AB IN DEN SÜDEN

Reisezeit: August / September 2008  |  von Uwe Decker

Keine Ocean Safari

Inhambane, 09. September 2008

Das Paradies bekommt Risse. Wo bitte ist heute Morgen die Sonne? Auch der Wind hat nicht abgeflaut und ich ahne Böses. Die Tauchschule nebenan, Liquid Adventures, bietet, wie auch alle anderen Veranstalter in Tofo, sogenannte "Ocean Safaris" an.

Man fährt mit dem Boot raus und kann u.a. mit Walhaien schnorcheln. Allerdings nur bei akzeptablem Wetter. Das ist es heute aber nicht, zuviel Wind, zuviel Seegang, so dass man wegen der hohen Wellen kaum Schnorcheln kann. Ich bin enttäuscht. Hoffentlich wird's morgen was damit, sonst muss ich ein mögliches Highlight des Urlaubs streichen. Aber so ganz allein ist man ist ja vollkommen flexibel. Also Fotoausrüstung holen, durch den tiefen Sand Richtung Ort stapfen und einen Bus nach Inhambane suchen. Mache ich heute halt das Programm von morgen und morgen das von heute. Hoffentlich.

Der Kleinbus spottet jeder Beschreibung. Die Fahrgäste teilweise auch. Meist junge Leute, Engländer, Amis, Holänderinnen, die als Volunteer für ein Hilfsprojekt gearbeitet haben und im Anschluss noch etwas Urlaub machen. Die Amis laut, die anderen mit zerzausten Haaren und löchrigen Klamotten. Was denken eigentlich die Einheimischen über uns Touris? Wahrscheinlich nichts. Die sind es mittlerweile gewöhnt. Auch die Vibes, die aus großen Boxen am Markt dröhnen. Eine bizarre Szene. Auf dem Marktplatz sitzen die Marktfrauen in bunten Gewändern und bieten eisgekühlte Cola, gegrillte Fleischspieße und Batiktücher an, hinter ihnen dröhnt Technomusik in Discolautstärke durch den Ort. Goa z.B. muss auch so angefangen haben. In 10 Jahren werden hier die Pauschaltouristen in schicken Hotels wohnen. Soviel ist sicher. Wenn das Wetter mitspielt und nicht alle paar Jahre Zyklone alles zerstören.

Erstaunlicherweise schafft es der Bus vollkommen aus eigener Kraft bis nach Inhambane. Die Stadt gilt als eine der schönsten im ganzen Lande, und obwohl ich ja bisher erst eine kenne bin ich davon überzeugt, dass das stimmt. Sie liegt auf der Tofo gegenüber liegenden Seite einer breiten Landzunge zwischen Indischem Ozean und dem Matumba Fluss. Die Straßen sind breit, viele Bäume spenden Schatten, den man gut gebrauchen kann, denn mittlerweile strahlt die Sonne vom wolkenlosen Himmel.

Es gibt sogar hübsch bepflanzte Blumenbeete, viele koloniale Gebäude sind in einem 1a-Zustand und die etwas außerhalb des Zentrums gelegenen Häuser mit ihrem bröckelnden Putz versprühen so etwas wie einen dekadenten Charme.

Der Markt hat sich auffallend auf die zahlreichen Touristen eingerichtet. Etwa ein Drittel der Fläche ist den typischen mosambikanischen Mitbringseln vorbehalten.

Es ist nicht sehr viel los auf den Straßen und das Städtchen macht einen beschaulichen Eindruck. Was aber besonders auffällt: Inhambane ist bemerkenswert sauber!

Am gegenüberliegenden Ufer der Bucht liegt Maxixe, sprich: "Maschisch". Es gibt zwei Wege, übers Wasser dorthin zu kommen. Der erste wäre spannend scheidet aber aus. Die Dhows liegen mit ihren Segeln malerisch im Wasser. Die Betonung liegt auf IM Wasser, in einiger Entfernung vom Ufer und man muss fast schwimmen, um zu ihnen zu gelangen.

Die zweite ist nur etwas weniger abenteuerlich, nämlich mit einem großen Holzkahn mit Verdeck, wegen dem Spritzwasser und Außenborder. Die liegen draußen an einem langen Holzsteg und warten auf Kundschaft. Der Steg ist hoch über dem Wasser, die Bodenlatten liegen oft recht weit auseinander und ächzen bedenklich unter meinem Gewicht.

Die Überfahrt wird spannend. Das Geschäft läuft gut, die Boote stellen für die Bevölkerung das Hauptverkehrsmittel zwischen beiden Orten dar, und ich bin eingepfercht zwischen vielen Menschen, sitze aber wenigstens trocken. Denn auch hier in der Bucht macht sich der starke Wind bemerkbar. Die Leute in den ersten Reihen bekommen eine kostenlose Dauerdusche verpasst. Der Außenbordmotor stottert gewaltig und es scheint manchmal so, als ob wir überhaupt nicht vorwärts kommen.

