AB IN DEN SÜDEN

Reisezeit: August / September 2008  |  von Uwe Decker

Afrika meets Südeuropa Teil 1

Maputo, 05./06. September 2008

Maputo als schön zu bezeichnen trifft die Sache wohl nicht ganz. Mir gefällt es hier trotzdem sofort. Ich habe ein Faible für solche Städte. Die wenig Sehenswürdigkeiten aufweisen. Wo die Sehenswürdigkeit das Leben auf der Straße ist, der Alltag. Auf den Straßen spazieren gehen, die Stadt erwandern, in einem Straßencafe bei einem Cappucino oder Bier den Leuten zuschauen. Das ist großes Kino.

Mosambik hatte im Laufe seiner Geschichte viele Herren, die in unterschiedlichem Ausmaß ihr Erbe hinterließen. Maputo, das frühere Lourenzo Marques, mit seinen etwa 1,5 Millionen Einwohnern, unterscheidet sich in mancher Hinsicht deutlich von anderen afrikanischen Hauptstädten. Es hat Flair, "Afrika meets Südeuropa, oder auch Lateinamerika", wäre ein guter Slogan für die Tourismusbeauftragten. Der Einfluss der portugiesischen Kolonialherren ist noch deutlich zu spüren. Nicht nur in der Sprache. Die Frauen kleiden sich freizügiger als im Rest Afrikas, zumindest ein wenig. Die Architektur in den älteren Stadtvierteln, vor allem in der Hafengegend, erinnert an den Mittelmeerraum. Es gibt viele Restaurants mit portugiesischer Küche, viel Fisch, viele kleine Straßencafes. Auch die Musik ist entsprechend geprägt, vergleichbar mit dem was man in den Musikkneipen in Lissabon, aber auch in Rio oder Salvador hört, melancholisch, weniger afrikanische Rhythmen.

Es fällt leicht, sich in Maputo zurechtzufinden. Die Straßen sind überwiegend im Schachbrettmuster angelegt. Und ohne große Schlaglöcher. Die großen Avenidas sind breit, durchziehen oft die ganze Stadt, sind gesäumt von Jacaranda- und Flammenbäumen und teils verfallenen, teils dringend renovierungsbedürftigen Wohnhäusern, teils aber auch neuen Bürogebäuden und Geschäften. Die Bautätigkeit ist rege, nirgendwo sonst im Lande ist der wirtschaftliche Aufschwung, den das Land nach den Kriegswirren nimmt, so deutlich zu spüren.

Von der kommunistischen Ära zeugen vor allem noch die Straßenschilder und Straßennamen. Sie sind benannt nach wichtigen Datümern in der mosambikanischen Geschichte, "Av. 25 De Setembro", "Av. 24 De Julho" oder "Av. 10 de Novembro", vor allem aber nach bedeutenden Persönlichkeiten des Sozialismus und wichtigen afrikanischen Staatsführern. Beispiele ? Avenida Mao Tse Tung, Av. Karl Marx, Av. Friedrich Engels, Av Vladimir Lenine, Av. Ho Chi Minh, Av. Salvador Allende oder Av. Ahmed Sekou Toure, Av. Patrice Lumumba, Av. Kwame Nkrumah. Auch dem erschossenen ehemaligen schwedischen Ministerpräsident Olof Palme wurde diese Ehre zuteil.

Die wichtigste Allee aber ist die Avenida Julius Nyerere, nach dem früheren Präsidenten Tansanias benannt, der Mosambik sehr in seinem Bestreben nach Unabhängigkeit und in den ersten schwierigen Jahren danach unterstützt hat. Hier findet der westliche Tourist so ziemlich alles, was er für ein paar angenehme Tage in Maputo braucht, First-Class-Hotels, gute Restaurants und Cafes, Banken, Wechselstuben, Souvenirhändler für ein paar Mitbringsel.

Mein Hotel "Monte Carlo" ist schick und von der Örtlichkeit her gut gewählt, quasi im Niemandsland zwischen der Baixa, der Altstadt mit dem Hafenviertel, und dem moderneren Polana Distrikt um die Av. J. Nyerere.

Beides ist gut zu Fuß zu erreichen, was besonders wichtig ist. Denn wie in allen anderen Städten auf meiner bisherigen Tour fehlen auch in Maputo die für einen Besucher wie mich so bequemen Mototaxis. An die Straße stellen, winken, schon hält ein Mopedfahrer, hinten raufsetzen, los geht's, für wenig Geld von A nach B. Nein, das gibts hier nicht. Richtige Taxis sieht man kaum auf den Straßen und wenn, dann sind sie schon besetzt. Und die in Afrika allgegenwärtigen Minibusse, über die der öffentliche Nahverkehr privatwirtschaftlich organisiert ist, manchmal etwas verwirrend Taxi genannt, manchmal Combos, in Kenia Matatus, sind für mich keine Alternative. Die sind übervoll, an den Haltestellen warten bereits viele Leute und außerdem weiß ich auch gar nicht wo die hinfahren.

© Uwe Decker, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
3 Wochen allein durch den Süden Afrikas Gaborone/Botswana - Johannesburg - Swasiland - Mosambik Von Nashörnern, einem Ball der Debütantinnen, den größten Fischen der Welt und vielem mehr ...
Details:
Aufbruch: 25.08.2008
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 15.09.2008
Reiseziele: Botsuana
Südafrika
Swasiland
Mosambik
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.
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