Mali: Kameltrekking zu den Nomaden im Norden

Reisezeit: Januar / Februar 2005  |  von EvaLea Baby

Bei den Nomaden

Mohamed in einem unserer Nachtlager unterwegs, irgendwo, in der Sahara, nördlich von Timbuktu

Mohamed in einem unserer Nachtlager unterwegs, irgendwo, in der Sahara, nördlich von Timbuktu

unsere Freundin Raquia mit ihren Nichten

unsere Freundin Raquia mit ihren Nichten

4. Teil : Bei den Nomaden

Danach Ritt zu Mohamed's Familie in der Wüste. Ankunft ca. 13 Uhr mittags. Tee und Dourno getrunken. Zwei Frauen stellten ein weisses Nomadenzelt auf für uns (grosses Zelt). Danach legten sie zwei wunderschöne Teppiche auf den Sand unter dem Zelt. Auf der einen Seite hängt ein Windschutz herunter, die Farbe ist eigentlich nicht weiss, sondern eierschalen. Das Zelt ist aus vielen Stoffbahnen zusammengenäht. Wir erhielten Kamelmilch mit Schafsmilch versetzt als Willkommensgetränk. Ich trank davon, fand es sehr aromatisch und gut! Wir sitzen unter dem Zeltdach, es regnet ganz wenig, unter dem Zelt ist es schön. Die Frauen und Kinder sind da, ein Feuer brennt und man hört die Tropfen aufs Dach klopfen. Ein Teil der Geschenke haben wir verteilt, ein paar hab ich zur Seite gelegt für besondere Personen.

Dienstag, 8.2.05

Habe mir beim Aufsteigen aufs Kamel die Hand verstaucht, links! Es tut höllisch weh, und ich habe keine Verstauchsalbe mehr, da ich sie Hendarshaq gegeben habe! Es schmerzte so sehr, dass mir die Tränen runterliefen, Mohamed war geschockt. Zum Glück hatte Andrea ein Salbenmuster für Verstauchungen und einen Verband, damit war mir bald geholfen!

Nomadenmädchen im Norden von Timbuktu

Nomadenmädchen im Norden von Timbuktu

Unsere Erlebnisse sind so vielfältig und unglaublich. Andererseits freue ich mich auch ein wenig, wieder nach Timbuktu zurückzukehren, wo ich mein Haar waschen kann, mich selber waschen kann und saubere Kleider anziehen kann! Ich frage mich, wie die Nomadenfrauen das schaffen - so hübsch auszusehen, wo sie so wenig Mittel haben! Sie können sich ja kaum waschen, da das Wasser so rar ist! Die Begegnungen und Reise ist wundervoll, aber es ist sehr hart für uns. Zudem hat mich der Kamelritt von mehreren Tagen ziemlich erschöpft. Die kleinen Kinder hier laufen trotz der grossen Kälte (ja, es ist kalt, manchmal auch tagsüber!) halbnackt herum, und ich wundere mich, dass sie nicht frieren! Man erklärt mir, dass sie dadurch abgehärtet würden. Ja, das mag wohl stimmen, aber wie sieht es mit der Kindersterblichkeit aus? Die ist sicher relativ hoch! Eines der Kinder von Didé hat einen ziemlichen Blähbauch, es sieht überhaupt nicht gesund aus! Dazu strähnige, fast blonde Haare, und es weint fast immer! Die grösseren Kinder haben das Kopfhaar abgeschoren ausser einem Streifen langer Haare (eine Art Zopf). Daran könne sie Allah im Falle eines Unglücks beim Tod in den Himmel ziehen. Die Frauen haben wunderschöne, geflochtene Frisuren, in Form von dicken Zöpfen, die von hinten nach vorne geflochten sind. Sie tragen dunkelblaue Howlis aus echtem Indigo und ihre Haut war davon dunkelblau an Armen, Händen und Gesicht. Der Howli ist wahnsinnig hübsch, aber ein unpraktisches Kleidungsstück für mein Empfinden für diese harte Arbeit, welche die Nomadenfrau verrichten muss und das Leben in der Wüste. Aber vermutlich ist alles eine Sache der Gewohnheit und die Frauen würden unsere engen kurzen Jupes oder Hosen in den Städten unpraktisch finden!

