Namibia – Land der Kontraste

Reisezeit: Januar 2006  |  von Anke Schlingemann

Kolmannskop - Lüderitz - Aus

Mittwoch, 11.01.2006 Fish River Canyon - Kolmanskop - Lüderitz - Aus

Um 7:00 Uhr sind wir auch heute wieder die ersten Frühstücksgäste. Vorher bewundern wir noch den defekten Sharan, der inzwischen hierher geschleppt wurde. Das Ersatzfahrzeug wird von Avis im Laufe des Vormittags geliefert - kein schlechter Service!

Gut gestärkt brechen wir um halb acht auf. Die ersten 80 km auf der Pad sind uns von der Hinfahrt noch bekannt. Bei Seeheim erreichen wir wieder die B4 und damit wieder Teer unter den Reifen. Aus - unser Tagesziel - liegt 180 km entfernt und ist bei den Straßenverhältnissen problemlos in eineinhalb Stunden zu erreichen. Wir überqueren den Fish River, der im Gegensatz zu den meisten anderen Flüssen zumindest ein wenig Wasser führt. Die Steppenlandschaft mit den herausragenden Felsen ist uns schon vertraut. Gemächlich steigt die Straße an, bis wir uns auf dem Huib-Hochplateau befinden. Eine weite, ebene Landschaft - der Blick endet im Nichts, kein Fels bietet Einhalt. Später wird es wieder hügeliger. Die schnurgerade Straße wird durch das stetige sanfte Auf und Ab optisch durchbrochen. Endlos verlaufende Strommasten flankieren den Straßenverlauf.

Rote Sandflächen kündigen 40 km vor Aus die Namib an und kontrastieren leuchtend mit den braunen Tirasbergen, die rechter Hand zu sehen sind. Wir befinden uns inzwischen auf 1.500 m über NN in einer traumhaft schönen Landschaft, die zum Verweilen einlädt, was wir auch tun, denn wir haben die Klein Aus Vista Lodge erreicht. Wir beziehen ein Natursteinhaus mit dem vielversprechenden Namen "Desert Vista", das sieben km vom Haupthaus entfernt im sogenannten Eagles Nest, direkt am Fels gebaut, liegt. Der Name macht der Lodge alle Ehre, denn wir haben von der Veranda einen genialen Blick in die unendliche Wüstenlandschaft. Hier lässt es sich problemlos zwei Tage aushalten.

Da der Tag noch jung ist, bleibt uns noch Zeit für eine Fahrt nach Lüderitz (110 km entfernt an der Atlantikküste). Aus der endlosen hell leuchtenden Steppenlandschaft ragen nur sehr vereinzelt Bäume und einige spitze Felskuppen heraus, teilweise sind sie von hellem Sand bedeckt.

Von Aus nach Lüderitz - 110 km Wüste

Von Aus nach Lüderitz - 110 km Wüste

Wenige Kilometer weiter ist von der Steppe nichts mehr zu sehen. Feinster, heller Sand, zum Teil zu hohen Dünen aufgetürmt, lässt kaum Vegetation zu. Vor dieser atemberaubenden Kulisse grasen direkt neben der Straße einige Wildpferde. Die Herkunft der sogenannten "Wüstenpferde" ist nicht eindeutig belegt. Im südlichen Afrika hat es ursprünglich keine Pferde gegeben. Sie wurden von Europäern importiert. Möglicherweise stammen sie aus der Zucht des Baron von Wolf in Duwisib oder es sind entlaufene Militärpferde. Seit über 80 Jahren leben sie in der Nähe von Garub, wo sie ausreichend Wasser haben.

In Garub sind die Reste einer verlassenen Bahnstation zu sehen. Ein Steinhaus und eine Verladestelle zeugen davon, dass es hier einst Bahnbetrieb gab.

Garub - verlassene Bahnstation

Garub - verlassene Bahnstation

Die Eisenbahnlinie wurde 1905 gebaut, um die Schutztruppen im Süden des Landes während des Herero- und Nama-Aufstandes mit Waffen und Vorräten zu versorgen. In Garub wurde ein Bohrloch angelegt, um Lüderitz mit Wasser zu versorgen. Das Wasser wurde in Fässern per Draisine vom Bohrloch zum Bahnhof transportiert und von dort mit der Eisenbahn nach Lüderitz gebracht. Vor der ehemaligen deutschen Militärstation ist nichts mehr zu erkennen. Der Bahnhof wurde 1990 aufgegeben. Allerdings soll die Bahnstrecke wieder belebt werden, erste Bauaktivitäten kann man bereits erkennen.

