AB IN DEN SÜDEN

Reisezeit: August / September 2008  |  von Uwe Decker

Ball der Debütantinnen Teil 1

Lobamba/Swaziland, 01. September 2008

Um dem Umhlanga, einem der beiden großen Feste des Landes, beizuwohnen, benötigt man etwas Glück und das richtige Timing. Denn die genauen Termine werden erst kurz vor dem Ereignis bekannt gegeben, in diesem Jahr kurz vor meiner Abreise, als meine Reiseroute schon fest stand. Ich hatte aber richtig geraten.

Das Fest, auch Reed Dance genannt, hat eine lange Tradition und zeigt die große Verbundenheit des Volkes mit seinem König. Es dauert mehrere Tage. Zunächst schwärmen die heiratsfähigen Mädchen des Landes aus und schneiden Schilf in ausgesuchten Gegenden des Landes, um es zum Haus der Mutter vom König zu bringen und dieses auszubessern. Der gute Mswati III. hat sicherlich genug Reichtümer angehäuft, um auch seiner Mama ein vernünftiges Haus hinzustellen, in das es nicht reinregnet. Aber das Ganze ist ja auch eher symbolisch gemeint. Der darauf folgende und gleichzeitig letzte Tag ist der Höhepunkt des Festes. Dann kommen alle Mädels zusammen und tanzen vor dem König. Dieser sucht sich jedes Jahr Eine von ihnen aus und nimmt sie zur Frau, dieses Jahr die 14. Ob dieser Wahl ist er eigentlich zu bedauern, schließlich nehmen 20 bis 30.000 weibliche Untertanen am Fest teil. Da dürfte die Auswahl schwer fallen.

Den Sinn des Festes habe ich verstanden. Dass mein Hotel in Fußmarschnähe zum Veranstaltungsort liegt, finde ich auch noch heraus. Zum zeitlichen Ablauf gibt es aber keine verlässlichen Informationen. Im Gegenteil, jeder, den ich dazu befrage, erzählt etwas anderes. Um nichts zu verpassen gehe ich gleich nach dem Frühstück los.

Meine Frage, wo die vielen tausend Mädchen, die weiter weg wohnen, übernachten und wo sie sich waschen, schließlich besteht die Verpflichtung, sauber vor dem König zu erscheinen, wird schnell beantwortet. Überall. Jeder Fluss, jedes noch so kleine Wasserloch ist voller splitternackter Mädchen und junger Frauen. Alle Schulen der Umgebung sind geschlossen und dienen als Herberge, die Höfe als Freiluftbadezimmer. Entweder ist Scham eine typisch westliche Eigenschaft oder in diesen Tagen außer Kraft gesetzt.

In Richtung des mutmaßlichen Ortes des Festes ist ein großer Markt, es herrscht ein reges Treiben. Aber nichts deutet auf den bevorstehenden Reed Dance hin. Natürlich bin ich viel zu früh.

Am späten Vormittag tauchen immer mehr Mädchen in Stammestracht auf. Allmählich kommen auch Lastwagen angerollt, voller singender und johlender Mädchen. Gegen Mittag formieren sich dann einzelne Gruppen und ziehen Richtung Veranstaltungsort, einem alten Stadion. Viele Touris sind hier nicht. Darüber wundere ich mich. Ich beobachte das Treiben eine Weile, mache viele Fotos, dann ziehe ich mit. Fotografieren kann man hier prima, man kann - und man MUSS. Den ganzen Tag über kommen die Mädchen und wollen fotografiert werden. Ich habe ja auch fast ein Monopol mit meiner Digicam. Manche geben mir, sofern vorhanden, ihre Adresse, zum Zusenden der Fotos. Das nicht nur zu versprechen, sondern auch tatsächlich zu tun, nehme ich mir fest vor. Aber mit der Zuordnung von Adressen zu den Fotos komme ich schnell durcheinander. Email-Addressen sind hier leider noch völlig unbekannt. Abgesehen von den Massenfotos vor dem und im Stadion kommt kein Foto ungefragt zustande, die meisten wie gesagt auf Wunsch der Mädels.

Der Weg führt über eine kleine Anhöhe. Vor mir liegt nun das Stadion, unterhalb die Straße, die durch das Ewulzini Valley führt. Nun wird klar, warum ich mich als Tourist so verloren gefühlt habe. Ich bin einfach nur von der falschen Seite gekommen. Der Parkplatz an der Straße ist voll. Von dort zieht ein Strom von Zuschauern nach oben und trifft auf den Strom der Teilnehmerinnen an der Parade. Die Tribünen sind gut gefüllt. In der Mitte wartet schon gespannt der Herr König, neben ihm seine Mum, seine große Verwandtschaft, Regierungsvertreter, Militärs, Botschafter, die Honoratioren, kurz jeder etwas auf sich hält im Staate Swaziland.

© Uwe Decker, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
3 Wochen allein durch den Süden Afrikas Gaborone/Botswana - Johannesburg - Swasiland - Mosambik Von Nashörnern, einem Ball der Debütantinnen, den größten Fischen der Welt und vielem mehr ...
Details:
Aufbruch: 25.08.2008
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 15.09.2008
Reiseziele: Botsuana
Südafrika
Swasiland
Mosambik
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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