L'Aid - Das Hammelfest

Reisezeit: Januar / Februar 2004  |  von Regine Lorenz

Beschreibung des islamischen Hammelfestes in Kairouan in Tunesien

Die Reise nach Tunis - Kairouan

Eigentlich hatte ich mir geschworen nicht mehr im Winter nach Tunesien zu reisen, da schon die letzte Reise dorthin mehr als frostig war.

Aber einer Einladung Kira's den L'Aid in Kairouan bei ihrer Familie zu feiern konnte ich dann doch nicht wieder stehen. Und so bin ich zum ersten Mal statt nach Djerba direkt nach Tunis geflogen. Schon der Hinflug war ein Erlebnis für sich. Bereits am Checkin fühlte ich mich wie in Tunesien: Nur Tunesier die nach Hause reisen und entsprechend das Gepäck. Ich schickte Kira ein SMS, daß wenn der Flieger runterfällt 279 Tunesier sterben und 1 Deutsche....angesichts der Situation Galgenhumor, aber den habe ich bei dem Flieger der Tunis Air auch gebraucht. Das Teil hieß "Mahdia" und war mindestens so alt wie der Ort...er zeigt auch ähnliche Verfallserscheinungen wie lockere Sitze, nicht funktionierende Ansagetechnik und ein wenig Rost an den Flügeln...Gut das ich nicht unter Flugangst leide. Und dann ergab sich ein gute Stunde Verspätung, da der Gang des Fliegers komplett mit sog. Handgepäcksstücken à 15 Kg belegt war und die mußten bei vollbesetztem Flieger ja auch noch irgendwie verstaut werden. Der Flug ging dann dank der vielen lauthals vorgetragenen Gebete der Passagiere gut und schnell vonstatten. Allah hatte wohl ein Einsehen.

Nach einem rasanten Kofferergattern und einer sehr schnellen Paßkontrolle mit wirklich sehr höflichen Beamten nahm mich Kira mit Mann, Schwägerin und Neffe in Empfang. Dann ging es in der typisch tunesischen Geschwindigkeit nach Kairouan. Dort wurden wir sehr herzlich und mit einem äußerst üppigen Essen begrüßt: Gegrillter Fisch, Slata Meschoui, Slata Tunsi, Gegrilltem Huhn und vielen Beilagen. Und dann wurde bei etlichen Gläschen Tee erzählt und erzählt bis tief in die Nacht.

Am nächsten Morgen schliefen alle lang und der Tag fing langsam an mit Milchkaffee und warmen Brot mit Honig. Da das Haus kalt war, liefen wir Frauen dick eingepackt in Djebbas, Schals und Tüchern, sowie mit den dicksten Socken herum. Zwischendurch ging es immer wieder auf den Balkon zum Aufwärmen und um die Schafe für das morgige Fest zu bewundern. Nachmittags entschlossen wir uns zu einem Hammambesuch. Und der Hammam war voll....Frauen aller Couleur und aus allen Gesellschaftschichten wollten sich vor dem Hammelfest einer sehr gründlichen Reinigung unterziehen. Nach dem Aufheizen im wärmsten Raum bei dem wir uns bereits gegenseitig vorsichtig ab gerubbelt hatten, rief mich die Badefrau. Erstaunlich wieviel alte Haut die gute Frau noch von mir runter bekommen hat.... Danach ausgiebiges Duschen und Haare pflegen. Und dann zum Auskühlen und Erholen in den Vorraum. Bei Erfrischungsgetränken wurden dann die ganzen Familiengeschichten erzählt. Hier in Deutschland käme ich nie auf den Gedanken, derart viel über mich meine Familie oder auch über Probleme und Problemchen zu reden...in Tunesien ist das normal und gehört dazu.

Nach diesem ausgiebigen Pflegemarathon waren wir eigentlich müde genug um sofort schlafen zu gehen, aber da war noch das Essen und der Tee und das Erzählen....diesmal allerdings nicht solange, denn es wurde uns verkündet, daß wir am nächsten Morgen früh raus mußten....da ja der Feiertag mit dem Gebet in der Moschee begangen werden sollte.

© Regine Lorenz, 2005
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 28.01.2004
Dauer: 10 Tage
Heimkehr: 06.02.2004
Reiseziele: Tunesien
Der Autor
 
Regine Lorenz berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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