Asia Express – In 6 Monaten von Delhi nach Denpasar

Reisezeit: Februar - August 2010  |  von Dirk Vorwerk

Teeplantagen und Hausbooote

Für uns als Freunde gefiederter Wirbeltiere dürfen in Kerala natürlich auch Ausflüge in die zahlreichen Vogelschutzgebiete nicht fehlen. Die Auswahl ist groß, die Verkehrsanbindung nicht immer gut, und so steht zuerst das nach dem wohl bekanntesten indischen Ornithologen benannte Ali Salim Bird Sanctuary in Thattekad auf unserem Plan. Pünktlich 4.30 Uhr wartet unser Taxi und bringt uns in das etwa 50 Kilometer entfernte Schutzgebiet. Die Saison für Zugvögel, die im Winter der Kälte der Himalaya-Region entfliehen und die Zeit von November bis März hier verbringen, ist zwar vorüber, aber wir machen, begleitet von zwei einheimischen Führern, trotzdem einige interessante Beobachtungen

Inmitten der Millionenstadt Kochi, nur einen Steinwurf vom Obersten Gerichtshof Keralas entfernt, befindet sich in einem Mangrovensumpf das winzige Vogelschutzgebiet Mangala Vanam. Auch hier ist die Zugvogelsaison bereits vorüber, und unsere Sichtungen beschränken sich auf Eis-, Nektar- und Bartvögel. Darüber hinaus beherbergt der Park eine Kolonie Indischer Riesenflughunde, eine der größten Fledermausarten der Welt.

Unsere fotografische Ausdauer wird jedoch auf eine harte Probe gestellt, denn das Feuchtgebiet ist eine hervorragende Moskito-Brutstätte, und unsere Abwehrversuche mit drei verschiedenen Mückenschutzmitteln zeigen nur bescheidene Erfolge. Daher verkürzen wir unseren ersten Aufenthalt und kehren am nächsten Tag noch einmal hierher zurück.

Im Hinterland Keralas wartet ein weiteres landschaftliches Highlight auf uns, die Western Ghats. Der Gebirgszug durchzieht auf einer Länge von 1600 Kilometern die Bundesstaaten Gujarat, Maharashtra, Goa, Karnataka, Tamil Nadu sowie Kerala und erreicht eine maximale Höhe von 2695 m.
Wir chartern ein Taxi, um für drei Tage die artenreiche Berglandschaft mit seinen zahlreichen Nationalparks und Schutzgebieten zu erkunden. Zunächst besuchen wir Munnar. Der vor allem bei den Einheimischen äußerst beliebte Ausflugs- und Urlaubsort liegt malerisch inmitten ausgedehnter Teeplantagen, die Höhenlage sorgt für angenehme Temperaturen und ein wohltuendes Klima.

Wir nutzen den Tag für einen Abstecher in den Eravikulam-Nationalpark. Hier findet man die mit ca. 1000 Tieren größte Population Nilgiri-Tahre, einer seltene Bergziegenart, die nur in den Western Ghats vorkommt. Die Besuchsordnung des Parks ist wieder typisch indisch: Lange Warteschlangen an den Kassen und Haltestellen, Massentransport mit Bussen und alle 10 Sekunden eine indische Großfamilie, die einem in die Kamera läuft. Die Bergziegen sind immerhin indisch genug, um dem ganzen Treiben mit Gelassenheit zu begegnen, denn sie zeigen sich wenig scheu, und so gelingen doch noch ein paar Fotos.

Ein ähnliches Gedränge herrscht am Mattpetty-Stausee, wo für Adrenalin-Junkies Speedboat-Touren angeboten werden. Die auch für einheimische Mittelständler moderaten Preise locken Heerscharen von Besuchern an - ein Boot für fünf Personen kostet etwa 5 Euro. Wir umgehen längere Wartezeiten, indem wir zum gleichen Preis ein Boote für zwei Passagiere wählen, die fast nie nachgefragt werden, da Inder für gewöhnlich nur in Gruppen ab zehn Personen reisen.

Halb 7 gibt unser Wecker Alarm. Im morgendlichen Sonnenlicht machen wir einen kurzen Spaziergang in die an unser Quartier angrenzende Teeplantage und schießen die ersten Fotos. Kurz danach brechen wir wieder auf. Die Fahrt geht vorbei an Teeplantagen und malerischen Bergkulissen in Richtung Periyar, wo wir mittags eintreffen. Nachdem wir unser Quartier bezogen haben, wollen versuchen die letzte Bootstour im Nationalpark um 15:30 zu erwischen. Der Kartenverkauf beginnt jedoch erst eine Stunde vor Abfahrt des Bootes und so bleibt noch etwas Zeit für andere Aktivitäten. Unser Fahrer bringt uns zu einem Tribal Village, das wir besichtigen können. Das Dorf gleicht eher einer Gartenkolonie aber auf dem Weg dorthin haben wir das große Glück Giant Squirrels beobachten zu können.

Es gibt 2 verschiedene Anbieter für Bootstouren im Periyar NP, wir entscheiden uns in erster Instanz für die Boote der Forstverwaltung. Auch hier gibt es wieder eine Schlange, doch Verkauf beginnt sinniger Weise erst 30 min vor Ablegen der Boote. Natürlich müssen auch wieder Formulare ausgefüllt werden aber auch diese gibt es noch nicht im Voraus. Heike hält die Stellung und ich begebe mich zum Schalter des zweiten Anbieters. Welch Wunder, hier läuft der Verkauf bereits. Ich reihe mich also in einen vergitterten Gang ein (wie beim Löwenkäfig im Zirkus) und fülle das "notwendige" Formular aus. Nach ca. 20 Minuten bin ich im Besitz zweier Tickets, an Heikes Schalter hat man gerade begonnen die Formulare zu verteilen.