Die weitere Strecke nach Lüderitz geht stetig bergab - 1.500 Höhenmeter sind zu überwinden. Streckenweise verläuft die Straße kilometerlang absolut gerade. Nur das Flimmern des Asphalts verhindert, dass das Auge den Straßenverlauf bis in die Unendlichkeit verfolgen kann. Die Wüstenlandschaft begleitet uns.

Kurz vor Lüderitz fahren wir durch einen breiten Dünengürtel und erreichen Kolmanskop (Kolmannskuppe).

Kolmannskop - Diamantenstadt

Kolmannskop - Diamantenstadt

Die heutige Geisterstadt entstand 1908, nachdem beim Eisenbahnlinienbau ein Diamant gefunden wurde. Da Kolmanskop im Diamanten-Sperrgebiet liegt, sind die Öffnungszeiten beschränkt. Laut Reiseführer ist Kolmanskop nur um 9:30 h und 11:00 h mit einer geführten oder über eine in Lüderitz gebuchte Tour zu besichtigen. Doch wir haben Glück und werden um 12:15 h (ohne Führung) eingelassen.

Von 1908 - 1910 wurde, nachdem das Gebiet zum Diamanten-Sperrgebiet erklärt wurde, die Stadt mit der allerneuesten Technologie gegründet. Es mussten besondere Anreize geschaffen werden, um hochgebildete Leute aus Deutschland in die Wüste zu locken. So gab es Elektrizität, Wasser kam per Schiff aus Kapstadt und es gab eine Eisanlage um Stangeneis zu produzieren. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden 5 Mio. Karat (1 Tonne) Diamanten gefördert. Als Folge der anschließenden deutschen Währungskrise und des Wirtschaftszusammenbruchs in der Nachkriegszeit ließen sich Diamanten kaum verkaufen. Auch die Tatsache, dass im Jahr 1928 Diamantenfelder am Oranje entdeckt wurden und die Steine hier größer waren, wirkten sich negativ auf Kolmanskop aus. 1938 wurde die Stadt aufgegeben. Der Leerstand wurde von den Lüderitzern ausgenutzt. Brauchbares Baumaterial wie Fenster, Türen, Fußboden oder Dächer wurden kurzerhand demontiert und in Lüderitz verbaut. Die Eisenteile wurden in den 60er Jahren abmontiert und verschrottet. So entstand die heutige Geisterstadt. Erst 1980 erkannte man den touristischen Wert und bot Führungen an.

Kolmannskop - Diamantenstadt

Kolmannskop - Diamantenstadt

Das ehemalige Casino, in dem heute das Restaurant "Ghost Town Taverne" untergebracht ist, ist noch gut erhalten. Das Gebäude wurde 1928 in Deutschland gefertigt und hier errichtet. Es beherbergt u.a. eine alte Kegelbahn, einen Ballsaal - der auch als Kino und Theater fungierte - sowie eine Turnhalle. In der Küche steht noch ein riesiger Herd. In den späten 20er Jahren lebten 300 erwachsene Europäer und 800 Ovambo-Eingeborene hier. Für die bis zu 44 Kinder gab es eine Schule. Die Beamten lebten in vornehmen Häusern, eines davon wurde von Außen wieder restauriert. Das Arbeitervolk lebte in einfacheren Unterkünften. Es gab eine eigene Schlachterei von der noch die Kühlräume und das Wurstbecken zu sehen ist und auch von der Eisanlage sind noch Teile vorhanden. Aufgrund der rauen, stürmischen Bedingungen verfallen die Häuser langsam. Durch die scheibenlosen Fenster wurde teilweise meterhoch Sand hineingeweht. Einige Häuser wurden bereits halb von einer Düne "verschlungen". Der Spaziergang durch die Geisterstadt ist ein äußerst skurriles Erlebnis, vor allem da wir alleine unterwegs sind.