Der Schleiertanz mit den Nomaden

Der Schleiertanz mit den Nomaden

Gestern abend gab es wieder Couscous mit wenig Fleisch sowie Dourno zum Trinken. Man isst gemeinsam aus einer Schüssel mit der rechten Hand. Da wir uns mit dem Essen von Hand etwas schwer taten, gab es manchmal Löffel. Das Essen ist sehr einfach, wahlweise gab es immer entweder Couscous, Reis oder Nudeln mit Fleisch und alles ohne jede Sauce. Es ist ein feines Essen, aber sehr eintönig und ich freue mich auf eine Abwechslung in Form von Fisch oder Rindfleisch und Salat wenn wir wieder in Timbuktu zurück sind. Ebenfalls freu ich mich sehr auf andere Getränke als Brunnenwasser, das nicht besonders gut schmeckt. Während der Kamelreise hatten wir Brunnenwasser aus den Girbas, dh. den Ziegenhäuten, und das Wasser nahm deren Geschmack an. Es blieb darin zwar relativ frisch, aber Brunnenwasser mit Ziegengeschmack ist für uns Europäer schon etwas gewöhnungsbedüftig!

Im Zelt beim Verlesen der Hirse

Im Zelt beim Verlesen der Hirse

Mein Fotoapparat hat gelitten - die Linsenautomatik schliesst nicht mehr richtig. Kein Wunder bei dem Sandsturm! Es hat nochmals geregnet - nur tropfenweise - aber immerhin! Ich staune! Heute bleiben wir hier bei Mohamed's Familie und ruhen uns aus. Eventuell reiten wir morgen zurück. Gemäss Kira sollten wir schneller zurück sein, da wir beim Hinreiten einen grossen Bogen gemacht hatten. Haben das Zelt von Quja und Fatma besucht, Fotos gemacht. Sie stampfte Hennablätter und will uns damit die Hände bemalen! Auch von den Frisuren haben wir Fotos gemacht, eine der Frauen heisst Halima, eine Quja und eine andere Fatouma und dann gibt es noch Rabbia. Habe sie fotografiert, wie sie Kira die Hände mit Hennamuster bemalten. Danach hat mir Rabbia (voller Name Arabbia) meine linke Hand bemalt. Auch meine Hand hab ich fotografiert, da das Muster ja wieder weggeht. Am Schluss bekamen wir von den Frauen "Cris-Cris" an Woll- oder Lederfäden, sodass jede von uns 4 Stück hat (Lederamulette mit Spiegelteilen gegen den bösen Blick). Somit hat jede von uns je ein Amulett von Quka, Didé, Fatouma und Rabbia. Habe nochmals einen Schluck frische Kamelmilch getrunken, war sehr gut, und Dourno (es hat KEINE Maden drin!). Wir bleiben noch 2 Nächte hier, dann reiten wir zurück nach Timbuktu. Dort bleiben wir noch 2 Tage, dann reisen wir nach Bamako zurück. Habe nochmals Kamelmilch getrunken und zum Abendessen Makkaroni mit "Gädder"! Was ich alles esse - ich staune über mich selber.

Vorbereiten von Hennapulver: muss mit Oel vermischt und verstampft werden. Die Paste wird dann auf die Hände gemäss dem gewünschten Muster aufgetragen und einwirken gelassen. Darauf färbt sich die Haut darunter rot. In der "städtischen" Form wird danach noch ein Fermentationspulver aufgetragen, damit das Rot zu Schwarz umgewandelt wird. Mir persönlich gefiel die rote Version an mir besser. Das mag an meiner sehr hellen Hautfarbe liegen..

Hennageschichten - Rabbia malt mir Hennapaste auf die Hände

Hennageschichten - Rabbia malt mir Hennapaste auf die Hände

Meine rotbemalte Hand

Meine rotbemalte Hand

Mittwoch, 9.2.2005 - 03.00 Uhr morgens
Ein Hustenanfall hat mich wach gerissen. Ich sitze in dem kleinen separaten Zelt von Kira und schreibe mit Hilfe der Taschenlampe. Es ist bitterkalt und der Wind rüttelt wieder an den Zeltwänden. Ich geniesse das Leben hier in der Wüste sehr, aber andererseits freue ich mich auf die Rückkehr nach Timbuktu, weil ich mich waschen möchte, mein Haar, meine Kleider, meinen Körper und mich wieder als Mensch fühlen möchte. Die Kälte ist sehr gross am Morgen und nachts, und ich frage mich, wie die kleinen Kinder das überstehen in ihren dünnen Kleidchen.

09.45: Besuch bei den Frauen in ihrem Zelt, viele schöne Fotos gemacht von Raquia, Halima, Fatouma und den Kindern (MBarka = kleines Mädchen, und Fatma, ein grösseres Mädchen). Sie benetzten ein Schafsleder, um es geschmeidig zu machen und spannten es über den Holzmörser, den sie sonst fürs Stampfen von Hirse, Salz oder Gewürzen benützten. Das Leder wurde mehrmals wieder nachgespannt und mit einer Schnur rund straff um den Mörser gebunden. Eigentlich ist es eine "Tindé" wie bei den Tuareg, das sie aber "Tamtam" nennen. Die Haut wird immer wieder neu benetzt und wieder straffer angezogen, bis sie ganz straff über dem Mörser sitzt. Der Ton ist unglaublich gut!

