Mit Fahrrad durchs Ermland und Masuren

Reisezeit: September 2009  |  von Manfred Sürig

westwärts zurück auf dem "Dreisterneradweg"

Heute müssen wir die Rückfahrt antreten, 100 km sind es bis Allenstein.

Pension Mikolajki, unsere Unterkunft, mit der wir hier sehr zufrieden waren.

Pension Mikolajki, unsere Unterkunft, mit der wir hier sehr zufrieden waren.

Wir vertrauen uns wieder dem Radlerhandbuch von Jonas an, das uns über Ukta zunächst etwas nach Süden, immer im Tal der Krutynia entlangführen wird, dann westwärts ein Stück von 24 km auf der Hauptstrasse 53- und dann westnordwestwärts auf Nebenstraßen genau auf Allenstein zu. Diese letzten etwa 60 km werden als "Viersterneradweg" gepriesen. Sehen wir uns das mal an !

Noch einmal die Krutynia, an der wir heute das erste Stück entlangfahren

Noch einmal die Krutynia, an der wir heute das erste Stück entlangfahren

Natur pur, wohin das Auge reicht! Fast kein Autoverkehr auf dem ersten Stück. Dann, auf der Hauptstraße einige Lastzüge, die aber immer genug Platz beim Überholen haben und uns kaum stören. Und weil die Straße fein ausgebaut ist, kommen wir flott voran., nehmen uns aber an einem herrlichen See wenigstens die Zeit zum Fotografieren, hier ist das Ergebnis:

So viele Stochennester haben wir gesehen, nun muß ich endlich eines fotografieren!

So viele Stochennester haben wir gesehen, nun muß ich endlich eines fotografieren!

Welcher See ist wohl der schönste ?

Welcher See ist wohl der schönste ?

Nachdem wir die Hauptstraße verlassen haben, finden wir tatsächlich wieder Ostpreußen vor, wie wir es uns von Bildern her vorstellen ! Und halten neue, eigene Bilder fest:

Solche Radwege lieben wir!

Solche Radwege lieben wir!

Viele Seen sind nicht zugänglich, weil sie von einem geschlossenen Schilfgürtel umgeben sind. Umso malerischer das Anblick von oben.

Viele Seen sind nicht zugänglich, weil sie von einem geschlossenen Schilfgürtel umgeben sind. Umso malerischer das Anblick von oben.

Klar, dass wir uns zum Mittagspicknick wieder ein Plätzchen an einem Steg in einen See suchen. Aber die fortgeschrittene Jahreszeit hält uns doch von einem Bad ab. Jonas meinte auch, das Wasser wäre nicht sauber genug gewesen, wir werden wählerisch oder suchen Ausreden !
Erst wenige Kilometer vor Allenstein nimmt der Verkehr etwas zu. Am Straßenrand kaufen wir für 4 PLN eine Schachtel Himbeeren frisch aus dem Garten zum sofortigen Verzehr, dann lassen wir uns nach Allenstein einrollen.

Dass es dort so bergig ist, hatten wir nicht erwartet, und bevor wir ganz unten im Tal angekommen sind, finden wir die Jugendherberge, in der wir freundlich aufgenommen werden. Danach reicht der Rest des Tages noch zu einem kurzen Stadtbummel.

Die schön restaurierte Burg in Allenstein/Olstyn

Die schön restaurierte Burg in Allenstein/Olstyn

Am nächsten Morgen gehen wir noch auf Fotosafari bei Tageslicht, milder Herbstsonnenschein ermöglicht es.

Kunsthandwerk in Schmiedeeisen

Kunsthandwerk in Schmiedeeisen

Die Domkirche von Allenstein. Sie wurde  dem Bischof geweiht, dem es zu verdanken ist, dass 1945 die Russen nicht alle Kirchen Allensteins niederbrannten.

Die Domkirche von Allenstein. Sie wurde dem Bischof geweiht, dem es zu verdanken ist, dass 1945 die Russen nicht alle Kirchen Allensteins niederbrannten.