Wir erfahren, dass auch heute noch 90 Prozent der Schmuckdiamanten der Welt aus Namibia kommen.

Nun geht es weiter nach Lüderitz. Hinter den ersten Häusern, die wir erblicken, sticht blau leuchtend der Atlantik hervor. Bartholomäus Dias erreichte als erster Europäer das damalige Angra Pequena. Hieran erinnert der Diaz-Point-Leuchtturm und ein Padrao (Kreuz) einige Kilometer außerhalb der Stadt.

Die deutsche Epoche begann 1883 mit dem Bremer Kaufmann Lüderitz. Als dieser 1886 von einer Expedition nicht zurückkehrte wurde die Bucht in Lüderitzbucht umbenannt. Die Wasserversorgung war für Lüderitz schon immer ein Problem. Seit 1968 wird die Stadt mit 7.000 Jahre altem Grundwasser versorgt, dass von der Kochab Ebene (bei Aus) hierher gepumpt wird.

Es gibt einige schöne Jugendstilhäuser zu sehen, die zwischen 1904 und 1914 erbaut wurden. Sehr schön ist beispielsweise das Goerke-Haus auf dem Diamantenberg. Ganz in der Nähe thront die Felsenkirche im neugotischen Stil. Lohnenswert ist ein kleiner Abstecher zum Alten Leuchtturm. Von hier blickt man auf den Roberthafen, auf der anderen Seite liegt der durch die Lüderitzbucht geschützte Atlantik. Auf dem nahe gelegenen Gelände des Campingplatzes ist das Lüderitz-Denkmal zu sehen.

Lüderitz - Goerke-Haus

Lüderitz - Goerke-Haus

Wir nutzen die Gelegenheit, noch etwas Geld umzutauschen, Frühstückseinkäufe zu erledigen und nachzutanken. Allerdings ist erst der zweite Tankanlauf erfolgreich. Die erste Tankstelle hat kein 95-Oktan-Benzin mehr. Auch an der zweiten ist es auf 30 Liter limitiert. In der Hoffnung auf etwas Trinkgeld wird für uns jedoch eine Ausnahme gemacht. Natürlich nutzen wir auch den Handyempfang aus und senden via SMS ein Lebenszeichen nach Deutschland.

Durch die Wüste geht es wieder zurück nach Aus. Auch auf der Rückfahrt können wir uns an der traumhaften Landschaft nicht satt sehen. Die Sanddünen sind jetzt nur noch silhouettenhaft zu erkennen. Inzwischen ist ein starker Wind aufgezogen, der immer wieder zu Sandverwehungen auf der Fahrbahn führt und die Luft diesig erscheinen lässt. Die Warnschilder "WIND" und "SAND" wurden nicht ohne Bedeutung aufgestellt. Als wir am Wüstenkraftwerk einen Fotostopp einlegen, weht uns eine volle Ladung Sand ins Auto. Von einem richtigen Sandsturm bleiben wir glücklicherweise verschont. Es soll schon vorgekommen sein, dass Fahrzeuge gänzlich ohne Lack aus einem Sandsturm kamen.

Schnurgerade durchteilt die Fahrbahn die Wüstenlandschaft und lässt kilometerweit im Voraus den Verlauf der leicht ansteigenden Straße erkennen. Für uns eine der schönsten Fahrstrecken, die wir bisher fahren durften.

Zurück in Klein Aus Vista nehmen wir unser vorbereitetes Barbecue-Paket in Empfang und fahren zur Desert Vista-Lodge. Zum Barbecue gibt es das bestellte T-Bone-Steak, Lamb Chops sowie Salat, Kartoffeln Brot und auch das Blue-Cheese-Dressing wurde nicht vergessen. Allerdings vermissen wir als Grill-Laien die Holzkohle und insbesondere die Grillanzünder. Immerhin finden wir einen Beutel mit Kaminholz neben der Grillstelle. Der Versuch, die Flamme mangels Zeitungspapier mit Toilettenpapier anzuzünden, scheitert kläglich. Wir besinnen uns darauf, dass wir in der "Wildnis" sind und sammeln herumliegendes Reisig auf. Mit viel Qualm und der Zuhilfenahme eines Teelichts gelingt es uns schließlich, ein Feuer zu entfachen, dass das Holz zum Glühen bringt. Stolz genießen wir später unser Barbecue - das Fleisch hätte nicht besser sein können.