Gestern abend gab es Reis, mit einem sehr interessanten Gewürz, das ich noch nie gekostet habe. Es heisst "Mangora", sieht in rohem Zustand aus wie eine Haselnuss in schlankerer Form, enhält Körnchen. Schmeckt himmlisch! Wir reisen morgen mit den Kamelen ab, höre ich von den Männern. Der alte, ernste Mann kam vorbei und brachte mir 2 Steine, einen gefleckten Schabstein und eine Art Steinklinge, beides sehr alt. Ich gab ihm ein Pack Zündhölzer, da ich fast nichts mehr hatte, das sich als Geschenk eignet. Dann kam noch ein alter Nomade vorbei, legte sich auf den Teppich und ich fotografierte ganz unauffällig seine zerfurchten Fusssohlen!

Trommelgesang auf der Tindé (oder Tamtam) der Nomadenfrauen

Trommelgesang auf der Tindé (oder Tamtam) der Nomadenfrauen

Donnerstag, 10.2.05
Gestern haben wir mit den Nomadenfrauen ein herrliches Fest gefeiert! Wir haben mit dem Tamtam Musik gemacht (dh. nicht wir, sondern sie!) und dazu getanzt, auch wir! Es war herrlich und sie freuten sich sehr, dass wir mitgemacht haben! Sobald einer der älteren Männer auftauchte, haben sie das Tamtam versteckt und getan, als würden wir ganz ernsthaft miteinander reden. Waren die alten Männer wieder weg, wurde wieder getrommelt und getanzt! Und gelacht! Es war richtig herrlich! Der Klang der Trommel war wunderbar, und sie konnten sehr gut trommeln! Hab auch weitere Geschenke verteilt: Die Topaskette, Plastiktierchen für die Kinder, Feuerzeuge, Zündhölzer, alles hab ich weggegeben und den Frauen die Fotos gezeigt auf dem Display der Kamera. Die Batterien halten lange, obwohl ich hier die Fotos so vielen Leuten zeigen musste! Bin heute um 6 Uhr aufgestanden und zur "Toilette", habe aber besser geschlafen. Andrea hat Durchfall und musste nachts zweimal aufstehen und in die Büsche gehen. Es wird Zeit, dass wir wieder in die Zivilisation zurückkehren! Die Tanzerei gestern war genial! Viel dazu erzählen, gibt es nicht, das muss man erlebt haben..

08.30 Zelt und Sachen zusammengepackt mit Hilfe von Hendershaq und Ali (dem Bruder von Mohamed), der gestern abend noch auftauchte (er war Kamele suchen gegangen, als wir hier ankamen und vorher aus diesem Grund tagelang weg). Während ich zusammenräumte, wurde vor meinen Augen eine Ziege ausgenommen, die sie in der Nähe geschlachtet hatten Der Kopf lag daneben, ich versuchte nicht hinzusehen. Inzwischen sind viele Männer gekommen (mind. 7), die alle ähnlich aussehen, herumsitzen und schwatzen. Wir verabschieden uns ziemlich schnell und reiten los. Mittagsstop um ca. 13.20 Uhr unter einem Baum, leider hat es viele Cram Crams am Boden (Samenkapsel der sog. Sudanklette, die sich unangenehm in die Haut bohrt). Die Kamele sind abgeladen und fressen sich an einem grünen ginsterähnlichen Busch satt. Wir essen ein Couscous und Schaffleisch.

Es dampft.... es wird gekocht.... und Kaffee gibt es auch noch!

Es dampft.... es wird gekocht.... und Kaffee gibt es auch noch!

Um 19 Uhr machen wir ein Bivouac auf einer Düne. Es gab ein paar Regentropfen, sowie Donner und Blitz. Und plötzlich erschien ein zauberhafter Regenbogen über der Ebene, dh. natürlich am Himmel, aber ziemlich weit hinunter bis zur Erde, in wunderschönen Farben. Ich habe dem Regenbogen einen Wunsch anvertraut. Wir sind heute den ganzen Tag weit geritten und ziemlich erschöpft abends, aber alles ist gut gegangen. Abendessen an diesem Tag: Spaghetti und 3 kleine Stückli Mouton mit "Gädder" und Wasser, das nach Ziegenleder riecht. Es war aber fein! Um 21 Uhr fall ich todmüde ins Bett, resp. auf meine dünne Isomatte und schlafe schnell ein, trotz Donner und Blitz.