Das Aufregendste an Maxixe ist zweifellos, dort hin zu kommen. Die Stadt an sich kann man schnell abhaken. Sie liegt an der Nationalstraße EN1, die direkt am Hafen lang führt. Dort halten die Busse der großen Busgesellschaften auf dem Weg in den Norden des Landes. Das wäre die Alternative gewesen, dort aussteigen, mit dem Gepäck rein ins Boot, rüber nach Inhambane und von dort mit dem Minibus weiter nach Tofo. Ich glaube, mit dem Direktbus habe ich es besser getroffen.

Gegenüber vom Hafen liegt ein nettes Restaurant. Auf der Veranda trinke ich zwei Mosambik-Fanta, rotes Zeug mit einem komischen Geschmack -Cola ist aus-, sehe dem bunten Treiben zu, fahre dann wieder zurück nach Inhambane und gehe dort noch etwas spazieren bevor es zurückgeht nach Tofo.

Außerhalb der Stadt sehe ich eine merkwürdige Anlage. Ein paar weiße Pickups stehen dort, einige Weiße palavern und auf dem Boden sind parallele Drahtstränge gezogen, darunter bewegt sich etwas. Mir dämmert, dass ich darüber zu Hause schon einen Film im TV gesehen habe. Hier wird eine bestimmte Art von Ratten dressiert zur Suche nach Landminen. Hier war ja mal Krieg. Und wie überall nach solchen Bürgerkriegen gibt es diese fürchterlichen Hinterlassenschaften. Ich habe schon einige Länder bereist, die darunter zu leiden haben, Eritrea z.B., oder Kambodscha. Die Wege, die die Touristen benutzen, sind hundertprozentig geräumt, uns kann nichts passieren. Für die Landbevölkerung gilt das leider nicht.

Der Ausflug heute war ebenso nett wie preiswert, Busfahrt nach Inhambane und zurück nach Tofo, Bootsfahrt nach Maxixe und zurück sowie 2 Fanta in Maxixe, alles zusammen für umgerechnet 1,50 Euro.

Auf dem Rückweg zu Fuß vom Ort zu meiner Lodge mache ich noch bei "Fatimas" Halt. Die Backpacker lümmeln sich in den Sesseln und chillen zu sphärischen Klängen. Ich stärkere mich mit einem "2M" für die nächsten 100 Meter zu "Dinos Bar", dem nächsten In-Treffpunkt am Ort.

"In" ja, aber noch nicht um diese Zeit. Ich bin der vierte Gast, trinke meine Cola an der Bar und werde an den Tisch von drei einheimischen Grazien gebeten. Sie sind eigentlich Touristen wie ich, wohnen aber am anderen Ende der Bucht, dort wo ich es mir nicht leisten kann. Nini, Vina und Maeza kommen aus Maputo, studieren Jura und wurden von Vinas Freund eingeladen, ein verlängertes Wochenende hier zu verbringen. Donnerstag müssen sie wieder zur Vorlesung in die Uni, morgen geht's zurück. Das alles heraus zu bekommen ist mühsam und dauert. Die Drei können nämlich kaum mehr Englisch als ich Portugiesisch. Und das ist schon verdammt wenig. Eigentlich komisch, Jurastudium und keine Fremdsprachenkenntnisse ?

Später taucht auch der spendable Gönner auf, Luis, ein lustiger Gesell, aber leicht zwielichtig. Er verdient seine Brötchen mit der Vermittlung von Großwildjagden, offensichtlich lebt es sich nicht schlecht davon. Ich jedenfalls habe keine drei Frauen im Gepäck.

Allerdings tritt er gegenüber den einheimischen Kellnern ziemlich herablassend und großkotzig auf. Das Bier schmeckt fad, er will ein Neues, die Gläser sind schmutzig usw. Er schmeißt ein paar Runden Tequila, setzt sich hinterher ans Steuer und lässt es sich nicht nehmen, mich soweit wie möglich Richtung Bamboozi Lodge zu kutschieren. Rumms, nach 10 Metern setzt der Wagen, ein einfacher Toyota Corolla, zum ersten Mal auf. Nach 20 Metern müssen wir alle raus, zum Schieben. Der Wagen steckt im Treibsand fest. Nach 100 Metern sieht er Gott sei Dank ein, dass es die Kiste nicht packt und ich darf endlich zu Fuß weiter. Das ist auch der schnellste Weg.

© Uwe Decker, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
3 Wochen allein durch den Süden Afrikas Gaborone/Botswana - Johannesburg - Swasiland - Mosambik Von Nashörnern, einem Ball der Debütantinnen, den größten Fischen der Welt und vielem mehr ...
Details:
Aufbruch: 25.08.2008
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 15.09.2008
Reiseziele: Botsuana
Südafrika
Swasiland
Mosambik
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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