L'Aid - Das Hammelfest

Reisezeit: Januar / Februar 2004  |  von Regine Lorenz

Die ruhigen Tage

Der zweite Feiertag vergeht in Stille und Faulheit und mit Essen....

Am Dienstag machen wir uns zu Fuß auf in die Medina von Kairouan. Einfach bummeln und dabei natürlich auch diverse Einkäufe tätigen. Vorgenommen hatten wir uns ja wenig. Aber wie es so ist, kamen wir natürlich voll beladen zurück... Tücher, Djebbas, Gewürze, Mitbringsel. Wo soll man das alles nur unterbringen? Schließlich ist der Koffer ja jetzt schon ziemlich voll und da warten ja noch 1001 andere Schätze im Souk. Gut das das Einkaufen Frauensache ist...Männer bekommen da regelmäßig glasige Augen und der Zwang das Portemonei sicher weg zu schließen wird auch immer größer....Nach erfolgreichem Leeren des Souks haben wir uns heimgeschleppt und die Wunder des Einkaufs bei einem Gläschen Tee bestaunt.

Der Mittwoch wurde für einen längeren Ausflug nach Hammamet freigehalten. Morgens war es ein wenig bewölkt und Kira jammerte schon: Ich krieg die Krise wenn es an der Küste regnet....aber auch hier hatte der Herr ein Einsehen mit uns und es klarte rasch auf. Zuerst ging es nach Hammamet Jasmin. Die Marina ist noch nicht ganz fertiggestellt, aber sie wird traumhaft schön. Alles in Weiß-blau gehalten mit viel Marmor und insofern typisch arabisch: Man sieht den Luxus der Häuser von innen an der Außenmauer kaum....Fayencen, Marmor, Mosaikarbeiten, hochwertige Holzeinbauten, Winkel und versteckte Terrassen....herrlich! Wenn ich mal ein paar 100.000 TDN überhabe, werde ich mir dort vielleicht was zulegen. Nach der Marina haben wir uns in einem wunderbar mit Kitsch und Pomp überladenen Hotel eine Erfischung gegönnt. Immerhin muß man derartigen Luxus und seine Preise ja verdauen. Danach sind wir in die Altstadt von Hammamet gefahren. Haben die letzten Sonnenstrahlen am Meer genossen, ein wenig die Stadtmauer bestaunt, viele Fotos gemacht und herumgealbert. Und einen weiteren Zweig der Familie besucht. Hier habe ich erneut über die Gastfreundlichkeit auch innerhalb der Familie gestaunt. Eine herzliche Begrüßung und sofort wurde noch während der Lebez?-Kadenz etwas zum Trinken und Knabbern gebracht (schrecklich lecker waren die Kekse...). Erzählt wurde und viel gelacht. Innerhalb kürzester Zeit waren 6 Frauen in Küche und lachten sich bei der Zubereitung von Brik, Marqa, Osben und vielen anderen Leckereien halb kaputt. Seither sehe ich bei grünen Kapernfrüchten immer die anatomischen Begebenheiten bestimmter Herrschaften vor mir und grinse mir eins.... Nach dem Essen wurden die diversen Schönheitsmaßnahmen durchgegangen. Dabei erwähnte Kira auch, daß sie die hiesigen Khol-Behälter aus Glas und Holz so hübsch findet. Es wurde Tee mit Pinienkernen getrunken und weiterhin viel gelacht und gegackert. Zum Abschied schenkte uns die Tante je einen Khol-Behälter aus Messing. Wunderschöne kleine Teile....ein Geschenk mit dem wir beide nicht gerechnet hatten! Nach eine langen Abschied mit vielen Bildern haben wir uns noch die kleine aber sehr feine Firma des Cousins angesehen. So möchte ich auch mal arbeiten...mit klimatisierten Räumen zum Palmengarten mit Pool und Grillplatz....! Tief nachts sind wir in die Betten gefallen.

Der Donnerstag hat uns nochmals in die Souks von Kairouan gelockt....schon fast möchte ich sagen: Leider! Denn ich habe ein klitzekleines wenig Geld für Schmuck ausgegeben. Für den wunderbaren traditionellen Rotgoldschmuck! Das schlechte Gewissen hat mich aber nicht allzu lange geplagt. Immerhin war ja mein Geburtstag...und da darf man sich auch mal selbst beschenken! Ein Geburtstag übrigens wie ich ihn mir nicht besser vorstellen konnte...viele liebe Menschen um mich! In einem Land das ich sehr liebe und mit vielen tollen kleinen Begebenheiten. Abends kamen noch eine Cousine und ihr Mutter. Es lief arabische Musik, Kiras Neffe Salah hat uns mit Bauchtanz Lachtränen in die Augen getrieben und wir wurden mit Harkous an den Händen verziehrt....und ich mußte noch den Koffer packen, der auf Teufel komm raus, nicht zugehen wollte...

Am Freitag um 4.30 ging es dann los Richtung Tunis. Das Auto gab ziemlich beunrihigende Geräusche von sich. Ein dreifaches "Bismillah" hat es allerdings bis Tunis kommen lassen und zurück auch wieder. Kira erzählte mir hinterher, daß der eine Reifen nur noch von 1 Schraube statt von 5 gehalten wurde....eine ziemlich erschreckende Vorstellen bei 150 km/h auf der Autobahn und den tunesischen Straßenzuständen.... dafür verlief der Rückflug sehr schnell und sehr angenehm!! Meine Gefühle waren allerdings wieder von Abschiedsschmerz geprägt....

Es war eine fantastische Woche und ich bin Kira und ihrer Familie sehr, sehr dankbar, daß ich das Id-Fest mit ihnen erleben durfte. Und -Inshallah - werde ich bald wieder nach Tunesien reisen.

Dies ist eine Geschichte aus meinem aktuellen Buch "Geschichten aus Tunesien" zu finden unter www.tunesiens-traditionen.de

© Regine Lorenz, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Beschreibung des islamischen Hammelfestes in Kairouan in Tunesien
Details:
Aufbruch: 28.01.2004
Dauer: 10 Tage
Heimkehr: 06.02.2004
Reiseziele: Tunesien
Der Autor
 
Regine Lorenz berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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