Mali: Kameltrekking zu den Nomaden im Norden

Reisezeit: Januar / Februar 2005  |  von EvaLea Baby

In der Wüste

Unsere Karawane

Unsere Karawane

Freitag, 4.2.05 en brousse

Erste Nacht in der Wüste überlebt, schlief unter dem Sternenhimmel, versenkt im Schlafsack. Es war SEHR kalt. Ich konnte lange nicht einschlafen, die Beine taten mir weh Bin früh erwacht beim Taggrauen. Frühstück: Kaffee, 1 Dattel, wenig Fladenbrot. Habe Fotos von den Dünen gemacht, sowie der Sandstrukturen und einem schwarzen Skarabäus. Bin über die Dünen spaziert und habe noch mehr Tonscherben gefunden. Sie liegen immer mit der Wölbung nach unten im Sand. Hendarshaq hat einen Ziegenbock gebracht, den sie hier auf der Düne geschlachtet und aus-genommen haben. Ich bin weggelaufen, habe die Ohren zugehalten, aber es ging schnell. Das Tier habe nur kurz geschrieen. Als er tot war, kam ich zurück, es ging sehr gut im Gegensatz zum letzten Mal vor 3 Jahren, als die Ziege so lange geschriien hatte bei den Arabern aus Mauretanien. Es windet wieder sehr stark, wir sitzen auf Decken während die Sonne langsam die kalte Luft erwärmt. Der Wind singt in den Dünen. Ich trage Schnürschuhe, Socken, lange Hosen, T-Shirt, darüber Faserpelzjacke, darüber Windjacke und den Schesch (selber gewickelt, jetzt kann ich es gut!) und die Sonnenbrille! In der Ferne sind 2 Raben aufgetaucht, die vom Schlachten angezogen wurden. Sie krächzen und ziehen immer nähere Kreise.

12 Uhr: Dourno getrunken, die anderen haben Innereien des Ziegenbocks gegessen (ich mag keine Innereien). Das Dourno ist anders als letztes Mal vor 3 Jahren, dünnflüssiger, so mag ich es sehr und ohne den Ziegenkäse. Es besteht aus Baobab- und Hirsemehl, mit Pfeffer und Salz und Wasser verdünnt.

unterwegs

unterwegs

Hier haben wir übernachtet. 
Verrückte Farben.

Hier haben wir übernachtet.
Verrückte Farben.

5.2.05 Samstag in der Wüste
Wir sind gestern abend sehr lange auf den Kamelen geritten und haben unterwegs ein neugeborenes Lamm gefunden, das mutterseelenallein in der Wüste lag und jämmerlich blökte. Aber wir durften es nicht mitnehmen, da es nicht uns gehört, wir durften es nicht anfassen, so sind hier die Gesetze. Mohamed hat lediglich eine Kennzeichnung mit Grasbüscheln angebracht neben dem Lamm. Vermutlich zog eine Schafherde vorbei und das Lamm kam unerwartet zur Welt und die Mutter ist mit der Herde weitergezogen. Ich bin sehr traurig, es wird vermutlich sterben.

6.2.05 Sonntag in der Wüste
Habe sehr gut geschlafen, meine zweite Nacht in der Wüste. Ich huste aber viel, und es ist sehr windig. Herrliches Frühstück auf einer Düne: Kaffee, Datteln, Biskuits, getrocknete Früchte, während die Sonne langsam aufsteigt und die Kälte vertreibt. Der Wind pfeift über die Düne und spielt mit den Grasbüscheln. Das Feuer lodert, rings um uns herum liegt eine weite Ebene, topfeben mit vielen halbverdorrten Grasbüscheln. Der Kaffee ist mit Nido-Milchpulver angemacht und schmeckt sehr gut (ist mir lieber als die dickflüssige gezuckerte Kondensmilch, die wir in früheren Jahren hatten). Heute reiten wir zu einem Brunnen, um die Kamele zu tränken, morgen sollten wir die Familie von Mohamed in den Zelten finden, inch'Allah!

Hendarshaq kocht für uns

Hendarshaq kocht für uns

09.30: Mohamed, Hendarshaq, Peter, Andrea und Kira sind mit den Kamelen zum Brunnen gelaufen, es sei ca. 2 km weit. Ich bleibe beim Lager, da ich sonst für den bevorstehenden Kamelritt zu erschöpft bin, da ich durch meine Erkältung nicht fit bin. Ich sitze auf einer Wolldecke neben der Feuerstelle, mutterseelenallein und höre wie der Wind durch die Gräser pfeift. Das Gepäck liegt in einem Umkreis von 10 m um mich herum verstreut. Hinter der Düne, welche aus rötlichem Sand besteht, breitet sich eine schier endlose Ebene aus in allen Richtungen, so weit das Auge reicht. Diese rötliche Sandebene ist übersät mit unzähligen, halb verdorrten Grasbüscheln und ein paar wenigen grösseren Gebüschen, wovon man vielleicht ein paar einzelne als kleine Bäumchen bezeichnen könnte. Hab ein paar Fotos von Chamfussen gemacht (Skarabäen, schwarze Pillendreher), Gräsern, von Mohamed an der Feuerstelle und der endlosen Weite. Und von den Kamelen, bevor sie zum Brunnen aufgebrochen sind. Die Sonne wärmt meine steifen kalten Glieder. Ich sitze allein auf der Düne und schreibe ein Gedicht:

Der Wind singt mir ein Lied.
Er streicht durch die Gräser und wiegt
Sie hin und zurück.
Sand knirscht in den Zähnen,
Fliege summt um mein Aug.
Sonst hört man nichts.
Es ist der Harmattan, der weht.