Ein paar Wildpferden haben sich inzwischen auf der Steppe vor unserer Lodge eingefunden und grasen. Ein Jungtier nähert sich zaghaft und beobachtet uns eine ganze Weile aus wenigen Metern Entfernung.

Wildpferde

Wildpferde

Vorsichtig nähert sich Anke mit einer Möhre, die das Tier zögerlich entgegen nimmt, wobei die Mohrrübe herabfällt und das Pferd verschreckt Abstand nimmt. Die zerkleinerte Möhre platzieren wir nun zur Selbstbedienung auf den Wegbegrenzungssteinen und ziehen uns auf die Veranda zurück. Langsam nähert sich das Tier erneut und findet den ersten Leckerbissen. Nun werden die Steine nach weiteren Stücken abgesucht. Ein zweites Pferd kommt hinzu und wird ebenfalls fündig. Es scheint den Tieren gut zu schmecken, denn sie suchen sorgsam die Steine ab und bewegen sie sogar mit den Hufen, um nachzusehen, ob sich darunter noch Nachschub befindet. Als all dies vergeblich ist, nähern sie sich langsam unserer Veranda bis unterhalb der Treppe. Doch auch der treue Blick lässt uns nicht noch einmal erweichen, schließlich sind es Wildpferde, die wir nicht zähmen wollen.

Die Sonne verschwindet hinter den Aus-Bergen und hinterlässt ein rotes Licht. Schon bald zieht der Mond auf. Obwohl kein Vollmond ist, scheint er so hell, dass nur wenige Sterne am Himmel zu erkennen sind. Von Mücken und anderem Ungeziefer verschont, genießen wir die nächtliche Stimmung. Abgesehen von seltenem Pferdewiehern ist es unfassbar still. Grandios!!!

Donnerstag, 12.01.2006 Aus

Heute versorgen wir uns selber mit einem einfachen Frühstück. Um 7:30 Uhr machen wir uns auf zu einer zwölf Kilometer langen Wanderung, die vom Eagles Nest startet. Zunächst führt der Weg am Fuße eines Berges entlang. An dieser Stelle scheinen uns die angegebenen fünf Stunden für die Wanderung als zu lang. Wir genießen die schöne Landschaft und können in der Ferne erneut die Wildpferde entdecken.

Wanderung zum "Eagles Nest"

Wanderung zum "Eagles Nest"

Nach etwas 3,5 km beginnt der Anstieg, der eigentlich problemlos zu bewältigen ist. Doch kurz vor der 4 km-Marke hat Detlef Pech und sucht Halt bei einem Stein, der leider nachgibt. Glücklicherweise gelingt es ihm, noch rechtzeitig das Bein wegzuziehen, doch der rechte Arm bekommt etwas ab. Er blutet aus einer tiefen Schürfwunde. Die Vermutung, dass der Arm angebrochen sei, bestätigt sich erfreulicherweise nicht und auch die Blutung hört bald wieder auf, worüber wir sehr erleichtert sind, denn abgesehen von Tempotaschentüchern haben wir kein Verbandszeug dabei. Als auch der Kreislauf wieder hergestellt ist entschließt sich Detlef, die Wanderung dennoch fortzusetzen, denn wie gesagt, eigentlich war es bis dahin problemlos zu meistern. Auch der weitere Aufstieg ist mit etwas mehr Vorsicht machbar. Oben angekommen lässt sich die Strecke auf einer Hochebene, umringt von Berggipfeln, gut bewältigen.

