Die Slowakei per Fahrrad erkunden

Reisezeit: August / September 2002  |  von Manfred Sürig

Nur weiße Flecke auf der Karte der Slowakei wollte ich erkunden: Gegenden, wo ich noch niemals gewesen bin, nachdem ich im Herbst 2000 dieses herrliche Urlaubsland zum ersten Mal kennengelernt hatte.

Anreise per Bahn durch Polen

Donnerstag, 29.August 2002

Entweder ich fahre allein oder gar nicht. Denn Mitfahrer für so eine Tour finde ich eh nicht. Warum also noch warten, wenn das schöne Spätsommerwetter noch anhält ? Am Bahnhof gibt es die erste Überraschung: Eine Fahrkarte von Neumünster über Pasewalk-Stettin nach Südpolen -Zywiec kann man mir dort nicht verkaufen. Fahrradkarte schon gar nicht, denn im Computer findet man keine Züge von Stettin nach Süden, die Fahrräder mitnehmen. Ich lasse mich nicht beirren und löse erst einmal die deutsche Strecke bis zur Grenze bei Grambow. Sogar das Anschlußstück bis Stettin kann ich noch buchen, und eine Internationale Fahrradkarte bekomme ich für eine Strecke über Berlin-Frankfurt/Oder bis Zwardon, dem Grenzübergang Polen/Slowakei. Nur die spuckt der Computer aus. Gaby bringt mich mit dem Auto nach Ascheberg, damit ich dort in den Zug einsteige, von dem ich nur in Bützow umsteigen brauche.
Funktioniert auch alles prima. Ab Lübeck habe ich sogar schon polnische Begleitung, eine alte Dame bringt ihre Enkelkinder nach Stettin zurück und darf auf mein 5-Personen Schleswig-Holstein-Ticket mitfahren. Sie gibt mir noch ein paar gutgemeinte Tips, vor allem wird sie mein Fahrrad auf dem Hauptbahnhof Stettin bewachen, während ich versuchen werde, dort eine Fahrkarte nach Rajcza in Südpolen zu lösen. Und ihre bildhübsche Tochter oder Schwiegertochter, die sie in Stettin abholt, regelt auf dem Bahnhof fast alles für mich: Ja, ich darf das Rad mitnehmen, soll aber gut aufpassen, daß es nicht unterwegs geklaut wird und im übrigen fahren die drei letzten Wagen des Zuges direkt bis Bielsko Biala, das erspare mir das Umsteigen in Kattowitz im Morgengrauen. Preis meiner Fahrkarte quer durch Polen 12,50 €.
Genau so läuft es auch. Nur für das Rad erkennt der Schaffner meine Internationale Fahrradkarte nicht an, ich darf also noch einmal bezahlen. Im übrigen werden des nachts immer wieder die Fahrkarten kontrolliert, so dass man nicht zum Schlafen kommt. Auf diese Weise bekomme ich ziemlich genau mit, wo der Zug überall durchrollt. Morgens um 6 Uhr plötzlich leert sich der Zug, Bielsko Biala ist erreicht. Ich bin erstaunt: der erste nagelneu restaurierte Bahnhof Polens, und das wirklich vom Feinsten. Jugendstil mit viel Stuck und sogar Deckengemälden in der Bahnhofshalle. Dann geht es im Bummelzug weiter über Zywiec nach Rajcza Zentrum, wo ich auszusteigen gedenke, um meine Radtour zu beginnen.

Freitag, 30.August 2002
8.18 Uhr pünktlich bin ich da, schnalle mein Gepäck aufs Fahrrad und radele langsam auf die Straße Richtung Slowakei zu. Es duftet nach frisch geschlagenem Holz, überall hört man das Rauschen kleiner Bäche, an denen ich langsam bergauf fahre. Genau hier war ich vor 6 Monaten im März, als wir per Auto mit Sommerreifen durch den Schneematsch über den Paß in die Slowakei wollten. Und genau dort, wo damals die Reifen durchdrehten, schaffe ich nun den Berg auch mit Trampeln nicht mehr. Die nächsten 120 Höhenmeter müssen geschoben werden, aber dann bin ich auch schon oben und an der Grenze. Nun fängt die Fahrt an, genüßlich zu werden, ab geht's ins slowakische Orava!

© Manfred Sürig, 2006
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 29.08.2002
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 18.09.2002
Reiseziele: Slowakei
Ungarn
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.