dass wir in die falsche Richtung fahren. Wir kehren also wieder um - als Pfadfinder sind wir eindeutig nicht geeignet. Eigentlich finden wir es unverantwortlich, dass es einerseits erlaubt ist, mit einer Permit das Gebiet zu befahren, auf der anderen Seite es aber keine Wegweiser gibt und die ausgehändigte Karte ebenfalls unzureichend ist. Wirklich bedenklich war es zwar nicht, da es noch nicht dunkel war und wir uns die Strecke gemerkt haben. Zurück in der Lodge hat man sich immerhin schon Sorgen über unseren Verbleib gemacht und hätte wenig später mit der Suche begonnen. Als wir den Missstand fehlender Wegweiser sowie die Ungenauigkeit der Karte bemängeln, teilt man uns mit, dass die Karte tatsächlich veraltet ist. Man verspricht uns jedoch, dem Tourguide für Morgen gleich aufzutragen, die Lage zu kontrollieren und man will auch die Karte in Kürze aktualisieren.

Mit dem Abendessen wartet man bereits auf uns. Von der fünfstündigen Allradfahrt sind wir ganz schön mitgenommen und brauchen erst einmal einen Wodka-Lemon. Trotz der Anstrengung möchten wir die Fahrt durch die traumhafte Landschaft nicht missen. Schade nur, dass wir so auf die Fahrspur konzentriert waren, dass wir für Elefanten und Nashörner keinen Blick hatten.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Foto-Reisebericht eine Namibia-Rundreise von Anke Schlingemann & Detlef Hälker. Stationen: Windhoek, Kalahari, Fish River Canyon, Kolmanskop, Lüderitz, Aus, Sossusvlei, Namib Naukluft Park, Swakopmund,Twyfelfontein, Etosha National Park, Otjiwarongo, Waterberg Plateau
Details:
Aufbruch: 08.01.2006
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 27.01.2006
Reiseziele: Namibia
Der Autor
 
Anke Schlingemann berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Anke sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!