Mali: Kameltrekking zu den Nomaden im Norden

Reisezeit: Januar / Februar 2005  |  von EvaLea Baby

Wiedersehen mit Timbuktu

Die Fähre nach Timbuktu

Die Fähre nach Timbuktu

2. Teil: Wiedersehen mit Timbuktu

Mittwoch, 2.2.05 Timbuktu
Ca. 17.15 oder etwas später Ankunft in Timbuktu mit der Fähre, wir sind total verdreckt. Durch die offenen Fenster flog der Sand zentimeterdick herein und auf mein Gesicht im hinteren Wagenteil. Auf der Fähre ging es einigermassen schnell, jedenfalls für Timbuktu! Wir fuhren zu Mohamed's Haus in Abaradjou - ein anderes als damals. Ich habe ein hübsches Zimmer mit dem alten Bettgestellt von damals! Was für ein Luxus! Das Zimmer kann man abschliessen, allerdings muss man mindestens 10x probieren, bis es schliesst.

Um 19 Uhr essen wir zu Abend, zuerst gibt es stark gewürztes Trockenfleisch als Vorspeise, weil wir nichts zu Mittag gegessen haben, dazu die drei Gläser grünen Tee. Etwas später gibt es Nudeln aus einem Topf - mit sehr interessanten Gewürzen! Boujouma kam vorbei, um uns zu begrüssen, als wir am Essen waren. Ebenfalls kamen diverse Hassanyia-Araber vorbei, um uns zu begrüssen. Ich ging schon um 21 Uhr zu Bett, da total erschöpft. Vorher sassen wir noch in der Rue de la Flamme de la Paix, wo Mohamed's Haus steht und dort an der Ecke seine "Boutique" ist. Wir schauten uns das Leben in der Strasse an und den Sternenhimmel - fantastische Eindrücke! Man findet keine Worte!
Sehr gut geschlafen und früh erwacht. Frühstück: Kaffee aus eigenem Vorrat und "Furfur" (eine Art kleine Ofenküchlein, fein aber ziemlich fettig). Und Fladenbrot mit Konfitüre. Die Schafe lärmten im Hof, darum bin ich so früh aufgewacht. Es gab viele Besucher. Spaziergang durch Timbuktu (Flamme de la Paix, Petit Marché, El Mar Bilibangu). Ein paar Fotos gemacht ,u.a. eines von Halima (Bouj's Ehefrau in gelbem Kleid), die uns anstrahlte. Dann Drink im Hotel Colombe (sehr kalt, sehr erfrischend und fein!). Wie herrlich in der Hitze! Auf dem Weg haben wir den Targi Salim ag Ahmed angetroffen, ein schöner Mann. Er wollte mir seine Adresse bringen, tat es aber nicht.. Ich machte von ihm diverse Fotos. Ich soll die Fotos an Mohamed schicken. Einige Männer hier wären sehr interessiert, mich zu heiraten. (oho! wie freut sich da das Herz, wenn auch total unrealistisch. ). Habe Halsweh, o je! Von Giya "Gris gris" erhalten (Amulette) aus Leder und Spiegelteilen gegen den bösen Blick, sie hat sie selbst gemacht. Sie sind an einem Lederband, das man um den Hals trägt.

Nomadenschmuck (obere Reihe "Gris-gris" aus Leder und Spiegelteilen, daneben ein Karneol Anhänger (Tanfouk der Tuareg), darunter eine Glasperlenkette aus Djenné

Nomadenschmuck (obere Reihe "Gris-gris" aus Leder und Spiegelteilen, daneben ein Karneol Anhänger (Tanfouk der Tuareg), darunter eine Glasperlenkette aus Djenné

Donnerstag, 3.2.05 Timbuktu
Frühstück: Nescafé mit Milchpulver, wenig Fladenbrot und eine Art Griessmehl-Getränk ("Lächdä"), nicht schlecht. Heute findet das Namensfest (Taufe) für ein Baby namens Sidi Mohamed statt, allerdings an einem anderen Ort. Trotzdem sind um 09 Uhr mindestens 12 schreiende Frauen da und viele Kinder. Eine Ziege wird gehäutet vorne beim WC und der Küche. Man kann nicht aufs Klo, alles ist voll mit Menschen und ein unglaublicher Lärm. Ich fühle mich krank.

Es gab ein Riesenfest mit einem Poeten (Griot) namens Samba, Trommeln, Yuyu-Rufen und Tanz!
Auch ich habe getanzt im Hof. Es war eine einzigartige Atmosphäre voller Fröhlichkeit, habe viele Fotos gemacht. Später zogen uns die Frauen Howlis an mit Indigo Schleier und wir machten wieder Fotos. Es war unglaublich, ich war total begeistert! Der Poet Samba sang improvisierte Verse, die Frauen schlugen auf umgedrehte Emailbecken und klatschten in die Hände, und wir tanzten dazu! Vom Indigoschleier bekam ich violette Hände! Ich habe keine Worte, um das alles gebührend zu beschreiben! Die Atmosphäre war unglaublich!

Mittagessen: Dourno (Getränk aus Baobabmehl, Gewürzen, rel. scharf und Wasser). Kira meinte, sie habe noch nie so ein Fest erlebt, es war eine Höllenatmosphäre, einfach einmalig! Das Baby, zu dessen Taufe das Fest gegeben wurde, war nicht zu sehen. Es war relativ kühl an diesem Tag, was aber super war, weil man sich nicht so schlapp fühlte! Ana erklärte mir, die schwarzen Howlis würden vor allem von den Frauen "en brousse" (in der Wüste) getragen, während die Stadtfrauen eher farbige Kleider bevorzugen. Persönlich gefallen mir die farbigen Howlis besser, sie wirken weicher und fraulicher.

Um 15 Uhr fuhren wir hinaus aufs Land und assen dort ein Couscous, mit einer Sauce, die nach Pilzen schmeckte und Ziegenfleisch. Sehr fein, ein wenig scharf und "pilzig" (super)! Wir haben dort auch alte Tonscherben gefunden mit rotbraunen und sandfarbenen Mustern, nur ein paar Meter ausserhalb von Timbuktu.

Kinder in Timbuktu

Kinder in Timbuktu

Am Namensgebungsfest (rechts der Griot -eine Art Barde, Sänger von Balladen, die Frauen am Boden klatschen oder trommeln auf Emailbecken, dazu eine Tänzerin mit Hüfttuch.

Am Namensgebungsfest (rechts der Griot -eine Art Barde, Sänger von Balladen, die Frauen am Boden klatschen oder trommeln auf Emailbecken, dazu eine Tänzerin mit Hüfttuch.

Am Namensgebungsfest in Timbuktu
(Ich bin die 3. von links mit schwarzblauem "Howli")

Am Namensgebungsfest in Timbuktu
(Ich bin die 3. von links mit schwarzblauem "Howli")

Alte Tonscherben bei Timbuktu

Alte Tonscherben bei Timbuktu

Strassenszene in Timbuktu

Strassenszene in Timbuktu

© EvaLea Baby, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Auf dieser Reise, meiner 4. und neusten nach Mali, war vor allem ein ausgedehntes Kameltrekking in die Wüste von Bedeutung. Zwischen meiner ersten Reise (Bericht "Email aus Timbuktu") und dieser liegen noch zwei weitere Malireisen.
Details:
Aufbruch: 29.01.2005
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 20.02.2005
Reiseziele: Mali
Der Autor
 
EvaLea Baby berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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