Freitag, 11.2.05
Wir haben auf der Düne geschlafen - Frühstück wie üblich: Kaffee mit Nido-Trockenmilch und ein paar Datteln oder Biskuits. Gestern nacht fielen tatsächlich wieder ein paar Tropfen Regen! Ich kann es nicht fassen! Hendershaq ist die Kamele suchen gegangen, wobei er auf seinem Hengst ohne Sattel ritt. Ich habe ihn fotografiert. Die Kamele sind nun in einer Reihe am Baum angebunden, während Peter, Kira, Andrea und Hendershaq mit den Wasserbehältern und einem Kamel zum nächsten Brunnen gelaufen sind, um unseren Wasservorrat aufzufüllen. Nach ihrer Rückkehr beladen wir die die Kamele und reiten weiter. Noch eine Nacht werden wir im Brousse zubringen müssen, dann sollten wir TImbuktu erreichen. Wir freuen uns alle auf die "Zivilisation" (sprich Wasser zum Waschen). Mein Husten hat sich gebessert, ebenso läuft meine Nase nicht mehr stark und ich fühle mich endlich gesundheitlich wieder normal!

Besuch aus der Wüste - die Männer kochen

Besuch aus der Wüste - die Männer kochen

13 Uhr: Mittagspause: zuerst einen Becher Dourno, war herrlich erfrischend. Fotos von den Kamelen gemacht, sowie von der Struktur eines ganz knorrigen Baumes. Essen bestand aus Couscous und Mouton (Schaffleisch). Hendershaq hat uns von einem bestimmten Baum Zweige abgebrochen und zugeschnitten, die man als Zahnbürste benützen kann. Wir lachen und nennen das Ding "Brousse Brosse", was ein lustiges Wortspiel ergibt (sinngemäss übersetzt: "Buschbürste").

Samstag, 12.2.2005

Wir haben uns wieder eine traumhafte Düne zum Uebernachten ausgesucht und es war nicht kalt. Beim Morgenspaziergang in die Büsche habe ich alte, rote Tonscherben gefunden und eingesammelt, davon ein schönes Randstück eines Topfes. Nun sitzen wir auf der Matte und bereiten das Frühstück vor.

Danach langer Ritt, sehr anstrengend bis ca. 13.00 Uhr. Mittagspause nur Dourno (dieses stark verdünnt, da ich solchen Durst hatte) und nur Suppe anstatt einer gekochten Mahlzeit, da der Wind zu stark wehte, um lange ein Feuer machen zu können. Es entwickelte sich sogar ein Sandsturm, meine Zähne knirschten. Wir stiessen auf ein totes Kamelgerippe, das im Sand lag. Unsere Karawaniers meinten, es sei vermutlich an einer Krankheit gestorben. Der Wind ist grauenhaft, alles ist voller Sand, es rauscht laut. Mein Display an der Digitalkamera funktioniert nicht mehr!
Um 15.30 Uhr windet es immer noch stark! Wir machen eine Pause. Eine Million Fliegen tummelt sich um mein Gesicht. Der Sand ist überall. Ich versuchte zu schlafen während unseres Halts, aber Ich versuche zu schlafen, aber ohne Erfolg.

21.00 Uhr: Wir sind zurück, juheeee ! Habe geduscht und mein Haar mit Glyzerinseife gewaschen, da ich kein Shampoo mehr hatte. Habe einen halben Ozean an Wasser getrunken. Abendessen: Feine Nudeln mit wenig Fleisch. Ich wollte Seydou gerade anrufen, als das Telefon läutete. Mohamed nahm ab, es war Seydou. Ich habe mich sehr gefreut. Nun geh ich schlafen, bin total k.o. Herrlich, wieder in einem Bett zu schlafen. Wir waren 11 ½ Tage in der Wüste unterwegs!

Lebensfreude pur

Lebensfreude pur

Hendarshaq am Lagerfeuer ... sieht gefährlicher aus, als es war!

Hendarshaq am Lagerfeuer ... sieht gefährlicher aus, als es war!

© EvaLea Baby, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Auf dieser Reise, meiner 4. und neusten nach Mali, war vor allem ein ausgedehntes Kameltrekking in die Wüste von Bedeutung. Zwischen meiner ersten Reise (Bericht "Email aus Timbuktu") und dieser liegen noch zwei weitere Malireisen.
Details:
Aufbruch: 29.01.2005
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 20.02.2005
Reiseziele: Mali
Der Autor
 
EvaLea Baby berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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