Mittags setzen wir uns westwärts in Bewegung, denn der Vier-Sterne-Radweg führt noch weiter und hat neue Überraschungen für uns parat.

Unterwegs zwischen Allenstein und Morungen: Dorfkirche in Jonkowo

Unterwegs zwischen Allenstein und Morungen: Dorfkirche in Jonkowo

Seen  in unberührter Natur, aber die Sahnestücke am Ufer sind schon in Privathand und werden eingezäunt!

Seen in unberührter Natur, aber die Sahnestücke am Ufer sind schon in Privathand und werden eingezäunt!

52 km bis Morungen sollen heute reichen, denn auch hier gibt es etwas zu sehen.

Das Rathaus in Morag/Morungen

Das Rathaus in Morag/Morungen

Da ist zunächst das Rathaus, in dem man uns reichlich mit Informationen versorgt. Herder ist hier geboren, deshalb hat man hier ein Museum im ehemaligen Schloß der Gutsherrnfamilie Dohna für ihn errichtet.

Im "Gastel" Elektor finden wir die anspruchsvollste Herberge unserer Reise, die incl. Frühstück auch nicht viel teurer ist als das, was wir bisher ausgegeben hatten: 140 PLN für beide zusammen, 34 €. Zwar bekommen wir hier nur eine Suppe zum Abendessen, aber eine Empfehlung für die Konkurrenz 500 m in Richtung Bahnhof, und dort erleben wir einen neuen gastronomischen Höhepunkt

Im Herdermuseum  wird Herder insbesondere wegen seiner humanitären Grundhaltung geehrt. Viele seiner Texte sind heute aktueller denn je.

Im Herdermuseum wird Herder insbesondere wegen seiner humanitären Grundhaltung geehrt. Viele seiner Texte sind heute aktueller denn je.

Mit Unterstützung des Vereins ehemaliger Morunger  werden im Stadtmuseum  auch die Wappen und Familienbilder ehemaliger ostpreussischer  Grundbesitzer gezeigt.

Mit Unterstützung des Vereins ehemaliger Morunger werden im Stadtmuseum auch die Wappen und Familienbilder ehemaliger ostpreussischer Grundbesitzer gezeigt.

Schlappe 20 km nach Westen sind es heute nur noch bis Maldyty. Hier erreichen wir erneut ein zusammenhängendes Seengebiet, das man vor über 200 Jahren mit Stichkanälen verbunden hat, um einen Wasserweg von Elbing ins Binnenland bis Ostroda und Deutsch Eylau (Ilawa) zu schaffen, den Oberländischen Kanal, zu schaffen.
Hier endet unsere gemeinsame Radtour. Denn ich möchte in Oberschlesien noch meinen polnischen Freund Krczystof besuchen, Jonas hat es eilig, nach Hause zu kommen, und da hat er von Elbing nach Stettin einen durchgehenden Zug gefunden.

Abschied in Maldity: Jonas fährt nach Elbing im Norden, ich wähle die Gegenrichtung nach Ostroda.

Abschied in Maldity: Jonas fährt nach Elbing im Norden, ich wähle die Gegenrichtung nach Ostroda.

Jonas hat dabei das interessantere Kanalstück gewählt, weil es abwärts bis Elbing über mehrere schräge Ebenen geht, über die die Fährschiffe abgeslipt werden - einmalig auf der ganzen Welt.
Doch auch die Fahrt durch die verbundenen westmasurischen Seen nach Ostroda wird eine Augenweide, die ein weiteres Kapitel wert ist.

© Manfred Sürig, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Trockenes Wetter ist schon der halbe Erfolg einer Radtour. Wenn man dann auch noch das Seenland im ehemaligen Ostpreussen mückenfrei vorfindet, hat man das ganz große Los gezogen. So wird uns der Spätsommer 2009 in schönster Erinnerung bleiben.
Details:
Aufbruch: 06.09.2009
Dauer: 17 Tage
Heimkehr: 22.09.2009
Reiseziele: Polen
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.