AB IN DEN SÜDEN

Reisezeit: August / September 2008  |  von Uwe Decker

Keine Zeit für Gabs Teil 2

Für den zweiten Tag habe ich schon von zu Hause aus über das Internet einen "Rhino Track", also eine Nashornpirsch, gebucht. Klingt interessant. Nashörner fehlen mir noch als Liveerlebnis. Am Abend vorher rufe ich im Mokolodi Office an um mir die Reservierung bestätigen zu lassen und erfahre, dass ich morgen nicht allein bin. Eine Einheimische hat auch gebucht. Man meint, sie könnte mir bei der Anfahrt behilflich sein und vermittelt den Kontakt. Ich rufe sie an.

Am nächsten Morgen taucht Beauty, so heißt sie wirklich, pünktlich an der Rezeption meines Hotels auf. Ich möchte mal dahingestellt sein lassen, ob sie ihren Namen zu Recht trägt, aber etwas macht sie für mich äußerst attraktiv. Sie hat ein Auto! Genauer gesagt sie hat sich eines von einem Verwandten für diesen Tag geliehen, einen großen Toyota Pickup. Im Gegensatz zu mir wusste sie, dass man frühmorgens mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schlecht zum Park kommt. Hinter dem Lenkrad verschwindet meine recht klein geratene Fahrerin beängstigend tief, aber sie meistert das 24 Stunden Chaos rund um den Busbahnhof, an dem mein Hotel liegt, mit Bravour und in der Stadt und Umgebung kennt sie sich sowieso bestens aus.

Beauty ist Ende Dreißig, wohnt in einem Ort 20 Kilometer von Gaborone entfernt, ist dort Lehrerin an einer weiterführenden Schule und gönnt sich zum Ende der Schulferien zum ersten Mal in ihrem Leben einen Besuch eines Nationalparks.

Schön, wenn man sich einen privaten Chauffeur leisten kann. Schon die Anfahrt wäre allein tatsächlich sehr beschwerlich geworden. Im Park herrscht emsiges Treiben. Eine ausländische Delegation hat sich angesagt, lauter schwarze Herren in Anzügen und schwarze Damen in Businesskostümen und Stöckelschuhen. Sie werden unter lautem Gejohle in Jeeps verfrachtet und machen einen "Game Drive", Gott sei Dank. Für einen Marsch durch die Botanik wären sie auch denkbar ungünstig angezogen.

So fahren wir zu Fünft los. Neben Beauty und mir sind das unser Fahrer, ein Auszubildender und ein echter Buschmann, wegen der Fährtensuche.

Der Park ist groß, und es leben nur neun Rhinos hier. Die sich heute auch ziemlich gut verstecken. Wir fahren fast den gesamten Park ab, machen somit auch gleich eine komplette Safari und sehen unterwegs fast alle Tierarten, die hier zu bestaunen sind, u.a. Kudus, Impalas, Zebras, Giraffen, Strauße, Elefanten.

Unser Fährtensucher beugt sich derweil eifrig aus dem Auto und sucht nach frischen Fährten, lässt ab und zu mal anhalten, verschwindet im Busch und kommt stets mit enttäuschtem Gesichtsausdruck zurück. Der meinige ist entsprechend. Irgendwann lässt er aber dann doch alle absitzen, er hat einigermaßen frische Nashornkacke entdeckt, ca. 4 Stunden alt. Woher man das weiß? Genau, man hält die Hand rein und fühlt die Wärme.

Um dem Ganzen einen Anstrich von Abenteuer zu geben lädt er sein Gewehr. Rhinos können gefährlich werden, wie er mit ernster Miene verkündet, und schultert seinen Schießprügel. Das Gebüsch und Gestrüpp, das aus dem Jeep heraus so harmlos aussieht, entpuppt sich als ziemlich unangenehm und ist voller Dornen, Stachel und Pflanzen, die an der Kleidung kleben bleiben. Unser Buschmann gibt sein Bestes. Auf dem meist harten Untergrund sind die Spuren der Nashörner nicht leicht zu verfolgen. Oft macht er kehrt und sucht woanders weiter, wir immer brav hinterher.

Als ich schon jegliche Hoffnung aufgebe ist sein Bemühen tatsächlich von Erfolg gekrönt. Vor uns tauchen zwei Exemplare auf, die wir beim Fressen stören, Mutter mit Kind. Die Mutter ist 14, das Baby 3 Jahre alt. Wir ducken uns und sprechen nur leise. Die Tiere schauen uns mindestens ebenso interessiert an wie wir sie. Wir verharren so einige Minuten und pirschen uns dann vorsichtig noch weiter heran bis uns unser Buschmann ein Zeichen gibt. Bis hierher und nicht weiter. Auf kurzer Sprintstrecke wären sie uns weit überlegen. Mir scheint aber, dass sie vor uns mehr Furcht haben als umgekehrt und trollen sich irgendwann weiter in den Busch.

© Uwe Decker, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
3 Wochen allein durch den Süden Afrikas Gaborone/Botswana - Johannesburg - Swasiland - Mosambik Von Nashörnern, einem Ball der Debütantinnen, den größten Fischen der Welt und vielem mehr ...
Details:
Aufbruch: 25.08.2008
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 15.09.2008
Reiseziele: Botsuana
Südafrika
Swasiland
Mosambik
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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