Mit Freude erspähen wir die 9 km-Markierung - nun ist es nicht mehr allzu weit. Den 25 minütigen Weg zum Vista Point lassen wir dennoch aus. Einige Hundert Meter geht es problemlos weiter und wir lassen noch einmal den Blick über die "Geröllwüste" schweifen, aus der rosafarbene Steine hervorglitzern. Einige Sträucher tragen sogar Blüten. Unvorstellbar bei der Trockenheit und der starken Sonneneinstrahlung, die wir jetzt verspüren und die schon einige Sträucher verbrannt hat. Wenig später trifft unser blau markierter Eagle Trail mit dem grün markierten Geister Trail zusammen. Kurz darauf erreichen wir eine felsige Strecke, die wir nur im dritten Anlauf und mehr oder weniger auf dem Hosenboden bewältigen können, denn wir müssen einen steilen und glatten Felsbrocken überwinden. Detlef ist es nicht zu verdenken, dass er am liebsten kehrt machen würde. Nachdem wir uns gerade von dieser Unwegsamkeit etwas erholt haben, erreichen wir das uns wenig Mut zusprechende Schild "SLOW / CAREFULLY". Wir trauen unseren Augen nicht, als wir hinter dem Schild den felsigen, steilen Abhang hinab sehen. Der Abstieg scheint uns ziemlich riskant zu sein. Selbst mit heilen Knochen ist dies eine Herausforderung, obwohl wir uns nicht als ganz unerfahren sehen. Trotz Wanderschuhen finden wir häufig keinen festen Halt. Ein falscher Tritt und man wäre in eine Felsspalte gerutscht. Hierher Hilfe zu holen scheint undenkbar. Mehrfach verfluchen wir, dass der Wanderweg auf dem uns ausgehändigten Faltblatt nicht als schwierig gekennzeichnet war, selbstverständlich hätten wir dann einen einfacheren gewählt. Indem wir uns gegenseitig stützen, schaffen wir den Abstieg irgendwie. Wir sind heilfroh, als wir die ersten Lodges von Eagles Nest erblicken.

"Desert Vista"-Blick / Klein Aus Vista Lodge

"Desert Vista"-Blick / Klein Aus Vista Lodge

Nachdem Detlefs Wunde versorgt wurde, machen wir erst einmal Siesta. Die angegebenen fünf Stunden waren unter den vorgefundenen Bedingungen korrekt. In der Informationsmappe lesen wir später im Nebensatz "Take note that the Eagle and Geister Trails are for intermediate to advance hikers". Wir hoffen, dass unsere Bemerkung auf dem Fragebogen auch beherzigt wird und die Wanderkarte um die Angabe der Schwierigkeitsgrade ergänzt wird. Lebensmüde können dann aus freien Stücken diesen Weg wählen und andere bleiben hoffentlich von dem Abenteuer verschont.

Nachmittags haben wir noch die Gelegenheit etwas in der Infomappe über Klein Aus Vista zu lesen. In dieser Region gibt es nur 80 - 100 mm Niederschlag pro Jahr. Trotzdem findet man über 600 Pflanzenarten. Mit dem Bau der Lodges von Eagles Nest wurde erst 2000 begonnen. Dabei wurde großer Wert auf der Erhaltung der Natur und auf das ökologische System gelegt. So wird die Elektrizität von einer Solaranlage auf dem Dach bereit gestellt. Der Kühlschrank und die Heißwasserversorgung werden durch Propangas betrieben. Die Wasserversorgung erfolgt mit 150 m unter der Erde liegendem Grundwasser. "Aus" ist Deutsch und bedeutet außerhalb der Namib-Wüste. Bei Temperaturen von bis zu 35 Grad Celsius ist es unvorstellbar, dass es in einem namibischen Winter hier sogar Schnee geben kann - und dass in der Wüste.

Am späten Nachmittag raffen wir uns zu einem kleinen Ausflug zur 20 km vor Aus gelegenen Wasserstelle der Wüstenpferde von Garub auf. Die ehemalige Pumpstation für die Dampfloks wurde für die Versorgung der Pferde erhalten.

Nachdem wir die B4 verlassen haben und der Schotterpiste zur Wasserstelle folgen, gucken uns zwei Antilopen neugierig an, laufen dann aber wie erwartet weg. Die Wasserstelle ist leider verwaist, nur etwas abseits grasen zwei Pferde. Wir nutzen die Gelegenheit und besichtigen die Wasserstelle. Nachdem wir auch an der Aussichtsstelle die Informationstafeln gelesen haben, sind wir schon wieder im Begriff, kehrt zu machen. Doch etwas Glück haben wir heute doch noch. In der Ferne erspähen wir eine Gruppe von ca. zehn Pferden, die sich dem Wasserloch nähert.

