Namibia – Land der Kontraste

Reisezeit: Januar 2006  |  von Anke Schlingemann

Tsaris Pass - Namib Rand

Freitag, 13.01.2006 Aus - Tsaris-Pass - Namib Rand

Ein letztes mal genießen wir den schönen Ausblick beim Frühstück. Heute geht es weiter zum Sossusvlei. 350 km Pad stehen uns bevor, die Anke aufgrund Detlefs Armverletzung alleine fahren muss. Zunächst fahren wir nach Helmeringshausen, etwa 100 km von Aus entfernt. Die Strecke fährt uns durch die Tirasberge, eine wunderschöne Landschaft in der wir gerne einen Tag länger verbracht hätten. Ab und zu leuchtet ein wenig rote Erde hervor. Auf der Weiterfahrt Richtung Maltahöhe ändert sich die Landschaft. In dieser Gegend hat es offensichtlich kürzlich Regen gegeben, denn es ist wesentlich grüner. Dafür ist bei Straßensenken Vorsicht geboten. Teilweise haben Ausspülungen tiefe Löcher gegraben.

Tirasberge

Tirasberge

Inzwischen befinden wir uns auf einer Hochebene. Im Hintergrund sind die Tsarisberge zu sehen. Spektakulär ist die Abfahrt über den Tsaris-Pass. Streckenweise geht es ziemlich steil über ziegelsteinrote Erde abwärts. Nun haben wir das Namib Rand Nature Reserve erreicht, dass parallel zum Namib Naukluft Park verläuft. Dieses private Naturschutzgebiet ist 185 000 ha groß. Ab 1950 hatten sich hier mehrere Farmer angesiedelt, die in dieser niederschlagsarmen Region jedoch scheiterten. Der Ausweg in die Jagd führte dazu, dass das Wild fast ausgerottet wurde. Einem Geschäftsmann und Naturliebhaber aus Windhoek missfiel dies. 1984 erwarb er die erste Farm und später weitere und gründete das Naturreservat - vielen Dank!

Tipp: Landschaftlich noch reizvoller soll die Fahrt über die D707 sein, die am Rande des Namib Naukluft Parks vorbeiführt, was wir leider erst hinterher erfahren haben.

Die Desert Homestead Lodge liegt mitten im Namib Rand Nature Reserve. Von unserer reedgedeckten Lodge haben wir einen tollen Ausblick auf die Tsarisberge. Nach viereinhalb Stunden Schotterpiste fahren ist erst einmal relaxen am einladenden Pool angesagt. Später machen wir zusammen mit Colin, einem Tourguide der Desert Homestead Lodge, eine Sundowner-Tour. Wir erfahren eine Menge über die Natur. Beispielsweise zeigt er uns einen riesigen Salbeistrauch mit schmalen Blättern. Obwohl die Salbeipflanze bei uns anders aussieht, das Aroma ist das Gleiche. Hier dient sie als hilfreiches Heilkraut zur Linderung von Asthma oder anderen Atembeschwerden. Auch erfahren wir noch mehr über die Siedelweber und deren Nestbau. Unterwegs haben wir schon in Bäumen und auf Telefonmasten Nester unterschiedlicher Größe gesehen und auch schon hineinfotografiert. Jetzt erfahren wir, wie gefährlich dies mitunter sein kann, denn häufig halten sich gelbe Kobras in der Nähe der Nester im Baum auf und sprühen bei Gefahr Gift.

Siedelwebernester

Siedelwebernester

Die Vögel sind sehr sozial und leben in Kommunen von bis zu 300 Tieren. Sobald weitere Küken schlüpfen wird das Nest erweitert, so dass dieses immer größer (bis zu 4 m Durchmesser) wird. Wenn es stark regnet, können die nur aus Grashalmen errichteten Nester aus dem Baum fallen. Doch die Siedelweber sorgen stets vor und legen in anderen nahe gelegenen Bäumen (sie bleiben stets in ihrem Revier) weitere Nester an, die in solchen Fällen bezogen werden können.

Erstmalig sehen wir einen Kameldornbaum der mondsichelförmige Früchte trägt. Die abgefallenen grau-grünen, sehr proteinreichen Schoten werden schnell von Tieren, insbesondere den zur Lodge gehörenden Pferden, verspeist.

Auf dem Gelände gibt es mehrere Fairy Circles (Hexenringe), wobei es sich um vegetationslose, meist runde Flächen handelt mit einen Durchmesser von 5-8 Metern und von dicht stehenden Gras umrandet. Es gibt unterschiedliche Thesen, wie diese Flächen entstehen, aber wirklich ergründet sind sie noch nicht.

Später erreichen wir einen kleinen Hügel, auf dem Colin uns einen Picknickplatz mit Blick auf die Gebirgslandschaft bereitet. Einen stürmischer aber schönen Sonnenuntergang dürfen wir hier erleben. Die aufgezogene leichte Wolkendecke wird noch lange rot angestrahlt.

Colin berichtet, dass das Desert Homestead ursprünglich einige Kilometer entfernt lag. Als der Pachtvertrag auslief, witterte der Verpächter eine gute Gelegenheit, das Geschäft selbst zu übernehmen. Daraufhin gab der Pächter die Anlage auf und pachtete in der Nähe ein neues Stück Land. Innerhalb von drei Monaten musste die Lodge komplett neu errichtet werden, denn man war für diesen Zeitpunkt bereits ausgebucht. Eine fast unmöglich erscheinende Meísterleistung mit einem tollen Ergebnis. Glücklicherweise sind die Versuche des ehemaligen Verpächters, das Geschäft abzuziehen, gescheitert.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Foto-Reisebericht eine Namibia-Rundreise von Anke Schlingemann & Detlef Hälker. Stationen: Windhoek, Kalahari, Fish River Canyon, Kolmanskop, Lüderitz, Aus, Sossusvlei, Namib Naukluft Park, Swakopmund,Twyfelfontein, Etosha National Park, Otjiwarongo, Waterberg Plateau
Details:
Aufbruch: 08.01.2006
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 27.01.2006
Reiseziele: Namibia
Der Autor
 
Anke Schlingemann berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Anke sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!