Nächste Schlange am Eingang zum Bootsanleger. Wir warten bereits seit 10 Minuten am Tor doch Familie India kam, sah und siegte... Der Kartenkontrolleuer fragt nach der Fotoerlaubnis, die gab es nicht an der Eintrittskasse sondern wir müssen sie am Schalter der Forstverwaltung kaufen. Ich kämpfe mich an der Warteschlange vorbei und bekomme zu meiner Erleichterung sofort das gewünschte Zettelchen. Noch 200 Meter, dann sind wir endlich an Bord.

Der nächste Ärger lässt nicht lange auf sich warten. Man nötigt uns Schwimmwesten anzuziehen. In den Parkregeln gilt das zwar nur als Empfehlung aber der Kollege im Tarnanzug lässt nicht mit sich reden. Die Westen sind so monströs, dass es kaum möglich ist vernünftig die Kamera zu bedienen. Wie wir später feststellen, gelten die Regeln offensichtlich doch nicht für alle. Schlangenhalsvögel, Hirsche, Wildschweine, Wisents und Elefanten entschädigen uns für den vorangegangenen Ärger.

Am Abend gehen wir noch kurz auf Nahrungssuche. Nicht weit von unserem Guesthouse hat man gerade einen riesigen Baum gefällt, der mit Elefanten- und Menschenkraft verladen wird.

Da die Abendtour am ersten Tag recht erfolgreich war, kennen wir keinen Schmerz und entscheiden uns am nächsten Morgen für eine weitere Bootsfahrt. Der Andrang ist groß, am Parkeingang wartet bereits eine Autokarawane. Nachdem wir endlich unsere Eintrittstickets ergattert haben und auf dem Parkplatz angekommen sind, entscheide ich mich spontan für Frühsport und überhole im Laufschritt mehrere indische Großfamilien, die mich ob der für Indien ungewöhnlichen Bewegungsform völlig entgeistert anstarren. Mein selbstloser Einsatz wird mit 2 Tickets für das 7:30 Uhr Boot belohnt. Am Bord warten dann die nächsten Überraschungen auf uns, über Nacht haben sich die Verhaltensregeln geändert: Aufstehen und Fotografieren am Bug sind ab sofort nicht mehr erlaubt... Ein schwacher Trost - es gibt auch nicht viel zu fotografieren, im Gegensatz zur Abendtour ist die Fauna nur spärlich vertreten.
Mit unserem Taxi treten wir den mehrstündigen Rückweg nach Kochi an.
Am nächsten Morgen fahren wir nach Allepey, von wo aus wir mit einem Hausboot die Backwaters erkunden wollen, doch unser erstes Ziel des Tages ist das kleine Vogelschutzgebiet Kumakarom. Bereits am Eingang, in einem Baum direkt neben dem Eintrittscounter, brüten etliche Kormorane. Nach 20 Minuten Fußweg kommen wir an einem Beobachtungsturm an, den wir sogleich erklimmen. Der Anblick verschlägt uns den Atem. Wir befinden uns inmitten der größten Reiher- und Kormorankolonie im südlichsten indischen Bundesstaat. Im Bereich des nur gut fünf Hektar großen Areals halten sich zeitweilig bis zu 10.000 Tiere auf - eine atemberaubende Kulisse für jeden Naturliebhaber.

Gegen Mittag gehen wir an Bord unseres Hausbootes. Bei Vollpension können wir die Seele baumeln lassen und zahlreiche Wasservögel beobachten.

Übernachtet wird auf dem Boot, das jedoch bei Sonnenuntergang anlegt, denn die Abend- und Nachtausfahrten sind den einheimischen Fischern vorbehalten.
Nachdem wir noch einmal den Sonnenaufgang genießen konnten, legen wir wieder ab und treten durch das verwinkelte Kanalsystem der Backwaters die Rückreise an.

Kumarakom hat uns so gut gefallen, dass wir dem Schutzgebiet spontan noch einen weiteren, wenn auch nur kurzen Besuch abstatten. Zum Fotografieren bleiben uns nur anderthalb Stunden Zeit, denn es ist unser letzter Tag in Indien, und wir müssen bereits 9.00 Uhr durch den dichten Verkehr zurück nach Fort Kochi, um am Nachmittag unseren Air Asia-Flug nach Kuala Lumpur nicht zu verpassen.

Zweieinhalb Monate Indien liegen hinter uns - 75 beeindruckende, aber auch anstrengende Tage, die uns von Nord nach Süd durch den Subkontinent geführt haben. Für die nächsten zwei Monate wird Malaysia unsere Wahlheimat sein - die Metropole Kuala Lumpur, die Orang Utans im Dschungel von Borneo, die Meeresschildkröten in Sarawak warten schon auf uns!

© Dirk Vorwerk, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Der Wunsch etwas in dieser Art zu tun war schon lange da. Im letzten Jahr wurde aus diesem Wunsch dann ein Entschluss und nach langer Überlegung haben wir uns für eine Tour durch Asien entschieden. Seit dem 23. Februar sind wir nun auf unserer Reise die uns in 6 Monaten durch Indien, Malaysia und Indonesien führen soll.
Details:
Aufbruch: 23.02.2010
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 26.08.2010
Reiseziele: Indien
Malaysia
Australien
Singapur
Indonesien
Der Autor
 
Dirk Vorwerk berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.