Auf einer Düne sitz ich hoch oben,
rings herum weite Ebene -
mit Halmagrasbüscheln dekoriert.
Ich spüre meine Seele flattern - einsam,
doch gemeinsam mit den Kräften der Natur.

Ewige Sahara, unwirtlich und krass.
Du schenkst mir Faszination pur,
heilst meine Zivilisationsschäden,
gibst meinen Nerven verlorene Stärke zur Kur.
Gräser biegen sich im ewigen Sand hin und zurück -
der Wind singt mir ein Lied.

Kamele satteln ist angesagt

Kamele satteln ist angesagt

Es kam ein unbekannter Mann in grünem Boubou, ich dachte zuerst, es sei Hendarshaq, er wollte offenbar Geld von mir (rieb mit den Fingern aneinander), oder Essen. Ich redete ihn französisch an, er verstand nichts. Ich hatte angst. Ich war ja mutterseelenallein, und plötzlich stand er neben mir auf der Düne! Er ging dann wieder weg, aber lustig fand ich diese Begegnung nicht. Danach sass ich wieder allein mit den Gepäckstücken da und hoffte, die anderen würden bald zurückkommen und mich aus dieser unangenehmen Situation erlösen. Es dauerte leider ziemlich lange. Aber der Fremde kam zum Glück nicht wieder. Danach sind wir weitergeritten, mein Kamel heisst "L'Andarc", Kira's heisst "L'Ahmar" (der Rote) und das von Peter heisst ebenfalls "L'Ahmar" (L'Ahmar II). Wir sind wieder auf einer riesigen Sanddüne, die Weite rund herum ist unendlich, topfeben, mit vielen Grasbüscheln. Die Kamele wurden abgeladen und dürfen mit gefesselten Beinen frei herumlaufen (gefesselt, damit sie nicht zu weit gehen können und wir sie am anderen Tag leicht wieder finden). Wir machen Mittagsrast, Kira hat eine Eidechse gesehen. Wieder haben wir Dourno getrunken, ich mag dieses Getränk sehr, seit sie es ohne den Ziegenkäse machen. Andrea behauptet, in ihrem Glas seien oben Maden geschwommen. Ich bin etwas geschockt, da ich es mit grossem Appetit getrunken habe! Na ja, hoffen wir, dass es bei mir keine drin hatte - es wäre sowieso schon zu spät, da alles in meinem Magen ist!

Guten Morgen!

Guten Morgen!

Luxuriöses Wüstenmenu

Luxuriöses Wüstenmenu

17.00 Uhr: Wir bleiben auf dieser Düne, Mittagessen ca. 15 Uhr (Nudeln mit viel Fett). Wenn alles klappt, sollten wir morgen schon die Zelte von Mohamed's Nomadenfamilie erreicht haben. Andrea und Kira haben Durchfall. Die Kamele sind auf der Ebene und bewegen sich frei. Es lohnt sich nicht, sie einzufangen und neu zu beladen, da es bereits in 2 Stunden dunkel wird, also reiten wir erst morgen weiter. Ein mystisches Licht taucht die Umgebung in ein Traumland. Der Himmel ist dunkel mit hellen Streifen und plötzlich - da fällt ein Regentropfen in den Sand! Träum ich? Ein zweiter, ein dritter. Die Tropfen versinken und hinterlassen Spuren wie in einem groben Sieb. Tupfenmuster! Das war der Regen in der Wüste nördlich von Timbuktu am Sonntag, 6.2.05. Ich staune mit Mohamed und Hendarshaq. Ein kleines Wunder ist passiert! Sie singen uns ein Lied in ihrer Sprache, dem Hassanyia,. Vermutlich über den Regen in der Wüste. Das kleine Zelt steht. Hab ein Foto gemacht vom Sand mit den Regentropfen. Die Landschaft ist in ein unwirkliches Licht getaucht, unglaublich, die Düne erscheint orange. Die Männer (Mohamed und Hendarshaq) singen weitere Lieder, die melancholisch klingen. Sie trommeln dazu auf ein ungestülptes Plastikbecken. Es tönt unglaublich schön und fremdartig!

Regen in der Wüste Nordmalis

Regen in der Wüste Nordmalis

Alte Kamelsättel im Sand - noch in Gebrauch - von uns. Daneben ein "Tripod", den man in den Sand steckt, Topf daran und ein Feuer - zum Kochen

Alte Kamelsättel im Sand - noch in Gebrauch - von uns. Daneben ein "Tripod", den man in den Sand steckt, Topf daran und ein Feuer - zum Kochen

Unterwegs

Unterwegs

Eines unserer Kamele

Eines unserer Kamele

Auf einer Düne...

Auf einer Düne...

© EvaLea Baby, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Auf dieser Reise, meiner 4. und neusten nach Mali, war vor allem ein ausgedehntes Kameltrekking in die Wüste von Bedeutung. Zwischen meiner ersten Reise (Bericht "Email aus Timbuktu") und dieser liegen noch zwei weitere Malireisen.
Details:
Aufbruch: 29.01.2005
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 20.02.2005
Reiseziele: Mali
Der Autor
 
EvaLea Baby berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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