Wüstenpferde bei Garub

Wüstenpferde bei Garub

Wir nehmen in der Aussichtsbaracke Platz und beobachten, wie sich die Tiere zielstrebig, aber doch spielerisch, der Wasserstelle nähern. Auffällig ist, dass ein Tier stets etwas abseits geht und auch beim Trinken wartet, bis alle anderen Tiere fertig sind. Dies entspricht offensichtlich der Hackordnung. Halbstarke Hengste werden ausgestossen. Es ist sehr interessant, den Tieren beim Trinken zuzusehen. Ab und an heben sie ihre Hufe als wäre der Beton, auf dem sie stehen, zu heiß. Nach der Trinkprozedur ziehen sie langsam ab. Nur zwei Tiere suchen Abkühlung im Wasserloch und wälzen sich im Schlamm. Erst als alle anderen Tiere abgezogen sind, sucht der "Ausgestoßene" die Tränke auf. Nach der Stärkung kehrt er zur Gruppe zurück, der gebührende Abstand wird eingehalten. Später können wir beobachten, wie das Paar, das schon bei unserer Ankunft abseits stand, sich langsam dem "Ausgestoßenen" zu nähern scheint. Die beiden Fohlen, die zur Gruppe gehören, hatten offensichtlich noch nicht genug Flüssigkeit und suchen Nahrung bei ihren Mutterstuten. Andere Tiere wälzen sich, die Hufe nach oben gestreckt, auf dem Sandboden. Langsam zieht die Herde ab. Ein tolles Erlebnis und offensichtlich auch eine Besonderheit, wie uns später bestätigt wird. Kein Wunder, denn die Tiere kommen in der Trockenzeit nur alle 72 Stunden an die Wasserstelle, ungewöhnlicherweise alle 30 Stunden, wenn es feuchter ist.

Wir fahren wieder zurück und drehen noch eine kurze Runde durch Aus. Abgesehen vielleicht von einer kleinen Steinkirche gibt es hiervon nicht viel zu berichten. Möglicherweise wird sich dies bald ändern, denn eine moderne Touristeninformation ist im Bau und soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Etwa zwei km östlich von aus befindet sich ein ehemaliges Kriegsgefangenenlager, in dem 1915 1.552 deutsche Kriegsgefangene untergebracht waren. Wir besichtigen den nahe gelegenen Friedhof, auf dem die Verstorbenen begraben liegen.

Wieder zurück im Eagles Nest genießen wir erneut die wundervolle Aussicht in die Wüstenlandschaft. Schnell verschwindet die Sonne hinter den Aus-Bergen. Die Pferde lassen sich heute nicht blicken. Eigentlich ein gutes Zeichen, denn sie haben sich nicht an die Möhrenfütterung gewöhnt.

Langsam wird es Nacht. Auf der Veranda lässt es sich gut aushalten. Mücken oder ähnliche lästige Insekten gibt es nicht. Nur ein dicker Brummer, der einer Hornisse gleicht wird durch das Außenlicht angezogen. Von Tieren bleiben wir in dieser Nacht jedoch nicht ganz verschont. Einem Rascheln auf der Spur leuchtet Anke mit der Taschenlampe und verscheucht eine kleine, weiße Wüstenmaus. Nun ist klar, woher das Rascheln aus dem Vorratsschrank kommt. Beim Öffnen der Tür nimmt eine Maus schnell Reißaus. Doch leider nicht für lange. Erst beim zweiten Anlauf schlägt Anke die Maus in die Flucht und stellt ihre Nachtruhe endlich wieder her. Detlef hat von all dem nichts mitbekommen und hält die weißen Mäuse nach wie vor für eine Traumerscheinung von Anke.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Foto-Reisebericht eine Namibia-Rundreise von Anke Schlingemann & Detlef Hälker. Stationen: Windhoek, Kalahari, Fish River Canyon, Kolmanskop, Lüderitz, Aus, Sossusvlei, Namib Naukluft Park, Swakopmund,Twyfelfontein, Etosha National Park, Otjiwarongo, Waterberg Plateau
Details:
Aufbruch: 08.01.2006
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 27.01.2006
Reiseziele: Namibia
Der Autor
 
Anke Schlingemann berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Anke sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!